PI - Die richtige Farbe der Kometen

Dane Vetter

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

vergangenen Freitag durfte ich das erste Mal für 20 Minuten auf C/2023 A3 halten, und habe die Gelegenheit gleich mal genutzt, die Bearbeitung des Kometen in PI zu machen. Zuvor habe ich das immer mit APP gemacht, was nun ein komplett anderer Ablauf ist. Womit ich mich hier aber gerade schwierig anstelle, ist die korrekte Farbe des Kometen zu finden. Ich nutze hierzu den Arbeitsablauf, den Kometen über registrierte Lights zu staken, welche entsternt wurden. Das Ergebnis ist ein weißer Komet, ohne einen Hauch von Grün.

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Ich gehe dann zum Glätten mit Gaxpert darüber, und damit kommt auch Farbe ins Spiel. Nur sieht das für mich nach dem allgemeinen Grünstich, den man bei OSC eben mitbekommt.

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Wenn ich mit SCNR darüber gehe, ist das Grün weg, aber wohl auch das Grün, welches vom Kometen kommen sollte.

Wenn ich mich durch die Galerie oder die Threads mit den aktuellen Kometenaufnahmen klicke, schaut das bei jedem anders aus.

Ich habe mal daraufhin einfach mal die Aufnahme genommen, bei der auf die Sterne gestackt wurde, und habe dort nach dem Glätten die SPCC ausgeführt. Einfach mal, um zu sehen, welche Farbe dann der Komet nach der Farbkalibrierung hat. Da kommt dieses Ergebnis heraus:

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Da weiß ich jetzt leider auch nicht so recht, wie ich das deuten soll.

Wie macht ihr das mit den Farben der Kometen in PI? Wie sind da so eure Erfahrungen?

So kommt das bei mir raus, wenn ich das so lasse, wie der Komet oben nach dem Glätten aussieht. Aber das erscheint mit total falsch.

integration1_clone_ADBE_20min_Crop_Kern.jpg
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Hallo Dane,

leider ohne eigenes Kometenmaterial, denke ich ist es eine gute Rangehensweise SPCC anzuwenden. Ich würde dafür aber einen schweiffreien Preview definieren ( rechte obere Ecken, mit genügend Sternen) zur Anwendung der Kalibrierung verwenden

Der Schweif ist sehr groß und verfälscht die Farben der dahinter liegenden Sterne, weswegen diese aus der Farbkalibrierung ausgeschlossen werden sollten.

Grüße,
Alex
 
Hallo Dane, aus meinen Unterlagen geht hervor, dass man bei SPCC bei Kometen nicht Average Spriral Galaxy, sondern G2V, also unsere Sonne, als Refernenz nehmen soll. Gruß Gerhard
 
Die Methode mit der photometrischen Farbkalibrierung über Sternspektren aus den Sterndatenbanken klingt für mich physikalisch gesehen ebenfalls korrekt. In der praktischen Anwendung habe ich jedoch festgestellt, dass sie für Galaxienkerne, Gasnebel, Kometen usw. oft versagt und fasche Farben liefert, so zumindest bei Farb- Alltagskameras (DSLM, DSLR) oder Astro- OSC Kameras. Warum das so ist, habe ich noch nicht verstanden, ich weiß nur dass es so ist. Vielleicht liegt es daran, dass Sterne eher hell sind und einen sehr starken Helligkeitsverlauf über wenige Pixel haben und das Modell die mehr flächigen lichtschwächeren Strukturen nicht genau genug wiedergibt?

Daher wende ich die photometrischen Farbkalibrierung nur auf die Sterne, oder von Sternen dominieren Bildern an. Ich mache das mit Siril PCC. Für flächige Objekte, lasse ich mich von meinem Verständnis über die Natur der Objekte leiten, zum Beispiel:
- Galaxienkerne: Warmgelb bis leicht rötlich --> Es überwiegen dort weit entwickelte Sterne mit Spektralfarben K+M
- Galaxien Spiralarme: Mit blauen Knoten der heißen jungen blauen Überriesen, aber nicht übertrieben komplett knallblaue Galaxienscheiben, wie ich es immer wieder sehe.
- OIII in SNRs, Wolf-Rayet Nebel oder Planetaries: OIII hat eine Wellenlänge von 496 und 501 nm, was vom menschlichen Auge als brau-grün wahrgenommen wird, da recht genau zwischen blau und grün. Knallblaue Cirrusnebel, Crescentnebel oder Planetaries empfinde ich als falsch.
- Staubschweife von Kometen: Diese leuchten durch Streuung des Sonnenlichts, sollten somit eine ähnliche Farbe wie die Sonne haben, also etwas Richtung gelb.
- Koma von Kometen: Ist oft intensiv grün durch das Cyan und den zweiatomigen Kohlenstoff, ist jedoch nicht bei jedem Kometen gleich ausgeprägt.

Dane, ich habe mir die Histogrammwerte in deinem Bild angeschaut und finde deinen Schweif zu grün, es fehlt blau und etwas rot. C/2023 A3 hat nun mal sehr wenig grüne Koma, eine Andeutung davon sieht man in deinem SPCC Sterne Stack links unten. Um die Farbe stärker hervorzuheben, habe ich in meinen Bildern von C/2023 A3 die Farbsättigung angehoben, ansonsten jedoch nur Siril Hintergrundabzug angewandt und keine weiteren Farbabpassungen. Siehe Bild vom 21.10. und Bilder vom 28.10. Im Bild vom 01.11. wird der Komet kleiner und das grün schon deutlich schwächer. Vergleichsweise extrem grüne Koma hatte z.B. der Komet C/2022 E3 (ZTF) vom 2.02.2022, auch C/2020 F3 (NEOWISE) vom 20.07.2020 hatte mehr grün in der Koma, wenn auch nicht ganz so extrem.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo zusammen,

ich danke euch für den Input zu dem Thema. Das man bei SPCC bei Kometen nicht die übliche Average Spriral Galaxy als Referenz nimmt, hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Ich probiere das mal bei Gelegenheit mit G2V. Es ist in meinem Ablauf aber so, dass ich den Kometen ohne Sterne bearbeite. Und da ich somit keine Plate Solving durchführen kann, kann ich hier auch kein SPCC anwenden. Wenn ich SPCC auf das Bild mit den Sternen aber verschobenen Kometen anwende, kann ich die dort bestimmten Korrekturdaten für die Farbkalibirerung irgendwie händisch auf das Bild mit den Kometen ohne Sterne übertragen?

Normalerweise führt man SPCC ja schon relativ am Anfang durch. Soll ich hier einfach das gesamte Bild zusammensetzen, und erst dann am Ende SPCC anwenden? Aber beim zusammensetzen sind Sterne sowie Komet schon gestretcht. Würde hier SPCC überhaupt noch korrekt funktionieren? Und falls das geht, müsste man ja für die Sterne eher das Spriral Galaxy und für den Kometen dann G2V wählen können. Da wäre es vermutlich schon sinnvoller, Sterne und Kometen jeweils für sich selbst zu kalibrieren.

@Stathis - Danke auch für die ausführliche Erklärung. Ich kann mir das noch nicht ganz erklären, weshalb bei meiner SPCC kalibrierten Version der grünliche Anteil so rasterförmig ist. In dem Fall ist es wohl schon so, dass die Spitze der Koma etwas grünlich ist, der Rest nicht.

Hier ist halt auch der Punkt bezüglich dem üblichen Grünstich bei den OSC Aufnahmen, und wie man hier mit z.B. SCNR/HLVG u.s.w. vorgeht. Diese Tools müssten ja genau so angewendet werden, dass der Grünstich vom Bild entfernt wird, aber nicht die grünliche Koma. Jedenfalls nicht vollständig, so, dass man diese später wieder mit der Sättigung aufziehen kann.

Wenn ich bei meiner Aufnahme den Grünstich wenn auch nur schwach entferne, wird gleich alles gleichmäßig weiß. Es ist keine wirkliche Differenz von der Spitze der Koma im Vergleich dem Rest dahinter zu erkennen.
WhatsApp Image 2024-11-03 at 06.45.25.jpeg


Ich muss da noch weitere Versuche anstellen. Aber in erster Linie muss ich wohl irgendwie einen Weg finden, wie ich die Farbkalibrierung mit dem sternlosen Kometen durchführen kann. Oder die bestimmten Korrekturdaten aus der Sternversion in die sternenlose Version übertragen kann. Ich denke, das wäre mal der erste Schritt, eine richtige Farbkalibrierung vom Kometen zu bekommen.
 
Gerade wollte ich das Anliegen im PixInsight Forum hinterfragen, da sehe ich gerade in den aktuellen Threads, dass wohl jemand anderes auch den gleichen Gedanken hatte, was die Übertragung der Farbkalibrierung angeht. Da scheint die Anpassung über Pixelmath der Weg zu sein, was aber meine Erfahrung gänzlich übersteigt. Es sieht aber beim überfliegen auch nicht so aus, als würde die Lösung 100%ig funktionieren. Scheint wohl nicht ganz einfach zu sein.

Hier die Antworten auf die Anfrage:

Falls hier jemand schon mal Erfahrungen damit gemacht hat, gerne her damit.
 
Hallo Dane,

Ja, das ist der Gert, der im Nachbarforum genau zu dem Thema gepostet hat.

Mit der "Grünrauschen Entfernen" Funktion von Siril bin ich noch nie warm geworden, weil sie mir alles grün entfernt, auch das von der grünen Kometenkoma, oder, was noch viel schlimmer ist, den Grünanteil vom OIII in Planetaries - ein NoGo.

Wenn ich weiß, wie die Farben aussehen müssen, versuche ich das ganz hemdsärmelig mit den Farb- Hystogrammkurven wie im Nachbarforum erläutert - ohne Anspruch auf wissenschaftlich korrekte Vorgehensweise wie SPCC.
 
Hallo Stathis,

ja in bestimmten Situationen sind diese Anti-Grün Filter wohl nicht wirklich förderlich. Generell muss ich da wieder hinterfragen, weshalb diese Tools überhaupt notwendig sind bzw. weshalb es hierzu keine bessere Möglichkeiten gibt, welche präziser oder anders gesagt, neutraler arbeiten, als einfach alles radikal vom Grün zu befreien.

Wie du das machst mit händisch einstellen, ist natürlich auch eine Variante, aber dazu braucht es eben auch das Wissen, wie das am Ende korrekt aussehen soll, und die Fähigkeit, das auch so einzustellen.

Wenn ich mir hier die aktuellen Kometenbilder in ihren Variationen so anschaue, scheint das wohl ein umfangreiches Thema zu sein. Mit dem sich wohl nicht sehr viele auseinandersetzen.
 
Hallo Dane, ich verwende Astap für die Kometenbilder und die dort eingbaute Funktion zur Farbkalibrierung. Anbei ein Beispiel vom 30.10. mit APO72/432 und IMX571C. Es wird nicht entsternt und das Summenbild wurde noch mit GraXpert gradientenkorrigiert und entrauscht. Die Farbättigung ist unverändert. Im Wesentlichen zeigt der Komet das Sonnenspektrum des Staubschweifs und die zarteste Andeutung von Grün am Kopf. Da bei gleicher Ausrüstung/Verarbeitung andere Kometen deutlich grüne Köpfe zeigten gehe ich davon aus, daß C/2023 A3 das nur sehr schwach ausprägt.

CS, Markus

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Hallo Markus,

danke für deinen Hinweis. Ich nutze kein Astap. Aber dein Hinweis bringt mich auf den Gedanken, dass ich für das sternlose Kometenbild einfach eine andere Farbkalibrierung nutzen könnte, welche kein Plate-Solving erfordert. Falls es da was gibt, was ohne Sterne auch funktioniert.

Das Grün ist in der Tat wirklich nur sehr fein, wie man es auf den Aufnahmen von Stathis sehen kann.
 
Frage am Rande in die Runde: Setzt die korrekte Farbkalibrierung nicht voraus, dass - zumindest bei Farbkameras - während der Aufnahme kein Breitbandnebelfilter (z. B. CLS, IDAS LPS D1) verwendet wurde ? In solch einem Fall liegt ja generell eine Farbverfälschung vor. Ich kann beispielsweise im Zuge der Aufnahmen mit meiner DSLR nicht auf den Einsatz entsprechender Filter verzichten, da mein Beobachtungsort deutlich unter der einschlägigen nachbarlichen Kunstlichtbelastung leidet.
CS
Stefan
 
Hallo Stefan,

es scheint wohl niemand eine direkte Antwort darauf zu haben. Auch wenn ich mit diesen Filtern nicht arbeite, würde mich das auch interessieren, wie sich die Farbverfälschung mit der Kalibrierung kombinieren lässt. Ich hatte früher mal einen IDAS D2 im Einsatz, bei dem da schon deutlich eine Veränderung der Farbe sichtbar war.

Ich habe bei mir noch mal an meiner Aufnahme herumgespielt, und durch deutliches Anheben der Sättigung, kommt irgendwann auch ein schwaches pixeliges Grün vorne an der Koma bei mir zum Vorschein. Wohl nicht ganz in dem Farbton wie es sein sollte, aber ich bekomme da einfach nichts Gescheites hin. Das liegt vielleicht auch daran, dass das Bild mit dem sternenlosen Kometen einfach nicht ganz neutral ist. Ich muss da erst einmal eine saubere Grundlage schaffen. Beim Kometen fehlt etwas an Blau.

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Gibt es einen Weg in PI, die Farben wieder in Balance zu bringen? Ich hätte gehofft, dass ich mit der Background Neutralisation irgendwie dahin komme. Aber damit bekomme ich wieder ein grünes Bild.

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Aber es ist wohl auch so ein leicht ausgeprägteres Grün an der vorderen Koma vorhanden.

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Ich muss da ehrlich sagen, ich denke die Daten landen mal schön im Müll und ich lasse das mal bleiben. Da ist das Bild ist am Ende gut genug, um da weitere Nerven reinzustecken. Im Endeffekt war das mehr zur Übung.
 
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