Praxistest: Bringt ein UV/IR-Cut-Filter vor einer monochromen OAG-Guidingkamera einen Vorteil?

Dane Vetter

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

das Thema wollte ich schon seit längerer Zeit einmal praktisch ausprobieren. Ausgangspunkt war unter anderem die frühere Diskussion, ob ein UV/IR-Cut-Filter vor einer monochromen Guidingkamera zu kleineren beziehungsweise sauberer definierten Leitsternen und damit möglicherweise zu einem stabileren Guiding führen kann.

Einen SVBONY UV/IR-Cut-Filter hatte ich mir dafür bereits vor einiger Zeit angeschafft. Zu einem halbwegs vergleichbaren Test war ich bisher allerdings nie gekommen.

0D0A2426_med.jpg


Bei meinem aktuellen Projekt ergab sich nun eine recht günstige Gelegenheit. Zum Einsatz kamen zwei weitgehend parallel betriebene Aufnahmesysteme:
  • zwei 6-Zoll-Apos
  • einmal ZWO ASI2400MC Pro
  • einmal ZWO ASI6200MM Pro
  • an beiden Systemen ein ZWO OAG-L
  • an beiden OAGs eine ZWO ASI174MM Mini
  • zwei Skywatcher EQ8-R auf Betonsäulen
  • beide Teleskope gleichzeitig auf dasselbe Objekt ausgerichtet
  • identische Guidingbelichtung von 2 Sekunden
  • Gain 400
  • gleiche Aufnahmezeit und damit praktisch gleiche Seeing- und Temperaturbedingungen
0D0A2434-HDR-Bearbeitet_med.jpg


Auch die beiden EQ8-R laufen erfahrungsgemäß auf einem sehr ähnlichen Niveau. Zwischendurch gab es zwar kurze Phasen, in denen die Guidingwerte geringfügig voneinander abwichen. Für den Vergleich habe ich mich jedoch auf die längeren Zeitabschnitte konzentriert, in denen sich beide Montierungen stabil eingependelt hatten und auf einem vergleichbaren Niveau liefen.

Ich habe während der Nacht zu vier Zeitpunkten nahezu gleichzeitig Screenshots der beiden Guidingverläufe erstellt. Links mit UV/IR-Cut-Filter, rechts ohne.

Kombiniert.jpg


Mein bisheriger Eindruck ist eher wie erwartet unspektakulär: Beim Gesamt-RMS liegen beide Systeme praktisch gleichauf. Für mich persönlich ist das Ergebnis daher recht eindeutig. Unter diesen Bedingungen bringt ein zusätzlicher UV/IR-Cut-Filter vor einer monochromen Guidingkamera mit Klarglas keinen spürbaren Vorteil. Das gilt hier immerhin bei einer Brennweite von etwas über 1200 mm und beim Guiding über einen OAG.

Ob sich ein solcher Filter erst bei deutlich längeren Brennweiten oder unter anderen Bedingungen messbar auswirkt, kann ich nicht beurteilen. Aufgrund meiner bisherigen Erfahrung werde ich mir den zusätzlichen Filter bei meinen Guidingkameras künftig weiterhin sparen können.

Es handelt sich daher nicht um einen streng kontrollierten Labortest, sondern um einen praxisnahen Vergleich unter sehr ähnlichen Bedingungen. Ich wollte das Ergebnis trotzdem teilen, falls sich jemand anderes ebenfalls mit dieser Frage beschäftigt. Falls jemand vergleichbare Praxistests durchgeführt hat, würde mich interessieren, ob dabei ein reproduzierbarer Unterschied festgestellt werden konnte.
 
Moin,
Ein UV/IR Cut Filter macht für das Guding keinen Sinn. Theoretisch nicht, und in der Praxis auch nicht. Ein Farbfilter, der nur einen Wellenlängenbereich durchlässt, in der Theorie, aber dann muss es ein Bereich sein, der für Seeing Einflüsse weniger empfindlich ist, oder bei dem die Guding Optik besonders performant ist, um Auswirkungen von Optikfehlern zu minimieren.

Ich hatte neulich selber ein Thema, bei dem ich die Sache empirisch angegangen bin, und alles an Filtern durchgetestet habe, die ich hatte.

Erst, erwartungsgemäß, durch den Einsatz eines IR Pass Filters, ich habe mir dafür den Astronomik 642BP besorgt (ProPlanet 642 BP), ergab sich eine messbare Verbesserung der Guding-Werte.

Eine Auswirkung auf das aufgenommene Foto habe ich mit oder ohne Filter, egl welchem, aber auch nicht nachweisen können.

Damit kann ich Danes Ergebnisse mit UV/IR Cut Filter beim Guiding bestätigen.

Gruß
Ernie

PS: der Vollständigleit halber verweise ich auch gerne mal auf einen alten Test am Mond von mir, mit verschiedenen IR Pass Filtern gemacht habe, um Seeing Einflüsse zu reduzieren Vergleich (mit Video): mit und ohne IR-Pass-Filter am Mond
Der Link zu dem Video ist nicht mehr aktiv, daher hier neu für Euch direkt auf meinem Server: https://astrosquirrel.synology.me/Internet/Filtervergleich_Mond.mp4
 
Servus Dane
Ich nutze zum Guiden ein Askar 51mm Superguide ED Guiderohr in Verbindung mit einer ASI220mm Mini.
Die Kombi zeigte in Asiair doch Recht unscharfe Sterne. Mir hat das als unerfahrener Wiedereinsteiger nicht besonders gefallen, so daß ich mir einen günstigen IR/UV Cut Filter gekauft habe.
Die Sterne wurden im Asiair Guidingfenster nun deutlich schärfer und kleiner dargestellt. Ob das aber zu einem genaueren Guiding führte kann ich nicht sagen, da ich zeitgleich auch an den diversen Guidingeinstellungen herumgedreht habe.
Mittlerweile läuft meine Wave 150i mit aufgesattelten Esprit 120 EDX, EAF, Guidescope, den Kameras und Asiair je nach Seeing und Wind mit Gesamt RMS Werten zwischen 0,3 und 0,5. Und das ohne Gegengewicht.
Never Touch a running System, darum bleibt bei mir der IR/UV Cut Filter drauf.
Was ich bezüglich des Guiding aber auch festgestellt habe ist, dass das Guiding, bzw. die Wave 150i mit einem kleinen und leichten TS CF80mm FPL55 schlechter läuft als mit dem schweren Esprit 120. Mit dem kleinen Teleskop komme ich gerade mal auf Werte knapp unter 0,5 bis hoch zu knapp 0,8 Gesamt RMS.
Scheinbar kann die Wave mit einer größeren Last besser umgehen als mit einer kleinen.
VG Walter
 
Hallo zusammen,

danke für eure Meinungen und Erfahrungen.

Den Hinweis auf einen IR-Pass-Filter finde ich spannend, zumal ich den ProPlanet 642 BP selbst besitze. Ursprünglich hatte ich ihn für Planetenaufnahmen angeschafft und erst vor Kurzem ernsthafter am Mond eingesetzt. Dort konnte ich einen ähnlichen Effekt feststellen, wie Ernie ihn in seinem Vergleichsvideo sehr anschaulich zeigt. Schöner Vergleich!

Einen zusätzlichen Guidingvergleich mit dem 642 BP hatte ich ebenfalls überlegt, werde mir diesen aber vorerst sparen. Bei meinen langsamen Systemen ist die verfügbare Lichtmenge im OAG ohnehin bereits knapp, und durch den eingeschränkten Wellenlängenbereich würde vermutlich weiteres Signal verloren gehen. Auch wenn sich die Guidingwerte bei schlechtem Seeing verbessern könnten, erwarte ich keinen sichtbaren Einfluss auf die eigentliche Aufnahme. Ernies Erfahrung bestätigt diese Einschätzung.

Bei Walters Beobachtung der kleineren und schärferen Sterne dürfte auch die Qualität der Guidingoptik eine Rolle spielen - das hatte ich so gar nicht auf dem Schirm. Ein UV/IR-Cut-Filter kann die Sternabbildung sichtbar verbessern, wenn die Optik ausserhalb des sichtbaren Bereichs nicht gleich gut korrigiert ist. Daraus folgt jedoch nicht automatisch ein besserer RMS-Wert. Entscheidend ist, ob die ursprünglich breitere Sternabbildung die Zentroidberechnung überhaupt relevant beeinträchtigt.

Das geht für mich ein wenig in die gleiche Richtung wie die häufige und aus meiner Sicht zu pauschale Empfehlung, eine Guidingkamera bewusst leicht unscharf einzustellen. Bei stark untersampelten Sternen mag das vermutlich helfen, das Licht auf mehrere Pixel zu verteilen. Sind die Leitsterne jedoch bereits ausreichend abgebildet und nicht extrem gesättigt, sehe ich keinen Vorteil darin, den Fokus absichtlich zu verschlechtern. Entscheidend ist letztlich nicht, wie scharf der Stern im Guidingfenster aussieht, sondern wie zuverlässig seine Position bestimmt werden kann. Ich fokussiere bei mir daher immer bestmöglich scharf.
 
Zurück
Oben