Zitat von Jan_Fremerey:
Zitat von astro_alex80:
Für die Machbarkeit eines 12" f/2 oder f/3 Selbstbau-Systems kann man doch mal einen separates Thema aufmachen.
Hallo Alex,
die Rede ist hier eigentlich nur von einem 12" f/4 Spiegel, auf dessen Basis Jenny ihr Teleskop plant. Für f/4 gibt es ja noch erschwingliche Koma-Korrektoren.
Gruß, Jan
Hallo Jan,
Du selbst hast Dich auf das Hyperstar-System bezogen. Also steht es anderen ebenso frei, diese Diskussion auf einem Newton bei F/3 hin zu spannen. Du selbst bringst das Eingangsthema ja in eine völlig andere Richtung.
12" F/4 ist nach Deiner Definition Weitfeldfotographie. DAs sehen viele erfahrene Deepsky-Fotographen aber dann doch anderes. Offenbar bist Du hier dabei Deine eigenen Interpretationen als Referenz darzustellen. Wie wäre es denn dann, wenn Du deine Auffassung der Terminologie direkt eingangs skizzierst. So wäre es doch wissenschaftlich korrekt.
Wenn man die Hyperstar-Systeme begutachtet, kann man schon begeistert sein. Blickt man aber bei einigen Aufnahmen auf die Sternabbildung im Detail, dann schwindet die Begeisterung rapide. Man kann hier mit wenigen Mitteln Abhilfe schaffen.
Du scheinst aber eine Sache nicht zu bedenken. Die Justage bei Hyperstarsystemen ist wesentlich einfacher, als bei einem Newton im Primärfokus. Und bei weitem nicht so kritisch. Warum? Weil es sich beim Hauptspiegel eines SCT um ein sphärisches System handelt. Der 12 F/4 Newton aber einen parabolischen Hauptspiegel hat. Und das heißt hier, daß Korrektor und Hauptspiegel sehr genau zueinander justiert sein müssen. Was generell für Newtons gilt. Die Justage des Fangspiegels ist dabei nicht mal das Problem. Mit einem Cheshire ist das hinreichend genau machbar. Mit einem Autokollimator (z.B. von Catseye) sogar sehr genau.
12 F/4 ist wesentlich langsamer als ein 11" F/2.8 System. Die Belichtungszeiten steigen und helle Sterne werden aufgebläht. Es ist ja nicht nur so, daß die erhöhte Obstruktion den Kontrast beeinträchtigt. Weiter kommt durch die Obstruktion ja auch weniger Licht in der Kamera an. Möchte man zudem keine häßlichen Beugungserscheinungen in der Aufnahme haben, wird man vor der Kamera eine kreisrunde Blende platzieren, der die Kamera vollständig obstruiert. Im Falle einer Canon D5 wäre das ein Durchmesser von mindestens 190 mm. Damit eine lineare Obstruktion von 63%. Bei einer 700D 55%.
Ein Fangspiegel obstruiert dagegen linear mit 30%.
Ich würde sogar eine Vignettierung von 30% (das heißt 70% Ausleuchtung) im äußeren Bildkreis zugunsten des Kontrastes im Mittelfeld in Kauf nehmen. Sprich einen kleineren Fangspiegel auswählen. Die Vignettierung bekommt man mit einem Flatfieldimage noch sehr gut in den Griff.
Planetenfotographen müssen sich mit diesem Thema eher selten auseinandersetzen.
Die Vorteile (zum Teil oben skizziert) die man sich dann beim Einsatz eines Fangspiegels erkauft, sind ebenso entscheidend.
Ab einer gewissen Öffnung bringt selbst der Primärfokus in der Planetenfotographie keine Vorteile mehr. Das ist dann gegeben, wenn die Kamera nebst Barlow eine Obstruktion von unter 20% haben. Der Fangspiegel in dieser Konfiguration würde das Kriterium ebenso erfüllen.
Wo wäre denn der Primärfokus noch interessant? Beim Einsatz eines Reducers?
Aus einem F/4 System würde ein F/3 System werden. Der Fangspiegel müßte entsprechend größer gewählt werden. Hier kann sich der Vorteil des Primärfokus auszahlen, weil man mittlerweile Kameras für Deepsky-Zwecke bekommt die vom Gehäuse hier schon geeignet sind ab einer gewissen Öffnung eine Obstruktion von 20..22% einzuführen. I.d.R. sind dies Kameras mit kleinerem Bildkreis kleiner gleich 30 mm. Aber eben keine DSLR's mehr. Theoretisch machbar. Welche Nachteile würden sich aber denn da ergeben? Wir nehmen ja einen geschlossenen Tubus an. Zumindest findet ein Wärmeaustausch im Strahlengang statt, d.h. es entstehen Tube Currents sofern man beabsichtigt, diese Kameras im Tubus im Primärfokus einzusetzen. Das Hyperstarsystem ist davon nicht so betroffen, weil man hier extra kurze Belichtungszeiten hat und weiter die Wärme direkt in den Außenbereich abgegeben werden kann. Bei einem geschlossenen Tubus hat man aber eine Barriere. D.h. hier schleicht sich ein weiterer Kontrastverlust ein.
Ein solches System würde dazu noch manuelle Eingriffe beim Astrofotographen erfordern. D.h. sofern keine Hauptspiegelfokussierung im System umgesetzt wurde, bleibt wohl nur die Wahl über Helicals oder Linearlager basierte Fokusmechanismen. Helicals können aber bei der Fokussierung verkippen. Am F/3 System starkes KO-Kriterium. Zumindest wäre das dann nichts mehr von der Stange. Da müßte man eine eigene Lösung schaffen, die auch eine Kamera, inkl. Filterwechsler plus Korrektor trägt. Alleine die Halterung für solch eine Aperatur schlägt bis zu 500 Euro zu Buche. Sei denn man hat einen netten Zerspanungsmechaniker um die Ecke.
Das Hypergraph-System von Keller zeigt, daß es aber für diesen Anwendungsfall Lösungen gibt. Beschreibt aber auch, welchen - auch preislichen - Aufwand man für funktionale Lösungen treiben muß. Neu ist das alles nicht. Vielleicht nur in Vergessenheit geraten.
Du unterstellst mir oben ich wäre neuen Lösungen nicht aufgeschlossen. In meinem Selbstbauthread findest Du aber eine Fangspieghalterung die multifunktional ist. Sie erfüllt nicht nur den Zweck, Fangspiegel verschiedener Größen stabil zu halten. Sie ermöglicht ebenso den schnellen Wechsel bei geringem Kollimationsaufwand. Das ganze funktioniert über einen Kugeleinrastbolzen (Click-Stopp) sehr gut. Nimmt man aber die Fangspiegel aus dem System, steht für den Primärfokus eine 2" Bohrung zur Verfügung. Denkbar für den späteren Einsatz des 18" Newton bei F/3 bei 22 mm Bildkreis und 16 Megapixeln. Für dieses System muß ich mir eine Fokussiereinrichtung noch überlegen, es wird aber mit Sicherheit kein Helical sein. Denkbar ist eine eine verkleinerte Variante es Hedrick Focusers. Oder eine Lösung die auf 3 Linearlagern und 3 Gewindespindeln beruht. Die Kamera sitzt dabei außerhalb des Tubus. Ebenso denkbar: Betrieb des Newtons im Nasmyth-Fokus. Dazu kann ich eine weitere Fangspiegelspinne in den Tubus setzen, auf dem dann der Sekundärspiegel sitzt. Da ich dieses Gerät bis zum Ende meiner astronomischen Laufbahn verwenden werde, steht außer Zweifel. Also habe ich es so konzipiert, daß ich mir den Rücken für weitere Lösungen frei halte.
Aber ob das wirklich Vorteile bringt ggü dem Einsatz des Reducers mit dem 140 mm Fangspiegel. Immerhin ist das System mit einem Backfocus von 70 mm gerechnet. Und wird fotographisch mit der Vollformatkamera bei F/3.8 betrieben. Für diese Konfiguration wurde die Fangspiegelspinne so platziert, dass sie nicht verschoben werden muß. D.h. bei <F/12 (auch über den Primärfokus), F/6 (Telezentrischie Barlow, Deepsky von planetarischen Nebeln), F/3.8 bis rauf zu F/3 bleibt die Fangspiegelspinne da wo sie ist.
CS,
Gerrit