Re: Refraktor für Deep Sky. ED, NEO oder Fraunhof
Hi,
ja, das ist so ein typischer Fehler, dass man denkt, wenn unscharf gestellt im SC alles gerade ausschaut, ist das Ding justiert. Nein, ist es nicht! Man muss mit einem Okular höchster Vergrößerung so wenig unscharf stellen, dass man die Beugungsringe erkennt, und die Betonung liegt auf wenig unscharf, kein Flatschen über das ganze Bild, auch nicht über ein Viertel davon. Dann erkennt man, dass bei Dejustage die Beugungsringe nach einer Seite "weglaufen" oder vielleicht auf einer Seite nicht geschlossen sind. Das wäre Dejustage und die gilt es zu beseitigen.
Es ist, und verzeihe meine erneute Deutlichkeit, eine Dummheit, wenn man einfach solala durch verschiedene Teleskope schaut und meint, man könne sich daraus ein Bild machen, welches am besten für diesen oder jenen Zweck taugt. Zuvor muss man nämlich die Frage stellen, wie gut wird denn das Gerät, was da vor einem steht, beherrscht. Steht da ein Besitzer, der sein Gerät solala benutzt, oder ist das einer, der sich wirklich Mühe gibt, das Teil optimal auszunutzen?
Außerdem ist es reichlich grob, alle Spiegel in eine Tonne zu werfen, nachdem man mit SCs nicht zufrieden ist.
Und letztendlich ganz wichtig: Wenn man doch zu dem Entschluss kommt, eine Linse für die Planetenbeobachtung anzuschaffen, und dass diese so wie in Deinem Rahmen liegt, dann sollte man sich dies klar machen:
1. Der beste Apo kann nur leisten, was im Rahmen seiner Öffnung geht. Ein 120mm ED bleibt nunmal ein Teleskop mit 120mm Öffnung und es wird mit einem ordentlich genutzten und ausgewählten Spiegelteleskop von 150mm Öffnung in allen Disziplinen Paroli bekommen. Klar, dass ich da kein SC wählen würde, aber 6" f/6, ob als Newton oder Mak Newton sind für den Apo schon gemein. Wenn man dann noch auf eine Variante mit 2" Okular setzt, wird sogar Widefield machbar, jedenfalls ohne zu große Unterschiede zum Apo, der als Widefield-Teleskop teuer gekauft wäre.
2. Ein Neo Achromat von Vixen ist zwar ein Achromat mit reduziertem Farbfehler, aber der Farbfehler ist als reduziert zu betrachten für dessen schnelles Öffnungsverhältnis, nicht als reduziert gegenüber jedem Achromaten! So wird nämlich ein Schuh draus und erklärbar, warum diese Geräte visuell einen deutlich störenden Farbfehler zeigen und deshalb für die Planetenbeobachtung schwere Einschränkungen hinnehmen müssen. Bei der Deepsky-Beobachtung wird man, wenn auch der Farbfehler nur bei Sternhaufen stört, akzeptieren müssen, dass man gegenüber einer Spiegeloptik einen viel zu hohen Preis für die Leistung in dieser Disziplin zahlt.
3. Wenn man von den 2000 Euro nur einen Bruchteil in einen 8" f/6 Dobson steckt, meinetwegen als Leichtbau-Version und nicht als der typische Taiwan Dobson, dann erhält man ein Gerät, welches bei ordentlicher Justage schon im Werkszustand einen ED 120 am Planeten schlägt, und für Deepsky sowieso. Lediglich 1200mm Brennweite schränken den maximal sichtbaren Himmelsausschnitt stärker ein, als bei 120mm f/7 die 840mm des ED. Setzt man aber einen 70/350 oder 80/400 Achromaten für wenig Geld als "Supersucher" noch oben auf den Dobson, dann hat man in der Widefield-Disziplin den Apo auch wieder ausgestochen. Wählt man statt 80/400 einen 80mm ED, dann hat man auch eine sehr kleine Reiseoptik für alle Disziplinen, wenn man das will.
Der 8" f/6 Dobson ist dann bezüglich transportabilität noch einfacher als ein 8" SC und mit einem ED 120 oder Neo 130 ebenfalls gleichauf (nur schneller aufgebaut).
Es ist dann völlig unnötig, über Linse oder Spiegel und getrennte Foren zu diskutieren, sondern man sollte sich einfach nur die Leistung anschauen. Die stimmt bei so einem Paket nämlich, selbst wenn man auf den Preis schaut. Beim Refraktor stimmt die Leistung für den Anspruch Deepsky UND Planeten definitiv nicht, wenn man nur beschränkte Geldmittel hat. Beim Neo-Achromaten stellt sich ob des deutlichen Farbfehlers schon die Frage, ob die Leistung im Verhältnis zum Preis überhaupt für eine visuelle Disziplin stimmt. Eingeführt wurden die von Vixen seinerzeit mal, um fotografische Optiken anzubieten für diejenigen Fotografen, die sich in der Größenordnung keinen Apo leisten konnten.
Clear Skies
Sven