Sirius - bei Tag sichtbar?

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nolimit

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Hallo zusammen

habe gestern abend einen Film gesehen, da wird gesagt, dass der Sirius (ich gehe davon aus, dass Sirius A gemeint ist), so hell sein kann, dass man ihn auch tagsüber deutlich sehen könne.
Kann das möglich sein?
Auch wenn der Kerl eine scheinbare Heligkeit von ca -1.4 mag hat
 
Hi!
Ich gehe davon aus, dass du von Beobachtungen mit bloßen Augen sprichst. Mit Teleskop gehen auch ganz deutlich dunklere Sterne.

Ich habe schon von Sirius-Beobachtungen am Taghimmel gelesen. Selbst ist mir das noch nie gelungen - trotz exakter Anpeilung mit Leuchtpunktsucher. Es ist immer schwierig, solche Berichte einzuordnen. Ich kann mir vorstellen, dass es in südlicheren Regionen und auf hohen Bergen bei klarem, satt dunkelblauem Himmel möglich ist.

Arktur am Taghimmel mit bloßen Augen halte ich aber für unmöglich. (Obwohl, auf dem Mount Everest.... :unsure:)

Gruß
Wolfgang
 
Canpous (Südhalbkugel) und Wega auch im Fernglas am Tag. Venus und Jupiter denke ich auch ohne Hilfsmittel auf den Alpen. am Großen Arber ging mal die Venus (November 2018), aber davor im Fernglas gesucht)
CS Tobias
 
Wenn Wega im Fernglas geht, sollten dort auch Arktur und Capella gehen. Die 3 tun sich ja nichts in der Helligkeit.

Das schwächste, was ich freiäugig im norddeutschen Flachland sehen konnte war Jupiter am Morgen. Allerdings hatte ich den Mond als Wegweiser. Es war 2011 zur Kieler Woche Ende Juni. Da ich "durchgemacht" hatte, wusste ich noch von der Nacht, in welcher Richtung vom Mond aus ich zu suchen hatte.
Um den Frühlingspunkt herum ist Juppi ja nahe seines Perihels und somit recht hell. Stellarium gibt ihm noch -2.2 mag. Damit ist er natürlich deutlich heller als Sirius.

Helmut
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich habe (für mich) festgestellt, daß man mit bloßem Auge am Taghimmel sterne bis Magnitude 2,0 gut sehen kann. Voraussetzung war das per GOTO angefahrene Objekt zuerst im Teleskop zu beobachten und dann mit dem Auge das Objekt visuell suchen. Schaut man nur ein paar Zentimeter daneben, findet man es nicht mehr. Hat man den Stern aber einmal gefunden, dann sieht man ihn immer wieder. Drehe ich mich um und wieder zurück, dann kann ich mich wundsuchen, ich finde ihn nicht mehr oder nur per Zufall.

Winfried
 
Hi Winfried!

Ich beobachte regelmäßig Planeten und Sterne am Taghimmel. Meine Erfahrung deckt sich aber in keiner Weise mit deiner. Selbst bei 50facher Vergrößerung ist der Polarstern hart an der Sichtbarkeitsgrenze. Bei 100fach funktioniert es zwar, aber in einer Weise, die ich nicht als "gut" bezeichnen würde. "Gut" wird es erst mit Polfilter, der den Himmel deutlich abdunkelt. Mit bloßen Augen sehe ich sogar hoch stehende 0 mag Sterne nicht - alles trotz vorheriger exakter Peilung mit Leuchtpunktsucher.

Von wo aus beobachtest du? Extremes Hochgebirge?

Gruß
Wolfgang

Edit: Alles, was ich geschrieben habe, gilt natürlich nur für den hellen Tag mit hoch stehender Sonne. Bei niedrigem Sonnenstand habe ich bei 120facher Vergrößerung auch schon Uranus beobachtet.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Wolfgang,
hier mal die Bedingungen, unter denen ich Sterne bis mag 2,0 visuell ohne Hilfsmittel gesehen habe: Völlig klarer Himmel, nachmittags gegen 16 Uhr und wirklich tiefblauem Himmel. Das ist allerdings gut 5-6 Jahre her, jetzt, mit knapp 70 Jahren, würden das meine Augen nicht mehr bringen. Junge Menschen (c. bis 40 Jahre) müssten sie aber sehen können, ich habe sie ja noch mit über 60 gesehen. Auch gehört ein wenig Übung hinzu.
Standort: 25km westlich von Würzburg auf 370m ü.N.N. im absolut ländlichen Raum ohne Lichtverschmutzung.

Gruß
Winfried
 
Viele (Nichtamateure), die etwas von Lichtverschmutzung gehört haben denken, das sei nur in der Nacht. Leider ist dem nicht so.
In den frühen siebzigern konnte ich mit meinem 600mm Objektiv noch klare und saubere Fernaufnahmen machen, heute nur noch vernebelte Fotos (was auch seinen Reiz haben mag). Man muß die Leute verstärkt darauf aufmerksam machen. Hier bei uns "auf dem Land" geht es gerade noch so, wird aber auch schon schlimmer, weil die Industrie das Land entdeckt hat. In jedem Dorf bei uns entstehen kleine und größere Industriegebiete, weil der Baugrund so billig ist. Leider kann man das kaum verhindern, die Kommunen brauchen Geld und das regiert nun mal die Welt....

Gruß
Winfried
 
Hallo Winfried,
was Du hier schilderst ist doch wohl eher die Luftverschmutzung. "Lichtverschmutzung" meint doch die menschengemachte "Verunreinigung" der nächtlichen Dunkelheit mit Licht. Und deren Ursachen kann man bei Tage nun wirklich nicht in Ansatz bringen - da ist dann die Sonne schuld :cool:.

Gruß
Achim

Edit: Günter war schneller...
 
Hallo,

vom norddeutschen Flachland aus habe ich Sirius schon mal freiäugig am Tag gesehen.
Allerdings hatte ich Sirius 19,7° über dem Horizont erst 3 Minuten vor Sonnenuntergang gefunden.

Jupiter habe ich schon häufiger am Tag gesehen, bis zu einer Sonnenhöhe von maximal 6,5°.
Bei höher stehender Sonne mitten am Tag konnte ich bisher nur die Venus sehen.

2mag-Sterne kann ich nur sehen, wenn die Sonne mehr als 4° unter dem Horizont steht.
Die Grenzhelligkeit meiner Augen liegt mitten am Tag bei ca.-2,5 mag, zum Sonnenuntergang bei ca.-0,5 mag.

Gruß, Ronny
 
Hallo Winfried,

vor vielen Jahren hatte ich Jupiter, Merkur und andere Objekte bei unterschiedlichen Bedingungen und unterschiedlicher Sonnenhöhe beobachtet. Darauf basierend hatte ich Näherungsformeln erstellt, damit ich mir ausrechnen kann, wann welches Objekt in der Dämmerung sichtbar/unsichtbar wird.

Aus diesen Näherungsformeln ergeben sich die oben genannten Zahlenwerte bei guten Flachland-Bedingungen.

Gruß, Ronny
 
Wieso ist dieses Thema im Smalltalk?

Venus (ca. -4,5 mag) sehe ich sicher am Tage bei wirklich klarem Himmel, großem Winkelabstand zur Sonne und hinreichender Höhe am Himmel. Bei kleinerem Winkelabstand zu Sonne schaffe ich es nur bei hochtransparentem Gebirgshimmel.

Jupiter (ca. - 2,5 mag) habe ich erst wenige Male geschafft. Das war früh morgens bei noch sehr niedrigem Sonnenstand, Jupiter hoch am Himmel und genaue Peilung an Baumwipfeln entlang und auch nur, weil ich ihn im Verlauf der zunehmenden Morgendämmerung verfolgt und nicht aus den Augen gelassen habe.

Sirius (-1,46 mag) habe ich noch nie geschafft, müsste ich mal Gebirge ernsthaft versuchen. Respekt an Ronny, dass er es kurz vor Sonnenuntergang geschafft hat.

Können wir uns darauf einigen, dass Sirius am Taghimmel selbst bei niedrigem Sonnenstand zumindest sehr schwer zu beobachten ist? Wenn ja, halte ich Sterne von +2 mag für völlig ausgeschlossen.
 
Können wir uns darauf einigen, dass Sirius am Taghimmel selbst bei niedrigem Sonnenstand zumindest sehr schwer zu beobachten ist? Wenn ja, halte ich Sterne von +2 mag für völlig ausgeschlossen.
Das würde ich so genau unterschreiben!!

Ich habe absolut keine Probleme die meisten Haupsterne der Sternbilder tagsüber zu sehen- mit meinem 6" Apo und meiner sehr genauen AstroPhysics Montierung. Ich muss nur sehr genau in der Bildmitte suchen, dann klappt es.
Sehr schön, z.B. Arkur im Bootes Vis. 0,15, sehr einfach zu sehen und dann zu Muphrid (ca. 5° Abstand mit Vis. 2,65). Bei Arktur reichen normale Bedingungen, bei Muphrid müssen schon beste Bedingungen herschen. Und das alles, wie schon geschrieben, mit einem 6" Apo.

CS *entfernt*
 
Können wir uns darauf einigen, dass Sirius am Taghimmel selbst bei niedrigem Sonnenstand zumindest sehr schwer zu beobachten ist? Wenn ja, halte ich Sterne von +2 mag für völlig ausgeschlossen.

Genau das würde ich auch unterschreiben.

Nachfolgend mal ein paar quantitative Betrachtungen zum Thema.

Der Zusammenhang zwischen Grenzhelligkeit und Himmelhelligkeit wurde von mehreren Autoren empirisch untersucht. Eine Kurve, die man häufig findet ist die von Hecht [1].
1603553722262.png

Sirius erreicht für meinen Standort (50,4° N) bei Kulmination einen Höhenwinkel von 22,8°. Mit einem Extinktionskoeffizienten von 0,2 ergibt sich damit eine scheinbare Helligkeit für Sirius von -0,94 mag. Man kann also Sirius entsprechend obigem Diagramm nur sehen, sobald der Himmel dunkler als 200 cd/m² ist. Für 2 mag-Sterne braucht man eine Leuchtdichte < 7 cd/m². Da ist die Sonne längst untergegangen.

Ich habe vor ein paar Jahren mal über meine Uranus-Beobachtung am Taghimmel berichtet. Im Zusammenhang mit dieser Beobachtung habe ich auch die Himmelshelligkeit gemessen. Bei einer Sonnenhöhe von 1,7° betrug die Leuchtdichte des Himmels an der Uranus-Position (90° von der Sonne enfernt) 300 cd/m².

Es gibt übrigens auch Korrelationen mit denen man die Leuchtdichte, abhängig von Sonnenstand und Himmelsposition simulieren kann [2]. Im nachfolgenden Diagramm stellen die weißen Linien die simulierte Leuchtdichte im Zenit als Funktion des Sonnenhöhenwinkels dar. In der Simulation gibt es mehrere "Standardhimmel", u.a. "klarer Himmel, verunreinigt" und "klarer Himmel, niedrige Trübung" - alles fürs Flachland. Je klarer der Himmel, desto niedriger ist die Leuchtdichte. Die schwarze Kurve stellt meine eigenen Messdaten dar. Man erkennt, dass mein realer Himmel sich irgendwo zwischen den beiden idealisierten Standardhimmeln bewegte. Eine Leuchtdichte im Zenit von 200 cd/m² entspricht selbst bei gutem Himmel einem Sonnen-Höhenwinkel von lediglich 2°.

1603566146729.png


Gruß
Wolfgang

[1] Hecht, S., 1947, Journal of the Optical Society of America, 37, 59
[2] Richard Kittler, Miroslav Kocifaj, Stanislav Darula: Daylight Science and Daylighting Technology, Springer 2012
 
Ich muß mich korrigieren.
Bei den Beobachtungen anderer habe ich noch einmal scharf nachgedacht. Sirius habe ich mit Sicherheitmit bloßem Auge gesehen. Bei mag 2,0 habe ich entsprechende Sterne aus dem Katalog gesucht und die mittels TELESKOP beobachten können und nicht mit dem bloßen Auge, wie ich zuerst dachte. Ist halt schon einige Jahre her und ich wollte nur wissen, wieviele Sterne man am Taghimmel überhaupt sehen kann.

Aber immerhin konnte ich eine kleine, sinnvolle Diskussion damit auslösen und bin über die positiven Posts sehr froh. - Wieder was dazugelernt!

Gruß
Winfried
 
Hallo zusammen!

Man kann übrigens die Sichtbarkeit von Sirius erheblich steigern, wenn man vor jedes Auge einen Polarisationsfilter hält. Der Himmel ist bei einem Abstand von 90° von der Sonne maximal polarisiert. Eigene Messungen bei sehr gutem, klarem Himmel ergaben 71 % als maximalen Polarisationsgrad. (Literaturwert: max. 80 % bei bestem Himmel) Die Lichtabschwächung x infolge des Polarisationsfilters lässt sich aus dem Polarisationsgrad &delta;mit folgender Gleichung berechnen:

x = (1-&delta;)/(1+&delta;)

Für &delta;= 0,71 ergibt sich x = 0,17

Wenn man also Sirius ohne Polarisationsfilter ab 200 cd/m² sieht, dann sieht man ihn mit Polarisationsfilter ab 200 cd/m²/0,17 = 1180 cd/m². Das gilt natürlich nur bei 90° Sonnenabstand. Wer sich für die Berechnung des Polarisationsgrades als Funktion des Sonnenabstandes interessiert, kann das auf Wikipedia nachlesen:
Abschnitt "Degree of polarization"

Ich habe auch eine polarisierte Sonnenbrille, die ich zu diesem Zweck allerdings noch nicht ausprobiert habe. Die Gläser kann man bei der Brille natürlich nicht drehen. Man muss stattdessen den Kopf drehen.

Gruß
Wolfgang
 
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