Spektren Supernova SN 2023ixf in M 101

Hallo,

heute früh hatten sich nach Mitternacht die Wolken dann endlich verzogen, und so konnte ich zumindest knapp 100 Minuten Spektren aufnehmen.
Es ist ist wirklich schön zu sehen, wie sich die Absorptionsstrukturen von 5100 Angström Richtung blau verstärkt haben, aber auch die drei Absorptionen von 5300 bis 5800 deutlicher zu erkennen sind! Weiterhin ist schön zu sehen, wie die Emission der H-Alpha-Linie zugenommen hat!

Besonders interessant, es hat sich die blauseitige Absorption des P-Cygni-Profils der H-Alpha-Linie verstärkt. Das Minimum dieser Absorption liegt ziemlich genau bei 6400 Angström. Mit der Differenz zur Ruhewellenlänge 6563 Angström der H-Alpha-Linie, ergibt sich wegen des Dopplereffekts, eine Ausdehnungsgeschwindigkeit der Hülle von -7450 km/s auf den Beobachter zu ( v = 300000 *(6400-6563 / 6563) km/s ).
Im Abstract der im Beitrag #16 zitierten Quelle wird ein Median von 7300 km/s für die H-Alpha-Linie angegeben.


SpektrumSN2023ixf20230614mit25mit29.jpg


Viele Grüße
Torsten
 
...
Besonders interessant, es hat sich die blauseitige Absorption des P-Cygni-Profils der H-Alpha-Linie verstärkt. Das Minimum dieser Absorption liegt ziemlich genau bei 6400 Angström. Mit der Differenz zur Ruhewellenlänge 6563 Angström der H-Alpha-Linie, ergibt sich wegen des Dopplereffekts, eine Ausdehnungsgeschwindigkeit der Hülle von -7450 km/s auf den Beobachter zu ( v = 300000 *(6400-6563 / 6563) km/s ).
Im Abstract der im Beitrag #16 zitierten Quelle wird ein Median von 7300 km/s für die H-Alpha-Linie angegeben.
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Hier muss ich anmerken, dass ich die Rotverschiebung in der Rechnung vergessen habe. M 101 hat eine Rotverschiebung von z=0,000804, was auf eine Fluchtgeschwindigkeit von knapp 240 km/s schließen lässt. Diese ist in der Beobachtung mit enthalten. Deshalb ist die tatsächliche Expansionsgeschwindigkeit um diesen Wert größer, also 7690 km/s, somit knapp 7700 km/s.

Grüße
Torsten
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo zusammen,

meine Güte, das spielt sich hier ja auf einem Niveau ab, da komme ich mir beinahe etwas fehl am Platze vor.
Jedenfalls ist es hoch interessant, was man schon aus einem so moderat aufgelöstem Spektrum alles heraus lesen kann.

Ich möchte kurz vermelden, ich hoffe Torsten hat nichts dagegen, dass Torsten mir per PN ein Referenzspektrum hat zukommen lassen. Dies konnte ich auch erfolgreich in VSpec einlesen:

my_and_ref-spec.jpg


... und mein Spektrum durch dieses dividieren:

my_divide_by_ref-spec.jpg


Da ich schon zuvor die Videos von Erik Wischnewski angeschaut hatte war mir bewusst, dass ich einen wichtigen Zwischenschritt ausgelassen hatte, aber ich wollte schon mal sehen wie das aussieht. Nun muss ich noch ausknobeln wie man bei meinem und dem Ref.-Spektrum die Peaks ausschneidet und jeweils dort eine Grade rein interpoliert, dann steht der Ermittlung der Instrumentenresponse nichts mehr im Wege.

Wie Torsten auch anmerkte, sieht mein mit der ASI 533mcP gewonnenes Spektrum besser aus als das mit der ASI 120mm. Ich nehme an das liegt an der Fokus-Findung. Die Kameras haben die gleichen Pixelgrößen und da würde ich ähnliche Auflösung erwarten, bzw. bei der Mono-Kamera evtl. sogar eine bessere. Es gibt also für mich noch einiges an Hausaufgaben abzuarbeiten.

Viele Grüße & CS,
Reinhard
 
Hallo in die Runde,

na dann werde ich mal weiter von meinen Aktivitäten berichten ;-).

Den heutigen Vormittag habe ich benutzt um mich nochmal mit VSpec zu befassen.
Erstes Ziel war es, das Referenzspektrum und mein Aufgenommenes soweit zu glätten, dass ich die Instrumentenresonse meines Aufbaus ermitteln konnte. In VSpec läuft das etwas anders als in den Videos von Eric Wischnewski gezeigt, aber mit Hilfe der VSpec-Tutorials und etwas Probiererei hat das dann doch geklappt:

1_smooth_my-spec_ref-spec.jpg


Die Division meines geglätteten Spektrums durch das geglättete Referenzspektrum ergab dann meine Instrumentenresponse (untere Funktion):

2_my-spec_divide_my-response.jpg


Beim anschließenden Funktionstest (mein Spektrum dividiert durch die Instrumentenresponse) konnte ich dann mein korrigiertes Spektrum mit dem Referenzspektrum vergleichen:

3_compare_ref-spec_my-spec.jpg


Das sieht schon mal nicht ganz falsch aus, freu :)

Im VSpec-Tutorial wurde dann noch die Ermittlung der Continuum-Temperatur gezeigt, das musste ich natürlich auch ausprobieren:

4_continuum-temp.jpg


Naja, 16000K liegt wohl etwas daneben :-/. Vielleicht weiß ja jemand von Euch woran das liegen könnte.

Aber die Erstellung eines synthetischen Spektrums in Farbe konnte ich mir dann doch nicht verkneifen:

5_synthetic-spec.jpg


So, jetzt hätte ich also meine Instrumentenresponse für den ED80/600 mit der ASI 120mm. Diese kann ich nun zum spektroskopieren mit dieser Kombination benutzen.
Wenn ich nun an der Konstellation etwas ändere, dann muss ich den Vorgang wiederholen. Das ist ja kein Problem, solang ich Wega oder einen anderen A0V-Stern aufnehmen kann, für diese habe ich ja ein Referenzspektrum.


Apropos "am Aufbau etwas ändern":
Ich hatte ja weiter vorne im Thread über eine Parallelisierung des Strahlengangs mit zwei plankonvexen, achromatischen Linsen nachgedacht. Das wäre ja ganz nett, würde aber, nach etwas Nachdenken, wohl nicht mit meinem 500Ln/mm Gitter funktionieren. Ich käme dann nicht mehr dicht genug an den Chip ran. Torsten hatte aber den Einsatz einer Barlow vorgeschlagen, das sollte gehen. Es gibt also noch viel Raum für weitere "Spielereien" :).


Zum Schluss dann noch zwei Links zu der von mir benutzten Gitterfolie:
https://astromedia.de/Das-Durchlicht-Beugungsgitter-klein-500
https://astromedia.de/Das-Durchlicht-Beugungsgitter-gross-500


Viele Grüße, CS und ein schönes Wochenende,
Reinhard
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Reinhard,

das hast Du jetzt aber sehr fix hinbekommen, Respekt!

Hier noch ein weiterer Literaturtip zum Herunterladen. Es wird die Datenreduktion sehr anschaulich, so wie Du sie oben auch schon dokumentiert hast, Schritt für Schritt in vspec demonstriert:
https://www.ursusmajor.ch/downloads/spektroskopische-datenreduktion-6.0.pdf

Der Autor Richard Walker hatte früher auch seinen Spektralatlas zum Herunterladen veröffentlicht, bis dann, zugegebenermaßen gerechtfertigterweise, eine Buchveröffentlichung daraus wurde (Anm.: ich erinnere mich, dass ich beim Kauf nach Ersterscheinung 2017, nicht so viel zahlt habe!):
https://www.lehmanns.de/shop/naturw...165908-spectral-atlas-for-amateur-astronomers

Zum Atlas gibt es ein Begleitbuch als Co-Autor zusammen mit einem Profiastronomen, in dem u.a. auch die physikalischen Hintergründe erläutert werden:
https://www.lehmanns.de/shop/naturw...07166189-spectroscopy-for-amateur-astronomers

Die Preise sind enorm, und ich bin mir sicher, dass ich damals deutlich unter 100€ für beide Bücher gezahlt habe.
Was einen Spektralatlas an sich angeht, gibt es derzeit aber nichts Vergleichbares!

Viele Grüße,
Torsten
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi,
Ja kann ich durchaus bestätigen(!!!).
Bin seit kurzer Zeit auch dabei mit nem 200 Staranalyser in der Filterschublade unterwegs und am Büchern zusammen suchen, erinnerte mich noch an eins von R. Walker von knapp 1000€ auf Amazon... :oops:

Respekt an Rainer, das er mit dem VSpec das durchzieht. Ich kam mit dem Programm nirgends klar schon vor ein par Jahren. :y:

Bei mir war der Anlass anzufangen mit einem Erwerb eines Staranalysers erst nachdem ich RSpec gefunden hatte.:sternklar:
Das wirklich gute ist an RSpec das der Tom sehr schnell und sehr ausführlich antwortet wenn's was gibt mit nem kleinen Bug. :y:

Clear skies,
- Martin
 
Hi,

Off-topic(again):

Sorry, habe mich geirrt zwecks des Autors.
Es war dieses Buch das noch vor 2 Wochen schlappe 990€ gekostet hat.
Na auf jeden Fall jetzt bei mir steht da schlappe 500€.
Wahnsinn!

Clear skies,
- Martin
 
Zuletzt bearbeitet:
So, ich versuche es mal wieder, ich denke ich bin wieder halbwegs fit. . . .

Hallo Reinhard,

Du legst da eine beachtliche Lernkurve hin !
Ich bin beeindruckt !

Ich gebe zu, daß auch ich mit vspec nie so richtig warm geworden bin, wann immer ich es versucht habe fand ich schon zu Anfang die Bedienung sehr hakelig, und Spektren, die von anderen Programmen problemlos angenommen wurden zeigten in vspec eigenartige Belichtungssituationen, die sich nicht korrigieren ließen.

Ich habe es dann erstmal bleiben lassen weil BASS inzwischen online war.
Auch da muß man sich einarbeiten, es ist aber in meinen Augen deutlich benutzerfreundlicher.
Vor allem gibt es da auch jede Menge TEXT-Tutorials.
Ich bin garkein Fan von Videotutorials, ich möchte was haben, worin ich auch mal zurückblättern kann.

Vielleicht bietet vspec aber Funktionen, die über BASS hinausgehen, keine Ahnung, also habe ich vor, mich anhand Deiner Postings hier nochmal reinzuarbeiten.
Und vielleicht sehe ich mir auch ein Video an. . . . .ist aber dennoch nicht meine Welt.

Hat jemand von euch eigentlich erfahrung mit ISIS ? Das scheint ja voll auf SHELYAK-Geräte ausgerichtet zu sein, ich habe das für den DADOS nie zum Laufen gekriegt.
 
Die Preise sind enorm, und ich bin mir sicher, dass ich damals deutlich unter 100€ für beide Bücher gezahlt habe.
Hallo Torsten,

ja, vor einigen Jahren waren die günstiger.
Ich habe auch noch all die PDF-Downloads, fand es aber nicht mehr wie fair, die Bücher zu kaufen.
Es steckt eine Menge Arbeit da drin, die honoriert werden darf.
Außerdem bin ich ein Fan des gedruckten Buches.

Den KALER habe ich schon seit die deutsche Übersetzung hier veröffentlicht wurde. Damit begann im Grunde die Faszination für die Astrospektroskopie.
Außerdem habe ich Gray, The Observation and Analysis of Stellar Photospheres und Gray, Corbally, Stellar Spectral Classification.
Außerdem von Sablowski, Schanne, Astrophysikalische Instrumentierung und Messtechnik für die Spektroskopie

Mit Hubeny, Mihalas, Theory of Stellar Atmospheres habe ich mich aber ein wenig übernommen, das ist strong stuff für meine begrenzten mathematischen Fähigkeiten.
 
Hallo Torsten,

Deine Spektren sind großartige Arbeit !
Sehr spannend, das bei Dir zu verfolgen.

Ich muß mich damit abfinden, daß diese SN für mich nicht erreichbar ist.
Ich bin nicht auf lange Belichtungen für Deep Sky eingerichtet da das einfach nicht mein vorrangiges Betätigungsfeld ist.
Ich schau´ künftig, wie ich mich auf die Spektroskopie schwächerer Objekte einrichte, aber momentan ist das nicht drin, bis zu den Sommerferien habe ich einfach zuviel zu tun.

Bei Dir die Entwicklung der SN zu verfolgen ist hochinteressant, vielen Dank für diese Daten.
 
Hi,

Off-topic(again):

Sorry, habe mich geirrt zwecks des Autors.
Es war dieses Buch das noch vor 2 Wochen schlappe 990€ gekostet hat.
Na auf jeden Fall jetzt bei mir steht da schlappe 500€.
Wahnsinn!

Clear skies,
- Martin
Amazon ist inzwischen gar nicht mehr billig, es lohnt sich immer eine Suche auf anderen Seiten, wo man meist günstigere Preise findet. Außerdem wollen wir doch nicht Bezos & Musk dabei unterstützen, wie sie uns den Sternhimmel mit ihren Myriaden von leuchtenden Satelliten wegnehmen wollen, um ihre schnellen Internetverbindungen an Hochfrequenz-Trader teuer zu verkaufen. Siehe Arte-Doku und andere Quellen.
Astrogrüße, Claus
 
Hallo in die Runde,

das Buch von James B. Kaler habe ich mal von einem Sternfreund geschenkt bekommen. Bisher fristete es ein eher beschauliches Dasein in meinem Bücherregal, aber jetzt habe ich es endlich aus seinem Dornröschenschlaf wach geküsst :love:.

Außerdem habe ich mittlerweile wieder etwas mit VSpec geübt. Die Anmerkungen über die "verbesserungsfähige" Bedienerfreundlichkeit der Software kann auch ich voll unterstreichen. Meine Probleme liegen nicht darin zu wissen, welche Bearbeitungsschritte nötig wären, sondern heraus zu bekommen, wie eigentlich triviale Dinge funktionieren. Zum Beispiel landet das Resultat einer Profil-Subtraktion im Diagramm des Ausgangsprofils. Das Tutorial sagt dann, man solle es abspeichern. Nur wie... es landet nur das Ausgangsprofil in der neuen Datei. Naja, letztendlich hat es dann doch noch geklappt.
Hier mein Kontinuum-korrigiertes Wega-Spektrum:

5_my-spec-continuum-corrected.jpg


Viele Grüße, CS und sexy Spektren ;-),
Reinhard
 
Hallo Reinhard,

motiviert von Deinen Berichten habe ich am Sonntag versucht, Spektren in vspec einzulesen um eine Bearbeitung zu wagen.
Tja - FITS-Files, die alle anderen Programme ohne zu meckern nehmen, werden von vspec nicht erkannt.

Ich habe sie dann in pic-Files (eigenartiges Format) umgewandelt.
Jetzt kann vspec sie lesen, aber sie sind völlig verzerrt, unkorrigierbar.

Danach war mir dann die Lust auf das Programm wieder vergangen.

BASS macht hier und da auch eigenartige Sachen, aber die korrigiere ich viel schneller.
 
Hallo Martin,

Probleme von Vspec mit Fits Dateien sind mir bekannt. Wenn ich mich recht erinnere, braucht es 16bit Fits, konnte zumindest damals mit Gleitkomma Zahlen nichts anfangen. Daneben haben die französischen Fehlermeldungen genervt. Aber sonst war es ganz nett und ich habe es gerne neben BASS eingesetzt.

CS
Arnold
 
motiviert von Deinen Berichten habe ich am Sonntag versucht, Spektren in vspec einzulesen um eine Bearbeitung zu wagen.
Tja - FITS-Files, die alle anderen Programme ohne zu meckern nehmen, werden von vspec nicht erkannt.
Hallo Martin,

ich habe das eben nochmal probiert. Die Vorverarbeitung, also stacken, evtl. mit Darks und Flats, sowie drehen und ausschneiden mache ich in Fitswork. Damit kenne ich mich gut aus und ich kann detailliert nachvollziehen was das Programm macht. Abgespeichert habe ich dann in Fits.

Das Einlesen in VSpec und die Extraktion des Profils klappten problemlos:

7_fits-to-spc.jpg


Meine VSpec-Version ist die anscheinend aktuelle 4.4.0:

8_version.jpg


Welche VSpec-Version nutzt Du?

Aber wenn Du BASS laufen hast und damit klar kommst, dann ist es doch gut. Ich fange ja ganz neu an und dann bin ich erst mal zufrieden, wenn ich eine Software habe die irgendwann das macht was ich brauche, hakelig hin oder her. Ehe ich mich jetzt wieder in ein anderes Programm rein gekniet habe, klappt das bestimmt auch mit VSpec.

Viele Grüße, CS und viel Spaß mit der Spektroskopie,
Reinhard

PS: Im Moment hakt es am "CS" :-/
 
Hallo Reinhard,

ich habe bislang die Version 4.3.2 genutzt, habe mir aber eben die aktuelle 4.6.8 heruntergeladen.

Ja, mit BASS komme ich gut zurecht, zumal in BASS auch das Stacking geleistet werden kann.
Genau diese Stacking-Resultate im FITS-Format gespeichert kann vspec nicht lesen.
Ich werde es mit der neuen Version versuchen.
Das läßt mir keine Ruhe jetzt.

Am Wochenende habe ich ein wenig Zeit, mal sehen. . . .
 
Hallo,

die aktuellen entwicklungen zu dokumentieren gestaltet sich derzeit als schwierig. Es gibt nach Dämmerungsende bei uns die Tendenz zum Wolkenaufzug, so dass ab etwa einer Stunde nach Mitternacht fast nichts mehr geht, oder wie letzte Nacht alles zu ist. Schon wieder so ein dämliches Tief über den Alpen. :cautious:

Von Vorgestern im Vergelich zum 29.06.23 die folgende Präsentation. Es hat den Anschein, dass eine Temperaturerhöhung stattgefunden hat (Zunahme des Kontinuumsverlaufs im Blauen bzw. Verschwinden der Absorption um 3850 Angström). Ob dieser Effekt real ist, ist vermutlich fraglich, solange keine Bestätigung vorhanden ist.
Besonders interessant erscheint mir aber, dass das Niveau der H-Alpha-Emission gleich geblieben ist, und das Minimum der blau verschobenen Absorption immer noch bei 6400 Angström liegt. Also resultiert keine Änderung der Expansionsmessung gegenüber dem 29.06.23.

Das Ergebnis der Geschwindigkeitsmessung würde ich mit einem Größtfehler von +/- 300 km/s beziffern, basierend auf der Dispersion von 6,14 Angström pro Pixel, die Vspec angegeben hat.
Die Geschwindigkeitsbestimmung hängt ja mit einer Differenzbildung zusammen, bei der eine der Wellenlängen gemessen wird. Deswegen erscheint die Angabe der Dispersion als Fehler plausibel. Die beiden Spektren zeigen, dass die Wellenlängenkalibrierung wohl konsistent ist. Natürlich hängt der Wert der gemessenen Wellenlänge von dieser Kalibrierung ab. Es wäre vermutlich auch plausibel, den Größtfehler zu verdoppeln, also den Fehler der Wellenlängenmessung auf 12,3 Angström pro Pixel zu verdoppeln und von knapp +/- einem Nanometer Größtfehler auszugehen, was auf +/- 600 km/s Fehler führt.


SpektrumSN2023ixf20230629mit0706.jpg


Viele Grüße
Torsten
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Torsten,

da hast Du leider auch keine besseren Bedingungen als wir hier im äußersten Westen von Deutschland. Erst gestern konnte ich meine Spektroskopie-Versuche kurz, für ein halbes Stündchen, fortsetzen, eher sich wieder eine Wolkenbank rein schob. Aber das soll hier nicht das Thema sein. Ich habe sowieso schon ein schlechtes Gewissen, weil ich Deinen Thread gekapert habe und werde deshalb in Kürze einen Eigenen aufmachen. Alleine schon deshalb, weil es da wohl noch Einiges zu berichten geben wird. Ich bin guter Hoffnung, dass Du auch dort Deine Kompetenz mit einbringen wirst.

Nun habe ich versucht Deine Aussagen über die Entwicklung der Supernova anhand Deines Spektrums nachzuvollziehen.
Ok, die Zunahme im Blauen, so zwischen 4200 und 5400 Angström ist gut sichtbar. Kurzwelliger, also zum nahen UV hin, hat das Kontinuum im neuen Spektrum aber wieder abgenommen. Da verstehe ich das "Verschwinden der Absorption um 3850 Angström" nicht wirklich, vielleicht kannst Du mir da mal auf die Sprünge helfen.
Was mir auch auffällt ist, dass die Intensität des Kontinuums im neuen Spektrum zum Roten bzw. nahen Infraroten hin abgenommen hat. Die H-Alpha Emissionslinie sieht dagegen erstaunlich gleich aus.
Wie, bzw. auf welche Linien, machst Du Deine Wellenlängen-Kalibration? Nutzt Du eine Wasserstoff Eichquelle, oder stammt das H-Vergleichsspektrum aus einer externen Datei?
Ich frage auch deshalb, weil mir die X-Skala der Wellenlängen nicht gut zur Balmer-Serie zu passen scheint.

Es ist jedenfalls spannend, die Veränderungen des Supernova-Spektrums über die Wochen mitzuverfolgen, auch wenn ich da nicht alles verstehe.

Viele Grüße und klaren Nachthimmel,
Reinhard
 
Hallo Reinhard,

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Wie, bzw. auf welche Linien, machst Du Deine Wellenlängen-Kalibration? Nutzt Du eine Wasserstoff Eichquelle, oder stammt das H-Vergleichsspektrum aus einer externen Datei?
Ich frage auch deshalb, weil mir die X-Skala der Wellenlängen nicht gut zur Balmer-Serie zu passen scheint.

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Danke für den Hinweis! Das ist ein sehr ärgerlicher Fehler, der ein Bug in der Vspec-Version ist, die ich verwendet habe. Ich habe während der Bearbeitung den Bildausschnitt in der Wellenlänge verkleinert bzw. verkleinernd zurecht geschnitten. Dabei wurde die Skalierung nicht angepasst und es resultierte die falsche Wellenlängenskala.
Dieser Fehler ärgert mich doppelt, weil ich in diesem Forum das Bild in Beitrag # 49 nicht einfach austauschen kann, so wie das in anderen Foren möglich ist (das ist auch der Grund, warum ich mich hier mittlerweile sehr mit Beiträgen zurückhalte und normalerweise penibel darauf achte, dass alles stimmt, was ich schreibe und einstelle).

Gut, sei´s drum, hier das korrigierte Bild.

SpektrumSN2023ixf20230629mit0706.jpg


Zur Wellenkalibration; ich benutze das Spektrum eines Sterns mit bekannter Spektralklasse. Für die Supernova ist das eta Ursae maioris. Dieses Sepktrum nehme ich jeden Abend als Erstes auf und lade es zur Kalibrieung in Vspec, nachdem ich den Graphen für das Supernovaspektrum erstellt habe. Das steht übrigens im erläuternden Teil rechts oberhalb der Grafik: "Wavelength calibration (2 line calibration) and relative flux calibration conducted, using B3V star eta UMa."

Das "Verschwinden der Absorption um 3850 Angström" kann ich im Augenblick auch nicht deuten, aber es ist nichts Außergewöhnliches, dass bei Supernovae Absorptionslinien durch Emissionen wieder "aufgefüllt" werden. Dies kann vom selben Element stammen oder durch ein anderes Element geschehen.
Exemplarisch kann man das in Beitrag # 3 im Spektrum der Supernova von 2014 nachvollziehen. Das charakteristische Merkmal einer Supernova Typ I ist die auffällige SI-Absorption um 6100 Angström in der Anfangsphase der Expansion (pinkfarbene Kurve im Bild in Beitrag # 3). Etwa einen Monat später ist diese Absorption wohl auch noch vorhanden, aber durch einen Si-Emissionsanteil und einen Absorptionsanteil der Ionen Ni II, Co II, FeII ergänzt (blaue Kurve in Beitrag # 3). Ähnliches kann man für die Ca II-Ionen um 8200 Angström und das "Auffüllen" durch Emission zwischen 8500 und 8900 Angström sagen.
Damals hatte ich deutlich mehr Belichtungszeit sammeln können, so dass alle Spektren ein verhältnismäßig gutes Signal-Rausch-Verhältnis aufwiesen. Außerdem war ich mit dem C11 am Objekt dran.
Die Linienidentifikationen stammen aus den Arbeiten, die ich in # 3 zitiert habe und sind Teil der Theorie, die die Profis hierfür erarbeitet haben. Ich selbst vollziehe das Ganze nur nach und erfreue mich an der Konsistenz meiner Beobachtungen.

So das war´s jetzt erstmal wieder. Die Animation meiner bisherigen Ergebnisse ist in Arbeit, und ich muss mir überlegen, ob ich sie hier noch einstellen soll. Wenn, dann nur als Link, dann mit den Problemen die die Webseite hat.

Viele Grüße
Torsten
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo zusammen,

leider muss ich mit einer Korrektur der Beiträge #49 und #51 beginnen. Die Farbzuordnungen im Text sind umzukehren. Die Systematik ist, dass das aktuellste Spektrum immer blau dargestellt ist. Ich kann es nicht ändern, da die Beiträge nicht mehr editierbar sind.
Deshalb ab jetzt nur noch Verlinkung. Mir ist klar, dass das bei einigen Browsern zu Problemen mit der Anzeige führt. Leider habe ich auf den Server und die Dateibezeichnungen keinen Einfluss, auch nach mehrmaliger Reklamation. Auf diese Weise lassen sich aber im Nachhinein Fehler korrigieren.

Gestern Nacht gab es tatsächlich keine Störung durch Wolken und selbst die Horizontsicht war sehr gut - Schütze bis zum Horizont herunter.
Das Bild unten zeigt den Vergleich mit dem Spektum vom 29.06.2023. Die Absorption am blauen Rand der H-Alpha-Linie bestätigt sich, damit auch die Expansionsgeschwindigkeit. Im Blauen ist aber im Gegensatz zum Spektrum vom 06.07.23 keine Intensitätsanhebung zu sehen. Dies scheint also vermutlich ein Artefakt zu sein, welches womöglich mit den deutlich schlechteren Bedingungen am 06.07.23 zusammenhängt. Das Spektrum vom 09.07.23 zeigt also nun auch den (plausiblen) Trend der Abkühlung im Vergleich zum 29.06.23.
Interessante neue Struktur könnte die Emission um 8700 Angström sein, welche in der in Beitrag #4 zitierten Quelle im pdf auf Seite 11 zu sehen ist und mit Ca-II-Ionen in Verbindung gebracht wird. Das wird dann interessant in den nächsten Tagen und Wochen, ob sich diese Emission "festigt" bzw. sogar verstärkt, wie die Spektren in der Quelle es zeigen. Es ist anzunehmen, dass die H-Alpha-Emission ebenfalls weiter zunimmt.


Direkter Link zum Bild:
http://www.aau.telebus.de/Ver_7/use...20230709/SpektrumSN2023ixf20230629mit0709.jpg


Link zur Grafik: http://www.aau.telebus.de/Ver_7/user/Torsten_Hansen/SN2023ixf20230709/SpektrumSN2023ixf20230629mit0709.jpg


Grüße
Torsten
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Farbzuordnungen im Text sind umzukehren.
Hallo Torsten,

ahhh... das löst mein im Beitrag #50 geäußertes Verständnis-Problem. Danke für die Klarstellung!
Für mich als Anfänger sieht das so aus, als ob die Supernova "roter" wird, was ich auch bei einer Abkühlung erwarten würde.

Ich habe übrigens "meine Drohung" wahr gemacht und einen eigenen Thread für die Berichte über "meine zweiten Schritte zur Spektroskopie" eröffnet. So kann sich dieser Thread wieder ganz auf das eigentliche Thema "SN 2023ixf" konzentrieren. Sehr inspirierend jedenfalls!!! :)

Viele Grüße und einen guten Start in die Woche,
Reinhard
 
Hallo Torsten,

sehr spannend, vielen Dank für die Bereitstellung der Spektren !
Wie geschrieben - für mich ist die SN bislang nicht erreichbar.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo,

weiter geht´s. Vorgestern Nacht mal wieder schön klar, allerdings mit sehr unruhiger Luft. Die folgenden beiden Bilder sind zum einen der Vergleich 09.07.23 - 15.07.23 aus Beitrag #54 und drunter der Vergleich 15.07.23 - 23.07.23.
Insgesamt weiterhin kaum eine Änderung, insbesondere bei der H-Alpha-Linie. Nach wie vor ergibt sich die gleiche Expansionsgeschwindigkeit. Eine konsistente Beobachtung, vor allem auch was die Ca-II-Emission angeht.

SpektrumSN2023ixf20230709mit0715.jpg



SpektrumSN2023ixf20230715mit0723.jpg


Grüße
Torsten
 
Hallo Torsten,
ich hab gerade meine ersten Versuche mit dem neu erworbenen Star Analyser100 an dieser SN gemacht Die SN und dieser Thread haben mich dazu motiviert.
Da mir Visual Spec regelmäßig abgestürzt ist, hab ich jetzt noch kein auskorrigierten Spektren. Mit einem selbst gebauten Software-Hilfsmittel taste ich mich aber langsam an das Thema ran. Die 2 Ergebnisse sind vom 25.6.23 (schwarz) und vom 29.7.23 (rot), wobei beide auf das gleiche y_max gestreckt sind. In beiden Versuchen wurden ein paar H-Linien vorab an Wega bestimmt und der lineare nm/Pixel-Faktor zwischen Stern (0. Ordnung) und H-Linien auf die SN-Aufnahmen übertragen.
Ich bin nun gerade bei 2 Fragen angekommen:
Woher kommt die Zuordnung der Minima zu den Wellenlängen der Elemente. Um jedes Minimum tummeln sich doch sehr viele Linien von unterschiedlichen Elementen?
Bei mir lässt die Blauverschiebung zwischen den beiden Graphen leicht nach (von 7200km/s auf ca. 6700, ohne Beachtung der Galaxiebewegung). Ist das der Ungenauigkeit bei mir geschuldet?

Gruß
thomas314

1690730204839.png
 
Die Intensität des kurzwelligen Bereichs im Spektrum nimmt offensichtlich rapide ab. Hier mal ein Link zu veröffentlichten Daten vom Transient Name Server Programm der IAU: SN 2023ixf | Transient Name Server. Das Einblenden von Refernz-Spektrallinien ist da ein ganz nettes Feature.

Auf Fotos im Netz aus den letzten Tagen ist gut zu sehen, dass die SN nicht mehr bläulichweiß erscheint, sondern orangefarben. Es ist allerdings nicht das typische H-alpha-Rot, sondern eher das eines K-Sterns.

Grüße
Jürgen
 
Hallo,

weiter geht´s. Vorgestern Nacht mal wieder schön klar, allerdings mit sehr unruhiger Luft. Die folgenden beiden Bilder sind zum einen der Vergleich 09.07.23 - 15.07.23 aus Beitrag #54 und drunter der Vergleich 15.07.23 - 23.07.23.
Insgesamt weiterhin kaum eine Änderung, insbesondere bei der H-Alpha-Linie. Nach wie vor ergibt sich die gleiche Expansionsgeschwindigkeit. Eine konsistente Beobachtung, vor allem auch was die Ca-II-Emission angeht.

Den Anhang 344806 betrachten


Den Anhang 344807 betrachten

Grüße
Torsten
Hallo Torsten, kannst Du ein Liniengitter über den Graphen legen, damit man die Werte besser ablesen kann?
Astrogrüße, Claus
 
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