Spiegelteledskope haben zu viel Obstruktion?

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
@Jan: Ein Metalltubus kann die Temperatur eines Spiegels bei Temperaturschwankungen nicht nennenswert beeinflussen, weil: Metall eine sehr gute Wärmeleitfähigleit hat. Die Wärmeleitfähigkeit von Aluminium(Tubus) z.B. ist über 300 mal so hoch wie die von Glas(Spiegel). Das heißt, ein Metalltubus hat als seine Eigenschaft einen äußerst guten Austausch seiner Eigenwärme mit der Umgebung und umgekehrt, im starken Gegensatz zu Glas. Mit anderen Worten Aluminium kühlt/erwärmt sich 300 mal schneller als Glas. Der Tubus ist zu schnell ausgekühlt bzw aufgewärmt um eine nennenswerten Einfluss auf den Spiegel(Glas) zu nehmen. Der Spiegel hängt seiner Umgebung in einem Metalltubus also nahezu genauso hinterher wie in einem offenen Tubus. Der Effekt ist also nicht der Rede wert.

Um Taubildung zu verhindern, ist ein geschlossener Tubus immer besser als ein offener. Für die Taubildung an kalten Oberflächen ist hauptsächlich der jeweilige Taupunkt am Beobachtungsort verantwortlich, und der kann sich von Ort zu Ort sehr unterscheiden.

Gruß, Christian
 
Zitat von Christian_P:
... weil: Metall eine sehr gute Wärmeleitfähigleit hat.
Hallo Christian,

Die Wärmeleitfähigkeit des Tubusmaterials ist an dieser Stelle völlig belanglos. Es kommt hier allein auf die Temperatur des Tubus an, in dem der Spiegel eingepackt ist. Wenn diese kälter ist als die Umgebungsluft, dann kann es zu Taubildung kommen, zunächst auf dem Tubus, dann aber ggf. auch auf dem vom Tubus eingeschlossenen Spiegel.


Zitat von Christian_P:
Um Taubildung zu verhindern, ist ein geschlossener Tubus immer besser als ein offener.
Das halte ich schlichtweg für ein Gerücht! Mein offener Spiegel beweist offenbar genau das Gegenteil.

Gruß, Jan
 
Ich möchte dies hier einmal komentarlos reinstellen. Vielleicht bringt es ja ein bisschen Klarkeit zum Thema Tau. Ich habe mich gerade zum ersten Mal damit beschäftigt und fand diese Informationen sehr interessant.


Quelle: Amateur Astronomer's Handbook, by J.G. Sidgwick, 11.1 Dewing-up, page 197-200.


Die Gegebenheiten beim beobachten können sein:

(a) Die Lufttemperatur ist über dem Taupunkt:
  • an Oberflächen wärmer als die Lufttemperaur schlägt sich kein Tau nieder
  • an Oberflächen mit einer Temperatur gleich der Luft bildet sich kein Tau
  • an Oberflächen kälter als die Lufttemperatur kann sich Tau bilden, abhängig davon, ob die Oberfläche über oder unterhalb der Temeratur des Taupunktes liegt

(b) Die Lufttemperatur ist unterhalb des Taupunktes:
  • an Oberflächen wärmer als die Luft kann sich Tau bilden, abhängig davon, ob die Oberfläche über oder unterhalb der Temperatur des Taupunktes liegt
  • Tau bildet sich an jeder Oberfläche mit derselben Temperatur wie die Luft
  • Tau bildet sich an jeder Oberfläche die kälter ist als die Luft


Im Fall (b) schlägt sich Tau an offenen Oberflächen z.B. Objektivlinsen stärker nieder als an relativ geschützten Oberflächen wie z.B. Hauspiegel im Tubus. Das ist in (a) nicht der Fall.

Angenommen, die Temperatur fällt während einer Beobachtung, dann wird eine Oberfläche mit geringer Wärmeleitfähigkeit länger von Tau freibleiben, als eine mit höherer Wärmeleitfähigkleit, weil ihre Temperatur hinterhängen wird - die Oberfläche ist also wärmer - als die Luft.



Es gibt mindestens 5 Faktoren, welche die Taubildung veringern können:

(a) Reduzierung der Luftfeuchtigkeit
(b) die Oberfläche ist etwas wärmer als die umgebende Luft
(c) die Oberfläche und ihre Umgebung sind von geringer Wärmeleitfähigkeit
(d) Abschirmung der Oberfläche von der umgebenden Luft so stark wie möglich
(e) Abwesenheit von Staubpartikeln auf der Oberfläche, welche als Kondensationskeime wirken können



verschiedene Methoden zu Taubekämpfung:

(a) Austausch der feuchten Luft über der Oberfläche durch einen leichten temperierten Luftstrom
(b) Die Oberfläche gegenüber der Luft erwärmen
(c) Verwendung von Material geringer Wärmeleitfähigkeit
(d) Die Oberfläche möglichst wenig der umgebenden feuchten Luft aussetzten
(e) Sauberkeit aller optischen Oberflächen
 
Hallo Statis,
so habe meine Antwort bekommen.

Unser "Experte" arbeitet ja noch immer an der Optimierung seiner neuen Modelle, weill ers ja mal wieder bis zum Exzess perfekt machen will :-). In Folge seiner jahrelangen Tests ist er zum gleichen Ergebniss gekommen. Der Hauptspiegel hinten zeigt keinen Unterschied im Auskühlverhalten ob er Poliert oder nur matt angeschliffen ist. Zu Beginn seiner Forschungen dachte er andere Ergebnisse zu sehen,diese haben sich aber egailisiert.

Dank diesem Thread erspart uns dies nun Extrakosten einer Politur.


Wieder was dazu gelernt.
 
Zitat von Christian_P:
Ich möchte dies hier einmal komentarlos reinstellen. Vielleicht bringt es ja ein bisschen Klarkeit zum Thema Tau. Ich habe mich gerade zum ersten Mal damit beschäftigt und fand diese Informationen sehr interessant.
Quelle: Amateur Astronomer's Handbook, by J.G. Sidgwick, 11.1 Dewing-up, page 197-200.
Hallo Christian,

Da die Diskussion inzwischen erheblich vom ursprünglichen Thema über Obstruktionen abweicht, werde ich die Fortsetzung in den älteren Thread über das Teleskop selbst verlagern, welches die aktuelle Diskussion über die Taubildung an verspiegelten Objekten bereits im vergangenen September ausgelöst hatte.

Gruß, Jan
 
hallo Jan,

du hast rech, wir sollten dort weiterdiskutieren. Nur noch soviel - meine Blechröhre ist aussen mit Styrodur isoliert und innen mit Velour verkleidet, also keineswegs ungebremste Blechtemperatur. Den Lüfter stell ich beim Knipsen im Primärfokus nach einer initialen Kühlphase ab. Damit ist der Glasblock von hinten gegen Konvektion einigermassen geschützt.
Trotzdem taut er bei extremen Verhältnissen nach etwa 3-4h zu.

lg Tommy
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben