Tageseinnordung über Sonnen-GoTo: Welche Erfahrungen habt ihr?

Dane Vetter

Aktives Mitglied
Hallo zusammen!

Im Hinblick auf die kommende Sonnenfinsternis, für die ich tatsächlich einmal seit Jahren mal wieder mobil aufbauen muss, habe ich einen ersten Versuch zur Einnordung am Tag durchgeführt.

Dabei bin ich nach der GoTo-Methode vorgegangen:
  • Stativ in Waage aufgestellt
  • Montierung (RST-135) grob nach Norden ausgerichtet und die Polhöhe eingestellt
  • genaue Uhrzeit und Standortkoordinaten per GPS übernommen
  • Montierung aus der mechanischen Nullposition beziehungsweise nach dem Homing gestartet
  • Sonne per GoTo angefahren
  • Sonne anschließend ausschließlich über die mechanische Alt-Az-Verstellung der Montierung zentriert
Die Zentrierung habe ich zunächst grob über den Sonnensucher und anschließend genauer über das Okular direkt durch das Teleskop vorgenommen.

Der erste Test war allerdings etwas ernüchternd... In SharpCap habe ich einen Kreis um die Sonnenscheibe gelegt und beobachtet, wie stabil die Position bleibt. Bereits nach ungefähr fünf Minuten war die Sonnenscheibe gut sichtbar aus dem Kreis herausgewandert.

Screenshot 2026-07-28 161022.png


Daraufhin habe ich die komplette Prozedur noch einmal von vorne durchgeführt. Eine erkennbare Verbesserung ergab sich dadurch jedoch nicht. Ich habe anschließend nochmals alle Einstellungen kontrolliert. Uhrzeit, Standortkoordinaten und die Nachführgeschwindigkeit für die Sonne waren korrekt eingestellt. Auch das Stativ war noch im Wasser - Falls die Libelle von meinem berlebach noch korrekt funktioniert.

Inzwischen vermute ich, dass diese Methode grundsätzlich nur eine relativ grobe Einnordung ermöglicht. Schließlich gehen bei der Positionierung über ein einzelnes GoTo-Ziel neben dem eigentlichen Polfehler möglicherweise noch weitere Abweichungen ein, zum Beispiel:
  • Konusfehler zwischen Teleskop und Montierungsachse
  • Offset oder begrenzte Wiederholgenauigkeit der Homeposition, was ich jetzt von meiner RST-135 weniger einschätzen kann.
  • mechanisches Spiel bei der Alt-Az-Verstellung - Wobei ich hier direkt nichts davon merke.
  • Durchbiegung oder Setzen von Stativ und Montierung - Aber das ist eigentlich eine recht stabile Konstruktion.
  • Restfehler bei Uhrzeit, Standort oder Zeitzoneneinstellung, wobei das mit GPS ja ziemlich genau sein sollte.
Mich würde daher interessieren, welche Erfahrungen ihr mit dieser Methode gemacht habt.

Funktioniert die Tageseinnordung über Sonnen-GoTo bei euch deutlich besser und habe ich möglicherweise einen wichtigen Schritt oder eine Einstellung übersehen? Oder ist die erreichbare Genauigkeit bei dieser Vorgehensweise grundsätzlich eher grob und eine sichtbare Drift nach wenigen Minuten völlig normal?

Die andere Option wäre, dass ich nach dieser groben Einnordung dann das Autoguiding nutze. Damit bleibt die Sonne am Platz. Nur habe ich meine Zweifel, ob das bei einer Sonnenfinsternis noch zuverlässig klappt.

Screenshot 2026-07-28 164520.png


Die andere Variante wäre dann eine Feineinstellung über den Drift, bei der ich mir aber zum einen etwas unsicher wäre, und zum anderen auch etwas Zeit in Anspruch nimmt.

Danke im Voraus für jegliche Hinweise.
 
Bei der letzten von Deutschland aus sichtbaren SoFi, bei der ich auch im Lande war (2021 war das - doch schon so lange her) hatte ich u.a. eine azimutale NexStar SE (die größere 6/8) im Einsatz. Ich war überrascht, wie gut sie mit effektiv einem 1-Stern-Alignment nachgeführt hatte – wobei das heißt, dass ich nur zwei mal oder so im Lunt 60 nachkorrigieren musste, aber auch nur visuell unterwegs war. Mittlerweile haben wir noch eine Libelle besorgt, um das Stativ besser waagrecht auszurichten.

Da das aber immer nur ein 1-Stern-Alignment ist, erwarte ich da nicht so viel Genauigkeit. Wenn du mehr willst (du bist parallaktisch unterwegs?), würde ich eine Stunde vorher aufbauen und die Driftmethode verwenden.

Autoguiding soll zumindest mit der kleinen SkyWatcher Solarquest funktionieren, auch während einer SoFi. Es gibt ja eine PHD-Version für die Sonne, vielleicht kann da schon jemand eine Schätzung abliefern? Frag vielleicht mal in dem Thread nach: erweiterte PHD2 Version für Sonnenbeobachtung!

Viel Erfolg,
Alex
 
Ich stehe vor derselben Frage. Meine Idee für die totale SoFi war am Vortrag in Spanien schonmal die Lokation zu scouten um mir dann am Boden Markierungen zu machen, nachdem ich das Setup in der Nacht eingenordet haben, in der Hoffnung, dass der Platz dann am entscheidenden Tag noch frei ist. ;)
Das Guiding in Sharpcap hatte ich auch schon überlegt aber da ich ein Script während der totalen in Sharpcap laufen lasse für die automatischen Aufnahmen, befürchte ebenfalls, dass es dann evtl. zu Problemen durch die unterschiedlichen Belichtungen kommen könnte.

Hat jemand die 3 Guidingmethoden mal getestet? Da ich im Weißlicht aufnehme war meine Idee die mittlere Einstellung mit Center of Mass zu nutzen. Im ersten Test, hat das einigermaßen gut geklappt.
 
Hi Alex,

ja mit der RST-35 bin ich paralaktisch unterwegs. Die Frage ist halt auch, ob so eine kleine" Dosenlibelle auch ausreichend prüzise ist, für so eine Methode. Zudem habe ich zwischen Montierung und Stativschulter noch eine kleine Säulenverlängerung. Ich schätze mal, dass eine kleine Ungenauigkeit in der Waage sich dadurch noch mal etwas deutlicher auswirkt.

2026-07-29 14_42_12-0D0A0685-Verbessert-RR.JPG - IrfanView (Zoom_ 3329 x 4990).jpg


Vielleicht funktioniert die Methode bei azimutalen Montierungen auch zuverlässiger? Was ich halt auch zu einem späteren Zeitpunkt gemerkt habe: Als die Sonne schon weiter in Richtung Westen gezogen ist, wollte ich ein weiteres Mal alles von Vorne beginnen.

Was ich hier aber gemerkt habe, ich konnte die Sonne nicht mehr zentrieren. Die Achsen waren irgendwie so ausgerichtet, dass Veränderung der Polhöhe sowie von Azimut eigentlich immer die gleiche Bewegung erzeugte. Ich dachte ich bin bescheuert! :) Da ich das nicht verstanden habe, hatte ich daraufhin die KI befragt:

Bei der Einnordung über Sonnen-GoTo kann es bei tief stehender Sonne zu geometrischen Einschränkungen kommen. Wenn die Sonne weit im Westen steht, wirken Altitude- und Azimutverstellungen im Bild kaum noch unabhängig voneinander. Beide Korrekturen führen fast in dieselbe Bewegungsrichtung, sodass sich die Sonne nicht mehr sauber zentrieren lässt. Die Methode ist daher vor allem sinnvoll, solange die Sonne noch relativ hoch steht.

Sollte das stimmen, wäre dies für die tiefstehende SoFi vielleicht nicht so von Vorteil.

PHD2 für die Sonne hatte ich hier mal heruntergeladen und getestet, das klappe meiner Erinnerung nach auch recht gut. Die Frage ist, ob das bei einer Sonnenfinsternis mit davor bewegenden Mond auch noch zuverlässig klappt.

Am liebsten wäre mir schon, zusätzlich zu dieser GoTo Version noch ein Autoguiding, damit wäre man eigentlich auf einfachen Weg save.

Die Solarquest wäre für mein 100er Lunt deutlich wohl zu klein. Zudem ich aber auch nicht vor habe, eine extra Anschaffung einzuplanen.



Hallo Marco
Hat jemand die 3 Guidingmethoden mal getestet? Da ich im Weißlicht aufnehme war meine Idee die mittlere Einstellung mit Center of Mass zu nutzen. Im ersten Test, hat das einigermaßen gut geklappt.
Ich habe wie oben im Screenshot zu sehen mit der Image Features Methode gearbeitet, was funktioniert hat, da bei meiner H-alpha Aufnahme auch ausreichend Merkmale zum festhalten vorhanden waren.

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Bisher hatte ich aber immer mit Center of Mass gearbeitet, was bei Weißlicht auch prima funktioniert hat. Die Frage ist aber gesondert hier, ob das noch funktioniert, wenn sich der Mond davor schiebt, und ob er dann noch sauber einen Center of Mass erkennt.

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ich nutze eine AZ-EQ6 im AZ-Modus. Das Berlebach Planet in Waage und ein Ein-Stern-Alignment (Daytime Alignment) und die Sonne wird über Stunden zuverlässig getrackt. Mit Firecapture kann ich auch die Montierungssteuerung/Objektzentrierung nutzen.

CS, Ralf
 
Hi!

Ich würde eher zur Wasserwaage als zur kleinen Libelle greifen, wobei ich auch schon schiefe Wasserwaagen hatte :mad:

Mit der Drift-Methode bin ich als recht flott am Ziel, das war aber auch meist am späteren Vormittag. Statt perfekter Nachführung suche ich noch eher eine Software, um die Sonne in der Bildbearbeitung für einen Zeitraffer sauber zu zentrieren, und setze auf ein größeres Bildfeld.

Wo du die ganzen kleinen Einflüsse auflistet, die sich summieren können: Macht sich bei der SoFi eigentlich schon die Refraktion bemerkbar?

Viel Erfolg,
Alex
 
ich nutze eine AZ-EQ6 im AZ-Modus. Das Berlebach Planet in Waage und ein Ein-Stern-Alignment (Daytime Alignment) und die Sonne wird über Stunden zuverlässig getrackt. Mit Firecapture kann ich auch die Montierungssteuerung/Objektzentrierung nutzen.

CS, Ralf
Das würde ja meine These unterstreichen, dass die Methode bei AZ-Montierungen zuverlässiger funktioniert.

Ich würde eher zur Wasserwaage als zur kleinen Libelle greifen, wobei ich auch schon schiefe Wasserwaagen hatte :mad:
Ja ich sollte das tatsächlich wenigsten mal gegenprüfen, ob hier nicht ein Fehler vorliegt. Mit einer Wasserwaage mit Prüfzertifikat vom Eichamt. :)

suche ich noch eher eine Software, um die Sonne in der Bildbearbeitung für einen Zeitraffer sauber zu zentrieren, und setze auf ein größeres Bildfeld.
Geht das nicht mit Pipp? Damit hatte ich auch schon Mond, Planeten zentriert. Die Frage ist, ob das mit dem Mond davor noch klappt.

Macht sich bei der SoFi eigentlich schon die Refraktion bemerkbar?
Die Frage hatte ich mir auch schon gestellt, und habe hierzu mal mit Vorsicht die KI für meinen Standort befragt. Aber vielleicht kann hier auch jemand was aus realer Erfahrung erzählen.

Ja. Bei der Sonnenfinsternis am 12. August 2026 ist die atmosphärische Refraktion in Jestetten bereits deutlich relevant, besonders für die Nachführung und für hochauflösende Aufnahmen.
Für den Raum Jestetten/Schaffhausen beginnt die partielle Finsternis gegen 19:24 Uhr, das Maximum liegt gegen 20:17 Uhr bei einer Finsternismagnitude von etwa 0,917. (Time and Date)

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Die Atmosphäre hebt die Sonne scheinbar an. Bei nur etwa 4° Sonnenhöhe liegt sie optisch ungefähr 0,2° höher, als es die rein geometrische Position erwarten lässt. Das entspricht ungefähr einem Drittel bis 40 % des Sonnendurchmessers. Die genaue Stärke hängt von Luftdruck, Temperatur und insbesondere von bodennahen Temperaturschichtungen ab. (NOAA Global Monitoring Laboratory)

Für deine Anwendung sind vier Effekte relevant:

1. Zusätzliche Bilddrift bei ephemeridenbasierter Nachführung
Zwischen Beginn und Maximum nimmt die Refraktion um ungefähr 7 Bogenminuten zu. Eine Montierung, die ausschließlich die geometrische beziehungsweise topozentrische Sonnenposition verfolgt, kompensiert diese Veränderung normalerweise nicht vollständig.
Die Sonne kann deshalb im Kamerabild allmählich in Richtung Zenit wandern, obwohl die eigentliche Sonnenrate korrekt eingestellt ist. Das ist kein Fehler der Montierung, sondern eine Veränderung der scheinbaren Sonnenposition durch die Atmosphäre.
Sieben Bogenminuten entsprechen ungefähr:
  • 22 % des Sonnendurchmessers
  • 420 Bogensekunden
  • bei engem Bildfeld einer durchaus kritischen Verschiebung
Bei einer Kamera, bei der die Sonnenscheibe das Bildfeld bereits weitgehend ausfüllt, musst du deshalb wahrscheinlich während der Finsternis nachzentrieren oder eine automatische Korrektur verwenden.

2. Vertikale Stauchung der Sonnenscheibe
Der untere Sonnenrand wird stärker angehoben als der obere. Bei etwa 4° Höhe ergibt sich unter Standardbedingungen eine differentielle Refraktion von ungefähr 1 Bogenminute über den gesamten Sonnendurchmesser.

Dadurch erscheint die Sonne vertikal um ungefähr 3 bis 4 % abgeflacht. Bei normaler Übersichtsaufnahme fällt das kaum auf. Bei hochauflösenden Ganzscheibenaufnahmen oder Messungen der Sonnensichel kann es sichtbar werden. Der Effekt der differentiellen Refraktion auf Sonnenaufnahmen ist auch aus solarastrometrischen Untersuchungen bekannt. (arXiv)

3. Chromatische atmosphärische Dispersion
Bei einer Farbkamera und breitbandigem Weißlicht werden verschiedene Wellenlängen unterschiedlich stark gebrochen. Dadurch können am Sonnenrand beziehungsweise an der dünnen Sonnensichel rote und blaue Farbsäume entstehen.
Das betrifft vor allem:
  • Canon EOS R5 mit Sonnenfolie und breitbandiger Aufnahme
  • Farbkamera ohne engen Grünfilter
  • Aufnahmen sehr nahe am Horizont
Bei Hα mit dem Lunt oder bei einem engen Solar-Continuum-Filter ist dieser Effekt praktisch stark reduziert, weil nur ein enger Wellenlängenbereich aufgenommen wird.

4. Finsternisgeometrie
Sonne und Mond stehen nahezu in derselben Blickrichtung. Die absolute Refraktion verschiebt deshalb beide Körper fast gemeinsam. Der Bedeckungsgrad und die grundsätzliche Form der Finsternis werden dadurch kaum verändert.

Für sekundengenaue Kontaktmessungen kann die differentielle Refraktion eine kleine Rolle spielen. Für normale Fotoaufnahmen ist hingegen die gemeinsame Positionsverschiebung und die dadurch verursachte Bilddrift wesentlich wichtiger.

Der entscheidende Punkt lautet daher:
Bei dieser tief stehenden Sonnenfinsternis ist die Refraktion nicht nur theoretisch vorhanden. Sie kann zwischen Beginn und Maximum eine scheinbare Drift von ungefähr 7 Bogenminuten verursachen. Bei einem eng gewählten Bildausschnitt solltest du deshalb nicht davon ausgehen, dass eine reine Sonnenrate die Scheibe über die gesamte Finsternis exakt zentriert hält.

Hinzu kommen das meist deutlich schlechtere Seeing, stärkere Extinktion und mögliche lokale Luftschichtungen knapp über dem westlichen Horizont. Diese Effekte dürften die Bildqualität wahrscheinlich stärker beeinträchtigen als die reine geometrische Verformung durch Refraktion.
 
Zuletzt bearbeitet:
PIPP hat zumindest bei mir nicht funktioniert, wenn ich da die Filme vom Dwarf Mini durchjage. Naja, schauen wir mal, was der August bringt.

Viel Erfolg,
Alex
 
Bisher hatte ich aber immer mit Center of Mass gearbeitet, was bei Weißlicht auch prima funktioniert hat. Die Frage ist aber gesondert hier, ob das noch funktioniert, wenn sich der Mond davor schiebt, und ob er dann noch sauber einen Center of Mass erkennt.
Stimmt natürlich, das könnte definitiv Probleme machen. ;)

ich nutze eine AZ-EQ6 im AZ-Modus. Das Berlebach Planet in Waage und ein Ein-Stern-Alignment (Daytime Alignment) und die Sonne wird über Stunden zuverlässig getrackt. Mit Firecapture kann ich auch die Montierungssteuerung/Objektzentrierung nutzen.
Ich habe die AM3 aber noch nie im AZ-Modus betrieben. Ich glaube ich muss mich mal damit beschäftigen. :geek:

Danke für die ganzen Anregungen!
 
Ich nutze eine Dosen-Libelle. Zur Zentrierung läuft PIPP bei mir einwandfrei.
 
Ich hatte mir früher auch mal so eine große Dosenlibelle zugelegt, musste aber zuvor durchtesten bis das gepasst hat.... :LOL:


 
uh, das ist ja schon eine mit grober Teilung und dann noch so "off" ... Oder hast eine Delle im Tisch? :p
 
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