Gestern Morgen (Samstag, der 19. Juli 2025) war ich ab 3:30 Uhr aktiv, um das neue TOE-Okular endlich einmal im Einsatz zu testen. Geplant war im Wesentlichen ein Vergleich des Pentax XW 5 mm mit dem TOE 5,5 mm am Mondterminator im letzten Viertel. Wenn noch Zeit bleiben sollte, wollte ich außerdem einen Vergleich am Saturn durchführen.
Allgemeine Informationen
Die Beobachtungen habe ich aus dem eigenen Garten am Leverkusener Stadtrand durchgeführt. Aufgrund der Nähe zu Köln ist die Sicht nach Süden und Westen stark aufgehellt und es wird nur in Richtung Osten wirklich dunkel (Helligkeitsgradient). Deshalb beobachte ich im Garten praktisch keine Deep-Sky-Objekte, ein paar Sternenhaufen einmal ausgenommen. Dafür stehen in Richtung Osten hohe Bäume, sodass Mond und Saturn erst am frühen Morgen darüberstanden.
Zur Beobachtung nutze ich primär ein Galaxy D10 von ICS (10 Zoll, f5) ohne Nachführung. Mit dem TOE 5,5 mm erreicht es eine 227-fache Vergrößerung. Das Vergleichsokular (Pentax XW 5 mm) liefert eine 250-fache Vergrößerung, sodass Unterschiede im Vergleich natürlich auch durch die unterschiedlichen Austrittspupillen bzw. Vergrößerungen bedingt sein können. Trotzdem macht ein direkter Vergleich für mich persönlich Sinn, da ich am Ende aus den Vergleichen ableiten möchte, welche Okulare ich dauerhaft nutzen möchte. Mein Ziel besteht darin, Okulare in der Nähe der maximal sinnvollen Vergrößerung zu haben. Am Planeten habe ich auch schon 3,5 mm getestet (Pentax XW 7 mm + 2-fach Barlow Orion Shorty Plus), aber die Ergebnisse haben mich hier nicht überzeugt.
Vergleich am Mond – TOE 5,5 mm vs. Pentax XW 5 mm (Beobachtungszeit: 3:30–4:45 Uhr)
Für den Vergleich habe ich den Krater Bullialdus als Beobachtungsregion nahe dem Terminator gewählt und mich von dort in Richtung Terminator vorgearbeitet. Die Region wird auf Seite 28 des Duplex Moon Atlas gezeigt. Da ich vermutlich kein Bild aus dem Buch zeigen kann, habe ich eine NASA-Darstellung der Region angefügt, die unter eine CC-Lizenz veröffentlicht ist ("NASA lunar chart of equatorial region (latitudes 45S to 45N)", 1979,
NASA-Quelle,
Wiki-Link) . Die wesentlichen Beobachtungsregionen habe ich in einem weiteren Bild in rot beschriftet dargestellt.
Bullialdus hat in seinem Mittelpunkt einen Zentralberg, der von beiden Okularen klar zu erkennen ist. Angrenzend befinden sich zwei weitere Einschlagskrater, die im Duplex Moon Atlas und in meinem Bild mit "A" und "B" bezeichnet sind. Trotz der hohen Vergrößerung ist der Mond in beiden Okularen immer noch sehr hell. Deshalb wollte ich zunächst einen leichten ND-Filter verwenden. Nach wenigen Minuten hatte sich meine Pupille jedoch offenbar entsprechend angepasst, sodass ich letztendlich auf den Filter verzichten konnte. Im direkten Vergleich lieferten sowohl das Takahashi TOE (5,5 mm) als auch das Pentax XW (5 mm) beeindruckend scharfe und kontrastreiche Eindrücke von Bullialdus und den Kratern A und B. Beide Okulare liefern eine bemerkenswerte Klarheit und eine überzeugende räumliche Darstellung der beobachteten Strukturen. Der Mond wird in beiden Okularen in einem neutralen Farbton und ohne Reflexe gezeigt. Im Vergleich dazu wirkte der Mond im Nagler 11 mm, das zuvor kurz zum Aufsuchen genutzt wurde, leicht gelbstichig. Die Unterschiede in der Vergrößerung fielen mir kaum auf, dafür aber natürlich das klar unterschiedliche Gesichtsfeld der Okulare (70° zu 58°).Bei genauer Betrachtung konnten jedoch subtile Unterschiede festgestellt werden. Besonders auffällig wurde dies beim Krater Bullialdus, dessen feinere Strukturen im TOE-Okular von Takahashi etwas plastischer wirkten. So war die Terrassenstruktur des Kraterrandes mit dem TOE besser differenzierbar, was zu einem insgesamt deutlicheren Eindruck von der Steilheit führte. Auch ein kleiner Gebirgsausläufer am Zentralberg innerhalb von Bullialdus, der mich an einen kleinen Uhrzeiger auf 5 Uhr erinnert (im Newton dann auf etwa 11 Uhr), konnte mit dem Takahashi TOE klarer erkannt werden. Dieser „Zeiger” ist auch im „Moon Atlas” dargestellt, obwohl das Licht dort von der anderen Seite kommt (der „Moon Atlas” zeigt eine Darstellung im ersten Viertel).An der Grenze der Sichtbarkeit in beiden Okularen befindet sich ein kleiner Krater, der direkt an Krater A angrenzt (im Bild als A2 bezeichnet). Hier habe ich diesen Krater trotz geringerer Vergrößerung zuerst im Takahashi und erst danach im Pentax gesehen. In jedem Fall handelt es sich nur um eine geringfügig bessere Detailauflösung, die erst bei genauerer Betrachtung auffällt. Alle Strukturen und Objekte, die im Takahashi zu sehen sind, sind auch im Pentax XW erkennbar.
Zuletzt habe ich im Vergleich die Schattengrenze betrachtet, die zum Beobachtungszeitpunkt entlang der Krater Wolf, Gould und Opelt verlief. Bei Gould war nur noch der westliche Kraterrand sichtbar, sodass eher der Eindruck eines Gebirgszugs entstand. An der Spitze war dieser schon vollständig beleuchtet, aber rundherum größtenteils in Dunkelheit gehüllt. In beiden Okularen entsteht ein plastischer Eindruck, wobei ich die Okulare als gleichwertig einstufe.
Das zum Vergleich nachträglich hinzugezogene APM-XWA-Okular (4,7 mm) konnte in diesem Vergleichstest nicht ganz mithalten. Es fiel sowohl in Bezug auf Helligkeit als auch auf Detailerkennbarkeit gegenüber den beiden anderen Okularen ab. Der Unterschied zwischen dem APM XWA und den beiden anderen Okularen war hierbei klarer wahrnehmbar als der Unterschied zwischen dem Pentax XW und dem Takahashi TOE. Dafür ist das scheinbare Gesichtsfeld (110 Grad) natürlich gigantisch, insbesondere im Vergleich zum TOE, und bereitet mir insbesondere bei der Beobachtung des Halbmondes viel Freude. Somit empfiehlt sich das APM XWA weniger für detailreiche Mondbeobachtungen, sondern eher für Beobachtungssituationen, bei denen der Gesamteindruck im Vordergrund steht.
In der Detailerkennbarkeit sehe ich das Takahashi-Okular knapp vorne. Dafür kann das Pentax XW nach Einstellung der Augenmuschel mit dem perfekten Einblickverhalten glänzen. Allerdings empfinde ich das Pentax bei eingefahrener Augenmuschel als äußerst unruhig und es neigt zu Kidney Beaning. Das Auge muss knapp über der Silikon-Augenmuschel gehalten werden, es liegt also im Gegensatz zum Pentax XW nicht direkt auf. Bewegungen nach rechts und links führen zu einem direkten Verschwinden des Bildes. Der Augenabstand ist nicht ganz so kritisch, aber auch hier hat man nur einen geringen Spielraum für die Position der Augen. Trotzdem kam mir der Einblick beim TOE nicht schwierig vor, er war nur nicht "so bequem" wie beim Pentax.
Der Augenabstand ist mit 15 mm angegeben. Gefühlt würde ich hier ein paar Millimeter abziehen, da ich das Auge schon knapp an der Augenmuschel hatte. Mit Augenmuschel ist das Okular nicht brillentauglich und auch umgeklappt wäre mir der Abstand vermutlich zu knapp (ich bin zwar Brillenträger, beobachte aber praktisch immer mit Kontaktlinsen). Trotzdem ist der Augenabstand natürlich meilenweit von den typischen Ortho- und Plössel-Okularen mit einem Augenabstand von unter 5 mm entfernt.
Vergleich am Saturn: TOE 5,5 mm vs. Pentax XW 5 mm (Beobachtungszeit: 4:45–5:30 Uhr)
Da sich der Vergleich am Mond länger als erwartet hinzog, war ich beim Betrachten des Saturns schon mitten in der Dämmerungsphase. Dadurch änderte sich der Seheindruck bei Saturn recht schnell, gleichzeitig fiel der Kontrast schnell ab. Interessant wäre hier sicher ein Vergleich mit einer höheren Brennweite bzw. einer niedrigeren Vergrößerung gewesen (in meinem Fall Pentax XW 7 mm), den ich leider vergessen habe; dieser Vergleich kam mir erst bei der Nachbereitung in den Sinn. Ich möchte die nachfolgenden Aussagen deshalb unter den Vorbehalt stellen, dass die Sichtbarkeit von Saturn schon eingeschränkt war. Neben Saturn mit Wolkenstreifen zeigten beide Okulare die Monde Titan und Rhea. Im Nachgang habe ich über Stellarium gesehen, dass Tethys und Enceladus knapp oberhalb des Rings standen. Hier wäre ein Vergleich vielleicht auch interessant gewesen, aber mir sind beide Monde bei der Beobachtung nicht aufgefallen.
Im direkten Vergleich zwischen dem Takahashi TOE 5,5 mm und dem Pentax XW 5 mm beim Planeten Saturn ergibt sich ein merklich anderer Eindruck als zuvor beim Mond. Hier wirkt das Bild im Takahashi TOE deutlich schärfer und detailreicher als im Pentax XW. Der Unterschied ähnelt nun eher dem Abstand, den wir zuvor zwischen dem APM XWA 4,7 mm und den beiden höherwertigen Okularen festgestellt haben.
Dieser stärkere Unterschied könnte durch die niedrigere Vergrößerung im TOE bedingt sein. Darüber hinaus erschwerten die bereits fortgeschrittene Dämmerung und der geringe Kontrast des Planeten die genaue Beurteilung, weshalb eine gewisse Vorsicht bei der Interpretation angebracht ist. Dennoch ist der Zugewinn an Schärfe und Klarheit im TOE beim Saturn eindeutig und bemerkenswert.
Aufgrund der besseren Sichtbarkeit des Saturn mit dem Takahashi TOE wurde kurzzeitig auch das Nikon NAV 5 mm Okular eingesetzt, da ich diesen Unterschied zunächst nicht einordnen konnte („Ist mir das Pentax XW eben irgendwie hingefallen?“). Im Ergebnis zeigte dieses eine ähnliche Schärfe wie das Pentax XW und blieb somit deutlich hinter der Leistung des Takahashi TOE zurück.
Auch an Saturn zeigte das TOE keine Reflexe. Interessant wird hier vielleicht ein zukünftiger Vergleich mit Jupiter sein, bei dem je nach Position und Okular öfter Reflexe aufgetreten sind. Zumindest scheint die zuvor im Bild dokumentierte, deutlich sichtbare Linsenkante des TOE (siehe vorheriger Beitrag mit Taschenlampe hinter dem Okular) zunächst einmal keine Konsequenzen für die Praxis zu haben.
Am Saturn ist mir die fehlende Nachführung stärker aufgefallen als am Mond. Im Vergleich zum Pentax XW ist Saturn im TOE natürlich deutlich schneller im Randbereich des Gesichtsfelds und muss entsprechend oft nachgeführt werden. Dabei konnte ich zumindest einen Vergleich zwischen Gesichtsfeldrand und Bildmitte durchführen. Bis auf die letzten 2–3 Grad am direkten Rand ist mir beim TOE kein Unterschied zwischen Bildmitte und Bildrand aufgefallen. Dadurch konnte der Saturn ohne Verlust am Ostrand platziert werden und einmal durch das ganze Gesichtsfeld wandern, was einen passablen Beobachtungszeitraum ergab.
Fazit und Zielgruppe
Das Takahashi TOE 5,5 mm ist im Hinblick auf Klarheit, Transmission und Bildqualität sicherlich nahe am Optimum und in diesem Brennweitenbereich meine aktuelle Referenz. Gleichzeitig bedeutet das Okular für mich einen Bequemlichkeitsverlust gegenüber den bestehenden Okularen am Dobson ohne Nachführung, da ich beispielsweise mit dem Pentax länger und auch bequemer beobachten kann. Spannend wird für mich der Vergleich mit Jupiter, meinem persönlichen Lieblingsobjekt, das ich im letzten Winter ständig beobachtet habe und wieder beobachten werde. An den Ergebnissen werde ich entscheiden, ob das Okular einen dauerhaften Platz in meiner Okularkiste bekommt.
Allgemein ist das Okular für Nutzer von klassischen orthoskopischen Okularen sicherlich ein Schritt nach oben, da sie hier mehr Gesichtsfeld und besseren Augenabstand bei vermutlich ähnlicher Bildqualität erhalten. Als direkten Konkurrenten sehe ich das Televue Delite 5 mm, das mit ähnlichen Eigenschaften beworben wird (62° im Vergleich zu 58°, 20 mm Augenabstand, hoher Kontrast). Sollte jemand im Köln-Bonner Raum das Okular besitzen, bin ich gerne zu einem Vergleichstest bereit.
Zuletzt noch zwei Impressionen des TOE im Einsatz am Dobson. Die Bilder sind nach dem Abbau gegen 5:45 Uhr entstanden, weshalb der Telrad-Sucher schon nicht mehr montiert war.