Teleskop für die Dachterasse in der Stadt, was kann man erwarten?

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ikstej

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Hallo,
ihr habt vielleicht schon meine Fragen bzgl. Fernglaskauf gesehen, danke für die hilfreichen Antworten.

Parallel zum Fernglaskauf ziehe ich aber auch den Kauf eines Teleskops in Betracht. Mein Traum wäre eigentlich beides in einem, sprich ein richtiges Großfernglas mit 45° Einblick und 1,25" usw., aber das erlaubt das Budget nicht.

Meine Frage lautet: was kann ich eigentlich z.B. von einem 12" Newton bei meinen Bedingungen erwarten? Wir reden von einer Dachterrasse mitten in der Großsstadt, sprich es wird niemals richtig dunkel sein. In dem weiten Park vor mir Richtung Süden ist es zwar etwas dunkler als im Rest der Stadt, aber auch nicht frei von Lichtquellen. Was mich bei meiner Frage besonders interessiert: auf Fotografie und Langzeitbelichtungen lege ich keinen Wert. Mir geht es ausschließlich um das, was live zu sehen und erfahrbar ist. Sprich, Kernfrage: Kann ich von einem Teleskop erwarten, dass ich z.b. den Orionnebel oder Andromedanebel im direkten Durchblick prachtvoll, groß und farbig sehen kann? Kann mir jemand mal ein Beispielbild zeigen, was ich vermutlich "live" ohne Langzeitbelichtung sehen würde? Gibt es da einen besseren Begriff für als "live"? Ich sehe hier immer die großen bunten Bilder von Leuten von Cirrusnebel und Milchstraße und dergleichen in der Galerie, und habe aber das dumpfe Gefühl dass das alles live garnicht erfahrbar ist, sondern nur als Langzeitbelichtung?

Das wäre echt sehr hilfreich!
Danke
ikstej
 
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Hallo ikstej,

visuell Farben an Deepsky Objekten zu sehen wirst Du auf einer städtischen Dachterrasse beinahe vergessen können, da muss ein über Zeit lichtsammelnder Sensor her, also eine Kamera. Ausnahmen sind Sternfarben, wofür ein farbreines Teleskop wichtig ist, Farbeindrücke an einigen kleinen hellen PNs (Planetarische Nebel) und Farben die durch Filter "erzeugt" werden.
Was man, an welchen Objekten und unter welchen Bedingungen visuell erwarten kann, habe ich mal versucht, unter
Farbsehen
ein wenig zu beleuchten.
Paradeobjekte für die nächtliche Beobachtung auf einer Dachterrasse werden Mond und Planeten sein, aber Deepsky-Beobachtungen sind keineswegs ausgeschlossen.
In diesem Nachbarthread z.B.
dürften einige Anregungen für Dich zu finden sein, aus denen sich dann konkretere Vorstellungen und Fragen ergeben.

Für Zeichnungen, also visuelle Eindrücke haben wir ein eigenes Board


Gruß
*entfernt*
 
Den Nachbarthread habe ich gelesen, aber leider nur zum Teil verstanden. Es ufert dort etwas aus. Ich möchte, bevor ich mich tiefer mit der Materie befasse, überhaupt erstmal ausschließen dass ich total falsche Erwartungen habe. Das könnte nämlich sein. Ich sehe wie gesagt die Bilder von diversen Nebeln in der Galerie und würde eben gerne wissen, was man davon ohne Langzeitbelichtung eben "live" sehen würde, angenommen man hätte ein großes, gutes Teleskop (sagen wir mal im Preisbereich bis 1000€) und die von mir beschriebene Ausgangsbasis auf der Dachterrasse.
 
Hallo Jetski,

ich würde Dir den DEEP SKY REISEFÜHRER von Ronald Stoyan empfehlen. Dort findest Du Illustrationen von dem was Du unter verschiedenen Bedingungen visuell erwarten kannst. Mir hat das Buch sehr geholfen. Dazu gibt es auch einen Atlas, um die Objekte aufzufinden. ISBN 978-3-938469-72-9 (Reiseführer). Das Buch gibts gelegentlich auch gebraucht zu kaufen. Ich hab den dazugehörigen Atlas hier übers Forum gebraucht gekauft.

Hier mal die Seite für M31:

StoyanReiseführerBspM31.jpg


Diese Darstellung von M31 gibt in etwas das wider was Du bei einigermaßen günstigen Bedingungen sehen kannst.

Hier ist noch eine Website wo für einige Objekte dargestellt wird was visuell mit einem Teleskop möglich ist: Was sieht man im Teleskop?

Ich würde Dir auf jeden Fall empfehlen, gelegentlich auch raus zu fahren, wenn Du das irgenwie machen kannst. Bei dunklem Himmel tust Du Dich sehr viel leichter. Das wäre mit einem Fernglas auch deutlich einfacher als mit einem 12" (Dobson?) Teleskop. Also wäre der Einstieg mit dem Fernglas sicher sinnvoll.

Viel Erfolg beim Spechteln.

Oli
 
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Groß ja, Farbe nein.

Und auch die Spiralarmstrukturen in der Andromedagalaxie werden nicht einfach: Siehe die Zeichnung im Nachbarforum, zwar nur mit 8 Zoll, aber Welten besser wird es aus der Stadt nicht.

Der Orionnebel ist eines der dankbarsten Objekte. Farbe wird auch dort kaum sichtbar werden, zumindest nicht aus der Stadt. Der Orionnebel ist aber auch in deutlich kleineren Geräten schon schön.

Viele Grüße
Sebastian
 
Hi!
Sprich, Kernfrage: Kann ich von einem Teleskop erwarten, dass ich z.b. den Orionnebel oder Andromedanebel im direkten Durchblick prachtvoll, groß und farbig sehen kann?

Klare Kernfrage!
Klare Antwort: Nein!

Als Stadtbewohner würde ich mich auf Mobilität einstellen. Also raus in die Dunkelheit. Dann ist ein 12-Zoll-Gitterrohr-Dobson eine tolle Lösung.

Vom Großstadtbalkon aus ist visuelle (also "live") Deep-Sky-Beobachtung bis auf wenige Ausnahmen extrem enttäuschend. Dafür lohnt sich die Anschaffung eines 12-Zöllers nicht. Für den Balkon würde ich mir ein kleines Planetenteleskop kaufen. Momentaner Wehrmutstropfen: Die interessantesten Planeten (Jupiter und Saturn) stehen in den nächsten Jahren noch sehr tief. Aber so ein kleines Planetenteleskop lässt sich auch wunderbar im Kofferraum mit in den Urlaub nehmen.

Gruß
Wolfgang
 
ausschließen dass ich total falsche Erwartungen habe. Das könnte nämlich sein. Ich sehe wie gesagt die Bilder von diversen Nebeln in der Galerie und würde eben gerne wissen, was man davon ohne Langzeitbelichtung eben "live" sehen würde
Moin Jetski,

eine ehrliche Frage verdient eine ehrliche Antwort, ohne wenn und aber:

Nichts!

Enttäuscht?
Natürlich enttäuscht! Was denn sonst?!

Jetzt eine Antwort MIT wenn und aber:
ABER, du siehst Sternhaufen, beinahe alle aus dem Messier-Katalog (sofern die Jahreszeit sie am Himmel(sausschnitt) präsentiert). Deren Licht schafft es durch die Lichtglocke der Stadt hindurch. Sowohl Kugelsternhaufen als auch offene à la ha&chi et.al.
Noch einer mit "wenn": wenn es nicht gleich die volle Pracht eines Astrofotos haben muß, sondern ein Auffinden und ein Nachweis erstmal genügen - das kann durchaus unerwartet spannend sein! - dann geht auch mehr.
Da wären die großen Klassiker Andromeda-Galaxie (M31) und der Große Orionnebel (M42), beide sind gerade sichtbar, M31 hoch am Himmel, M42 bereits auf halber Höhe. Beide sind so hell, daß man sie auch aus der lichtverschmutzten Stadt erspähen kann. Vor allem M42.
Auch kann durchaus der Nachweis des Ringnebels (M57), oder Hantelnebel (M27), und noch ein paar weitere Kandidaten aus der Stadt gelingen. Das ist dann Kategorie Jagderfolg ;)
Wenn dich jetzt die Lust packt, pack das Gerödel ins Auto und fahr mal aufs Land, bevorzugt erhöht. Eine Dobson-Plattform ist für solche Aktionen ideal, ein 10"er läßt sich noch ganz easy mit Standard-PKW transportieren, Rohr aufn Rücksitz, Rockerbox in den Kofferraum, zack!

Sieht man dann was? Ja! Auch Farbe? Nein! Für M42 gehen die Meinungen auseinander, sei's drum, man sieht bereits soviel, daß man von "beobachten" sprechen kann und nicht nur von "sehen" und das gilt hier für fast den gesamten Messier-Katalog :cool:
Planeten (kommende Jahre eher mau) und Mond sind natürlich auch noch da, die sind über alle Zweifel hell genug.
Wie viel man für dieses echte "MEHR" an Möglichkeiten bereit ist zu tun, hängt von deinem sich entwickelnden Interesse ab.

Gruß und CS!
Okke
 
Mir geht es ausschließlich um das, was live zu sehen und erfahrbar ist. Sprich, Kernfrage: Kann ich von einem Teleskop erwarten, dass ich z.b. den Orionnebel oder Andromedanebel im direkten Durchblick prachtvoll, groß und farbig sehen kann? Kann mir jemand mal ein Beispielbild zeigen, was ich vermutlich "live" ohne Langzeitbelichtung sehen würde? Gibt es da einen besseren Begriff für als "live"? Ich sehe hier immer die großen bunten Bilder von Leuten von Cirrusnebel und Milchstraße und dergleichen in der Galerie, und habe aber das dumpfe Gefühl dass das alles live garnicht erfahrbar ist, sondern nur als Langzeitbelichtung?

Hallo!

Na dann will ich auch mal in aller Kürze, wobei ich weitgehend den anderen beipflichten muss.

a, Keinerlei Farben! Um Deep Sky Objekte in Farben zu sehen brauchst du mehr Öffnung und besseren Himmel. Ab etwa 40cm Teleskopdurchmesser und Himmel weitab von Städten beginnt das Farbsehen, wobei auch hier die Wahrnehmung sehr unterschiedlich ist. Es gibt Menschen die sehen schon bei ländlichem Himmel und einen 14'' Teleskop leichte pastellartige Farben, andere haben selbst mit 20'' Teleskop und Alpenhimmel Probleme damit, Farben zu erkennen.
Aber selbst in den Teleskopen größerer Sternwarten kann man es visuell nicht "prachtvoll farbig" nennen!

b, Strukturen sind sehr stark vom Teleskopdurchmesser, der Himmelsqualität und dem Objekt abhängig. Gerade der Orionnebel zeigt doch einiges ans Struktur. Andromedagalaxie bleibt bei dem von dir beschriebenen Himmel in der Großstadt aber immer ein diffuser Fleck und nicht mehr.

c, 12'' in der Großstadt - ist schwer da passende Bilder zu finden.
Aber erfahrungsgemäß wirst du etwa mit sowas rechnen können (Bilder einfach aus der Google-Bildersuche verlinkt, was etwa dem entspricht was ich bei deinen Voraussetzungen erwarten würde):

Andromedagalaxie:
Spiralarme sind aus der Stadt kaum zu erkennen.

Orionnebel:
http://www.perezmedia.net/beltofvenus/archives/images/2011/img201101AN_M42PosLG.jpg (rechts aus der Stadt, links aus dem Alpen oder so)

Cirrus wird aus der Stadt wohl gar nicht gehen. Wenn doch, etwa so:

Grüße, Mario
 
Hallo Jetski,

ich habe ein Teleskop (C925 EHD) auf meiner Dachterrasse mitten in der "Großstadt" Bonn stehen. Immerhin mehr als 300000 Einwohner. Die Montierung steht dauerhaft, auf 40qm nimmt die auch nicht soviel Platz weg. Aus Erfahrung kann ich sagen: da geht nicht viel mit "Druchgucken". Die Planeten und der Mond sind kein Problem, wie schon andere hier bemerkt haben. Alles andere aber kann man als "sehr enttäuschend" umschreiben, wenn man es wohlwollend ausdrücken will. Insbesondere, wenn man die Bilder im Kopf hat, die mit Langzeitaufnahmen gemacht wurden. Das geht natürlich auch aus der Großstadt heraus. Siehe hier, hier, hier und hier.

Sternhaufen und Kugelsternhaufen gehen auch noch zum "durchschauen". Gasnebel oder Galaxien sind eher viel zu schwach und sowieso nur als schwacher, milchiger Fleck (Kern) zu sehen, meist auch nur durch indirektes hinsehen. Ohne GoTo ist das zudem wie Eiersuchen zu Ostern. Nur viel schwieriger.

Ich schaue ohnehin nie durchs Teleskop. Hatte aber mal für die Nachbarskinder ein dickes Okular mit 82° (mit im Lieferumfang meines Celestron 9.25 EHD) montiert. Die Kinder waren begeistert vom Mond, aber auch von Saturn wegen der Ringe. Jupiter und Mars fanden die so la la. Galaxien und Nebel waren total uninteressant für die, weil viel zu schwach. Die habe ich dann auf dem Computer nachgelegt.

Jetzt mußt Du entscheiden, ob und wieviel Geld Du für sowas ausgeben willst. Vielleicht gibt es ja elektronische Okulare, die Licht speichern und aufsummieren können. Das wäre noch was.

Gruß,
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Jetski,

zusammenfassend könnte man sagen: wenn Du Hubble-Bilder im Kopf hast, dann wirst Du visuell mit keinem normalen Teleskop glücklich, selbst wenn Du in den Hochalpen wohnst, auf dem Teide oder in der Maghreb.

Ich wohne am Stuttgarter Flughafen und beobachte bisweilen auch aus dem Garten. Da sind die Planeten recht gut zu beobachten, Sonnenflecken (nur mit Sonnefilter!!!) auch, wenn welche da sind. Aber dann wirds schon schwierig. Bei sehr gutem Wetter konnte ich letztens morgens den Orion-Nebel wirklich sehr gut beobachten, finden tue ich auch M31, klar, aber sehen tut man halt nur den hellen Kern der Galaxie. Sogar M57 habe ich letztens gut finden und die Ringstruktur erkennen können. Aber da sind Welten zwischen dem was ich hier sehe und was ich sehe, wenn ich zum Beobachten auf die Schwäbische Alb fahre oder in die Alpen. Ich benutze ein C8 und ein Skywatcher 120/600 Startravel.

Der Reiz hier im Garten liegt für mich vor allem im Finden der Objekte, das ist eine Übung als Vorbereitung für die Beobachtungssessions auf der Alb. Was ich hier bei dieser Lichtverschmutzung finde das finde ich auf der Alb mit Sicherheit auch wieder.

Vielleicht gibt es ja elektronische Okulare, die Licht speichern und aufsummieren können. Das wäre noch was.

Gucksch Du hier:

und hier:

Cheers Oli
 
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Vielleicht gibt es ja elektronische Okulare, die Licht speichern und aufsummieren können. Das wäre noch was.

Da wären wir dann bei Videoastronomie mit Live-Stacking oder der Verwendung eines Restlichtverstärkers (bei Nebeln + engbandigem Filter).
Beides spannende Gebiete der Astronomie, aber teuer und nicht gerade für Anfänger.

Ersteres ist dann eher im Bereich der Astrofotografie - nur dass man die Bilder innerhalb weniger Minuten erzeugt.
Zweiteres kann beeindruckende Bilder liefern, ist aber teuer und bei uns noch recht unbekannt. Aber ein Filter + Restlichtverstärker kann dir bei den Strukturen von Nebeln extrem viel zeigen! Hab ich selbst schon testen können - klappt super. Leider bekommt man die wirklich guten Verstärker der 3. und 4. Generation in Europa kaum und auch die Gen 2 sind sehr teuer.
 
Also erstmal, vielen Dank für die umfangreichen, sehr erhellenden und daher düsteren Einblicke! Seid mir nicht böse, aber nachdem ich das alles nun sehr aufmerksam durchgelesen und durchgeschaut habe, kann ich nun wenigstens mit Gewissheit feierlich verkünden, dass Astronomie wohl nix für mich ist ;-)

Ich habe natürlich nie Hubble-Bilder erwartet (aber dann eben irgendwie doch irrationalerweise drauf gehofft, wenn man nur genug Geld investiert), von daher nehme ich von diesem potentiell teuren Hobby Abstand und investiere das Geld vielleicht doch lieber in guten Wein, den ich mir unter einem instrumentenlosen 360° Sternenhimmel genehmige ;-))

Vielleicht versuch ichs mal mit so ner App, da kann man ja auch das iPad in den Himmel halten und kann sich dann dank Gyroskop etc. sowas wie den Pferdekopfnebel etc. in Hubble-Qualität angucken. Ich könnte mir vorstellen dass das sogar was taugt, wenn es gut gemacht ist. Nichts für ungut!
 
Hallo ikstej,

da gibt es nichts zu entschuldigen. Auch die gewonnene Erkentnis, dass das Hobby Dir eben keinen Spass machen wird, ist eine wichtige Information für Dich, für die so ein Forum da ist.

Ich hatte die APP, welche Du im letzten Absatz ansprichst, selbst mal auf dem Handy und fand sie als Zeitvertreib für zwischendurch recht nett. Die Objektbilder sind größtenteils wirklich gut.

Gruß
*entfernt*
 
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