Hallo Frank,
der Satz
"Obstruktion reduziert den Kontrast" ist im Grunde zwar richtig, jedoch wird dieser häufig unreflektiert einfach so in den Raum geschmissen.
H.R. Suiter geht in seinem Buch "Star Testing Astronomical Telescopes" unter Kapitel 10.8 "A Compact, Uniform Standard for Optical Quality" auf die EER (Encircled Energy Ratio) ein.
Diese ermöglicht es in Form eines Zahlenwerts, welcher Vergleichbar mit dem Strehl ist, die Leistungsfähigkeit eines obstruierten Teleskops mit anderen Teleskopen zu vergleichen.
Gemeinsame Grundlage ist die PSF (Point spread Function), oder einfach das Beugungsscheibchen.
Bei Teleskopen mit Farbfehler wird die Qualität über den Polystrehl mit einer Bezugswellenlänge ausgedrückt.
Hier habe ich mal für mich spaßeshalber eine EER-Tabelle erstellt, einfach um schnell sehen zu können wann ein System noch das Qualitätskriterium von Beugungsbegrenzt erreicht.
Auch hier gibt H.R. Suiter im gleichen Kapitel 10.8 eine weitere Hilfestellung wie diese Zahlenwerte zu interpretieren sind.
0.88-1.00 excellent to perfekt
0.80-0.88 good to excellent
0.70-0.80 poor to good
Aus dieser Tabelle wird m. E. leicht ersichtlich, dass weniger die Obstruktion als vielmehr die optische Qualität das auschlaggebende in Sachen Kontrast ist.
Viel schädlicher als Obstruktion ist Dejustage und die Grenzschicht/Tubusseeing, welche den Strehl/EER schnell gegen 0. laufen lassen, was ja häufig noch hinzukommt.
So kann man sich nun orientieren, zum Beispiel erreichen die beiden Schiefspiegler mit 110mm und 150mm Öffnung, in der zweiteiligen anastigmatischen Anordnung theoretisch "nur" einen Strehl von 0.89 bzw. 0.79 und das auch nur bei perfekter Ausführung.
Oder ein 6" f/15 Achromat erreicht theoretisch "nur" einen Polystrehl von 0.83 und auch nicht jeder "APO" hat automatisch einen Polystrehl von 0.99.
Auch hier ist die Fertigungsqualität das entscheidende Kriterium, ob die theoretischen Spotrechnungen erreicht werden oder nicht.
Im Vergleich erreicht man bei einem Newton mit guter Fertigung und hoher optischer Qualität und niedriger Obstruktion eine EER um 0.90, nur lassen sich hier ganz andere Öffnungen zu ganz anderen Preisen realisieren.
Aber auch hoch obstruierte Teleskope mit 33% brauchen sich nicht zu verstecken, wenn sie noch eine EER um 0.80 erreichen.
Selbst wenn diese oft etwas darunter liegen können sie immer noch scharfe kontrastreichen Bilder abliefern, wenn man es mit der Vergrößerung nicht übertreibt.
Praktische Beispiele sind hier, Takahashi Mewlon, Intes MCs, Astro Physics MC, Zeiss MCs usw.
Hier kommt dann je nach Öffnung ein Aspekt der Beobachtungstechnik mit ins Spiel die "Austrittspupille".
Mit einem großen Teleskop muss man gar nicht so hoch vergrößern wie mit einem kleinen, je nach Öffnung und Austrittspupille sieht man vielleicht noch nicht mal das Beugungsscheibchen, hat man hier kein gutes Bild, hat man vielleicht etwas falsch gemacht, oder es stimmt grundsätzlich was nicht.
LG