Hallo Erwin,
die Idee, statt mit dem Auge mit einer Kamera durch ein Teleskop zu schauen und sich die Bilder "live" auf einem Monitor anzusehen, ist verlockend.
Aber ich glaube, Du übersiehst etwas.
Das Teleskop muß aufgebaut und eingenordet werden. Für Fotografie bzw. Videografie wesentlich genauer als Pi mal Daumen nach Norden bei visuellem Spechteln. Auch mit dem Kompaß reicht das nicht. Dann muß bei einer Goto-Steuerung das Alignment gemacht werden. Damit später die gewünschten Objekte auch im Gesichtsfeld eines Übersichtokulares auftauchen.
Dann hat so eine Kamera ein ganz anderes Gesichtsfeld als ein Okular.
Stell Dir den Mond vor. Wenn Du mit dem Auge durch ein Okular schaust und den Mond formatfüllend siehst, dann erkennt die Kamera gerademal einen einzelnen Krater in der Bildmitte vom Okular. Alles drumrum sieht die Kamera nicht. Wenn jetzt der Mond "links oben" am Rand des Übersichtsokulares auftaucht nach einem Goto-Befehl, dann kannst Du ihn schön mittig holen, weil Du ihn mit dem Auge eben noch am Gesichtsfeldrand erkennst. Für die Kamera ist er aber unsichtbar, weil viel zu weit außerhalb vom Gesichtsfeld.
Du müßtets alos die Objekte erstmal mit dem Übersichtsokular genauestens in die Bildmitte holen, dann mit dem Fadenkreuzokular nochmal mittig zentrieren und dann vom Okular auf die Kamera wechseln. Neu scharfstellen.
Das Scharfstellen klappt aber nur, wenn das Objekt hell ist. Eine Galaxie oder ein Nebel, der 30 Sekunden Belichtungszeit braucht, bis er sichtbar wird, den kannst net scharfstellen... Denn Du siehst ihn im unscharfen Zustand ja net...
Um das Bild der Watec in den Rechner zu kriegen, ist "Technikverständnis" notwendig. Denn die liefert erstmal ein analoges Videosignal. Heute hat aber kein bezahlbarer, moderner Rechner einen analogen Videoeingang. Dazu mußt Du einen USB-Grabber verwenden. Nicht jeder angebotene Grabber überträgt das Signal der Watec, ohne es weiter zu verschlimmbessern. Die allermeisten Grabber auf dem Markt schrumpfen das Bild erstmal klein. :mauer:
Es ist nicht unmöglich, Dein Ziel zu realisieren, aber dazu benötigst Du viel Erfahrung mit Deinem Geraffel, Zeit/Geduld und auch etliches an Ausrüßtung (=Geld).
Je nachdem, welches Teleskop (Öffnung/Brennweite) Du verwendest und wie transparent Der Himmel ist, bekommst Du mit der Watec gaaanz grob etwa so ein Bild bei flächigen Objekten und der längsten Belichtungszeit, die sie zuläßt:
M27
Link zur Grafik:
http://www.bilder-upload.eu/upload/5c0b33-1383926317.jpg
M51
Link zur Grafik:
http://www.bilder-upload.eu/upload/eef221-1383926868.jpg
Wenn Du Dich statt Nebel und Galaxien auf Kugelsternhaufen stürzen möchtest, dann hättest Du eventuell mehr Erfolg. Denn die Sterne sind hell und schon bei kurzen Belichtungszeiten (4 Sekunden) kannst was erkennen.
M13
Link zur Grafik:
http://www.bilder-upload.eu/upload/c51964-1383927003.jpg
Alle diese Bilder sind unbearbeitete Einzelbilder aus einem längeren Videostream und entstanden mit der DMK 31AF03.AS (ich hab keine Watec) und einem 150/750 Newton, den ich zusätzlich mit einer Shapleylinse auf f=4 gedrückt hab, damit mehr Licht ankommt. Die beiden obigen Bilder wurden mit 32 Sekunden Belichtungszeit ungeguidet aufgenommen, M13 mit nur 19 Sekunden.
So aus der Erinnerung raus hat die Watec bei langen Belichtungszeiten viele Hottpixel, produziert ungleichhelle Zeilen/Spalten, eventuell auch noch Verstärkerglühen. Meine Bilder sind wesentlich "glatter" als die der Watec.
Ob das bei Dir klappt, hängt jedoch wesentlich von der Lichtverschmutzung an Deinem Beobachtungsort ab. Denn wenn Du auch noch Filter dazwischen setzen mußt, wird die Belichtungszeit deutlich länger. So um 1-2 Minuten. Das packt dann die Watec nichtmehr...