Die Gittertuben haben wie alles auf dieser Welt ihre Vor- und Nachteile.
Ich habe schon Gittertuben gesehen, da wanderte der Laserpunkt beim Schwenken richtig Horizont um fast 2cm aus der Mitte.
Oder beim Einsatz von schwerem Zubehör rutschte der Tubus durch usw.
Auch braucht man eine Streulicht und Seeing Abschirmung (Socke), sonst gelangt die Körperwärme und die Atemluft in den Strahlengang und man hat wieder Seeingprobleme.
Gittertuben müssen also mechanisch gut gebaut sein, einmal für die Justage und sie müssen für die Socke, Taukappe und Binokular gebaut bzw. austariert sein, damit sie das Gleichgewicht halten können und gleichzeitig leichtgängig bleiben.
Hier ein Video wie sich exemplarisch die Ausatmung bei offener Bauweise auswirken kann.
(C) Tobias Ludwig, PH Karlsruhe
youtu.be
Der Vorteil von Gittertuben ist, dass man sehr große Öffnungen besser transportieren kann.
Da muss jeder selbst abwägen was für ihn das Sinnvollste ist, bis 12" sehe ich beim Volltubus keine Probleme.
Das Spiegelträgermaterial hat im Amateurbereich für die gängigen Öffnungen von 8-24" keine so große Bedeutung.
Es macht im Falle von Quarz und Zerodur die Spiegel erstmal deutlich teurer.
Und es bietet in erster Linie gewisse Eigenschaften für den Herstellungsprozess.
Floatglas wird heute eigentlich nicht mehr verwendet, außer vielleicht im Anfänger Bereich.
Ich kenne jedenfalls keinen Hobbyschleifer der das Risiko eingeht und Monate seines Lebens verschwendet nur um festzustellen das der Spiegel Astigmatismatisch geworden ist weil das Glas nicht getempert wurde.
Optische Gläser oder Glaskeramik haben bestimmte technische Eigenschaften, sie sind meist getempert und haben dadurch weniger bis keine inneren Spannungen.
Auch dehnen sich Optische Gläser wie BK7, Pyrex weniger aus, Glaskeramik wie Zerodur garnicht, was bestimmte Vorteile beim Herstellungsprozess bietet.
Quarz und Zerodur haben auch eine größere Härte als z.B. Floatglas.
Auch hier bieten die Glashersteller unterschiedliche Qualitätsstufen an.
Vieles davon spielt quasi nur eine Rolle für den Hersteller und dessen Fertigungsprozess, am Ende kann man Strehl 0.99 sowohl in einen Pyrex als auch in einen Zerodur oder Quarz Spiegelträger polieren.
Der Unterschied liegt dann nur darin das der Zerodurträger diese Strehl 0.99 immer hat, während der Pyrex durch einen Kälteschock etwas Über- oder Uterkorretur zeigen kann und vielleicht dann nur Strehl 0.94 zu Beginn der Beobachtung zeigt.
Das Trägermaterial hat jedoch keinen Einfluss auf die Grenzschichtbildung, hier spielt allein die erwärmte Masse die Hauptrolle!
Was Bedeutet, auch ein Zerodur oder Quarz Spiegel bildet eine Grenzschicht aus.
Weil die Grenzschicht und das Tubusseeing denn Strehl deutlich stärker herunter drücken als eine leichte Über- oder Uterkorretur, spielt das Trägermaterial für uns quasi keine große Rolle.
Allenfalls für die Fotografie um weniger nach fokussieren zu müssen.
Daher ist es leider ein Irrtum zu glauben, dass man mit Quarz oder Zerodur keine thermischen Probleme mehr hat.
LG