Hallo Bernhard,
diese
Moin,
meines Wissens hat sich die lineare Angabe der Obstruktion wegen der Berechnungen von William P. Zmek zum "Effektiven Kontrastdurchmesser" eingebürgert.
Er stellte fest, dass die visuelle Wahrnehmung eines 20%-Kontrastes, wie er häufig bei der Betrachtung von z.B. Planeten vorkommt, eines obstruierten Systems ungefähr dem eines nichtobstruierten Systems gleichkommt, wenn man den Durchmesser des Fangspiegels vom Gesamtduchmesser der obstruierten Öffnung subtrahiert.
Damit hat man also mit Angabe der linearen Obstruktion einen Hinweis auf die Kontrastleistung der Optik.
Beispiel:
Ein Newton mit 203 mm Öffnung und 33 mm Fangspiegel bringt also die Kontrastleistung eines nicht obstruierten Systems mit 170mm Öffnung. Ein 8"SC mit 43% Obstruktion kann maximal die Kontrastschärfe eines Refraktors mit 116 mm liefern. Voraussetzung für diese Aussage ist gleiche Qualität auf beiden Seiten. (vergl. Birkmeyer, Intercon Spacetec)
cs Bernhard
Sicht ist, nicht nur meiner Meinung nach, durchaus wert, hinterfragt zu werden.
Wie kann ein 20% Kontrast für alle Anwendungen und alle anderen Möglichkeiten herangezogen werden um den entsprechenden Kontrastdurchmesser zu benennen?
Aber der Reihe nach:
Will man auf das Kontrastverhalten hinaus wählt man man den Abzug über Durchmesser, egal wie man das nun genau oder ungenau benennt.
Hier bezieht man sich auf den "zmekschen Kontrastdurchmesser".
Der Mann brachte eine Näherungsformel für ganz bestimmte Beobachtungssituationen heraus. Danach soll ein Teleskop mit Obstruktion die gleiche Kontrastübertragung liefern wie ein obstruktionsfreies, dessen Durchmesser um den Betrag der Obstruktion kleiner ist.
Dieser Spezialfall unter definierten Bedingungen mit definierten Details am Planeten wird immer wieder mal zum Rundumschlag benutzt.
Dabei wird, neben den schon von Zmek gemachten Einschränkungen, z.B. auf 20% Objektkontrast zu gerne vergessen, dass es hier auch nur und ausschließlich um Beobachtungen am Limit, also an der Auflösungsgrenze der Augen und des Teleskops gehen kann.
Legt man mal ganz einfach 6" Öffnung und nutzbare AP von 0,7 mm (von mir aus auch 0,5 mm) zugrunde, dann ist eben der 6-Zöller schon fertig wo man am 8-Zöller gerade mal auflösungstechnisch ein wenig gefordert wird und deutlich mehr Licht hat man da eben auch noch. Die Formel ignoriert genau das und noch mehr, die Praxis zeigt das, Zmek selbst weist auch genau darauf hin und genau das kann in der Darstellung der gebräuchlichen Zahlenwerte auch gar nicht abgebildet werden.
Man muss in der Praxis schon mit 30/35% und mehr Obstruktion kommen und gleichwertige Optikgröße und -qualität mit 0 - 20% direkt zum Vergleich da haben, um abseits von sehr guten Bedingungen wirklich unter mehreren Beobachtern fassbar und deutlich vorzeigbar zu machen, dass Obstruktion einen negativen Einfluss hat.
Selbst unter besten Bedingungen braucht man definierte Details und bei Obstruktionswerten von 20% abwärts tun sich selbst versierte Beobachter und Optikkenner extrem schwer, noch Unterschiede im Fokus zu sehen. Obstruktion hat sogar auch positive Auswirkungen. Verkleinerung des Beugungsscheibchens z.B., das ist allerdings noch spezieller, kann mal bei extremen Doppelsternen hilfreich sein, aber ein großes Thema ist das nicht.
Es ist also sinnvoll, Obstruktion so klein wie möglich zu halten, aber sie muss auch so groß wie nötig sein. Es ist in hohem Maße kontraproduktiv, wenn am Gesichtsfeldrand die Ausleuchtung sichtbar abnimmt (ab 70% und weniger ist das visuell möglich) oder gar ein zu kleiner Fangspiegel die Öffnung beschneidet.
Wenn ich nun damit in grünen Bereich liegen und nun noch den meist unterschlagenen Faktor der Lichtsammelleistung berücksichtige, habe ich die visuell möglicher Weise sichtbaren Obstruktionseinbußen des guten Spiegels gegenüber einem obstruktionslosen Teleskop bei gängigen Öffnungsgrößen mit einem Zoll Öffnungszugabe sehr gut kompensiert, teilweise überkompensiert.
Damit nicht genug hat der anerkannte Optikfachmann, Harrie Rutten (Telescopia), in letzter Zeit leider kaum noch aktives Mitglied dieses Forums, sich mal einen 8" f/10 APO und einen 8" f/10 Newton mit 30% Abschattung in diesem Thread
Vergleich APO/Spiegel - nein, diesmal anders ;)
systematisch vorgenommen.
Er kommt zu dem Schluss, dass der Apo im Feld, der Newton auf der Achse besser ist.
Okay, ist harter Tobak, aber zumindest zeigt das alles, dass man diese auf dem 20%Kontrast basierende Näherungsformel von Zmek (wie er selbst schon riet) nicht überstrapazieren sollte.
Gruß
*entfernt*