Viel Öffnung für Deep Sky

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Hi!
Es steckt bei diesem Thema eine Menge Schwammigkeit im Gebrauch der Begriffe, da gebe ich Dir vollkommen recht.

In wissenschaftlicher Literatur heißt das "obstruction ratio" und definiert das Verhältnis der beiden Durchmesser. Probleme mit "Schwammigkeit" treten insofern nicht auf, als dass das "obstruction ratio" anfangs immer klar definiert wird. Ob es immer als Durchmesserverhältnis definiert wird, kann ich natürlich auch nicht sagen. Jedenfalls habe ich es in wissenschaftlicher Literatur noch nie anders gesehen.

Auch die Angaben von Herstellern und Händlern beziehen sich, bei allem was ich bisher gesehen habe, immer auf das Durchmesserverhältnis. Im Gegensatz zur Literatur sucht man Händlerangaben aber meistens vergeblich nach einer expliziten Definition.

Gruß
Wolfgang
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Marcus, Wolfgang,

danke für die weiterführende Info, ich denke auch, dass sich viele Leser nicht immer sicher sind, vor allem Einsteiger, was sie sich unter Obstruktion vorstellen sollen, wenn man nicht "linear" oder "Fläche" dazusagt.

Sagt man einem Einsteiger, sein Teleskop hätte 40% Obstruktion, dann klingt das für ihn erst mal viel, weil er denkt vermutlich zuerst an die Beeinträchtigung des Lichtsammelvermögens, das wohl oft (wenn auch nicht immer) eines der ersten Kriterien ist, nach welchem ein Teleskop ausgewählt wird.

Ich selbst denke bei dem Wort Obstruktion auch bildhaft und sehe zB. einen Newton mit FS vor mir, also ein zweidimensionales Etwas, kein lineares, und ich denke sofort an den zweiten, oft genannten Begriff Abschattung. Genau dieser interne "Kurzschluss" mit Obstruktion = Abschattung ist es, der mich Obstruktion zuerst als zweidimensionale, flächenhafte Wirkung und als "Schattenwurf" empfinden lässt, unabhängig von der wissenschaftlichen Literatur, die ich ja oft nicht kenne. Also denke ich dann erst mal an die Fläche. ;)

Vielleicht könnten auch die Händler das ebenfalls beim Produkt deutlicher erklären, indem sie bei der Angabe der Obstruktion einen Link zu ihrem Glossar setzen, denn oft steht das dort schon gut beschrieben, aber keiner weiß es oder denkt daran, es dort zu suchen. Das würde Einsteigern vielleicht manch falsche Annahme ersparen. :coffee:

lg
Niki
 
Ich habe gerade mal beispielhaft bei Teleskop-Express unter C 9.25 nachgeschaut. Dort steht:
Abschattung durch den Fangspiegel: 34%
Diametral central obstruction: 34%

Das ist auf deutsch irreführend. Auf englisch eine falsche Verwendung des Wortes "diametral".

Gruß
Wolfgang
 
meines Wissens ist meist die lineare Obstruktion gemeint, v A wenn es um obstruktionsbedingte Kontrasteinbusen geht.

CS, Maiko
 
Hallo Wolfgang,

genau, noch dazu gibt TS beim C9.25 an: Abschattung durch den Fangspiegel: 34 %, aber keinen Fangspiegeldurchmesser! So kann man das auch nicht gleich selbst nachrechnen, was angegeben ist, obgleich "Abschattung" nach Fläche klingen muss.

Erst die Celestron Homepage offenbart: Secondary Mirror Obstruction 85mm (3.35"). Zusammen mit Aperture 235mm kann man dann ausrechnen, wie hoch die jeweilige "Obstruktion" in Prozent ist. Die wäre also:

Obstruktion linear: 36%
Obstruktion Fläche: 13%

Wenn die Händler Diametral central obstruction: 34% schreiben, dann klingt das in sich schon etwas verwirrend. Einerseits ist es "diametral" (= diameter, Durchmesser, klingt nach Strecke), andererseits gleichzeitig "central" (zentral klingt nach Fläche). No na, wo sonst soll ein FS obstruieren, wenn nicht (bis auf einen eventuellen Versatz) im Zentrum des Tubus. Technisch ist diese Angabe trotzdem nicht ganz falsch, weil es gäbe ja auch Obstruktionen, die am Rande des Teleskops auftreten können (OAZ, Blenden, etc.). Aber verwirrend.

Und im Deutschen ist Abschattung durch den Fangspiegel: 34% schlicht falsch, weil ein Durchmesser als eindimensionale Linie schattet nicht ab. Der Leser denkt dann immer an eine Fläche, was falsch ist. Hier dürfte man also nicht die angegebene, lineare Obstruktion mit dem Wort "Abschattung" bezeichnen. :confused:

lg
Niki

Bildschirmfoto 2019-02-07 um 13.09.30.jpg
 

Hallo Maiko,

ja, da hast Du absolut recht, das ist für mich jedoch eine etwas komplizierte Angelegenheit, weil die Diagramme zur Kontrastübertragung hierzu zeigen, dass bei gewissen Ortsfrequenzen (also bei einer bestimmten "Dichte" von Schwarz-Weiss-Linienpaaren) theoretisch der Kontrast sogar ansteigen kann, während er bei anderen Hell-Dunkel-Frequenzen abfällt. Ob das je nach beobachtetem Objekt auch sehr schlagend wird, ist eine andere Frage.

Siehe:
Effects of central obstruction in telescopes
central obstructions
Ortsfrequenz – Wikipedia

Das theoretische Auflösungsvermögen des Teleskops ist hingegen wieder nur vom Teleskop-Durchmesser abhängig, was auch nicht immer auf den ersten Blick einleuchtend erscheint, wenn man etwas in der Strahlengang der Eintrittspupille gibt. Diese 4 Parameter im Zusammenhang mit "Obstruktion" (Lineare Obstruktion, Flächen-Abschattung, unabhängiges Auflösungsvermögen, Auswirkung quf die Kontrastübertragung) sind für Einsteiger sicher erst mal eine neue Welt... :unsure:

lg
Niki
 
> weil ein Durchmesser als eindimensionale Linie schattet nicht ab.

Nein, aber in diesem Fall bildet die elliptische FS-Oberfläche im Strahlengang einen Kreis mit einer sehr wohl definierten Fläche... - Hast du schon mal in einen Newtonauszug geguckt?
Diese Fläche schattet zum einen geringfügig den HS ab, zum anderen erzeugen die Beugungseffekte an den FS-Kanten Kontrasteinbußen (wie oben geschrieben). Ersteres ist die "flächenmäßige" (areale), das andere die lineare Abschattung.

Was da irgendwelche Händlerlein schreiben, um die Werte zu schönen, soll uns doch egal sein.
 
Hi,

ich verstehe die Diskussion nicht ganz. Die in den technischen Daten von Teleskopen benannte Obstruktion in Prozent, bezieht sich normal immer auf den Durchmesser. Das war nie anders.
Falls man wirklich mal eine Flächenangabe findet ist das ein "Extra".

Wenn man über Kontrast spricht, so ist die lineare Obstruktion ein wichtiger Faktor. Insofern ist die Benennung der Obstruktion als Strecke durchaus richtig.

Die Obstruktion in der Fläche ist weniger gebräuchlich, weil weniger relevant. Über die Lichtsammelleistung wird weit weniger diskutiert und die spielt nach meiner Erfahrung auch kaum eine Rolle z.B. bei der Kaufentscheidung und in der Praxis nicht. Den Lichtmengenunterschied siehst Du noch nicht, wenn Du den Kontrastverlust durch höhere Obstruktion schon bemerkst.

Dies " Wenn die Händler Diametral central obstruction: 34% schreiben " liegt m. E. daran, dass man optisch von einer zentralen Mittenabschattung spricht, was hier schlecht, ggf. von einem Übersetzungsprogramm übersetzt wurde.
CS
 
Hallo Leute,
die Obstruktion bezieht sich auf den Durchmesser. Mein altes Planetenteleskop hat bei 19cm Öffnung und 3cm Fangspiegel eine Abschattung oder Obstruktion von 16 % was einen sehr günstigen weil kleinen Wert ergibt und ideal für Planetenbeobachtung mit kleinen Newtons ist.
Mein Kometenschlucker hat einen 10cm Fangspiegel bei einer Öffnung von 60cm, also 17 Prozent, auch das ist eine sehr kleine Obstruktion.
Wenn nichts anderes angegeben bezieht sich Obstruktion immer auf den Durchmesser!
CS Mike
 
Die Umrechnung der linearen Obstruktion in die flächenbezogene Obstruktion ist übrigens recht einfach: lineare Obstruktion in % hoch 2 / 100% = Flächenbezogene Obstrukton in %
z.B. eine lineare Obstruktion von 20% = 20% x 20% / 100% = 4% Flächenbezogene Obstruktion in


Gruß Horst
 
So sieht es aus Horst.......

und die tatsächliche praktische Relevanz, also der bezifferbare Prozentsatz der sichtbaren Auswirkungen für den Beobachter, mit dem man dann quasi von 200 mm Öffnung einen Teil abziehen muss, liegt irgendwo zwischen dem gebräuchlichen Wert der linearen Obstruktion und dem weinig gebräuchlichen Wert der flächenbezogenen Obstruktion.
Bei gebräuchlichen Öffnungen bis maximal 1 Zoll Öffnung mehr, bei extremer Obstruktion auch mal in Richtung 2 Zoll Öffnungsplus und die Obstruktion ist praxisbezogen berücksichtigt.

Gruß
*entfernt*
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Moin,

meines Wissens hat sich die lineare Angabe der Obstruktion wegen der Berechnungen von William P. Zmek zum "Effektiven Kontrastdurchmesser" eingebürgert.
Er stellte fest, dass die visuelle Wahrnehmung eines 20%-Kontrastes, wie er häufig bei der Betrachtung von z.B. Planeten vorkommt, eines obstruierten Systems ungefähr dem eines nichtobstruierten Systems gleichkommt, wenn man den Durchmesser des Fangspiegels vom Gesamtduchmesser der obstruierten Öffnung subtrahiert.
Damit hat man also mit Angabe der linearen Obstruktion einen Hinweis auf die Kontrastleistung der Optik.

Beispiel:
Ein Newton mit 203 mm Öffnung und 33 mm Fangspiegel bringt also die Kontrastleistung eines nicht obstruierten Systems mit 170mm Öffnung. Ein 8"SC mit 43% Obstruktion kann maximal die Kontrastschärfe eines Refraktors mit 116 mm liefern. Voraussetzung für diese Aussage ist gleiche Qualität auf beiden Seiten. (vergl. Birkmeyer, Intercon Spacetec)


cs Bernhard
 
Zuletzt bearbeitet:
Nach dem Studium aller Beiträge werde ich mich nun nach einem Dobson der Klasse 18-20" umsehen. Einstweilen Danke an alle!
 
Hallo Bernhard,

diese

Moin,

meines Wissens hat sich die lineare Angabe der Obstruktion wegen der Berechnungen von William P. Zmek zum "Effektiven Kontrastdurchmesser" eingebürgert.
Er stellte fest, dass die visuelle Wahrnehmung eines 20%-Kontrastes, wie er häufig bei der Betrachtung von z.B. Planeten vorkommt, eines obstruierten Systems ungefähr dem eines nichtobstruierten Systems gleichkommt, wenn man den Durchmesser des Fangspiegels vom Gesamtduchmesser der obstruierten Öffnung subtrahiert.
Damit hat man also mit Angabe der linearen Obstruktion einen Hinweis auf die Kontrastleistung der Optik.

Beispiel:
Ein Newton mit 203 mm Öffnung und 33 mm Fangspiegel bringt also die Kontrastleistung eines nicht obstruierten Systems mit 170mm Öffnung. Ein 8"SC mit 43% Obstruktion kann maximal die Kontrastschärfe eines Refraktors mit 116 mm liefern. Voraussetzung für diese Aussage ist gleiche Qualität auf beiden Seiten. (vergl. Birkmeyer, Intercon Spacetec)


cs Bernhard

Sicht ist, nicht nur meiner Meinung nach, durchaus wert, hinterfragt zu werden.
Wie kann ein 20% Kontrast für alle Anwendungen und alle anderen Möglichkeiten herangezogen werden um den entsprechenden Kontrastdurchmesser zu benennen?

Aber der Reihe nach:

Will man auf das Kontrastverhalten hinaus wählt man man den Abzug über Durchmesser, egal wie man das nun genau oder ungenau benennt.
Hier bezieht man sich auf den "zmekschen Kontrastdurchmesser".
Der Mann brachte eine Näherungsformel für ganz bestimmte Beobachtungssituationen heraus. Danach soll ein Teleskop mit Obstruktion die gleiche Kontrastübertragung liefern wie ein obstruktionsfreies, dessen Durchmesser um den Betrag der Obstruktion kleiner ist.
Dieser Spezialfall unter definierten Bedingungen mit definierten Details am Planeten wird immer wieder mal zum Rundumschlag benutzt.
Dabei wird, neben den schon von Zmek gemachten Einschränkungen, z.B. auf 20% Objektkontrast zu gerne vergessen, dass es hier auch nur und ausschließlich um Beobachtungen am Limit, also an der Auflösungsgrenze der Augen und des Teleskops gehen kann.
Legt man mal ganz einfach 6" Öffnung und nutzbare AP von 0,7 mm (von mir aus auch 0,5 mm) zugrunde, dann ist eben der 6-Zöller schon fertig wo man am 8-Zöller gerade mal auflösungstechnisch ein wenig gefordert wird und deutlich mehr Licht hat man da eben auch noch. Die Formel ignoriert genau das und noch mehr, die Praxis zeigt das, Zmek selbst weist auch genau darauf hin und genau das kann in der Darstellung der gebräuchlichen Zahlenwerte auch gar nicht abgebildet werden.
Man muss in der Praxis schon mit 30/35% und mehr Obstruktion kommen und gleichwertige Optikgröße und -qualität mit 0 - 20% direkt zum Vergleich da haben, um abseits von sehr guten Bedingungen wirklich unter mehreren Beobachtern fassbar und deutlich vorzeigbar zu machen, dass Obstruktion einen negativen Einfluss hat.

Selbst unter besten Bedingungen braucht man definierte Details und bei Obstruktionswerten von 20% abwärts tun sich selbst versierte Beobachter und Optikkenner extrem schwer, noch Unterschiede im Fokus zu sehen. Obstruktion hat sogar auch positive Auswirkungen. Verkleinerung des Beugungsscheibchens z.B., das ist allerdings noch spezieller, kann mal bei extremen Doppelsternen hilfreich sein, aber ein großes Thema ist das nicht.

Es ist also sinnvoll, Obstruktion so klein wie möglich zu halten, aber sie muss auch so groß wie nötig sein. Es ist in hohem Maße kontraproduktiv, wenn am Gesichtsfeldrand die Ausleuchtung sichtbar abnimmt (ab 70% und weniger ist das visuell möglich) oder gar ein zu kleiner Fangspiegel die Öffnung beschneidet.

Wenn ich nun damit in grünen Bereich liegen und nun noch den meist unterschlagenen Faktor der Lichtsammelleistung berücksichtige, habe ich die visuell möglicher Weise sichtbaren Obstruktionseinbußen des guten Spiegels gegenüber einem obstruktionslosen Teleskop bei gängigen Öffnungsgrößen mit einem Zoll Öffnungszugabe sehr gut kompensiert, teilweise überkompensiert.

Damit nicht genug hat der anerkannte Optikfachmann, Harrie Rutten (Telescopia), in letzter Zeit leider kaum noch aktives Mitglied dieses Forums, sich mal einen 8" f/10 APO und einen 8" f/10 Newton mit 30% Abschattung in diesem Thread
Vergleich APO/Spiegel - nein, diesmal anders ;)
systematisch vorgenommen.
Er kommt zu dem Schluss, dass der Apo im Feld, der Newton auf der Achse besser ist.

Okay, ist harter Tobak, aber zumindest zeigt das alles, dass man diese auf dem 20%Kontrast basierende Näherungsformel von Zmek (wie er selbst schon riet) nicht überstrapazieren sollte.

Gruß
*entfernt*
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Steve,

dann würde ich mich freuen von deiner finalen Kaufentscheidung und den anschließenden Erfahrungen mit so einem Klopper zu lesen.

VG
Klaus
 
Der Kontrastdurchmesser wird auch oft benutzt um einen Reflektor / meist einen Newton als Planetengerät zu empfehlen. Hierbei werden zwei weitere, den Kontrast stark beeinflussende Faktoren übersehen:
- Die Oberflächen eines Spiegels müssen doppelt so genau gefertigt sein und doppelt so gut eaugekühlt wie bei einem Refraktor vergleichbarer Größe
- Spiegel erzeugene viel mehr Streulicht als eine Linse. Dies absorbiert zwar etwas, aber streut nur ganz wenig (mit den hochwertigen Vergütungen). Dies geistert dann herum und reduziert den Kontrast.
 
Hallo Uwe,

man könnte es ja auch mal positiv formulieren: Die Oberflächen eines Spiegels werden doppelt so genau gefertigt. Nur so erreichen sie ihre guten Interferogramm-Werte, in denen das ja "ergebnisorientiert" enthalten ist. Darum spricht man ja von Lambda Wave und nicht Surface.
Dreckig, um Streulicht zu produzieren, werden Linsen auch. Bei Spiegeloptiken ist es aber deutlich schwieriger, das Streulicht einzufangen, weil man erst im Okularauszug bzw. Blendrohr einen konvergenten Strahlengang hat. Hier wird den Herstellern viel durchgehen gelassen. Auch die Auskühl-Thematik gehen Spiegelfreunde meist deutlich konsequenter an. Allerdings könnte man mal überlegen, wie sich so Tripletts verhalten, wenn sie inhomogen auskühlen.

Das sind immer so Aussagen, die viele hinstellen und kaum jemand korrekt misst und darstellt.

Clear Skies
Sven
 
Kann jemand aus erster Hand etwas über Taurus-Teleskope und / oder Nauris mirrage sagen?
 
Mahlzeit,
meine persönliche Ansicht ist, dass diese Teleskope nur Sinn machen, wenn sie auch guten Himmel zu sehen bekommen. Alles andere wäre Porsche fahren in verkehrsberuhigter Zone.
 
Schau mal im blauen Forum, da habe ich ein wenig über meine Eindrücke vom Taurus T400 geschrieben. Ich würde ihn mir sofort wieder holen, trotz der Preissteigerung im letzten Monat.

Gruß Horst
 
Mahlzeit,
meine persönliche Ansicht ist, dass diese Teleskope nur Sinn machen, wenn sie auch guten Himmel zu sehen bekommen. Alles andere wäre Porsche fahren in verkehrsberuhigter Zone.

Hmm... Also, von meinen üblichen Beobachtungsplätzen, nämlich entweder Welzheim vor der Sternwarte (50 min einfache Fahrt) und Kettenacker (mitten auf der schw. Alb, mind. 1:30 h einfache Fahrt) sehe ich schon die Spiralarme von M51 recht deutlich, besonders, wenn die Galaxie hoch steht. Der 20"-Dobson, durch den ich damals das Staubband in NGC4565 in atemberaubender Deutlichkeit gesehen habe, stand auf dem Roßberg bei Reutlingen. Da ist es zwar inzwischen erheblich heller geworden, aber war damals auch nicht dunkler als Welzheim / Kettenacker.

In sofern ist dunkelster Himmel zwar durch nichts zu ersetzen, aber der beste Versuch in der Richtung dürfte Öffnung sein, oder?
 
Hi Steve!
In sofern ist dunkelster Himmel zwar durch nichts zu ersetzen, aber der beste Versuch in der Richtung dürfte Öffnung sein, oder?
Ja, das sehe ich auch so. Aber trotzdem ist natürlich irgendwann die Lichtverschmutzungsschmerzgrenze überschritten, so dass ein 20-Zöller keinen Spaß mehr macht.

Ich habe mir gerade mal die von dir genannten Orte auf der Lichtverschmutzungskarte angeschaut. Ich finde es schon heftig, wie weit du fahren musst, um zumindest einigermaßen passablen Himmel zu bekommen.

Gruß
Wolfgang
 
Hallo Steve,
Zu besserem Himmel fahren ist jedenfalls nicht drin. Ich war mal auf der Alb bei Kettenacker. Da war es vielleicht 21.5, aber dafür hat die Anfahrt 1:30h gedauert. Für 0.2mag/arsec2 lohnt das nicht..

Aufgrunddessen ging ich jetzt mal davon aus, dass du nicht zu weiterem Fahren bereit bist. Also was nun gilt, kannst nur Du entscheiden.
Fakt ist auch, dass hier zwei Fragestellungen vermischt werden. Größeres Teleskop - ok. Bringt an sich schon was, aber ob es Dir im Endeffekt wirklich reicht, um dauerhaft mit glücklich zu werden... da kann ich dir nur nochmal raten, noch ums eine oder andere mal durch so ein Gerät zu schauen.

Aber gleich die Highendlösung wählen...wo aus meiner Sicht doch einige Unklarheiten existieren - das ist jetzt mal reichlich streitbar. Wenn Du die Kohle hast okay. Was genau würdest du denn bzgl. etwa Nauris hören wollen? Da musst du schon konkreter werden, damit die Besitzer auch wissen was sie schreiben sollen. Kritikpunkte wirst Du kaum finden, das wäre alles auf Jammern auf höchstem Niveau.

Fakt ist aber, dass Du die hohe Leistung eines z. B. Nauris-Spiegels nur richtig nutzen können wirst, wenn du sehr gute Seeingstandorte aufsuchst. Hier kommt man wieder in verschiedene Grundsatzdiskussionen rein und wo durchaus verschiedene Ansichten existieren.

Wenn du bei niedrigeren bis mittleren Vergrößerungen bleiben willst (Objektvorlieben??), dann könnte ein einfacher GSO-Spiegel für dich vollkommen reichen, denn da fällt die geringere Vergrößerungsfähigkeit nicht groß auf. Wenn es um 500fach aufwärts geht, sähe die Geschichte sicher etwas anders aus.

CS
Norman
 
Hallo Steve,


...

Wenn du bei niedrigeren bis mittleren Vergrößerungen bleiben willst (Objektvorlieben??), dann könnte ein einfacher GSO-Spiegel für dich vollkommen reichen, ...
Norman

Hallo Norman, das Thema Nauris kommt hier nicht wegen überlegener Spiegel, sondern wegen unschlagbar geringem Gewicht und Handhabbarkeit großer Öffnungen, sowie überlegener GoTo-Integration auf. Mond und Planeten beobachte ich bei Bortle 9 aus meinem Garten in Stuttgart mit dem Esprit 150ED oder dem C11. Was ich noch suche ist ein Deep Sky-Gerät, dass Details in Galaxien besser als das C11 zeigt (Staubband NGC4565 etc pp).

Viele Beobachter sind sich einig, dass der Gewinn einer Größenklasse "ein neues Fenster aufstößt". Gegenüber dem C11 wird dazu ein 17,5"-Gerät benötigt. Der Nauris 18" mit nur 26 kg Masse trifft es recht genau. Demgegenüber sind 16"-Geräte zu klein und 20"-Geräte zu massiv. Welche Alternative zu Nauris gibt es bei 18", die eine ähnlich geringe Masse bei ähnlicher mechanischer Qualität aufweisen?

Der vorgesehene Anwendungsbereich des Dobson ist Deep Sky, namentlich Kugelsternhaufen, Galaxien und planetarische Nebel.
 
Hallo Steve,
ok. Es ist natürlich individuell von Dir zu entscheiden, was jetzt eine ähnlich geringe Masse ist. Da die Nauris meines Wissens die einzigen kommerziellen Voll-Carbon-Teleskope am Markt sind, kann man sagen, dass es genau genommen nichts vergleichbares gibt. Wo kg-technisch die Grenze liegt, was für dich als vergleichbar gilt - das weißt du am Besten. Für mich würde vergleichbar einfach heißen, Leichtbau ohne unnötiges Gewicht, dennoch stabil - kann dann auch aus Holz sein. Denn ob 5kg mehr oder weniger würde für mich keine Rolle spielen bei einem 18"er, da sind mir andere Kriterien wichtiger.

Weitere Großgeräte guter Qualität wurden ja schon genannt und die sind auch vergleichsweise leicht.

Es sind auch nicht alle 20er massiv. Nebenan schreibt der Timm, der seinen 21er Leichtbau veräußern möchte.
Könnte Deine Chance sein.

CS
Norman
 
Hi Steve!

Nebenan schreibt der Timm, der seinen 21er Leichtbau veräußern möchte.

Timm gibt in seinem Profil das Gewicht des 21-Zöllers mit 25 kg an.

Ich habe Timms 21-Zöller auf dem ITV schon in Natura gesehen. Ich würde an deiner Stelle mal Kontakt mit Timm aufnehmen und anschließend vielleicht die 2 h Fahrt in Kauf nehmen, um den Dobson anzuschauen.

Vorteil: Keine Wartezeit. Bevor ich den Spacewalk-Dobson gekauft habe, hatte ich auch Nauris eine Anfrage geschickt. Zumindest damals waren die Lieferzeiten extrem lang.

Gruß
Wolfgang
 
Ich hätte bedenken, einen hohen 4- oder eigentlich gar 5-stelligen Betrag in eine Technik zu stecken, gegen die ich im Grunde eine Abneigung ("Gitterrohrpuzzle") hege.

Wenn doch, und Nauris dabei dein Anspruch ist, wirst Du mit halb so teuren Geräten wahrscheinlich kaum zufrieden werden.

Schwierige Entscheidung, zumindest wenn Geld eine Rolle spielt.

Insofern dürfte Taurus mit seinen eher dickeren Spiegeln aus Supremax, fehlender Goto-funktion, deutlich über 30kg schon in der 16" - Ausführung und fehlender 18"-Version aus dem Rennen sein.

Gruß Horst
 
Ich hätte bedenken, einen hohen 4- oder eigentlich gar 5-stelligen Betrag in eine Technik zu stecken, gegen die ich im Grunde eine Abneigung ("Gitterrohrpuzzle") hege.

Wenn doch, und Nauris dabei dein Anspruch ist, wirst Du mit halb so teuren Geräten wahrscheinlich kaum zufrieden werden.

Schwierige Entscheidung, zumindest wenn Geld eine Rolle spielt.

Insofern dürfte Taurus mit seinen eher dickeren Spiegeln aus Supremax, fehlender Goto-funktion, deutlich über 30kg schon in der 16" - Ausführung und fehlender 18"-Version aus dem Rennen sein.

Gruß Horst

Tja, das Leben ist bekanntlich voller Kompromisse. Am liebsten würde ich mich bei sternklarem Wetter an den perfekten Beobachtungsort teleportieren, wo das 10 m - GoTo-Instrument bereits aufgebaut und akklimatisiert ist... alas, not happening. Geld spielt eine Rolle, und ich möchte ein gutes Preis/Leistungsverhältnis. Deshalb habe ich mir auch einen Esprit 150ED und keinen Takahashi/TEC gekauft. Angesichts der Abbildungsleistung bin ich der Meinung, es dabei richtig gemacht zu haben.

Für mich sind das Handling und die Transportabilität wichtig. Dabei darf die Funktionalität nicht leiden. Den Apo oder das C11 habe ich in max. 10 min aufgebaut und eingerichtet (und auch wieder abgebaut). So soll es auch mit dem Dobson sein. Wenn der dann kein GoTo hat, so be it, das hat mein 4"-Bino auch nicht. Ich würde ihn dann ggf. auf eine EQ-Plattform stellen, wenn mir das Schubsen auf die Nerven geht.

CS
 
Irgendwie ist es mir gelungen, Timm Klose seinen 21"-Leichtbau abzukaufen. Wir haben vorher durchgeschaut - Top-Gerät. Wenn demnächst mal wieder mondlose und klare Nacht ist, werde ich nach Kettenacker fahren und anschließend hier berichten. Danke einstweilen an alle, die mich hier beraten haben.
 
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