Hallo an alle,
wir hatten gestern das erste neue APM 100 mm APO Glas mit 90 Grad Einblick von Markus geliefert bekommen.
Zusammen mit dem Kunden für den es bestimmt war, testeten wir es tagsüber an div. Objekten und mit verschiedenen Okularen.
Unser erster Eindruck hat die Erwartungen übertroffen und das wird sicher auch bei nächtlicher Beobachtung nicht anders sein.
Das Glas wird in einem stabilem Karton geliefert, es sitzt fest in ausgestanztem Schaumstoff, welcher sich sicher auch zur späteren Aufbewahrung eignet.
Im Karton liegt das "Testprotokoll" von Wellenform, es ist eigentlich eher eine Bescheinigung, daß das Glas auf die Justage hin mit Nagler Zoom Okularen 3-6 mm geprüft wurde. Das ist auf jeden Fall eine Garantie, daß man ein geprüftes Glas erhält.
Wir montierten es auf die mitbestellte Gabelmontierung von Binoptik und auf ein Baader Hartholzstativ.
Die zweiarmige Gabelmontierung von Binoptik ist die beste Art der Montage für so ein großes und schweres 100 mm Bino. Sie ist äußerst stabil, da wackelt nichts, es gibt kein Spiel in den Achsen, alles ist perfekt im Gleichgewicht, egal welche Höhe eingestellt wird.
Die Gabel ist das Beste was ich in dieser Richtung je gesehen habe, weitaus stabiler als die Vixen Gabelmontierung, welche für das 81 mm Vixen Bino ok ist, aber für das 100 mm um ca. 2 cm zu schmal wäre.
Die Kunststoff Schraubdeckel der Objektive lassen sich viel besser schrauben, als die Metalldeckel mancher Apos.
Die ausziehbaren Taukappen laufen sehr satt und wackeln nicht. Der Blick auf die Objektive zeigt die vielen Innenblenden, Der Blick durch die Prismen ohne Okulare zeigt, daß es keinerlei Reflexe gibt, es scheint also alles gut geschwärzt zu sein und die Blenden sind sehr wirkungsvoll.
Die Verstellung des Augenabstandes geht recht schwer, das ist aber bewußt so gemacht, damit ist das Bino gegen Feuchtigkeit ( Tau ) geschützt, es soll laut Herstellerangabe keine Feuchtigkeit ins Innere gelangen, obwohl es nicht ganz wasserdicht ist. Eim Verstellen des Augenabstandes gibt es kein Spiel, alles läuft sehr satt, so wie es sein soll.
Die Okularklemmen sind mit federnden T-Hülsen ausgestattet und nehmen alle getesteten Okulare prima auf. Mit den oberen Ringen an den Okularklemmen kann jedes Okular sanft geklemmt werden. Die Einstellung kann individuell vorgenommen werden, so daß man beim Okularwechsel nicht immer auf und zudrehen muß.
Die Scharfeinstellung hat einen sehr großen Bereich, so daß wir mit jedem Okulartyp scharfstellen konnten und noch nicht an einem Anschlag waren.
Die 40 mm Tele Vue Plössl Okulare boten eine gute Übersicht bei 13,5x Vergrößerung, die Austrittspupillen bilden kreisrund ab. In der Praxis sind 40 mm Okulare jedoch nicht zu empfehlen, die Austrittspupille von über 7 mm ist zu groß. Bestenfalls sollte man 32 mm als längste Brennweite wählen.
Die nächsten Okulare waren die Tele Vue Panoptik 24 mm, hier war die Schärfe bis zum Rand einfach nur perfekt. Die 24er Panoptik Okulare weißen jedoch eine starke kissenförmige Verzeichnung auf, das fällt nur bei geraden Linien am Gesichtsfeldrand auf, bei Landschaftsbeobachtung stört das nicht unbedingt, auch wenn geschwenkt wird.
Direkt danach steckten wir die mitgelieferten 20 mm Weitfeld Okulare ins Glas. Zu diesen Okularen haben wir keine näheren Angaben, aber das 70 Grad Feld war etwa zu zwei Drittel scharf. Es ist aber jedem anzuraten sich für dieses Spitzen Bino sehr gute Okular Paare zu kaufen.
Die nächsten Okulare waren die Tele Vue Delos 10 mm.. Mit den Delos Okularen bietet sich ein grandioser Blick den man so schnell nicht vergißt.
Die Klarheit und Brillanz erinnert an das Kowa Highlander Fluorid 82 mm, welches bisher das einzige Großfeld Fernglas war, bei dem ich den Eindruck hatte, daß gar kein Glas verbaut ist, es gilt als das Referenzglas und es scheint mir, daß das Kowa hiermit jetzt Konkurrenz bekommen hat.
Selbst bei der 54x Vergrößerung zeigen sich noch keinerlei Farbsäume, man hat ein helles und kontrastreiches Bild, welches keine Wünsche offen läßt.
Leider hatten wir zur Zeit keine Docter 12,5 mm mit 84 Grad an Lager, ich kann mir vorstellen, daß diese Kombination nochmals eine Steigerung darstellt und für dieses Bino die Krönung ist.
Als nächstes kamen die 5 mm X-Cel von Celestron dran. Selbst mit 108x Vergrößerung hatte man eine perfekte Justage und man sah immer noch keine Farbsäume. Am Rand zeigten sich Farbquerfehler, die aber dem Okular zuzuschreiben sind. Auch hier noch ein sehr schönes Bild mit hohem Kontrast.
Dann wollten wir es wissen: Die SWA Okulare vom Typ Planetary mit 2,5 mm Brennweite ergaben eine 216x Vergrößerung. Hier mußte man eines der Okulare verdrehen, bis sich ein kein Doppelbild mehr zeigte. Dieser Umstand ist aber dem sogenannten „Okularschlag“ anzurechnen und nicht dem Fernglas.
Bei dieser hohen Vergrößerung zeigte sich jetzt ein wenig Farbe, die dem Apo zuzuschreiben ist.
Aber da kann man trotzdem nicht meckern, wir hätten nicht erwartet, daß bei einem Öffnungsverhältnis von 1: 5,4 erst bei so hohen Vergrößerungen sich Restfarbe zeigt, evtl. ist die Restchromasie schon im 4mm Okular sichtbar, das muß noch getestet werden.
Die Zeit war knapp, deswegen mußten wir an dieser Stelle abbrechen und konnten die 3,5 und 4 mm nicht mehr testen.
Nochmals möchte ich auf die hervorragende Gabelmontierung von Binoptik hinweisen: Selbst bei der höchsten Vergr. läßt diese sich noch feinfühlig genug bewegen, ohne Spiel, da ruckelt nichts, so daß man zu weit verschiebt und dann wieder zurückschwenken muß, eben perfekt, so wie man es sich vorstellt.
Dieser erste Eindruck zeigte, daß auch die Chinesen eine perfekte Optik und Mechanik bauen können. Das ist Markus Ludes anzurechnen, da er auf die hohe Qualität der Optik und die perfekte Ausführung der Mechanik gedrängt hatte.
In der Tat: Es ist das erste 100 mm Bino, welches mir kompromisslos gut gefallen hat, alle anderen 100 mm Binos in der Preisklasse um 1.000,-- Euro, welche ich bisher gesehen hatte, wiesen gravierende Mängel auf.
Dieses Bino ist zwar entsprechend teurer, aber auch sehr viel besser.
Endlich eine Optik und eine Mechanik, wo es keine Kompromisse gibt, alles ist bis ins Kleinste perfekt.
Mein Kunde rief mich heute morgen an und berichtete mir am Telefon kurz über seine erste nächtliche Beobachtung: Trotz fast Vollmond hat ihn dieser so fasziniert, daß er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Okularpaaren rauf und runter vergrößert hat. Die 5 mm Nagler zeigten eine perfekte Abbildung, der Mond war noch ganz im Gesichtsfeld sichtbar, ohne merkliche Farbsäume. Die 3,5 mm Nagler mußten gedreht werden, bis kein Doppelbild mehr sichtbar war, dann waren aber auch diese noch in der Abbildung gut. Ebenso überzeugten die Planeten bei allen Vergrößerungen bis 3,5 mm. Mehr dazu hoffentlich bald.
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Beste Grüße
Rudi und ein sehr zufriedener Kunde
Fernrohrland