Nach den Besprechungen hier ist vielleicht ein Beobachtungsbericht mit dem APM 100 ED Apo interessant. Gestern habe ich von Born/Darss in MV (54° n.B.) beobachtet. Das SQM-L zeigte zwischen 21,1 (Milchstraße im Schwan) und 21,3 (Richtung Draco). Die IR-Temperaturen waren: Zenith -6°, Nadir 15,2°. M33 konnte ich mit bloßem Auge nicht erkennen, M15 aber erahnen. Dies wurde mit dem Fernglas überprüft: Anpeilen des vermeintlichen Ortes brachte in der Tat den Kugelsternhaufen in die Gesichtsfeldmitte. Die Beobachtungsbedingungen entsprachen Bortle 4. Es wehte ein recht starker, böiger Wind.
Zu Beginn (kurz vor 0:00 Uhr) wurden mit 24 mm Panoptic die Gasnebel im Schützen inspiziert. M8 befand sich in nur 9° Höhe, jedoch knapp oberhalb einer praktisch undurchsichtigen Dunstbank am Südhorizont. Der Sternhaufen links, sowie die beiden markanten, übereinander stehenden Sterne rechts des Dunkelbandes waren schwach, aber auffällig neblig hinterlegt. Angesichts der Horizontnähe und des daraus resultierenden flauen Gesamteindrucks kamen sofort die OIII-Filter zum Einsatz. Der Nebel zeichnete sich damit sehr deutlich mit seinem Kerngebiet ab und gewann an Struktur. Ich schätze die sichtbare horizontale Ausdehnung auf ca. 40’, die vertikale auf ca. 25’. Das senkrechte Dunkelband war sehr auffällig. M20 war hingegen auch mit Filtern sehr unscheinbar. Die Dunkelbänder waren nicht wirklich erkennbar. Im Gegensatz dazu strahlte der Kernbereich von M17, immerhin 15° über Horizont, sehr hell. Sehr klar war das spiegelverkehrte, nach links umgefallene „L“ zu sehen (Länge ca. 15’), das noch mit einem leicht nebligen Halo hinterlegt war. Dieser Kernbereich verfügt offenbar über eine sehr hohe Flächenhelligkeit. Dies wurde bei M16 anders festgestellt. Nur nach einigem Hinsehen ließ sich bei dem ca. 18° hoch stehenden Emissionsnebel die Form eines nach links unten fliegenden Adlers ausmachen. Der eingebettete Sternhaufen NGC6611 war hingegen sehr auffällig. Insgesamt litten alle diese Nebel unter erheblicher horizontnaher Aufhellung sowie eingeschränkter Transmission, am meisten natürlich M8.
Als nächstes Objekt wurde der Wildentenhaufen M11 anvisiert. Mit 25° Höhe lag er bereits vollständig außerhalb der Horizontaufhellung und der Dunstschicht, so dass er herrlich eingebettet in die Milchstraße der Schildwolke als helle neblige Verdichtung imponierte, die sich bei genauerem Hinsehen als aus unzähligen feinsten Lichtpunkten bestehend erwies. Sehr auffällig war ein sehr heller, weißer Stern etwas unterhalb des Zentrums, offensichtlich im Vordergrund. Durch Okularwechsel von 24 mm Panoptic auf 12,5 mm Docter UWA konnte der ästhetische Eindruck noch erheblich gesteigert werden. War auch vorher schon die „Wildente“ gut erkennbar gewesen, war sie danach noch besser in ihren Umrissen auszumachen, und durch den nun auch in der Haufenfläche besser durchscheinenden Himmelshintergrund bei fast ähnlich nadelstichartigen Sternen wie in den Panoptic ergab sich der oft beschworene Anblick von „Diamantenstaub auf schwarzen Samt“. Zweifellos konnten die hervorragenden Docter-Okulare hier mit dem fast 2° großen Gesichtsfeld wesentlich zum Seherlebnis beitragen. Dennoch bestand der Wunsch, den Haufen noch größer zu sehen, und so wanderten die 7 mm Pentax XW in die Auszüge. Auch dieser Anblick war ästhetisch sehr befriedigend, denn durch eine etwas höhere Grenzgröße und die nun ca. 80x Vergrößerung wurde der Haufen scheinbar vollständig aufgelöst. Da er an die 3.000 Sterne enthält, war das in Wirklichkeit natürlich nicht der Fall, aber die hunderte feinster Lichtpunkte mit pechschwarzem Himmel dahinter erweckten den Eindruck. Insgesamt ein ästhetisch sehr befriedigendes Objekt!
Das APM-Gerät wurde nun wieder mit den Panoptic bestückt und auf den Cirrus-Nebel gerichtet. NGC6992/6995, die „Knochenhand“ war deutlich ohne Filter sichtbar. Der „Sturmvogel“, NGC6960 war hingegen nördlich von 52 Cygni nur zu erahnen, südlich davon unsichtbar. Unsichtbar blieben natürlich auch die übrigen Teile des Supernova-Überrestes. Deswegen wurden wieder die OIII-Filter in die 24 mm Panoptic geschraubt. Dies änderte den Anblick dramatisch. Sehr hell und strukturiert stachen nun „Knochenhand“ und „Sturmvogel“ hervor, letzterer jetzt natürlich in seiner ganzen Pracht. Auch NGC6974 war nun schwach aber deutlich erkennbar. Insgesamt erinnerte der Anblick stark an die bekannten Fotos. Der „Schwanz“ des „Sturmvogels“ war nun deutlich in zwei Filamente unterteilt, denen sich nach gründlichem Studium sogar hauchzart noch ein drittes zugesellte. Auch der „Schnabel" zeigte Faserung, ebenso natürlich die Knochenhand. Ein Wechsel auf 12,5 mm Docter erwies sich als kontraproduktiv. Die Detailerkennung sowie der Gesamteindruck waren schlechter als in den Panoptic. Insgesamt war der Cirrus-Komplex ein phantastischer Anblick - es handelt sich um ein Objekt, das man sich immer wieder gern zu Gemüte führt.
Nachdem die OIII-Filter ja bereits wieder in die Panoptic geschraubt waren, erfolgte ein kurzer Schwenk zum Nordamerika-Nebel (NGC7000). Dieser war natürlich insgesamt sehr auffällig und zeigte sogleich vollständig seine charakteristische Form. Die „Golf von Mexico-Region“ war auch ohne Filter recht deutlich erkennbar. Auch hier waren die 24 mm Panoptic erste Wahl, andere Okulare wurden erst gar nicht versucht. Mit diesen Okularen ist wegen des großen Gesichtsfelds generell das Auffinden aller einigermaßen flächigen Objekte kein Problem. Nur beim Katzenaugennebel musste ich zum „Star-Hopping“ greifen, da ich ihn bei nur 23x ständig mit Sternen verwechselt und übersehen hatte. Nur lohnte sich der Aufwand für den Anblick kaum.
Die OIII-Filter blieben im Einsatz, denn ich wollte die Himmelsregion nicht ohne einen Blick auf M27 verlassen. Dieser war zwar auch ohne Filter deutlichst sichtbar und zeigte seine Hantelform, aber ich war natürlich auf Strukturen aus. Mit OIII-Filtern in den 12,5 mm Docter war der hantelförmige Bereich extrem hell, und auch die Ohren waren sehr auffällig. Gleichzeitig waren sie so ausgedehnt, dass der Nebel quer zur Hantelachse deutlich breiter war als längs dazu, also stark elliptisch erschien. Im recht uniform sehr hellen Hantelbereich waren wenig interne Strukturen erkennbar. Vielleicht wäre hier ein Filter mit schmalerer Bandbreite als der eingesetzte Lumicon OIII angezeigt. Angeblich sollen die Lumicon ja bei 12 nm, die Baader hingegen bei nur 9 nm Halbwertsbreite liegen. Vielleicht hätte ich auch mit den 3,5 mm Pentax XW auf 157x gehen sollen. Nächstes Mal!
Das Fernglas richtete sich nun auf den Kugelsternhaufen M92 im Herkules. Diese Objektklasse ist sicherlich nicht die Stärke des Gerätes. Trotzdem wurden bei 157x (Pentax XW) die Randbereiche des sehr symmetrisch aussehenden Haufens aufgelöst. Die Gesamthelligkeit blieb dabei ausreichend. Da viele im Moment aufgelöste Sterne wegen ihrer Lichtschwäche nicht gehalten werden konnten, schien sich der Anblick des Haufens ständig zu verändern. Ich hatte zeitweise den Eindruck, in eine Art Trichter zu sehen. Am vorliegenden Objekt lies sich auch die Wirkung des binokularen Sehens sehr gut studieren. Schloss ich ein Auge, so erschien M92 als radial schwächer werdender Nebelfleck, der mit wenigen, höchstens einem Dutzend aufgelösten Sternen übersprenkelt war. Öffnete man das zweite Auge wieder, so wurde der Nebel sofort granulär, und die Anzahl der wahrgenommenen Einzelsterne vervielfachte sich.
Beobachtet man schon Kugelsternhaufen im Herkules, darf natürlich M13 nicht fehlen. Auch im APM Apo-Fernglas ist das ein faszinierender Anblick. Bei 157x sind über der granulierten Nebelfläche mehrere Dutzend Einzelsterne erkennbar, die sich in charakteristischen Ketten vom Zentrum nach außen schrauben - ein im Vergleich zu M92 ganz anderer Anblick. Leider erinnere ich mich noch gut an M13 in meinem längst verkauften Meade 10“ SCT - da kann das Fernglas nur abstinken. Für einen Vierzöller ist der Anblick aber wegen binokularer Summation sensationell.
Mit dem nächsten Objekt wird die Milchstraße verlassen: M31 erscheint im Feld der 24 mm Panoptics. Die schwachen Außenbereiche der Galaxie durchmessen das Gesichtsfeld, sind aber so fein, dass sie öfter durch Bewegen des Fernglases wieder in den Fokus der Wahrnehmung genommen werden müssen, nachdem die Augen sich auf den Kernbereich fixiert haben. Nach eingehendem Studium der Galaxie zeigen sich beide Staubbänder im oberen rechten Quadranten. Hinter einer wahrgenommenen Strukturierung der rechten Peripherie könnte u.a. NGC206 gesteckt haben. Die beiden Begleitgalaxien waren natürlich sehr auffällig.
M33 war recht enttäuschend. Mehr als ein großer, aber blasser Nebelfleck war nicht auszumachen. Überhaupt bin ich erstaunt, wie hell die Umgebung hier dort ist. Wo sind in Deutschland die Borte 3-Gebiete? Bortle 1 und 2 gibt es ja in ganz Europa nicht mehr.
Als nächstes erfolgte ein kurzer Blick auf M15. Dieser Kugelsternhaufen kam jedoch auch bei 157x nicht über das Stadium „granulierter Nebel“ hinaus, obwohl er auch noch bei 157x recht hell wirkte.
Den Abschluss (gegen 2:20 Uhr) bildete der Doppelhaufen h&Chi. Der Anblick in den 24 mm Panoptic war absolut phantastisch. AD Persei zwischen den Haufen, sowie RS Persei in Chi waren sehr deutlich orange. Zahlreiche weitere Sternfarben konnten in beiden Haufen unterschieden werden. Der Anblick in den 12,5 mm Docter war ästhetisch deutlich unterlegen. Auch wenn der Doppelhaufen ein „Brot und Butter“-Objekt ist: der bombastische Anblick im APM Apo gehört für mich zum besten, was die Amateurastronomie hergibt.
Nach meinem Eindruck ist der Einsatz von 24 mm Panoptic-Okularen an diesem Gerät sehr lohnend. Umso bedauerlicher ist es, dass die Problematik der falschen Austrittspupillen und dadurch diejenige der Vignettierung durch zu kleine Blenden existiert. Es wird daher verständlich, dass manche Nutzer lieber gleich auf 2“-Selbstbaulösungen auf Matsumoto-Basis setzen wollen.