Mein Buchprojekt wird zur Sisyphusarbeit
Hallo Holger,
das Buch schreitet voran, allerdings langsamer, als ich es mir vorgestellt hatte. Da ich (wie ich es als Freiberufler ohnehin bei meiner regulären Arbeit tun muß) über meinen Arbeitsaufwand Buch führe, weiß ich, daß ich seit dem Beginn meiner Arbeit am 7.10.2004 bereits 474,3 h dafür aufgewandt habe. Natürlich muß aber meine reguläre berufliche Tätigkeit weiterlaufen, denn ich brauche die Einnahmen für meinen Lebensunterhalt. Trotz des schon sehr hohen bisherigen Einsatzes sehe ich noch längst nicht „Halbzeit”, denn die Arbeit hat sich zur wahren Sisyphusarbeit entwickelt.
Ich habe mit dem ursprünglich als Anhang von vielleicht 25 bis 30 Seiten konzipierten „ABC der Fachausdrücke” angefangen, weil ich dachte, daß ich mir damit eine gute Stoffsammlung anlege und dann beim eigentlichen Leseteil des Buches besseren Überblick für eine gute Gliederung habe, nichts übersehen kann und im Text schon die richtigen Querverweise zum ABC einbauen kann. Inzwischen ist dieses ABC immer umfangreicher geworden, und zwar aus mehreren Gründen: Je intensiver man sich mit der Sache beschäftigt, deste mehr Stichwörter fallen einem ein. Wenn man diese dann bearbeitet, also erklärt, definiert, in Zusammenhänge stellt usw., dann stößt man immer wieder auf noch weitere Fachausdrücke, die auch noch ins ABC aufgenommen werden müssen. Und schließlich will ich mich nicht allein auf die Fachausdrücke beschränken, die unmittelbar mit dem Fernglas zusammenhängen, sondern auch solche darin aufnehmen, die zum engen Umfeld gehören. Das ist aber auch wieder vielgestaltig. So zähle ich viele Fachausdrücke der Optik dazu, die zwar nicht fernglasspezifisch sind, aber zumindest zur Erklärung fernglasspezifischer Begriffe benutzt werden müssen (Beispiel: Wellenlänge, Interferenz, Blende und Luke, Hauptstrahl). Dann kommen lichttechnische Begriffe dazu (Beispiele: Helligkeit, Leuchtdichte, Beleuchtungsstärke, spektrale Hellempfindlichkeit, Stilb und Apostilb, Candela, Candele pro Quadratmeter). Über Glaseigenschaften muß man auch einiges sagen (Beispiele: Reintransmission, Absorption, Brechzahl, Dispersion, anomale Teildispersion, Abbesche Zahl, Glaskatalog). Schließlich nimmt auch alles, was mit dem Auge und dem Sehen zu tun hat, großen Raum in meinem Buch ein (Beispiele: Retina, Fovea, Hornhautscheitel, Zapfen und Stäbchen, Rhodopsin, Lutein, Xanthophyll, Adaption, Akkomodation, Kohlrauschknick, Fehlsichtigkeit, Nachtblindheit). Nicht vergessen darf man die beim Bau von Ferngläsern benutzten Materialien (Beispiele: Aluminium, Magnesium, Titan, Kunststoffe vom verpönten PVC bis zu Polyamiden und Polycarbonateen wie Nylon, Teflon, Makrolon). Das Zubehör gehört auch dazu (Beispiele: Stativ, Einbeinstativ, Kugel- und Neigekopf, Parallelführung). Da die Werbung für viele Produkte nur in englischer Sprache erfolgt, insbesondere im Internet, habe ich auch sehr viele englische Fachbegriffe und Abkürzungen mit ins ABC aufgenommen und übersetzt und mit Verweisen auf die deutschen Stichwörter versehen bzw. erklärt (Beispiele: AFOV, eye relief, high exepoint, harness, flare, resolution, faintest star). Und so könnte ich die Aufzählung noch lange fortführen. Natürlich geht es außer um diese mittelbar mit dem Fernglas zusammenhängenden Dinge auch und besonders intensiv um die, die unmittelbar dazu gehören (Beispiele: Umkehrprismen, Phasenbelag, Fungus, Kulisseneffekt, Globuseeffekt, Zentralfokussierung, Wasserdichtheit, Perspektive, Innenfokussierung, Vergütung).
Ich habe vor wenigen Tagen mal im Zeiss-ABC im Internet nachsehen wollen, wie Zeiss den Abstand der Augenpupille vom letzten Linsenscheitel des Okulars bezeichnet (weil da selbst die renommierten Hersteller ganz verschiedene Begriffe wie Augenabstand, Augenweite, Pupillenabstand, Pupillendistanz, Pupillenschnittweite, Augenlage usw. benutzen ich ich mich um eine Standardisierung bemühen möchte), und da sah ich, daß im Zeiss-ABC das Wort „Augenabstand” das erste Stichwort ist. In meinem ABC der Fachausdrücke ist „Augenabstand” derzeit das 47. Stichwort. Daran kann man erkennen, daß mein ABC um ein Vielfaches umfangreicher und ein wirklich umfassendes Nachschlagewerk werden wird.
Derzeit hat das ABC einen Umfang von 89 Seiten ohne Illustrationen. Da ich noch ca. 25% der gesammelten Fachausdrücke erläutern muß, rechne ich mit einem Umfang von 110 bis 120 Seiten ohne und ca. 160 bis 180 Seiten mit Illustrationen. Da ich den größten Teil der Abbildungen selbst zeichnen werde, kommt auch da noch eine riesige Arbeit auf mich zu. Und erst, wenn das ABC fertig ist, werde ich mit dem eigentlichen Leseteil des Buches beginnen. Deshalb rechne ich trotz weiterhin großer Anstrengungen jetzt nicht mehr damit, noch in diesem Jahr damit fertig zu werden. Gut Ding braucht eben Weile, und schlampige oder oberflächliche Arbeit ist nicht meine Sache.
Ich bitte alle, die schon auf dieses Buch warten, noch um eine große portion Geduld.
Ach ja, weil Du meine Strachreinigungsaktion zum Anlaß für Deine Frage nach dem Buch gnommen hast, möchte ich noch ergänzen, daß es sehr mühsam ist, Texte für ein Lexikon zu formulieren: Sie müssen möglichst kurz, dennoch korrekt, verständlich, umfassend und auch sprachlich einwandfrei sein. Es gibt viele Stichwörter in meinem Buch, die ich schon mehrfach überarbeitet habe, um sie kürzer, prägnanter, leichter lesbar zu machen oder weil sich im Zusammenhang mit anderen Stichwörtern neue Aspekte und zusätzliche Querverweise als nützlich ergeben haben, die Ergänzungen erforderten. Es sieht momentan fast so aus, als könne man ein solches Projekt ad infinitum fortsetzen …
Walter E. Schön