Hallo Ralf.
Da das Thema für mich sehr komplex ist, versuche ich mich kurz zu fassen und alle folgenden Überlegungen ruhen auf Überlegungen, Erfahrungen und Selbst,-bzw Umbau bestehender FG-Halter.
Und ich gehe mal von der Tatsache aus, dass wir uns hier nicht über Gläser mit Knickbrücke wie altbewährte Porros unterhalten. Hier ist ja die Befestigung relativ einfach. Wenn in meinen Augen auch hier schlecht gelöst. Der Halter von Zeiss für mein Dialyt 8x56 ging zurück und ich habe mir seinerzeit einen eigenen gebaut, den Markus Ludes [wenn ich mich recht erinnere ?] sofort in seinen Besitz nahm. Vll. hat er ihn noch. Dieser Halter hatte eben nicht den Mangel des originalen.
Demnach ist sicher das Dachkantenmodell der Anfechtung ausgeliefert.
So, kommt also davon, wenn ich eben nicht „m.E.“ oder „n.m.M“ schreibe. Den Umstand mag man mir verzeihen, vor allem dann, wenn ich doch, z.B. wie dich, Experten im Forum zu schätzen und mit deren Anwesenheit zu rechnen habe. Deine Frage ist berechtigt, denn sie wir ja Desöfteren aufgeführt. Und mag mag´s glauben oder nicht, ich wusste das jemand nachfragt, was auch gut ist.
Für mich zählen erst mal zwei Hauptgründe:
1. Die Konstruktion
2. Die Nutzungsanforderung
Aber generell:
Wenn man sich die FG Designentwicklung ansieht, strebt doch alles in Richtung Miniaturisierung der Bedienelemente, die eben bekannte im Vergleich zu früheren Modellauslegungen andere Eigenschaften aufweisen. Kurzhub, Naheinstellgrenze, Gewichtsersparnis, Ergonomie und Design etc. Ob das besser oder schlechter ist, bleibt mal außen vor. Neue Materialien erlauben eben diese Experimentierfreude und ab und an kann man schon den Anschein gewinnen, die neue Fernglasgeneration ist überzüchtet.
Ansichtssache.
Aus Sicht der Konstruktion und Auslegung eines FG Gehäuses bleibt m.E. aber ein Fakt:
So ein Stativgewinde hinterlässt Spuren in den Dimensionsgrößen, die in keinster Weise zu vernachlässigen sind. Kein Schmetterlingseffekt und doch kann es zu gravierenden neuen Überlungen in der Designauslegung führen.
Um uns dies zu verdeutlichen müssten wir uns eine Modellreihe eines Herstellers heraus picken.
Aber aus meinen Erfahrungen früherer Modelle wie Zeiss und Leica und Nikon, und auch aus denen der derzeitigen Modelle, sehe ich keinen Anlass und auch keine Möglichkeit der Integration eines Stativgewindes. Die Designs der neuen Generationen gefallen nicht nur mir, sondern andere User auch. Meist wohl so wie es ist. Für viele in die Hand konstruiert. Größe, Gewicht und Handhabung, sagen wir mal das Gefühl geht mit in die Kaufentscheidung ein. Das ist auch eine Marktstrategie. Ob dies sinnvoll ist oder nicht,............. es macht aber Umsatz.
Ich möchte nicht wissen, wie oft der Techniker dem Designer oder umgekehrt den Vogel zeigt.
Was ich sagen will ist, es sind derart kleine Nuancen der FG Gehäusekonstruktion, Konzeptionen der Mechaniken und deren Platzbedarf, dass so ein Gewinde dem oftmals kontrovers gegenüber steht.
Ich denke auch deshalb, da die Befestigung dem üblichen Überlegungen, also, das Glas ist bis in kleinste Detail „perfekt“, in seiner ganzen Konzeption, Mechanik wie die Optik inkl. der verwendeten Materialien und Anstoß dieser Gesinnung wird das Stativgewinde-warum?
Um mich jetzt hier nicht zu verfangen, komme ich auf den 2. Punkt, der in meinen Augen der wichtigere ist und sich mit der gerade genannten Anmerkung deckt.
Was sollte so eine Befestigung per Stativgewinde denn erfüllen?
Für mich jedenfalls genau die, die wir doch alle auch am Teleskop erwarten. Eine stabile Einheit, die nicht bei Anstoß gleich das Zittern hervorruft. Nun, wenn ich mir die Gewichte mancher Gläser ansehe, Bereich von 800-1200 Gramm, bekomme ich angesichts der Dimensionierung der Schraube so meine Bedenken. Gerade bei den neuen Formen der FG mit Durchgriff, EL und andere, kann so eine Gewindemuffe nur am Ende der objektivseitigen Knickbrücke platziert werden. Siehe SLC Serie oder auch z.B. Meopta. Hier kann man dann nur von Glück sprechen, wenn der Schwerpunkt des Glases dann mit der Schraubenverbindung zusammen fällt. Bei den meisten FG wird das nicht der Fall sein. Ich kann jetzt nicht für alle FG sprechen, im Grundsatz wird das Problem dasselbe sein. So bei einem EL. Wo soll da das Gewinde hin? Nur an das Ende. Am Mitteltrieb im Durchgriff würde die ganze Konstruktion eine vollkommen andere Gehäuseform fordern. Vor allem dann, wie oben erwähnt, wenn der Hersteller auch hier die ganze vorangestellte Überlegung der Perfektion auch auf diese Befestigung ausweiten würde. Denn schwächeln dürfte er hier nicht. Mach´s richtig oder lass es.
Ein Hauptproblem welches ich erkenne ist folgendes:
Wenn ein Anwender z.B. einen auf einen Fluss startenden Schwan beobachtet, oder im Grundsatz bewegte Objekte verfolgen will, wird alle Kraftübertragung seitens des verwendeten Equipments auf die Nahtstelle FG und Schraube übertragen. Und das unbefriedigend, meine Erfahrung. Wenn ich einen mit Friktion ausgestatteten KK oder einen Neiger oder.... benutze, muss ich die gewählte Einstellbremse mit dem FG+Halter überwinden. Zu diesem Umstand im Lastfall kommt die Masse, die einen Überhang in Richtung Okular oder Objektiv erzeugt, da der Stativanschluss nicht im Schwerpunkt liegt. Die Schraube/Verbindung wird also bei „aktiver“ Nutzung m.E. unsachgemäß beansprucht und unweigerlich auch das FG-Gehäuse. Soll die Auslegung entsprechend sein............ siehe Gehäuseauslegung. Von der Steifigkeit guter FG ausgehend, sollte man sorgenfrei so arbeiten können(?) Aus welchen Gründen auch immer sollte man nicht an dieser Verbindung Stützkräfte einbringen. Wer kann das ausschließen? Ein heftiger Anstoß ist schnell geschehen und gar ein Sturz der Einheit hat dann wohl Folgen, die den Serviceeinsatz rechtfertigen. Ich denke, all das will man umgehen, da eben wie oben erwähnt, die Grundphilosophie der Produktlinie eine nachhaltige sein soll, die durch den Stativanschluss unterbrochen werden kann, ein eingebaute Schwachstelle eben.
So ein Stativgewinde ist für mich nicht praxisgerecht, im Sinne des Wortes. Da mag der eine oder andere Anwedner nur seine Anwendung sehen, Astro, Jäger im Ansitz,........ – doch der Hersteller kann die Verwendung nicht einschränken, er muss all die Beobachtungsvarianten einfließen lassen.
Viele Birder arbeiten mit Einbeinstativen und sind per Fuß im Feld hier und dort. Das Glas an dieser im Kontext der Kombo nur an einer Schraube zu wissen beunruhigt. Denn beim Aufsetzen des Einbein auf dem Boden, weil schnell etwas gesichtet, wird nicht schonend an das FG und dem Anschluss gedacht. Das meist im Ungleichgewicht befestigte FG muss also die Wipp,- also die frequenzartigen Hebelkräfte aufnehmen. Für Dauereinsatz geeignet?
Aus der stationären Befestigung muss m.E. das Glas schnell entnommen werden können, wenn eben ein Federtier doch quick fort fliegt.
Und von dieser kurzen Betrachtung her, lieber Ralf, sind die deinerseits erwähnten „Krücken“ das Beste was es gibt. Denn diese sind in Kombo mit dem Stativ steif und fest, per Kupplung verbunden und das FG findet Ganzheitlich seinen Halt. Das lässt sich ganz anders fokussieren und nachführen.
Da eine ausgewogene Gesamtmasse bewegt wird. Das FG ist schnell zu entnehmen und wieder losgelöst vor Augen zu führen. Auch im Astoeinsatz sehe ich da mehr Vorteile.
Wenn wir ehrlich sind, die meisten Anbieter solche Anschlüsse werben auf Grund des Absatzes und dem Vorsprungmerkmal in der Ausstattung. Taugen die verbauten Konstruktionen? Wenn ich mir so mache langen FG an diesen unsäglichen dünn wirkenden Halter ansehe,..........naja!
Ich hoffe, ich konnte dir meine abgespeckte Sicht zufriedenstellend aufführen.
Die selbstverständlich keine Allgemeingültigkeit stellt.
Ich persönlich empfinde das Nichtvorhandensein als Gewinn, davon abgesehen, ich würde es auch in der bekannten Verwendung nicht nutzen.