Doch, das ist es – das Problem ist, dass 400€ für die wenigsten Hobbies viel Geld ist. Frag mal jemanden, der Oldtimer als Hobby hat, oder Reisen, oder Haustiere (einmal Tierarzt + Apotheke...), oder Landschaftsfotografie, oder Kino, oder Lesen (mit Kauf statt Bibliotheks-Ausleihe). Es ist eher erschreckend, wenn man die 400€ in Kinokarten oder Besuche im Fast-Food-Restaurant umrechnet (oft wird beides kombiniert).
Diese Vergleiche sind aber weit hergeholt. Mal abgesehen von Oldtimern sind das alles normale Lebensbetätigungen.
Tatsache ist: Astronomie war immer ein sehr teures und exklusives Hobby. Diejenigen, die aufgewachsen sind, als es nur Zeiss-Teleskope zu kaufen gab und die nur erschwinglich waren für Bonzen, wissen das. Im Westteil nicht viel anders mit dem dortigen Standard Vixen über Vehrenberg, oder Unitron, oder Lichtenknecker, selbst Celestron - alles wahnsinnig teuer für Normalverdiener. Und dann erst das Zubehör, das man fürs visuelle Beobachten in Mengen braucht.
Diejenigen, die fotographieren wollten - und das waren die meisten, denn die meisten in dem Hobby kamen/kommen erst durch das Hobby Fotographieren zur Astronomie, nicht umgekehrt - hatten's noch teurer.
Dann gab es die erste Revolution: die chinesischen Teleskope kamen auf den Markt, insbes. Dobsons, womit das Hobby eigentlich erst anfing, für jeden erschwinglich zu sein, Okulare, Filter etc. dito.
Und nun die zweite Revolution, diese Smart Telescopes. Nicht nur, dass Astrofotographie nun für jeden möglich ist, finanziell, zeitlich, mental. Auch überhaupt die Beschäftigung mit Astromonie populär gemacht wurde damit. Kein Wunder, dass sich der Wissensaustausch hauptsächlich in Facebook und Reddit abspielt, und nicht in Astronomieforen. Vorher war Astrofotographie so kompliziert und teuer, dass sie nur etwas für reiche Nerds war.
Und: Astronomie selbst erlebt war vorher eigentlich kaum lohnend. Damit es visuell überhaupt Eindruck macht, können die Teleskope gar nicht groß und gut genug sein. Und das reiche Betätigungsfeld Deep Sky ist für die meisten Menschen sowieso visuell unzugänglich, man lebt im 21. Jh. nunmal in Großstädten und nicht auf Dörfern. Und Autos haben auch nicht mehr viele. Was man da sehen kann, ist nicht der Rede wert. Bleiben nur die paar Objekte des Sonnensystems, immer dasselbe, was schnell langweilig wird. Und das für so viel Geld. Wo man gerade für Planeten richtig teure Optik braucht, damit man nennenswert etwas sieht mit dem Auge, genauso Okulare, Zenitprismen... Womit wir wieder bei Zeiss und Äquivalenten sind und deren Preisen. Und im Internet sieht trotzdem alles tausendmal besser aus.
Doch nun, mit den Smart Telescopes, öffnet sich plötzlich die riesige Welt des Deep Sky. Nicht nur, dass man mobil wird, man kann sogar aus der Stadt heraus atemberaubende Bilder machen, und das von jedem Anfänger, einfach nur irre.
Ich habe immer Astrofotographie verachtet. Doch nun, mit den Smart Telescopes ist das the way to go geworden, wie für die Profiastronomie schon vor 100 Jahren.
Und über die dutzenden Teleskope, Ferngläser etc., die bei mir rumliegen, wundere ich mich nur noch. Nicht ganz, als Sammelobjekte und Bestaunen der Optik an sich, haben die schon noch ihre Berechtigung. Aber keine praktische.
Ich finde, diese Smart Telescopes sind genau so eine unglaubliche Revolution wie die Virtual Reality, das Realität gewordene Holodeck.