Hallo Felix,
ich erkläre hier mal einfach wie ich den M57 auch mit dem Popelsucher (5x24?) von meinem Tschibo-Torpedo ganz einfach finde (z.B. gestern Nacht bei bereits kräftigem Mondlicht):
1. Anpeilen der Vega (
Peilen mit Sucher und freiem Auge gleichzeitig)
2. Beim Blick durch nur durch den Sucher weiter schwenken, so dass auch noch ε und ζ Lyrae (zusammen mit der Vega als Dreieck) sichtbar werden.
3. Weiter schwenken zu γ und β
4. Fadenkreuz genau mittig zwischen β und den schwächeren Begleiter von γ (der auch auf der Verbindungslinie liegt) Lyrae positionieren. Man kann dabei auch noch ein kleinwenig (nach Aussen bezüglich dem Kasten der Leier) von der Verbindungslinie abweichen.
5. Im Okular bei hoher Vergrößerung (ca. 80x bis 120x) den nebligen Fleck "auflesen"
Wichtig ist mir dabei immer, dass der Sucher sehr genau justiert ist. Das sogenannte Übersichtsokular erspare ich mit dabei regelmäßig und so oft es geht. Dadurch kann ich zum Beispiel "unterwegs" sozusagen im Vorübergehen an ε Lyrae optimal fokussieren und brauche nicht in der Pampa (in der Nähe von M57 gibt es nur wenige minderhelle Sterne an denen man die Schärfe beurteilen kann) mir die Augen verbiegen.
Wie Lothar schon schrieb scheinst du gleich zu Beginn ein Problem zu haben bei der Identifikation der wichtigsten Umgebungssterne. Da muss man am Anfang immer sehr genau hinschauen, denn nur wenn man sich sicher ist auch vom richtigen Ausgangspunkt zu starten, kann man zielsicher seinen Weg finden. Was mir auch sehr oft hilft ist eine Gesichtsfeldschablone (mit angedeutetem Fadenkreuz), die ich mir auf Folie gedruckt habe. Damit kann ich im Karkoschka sehr leicht abschätzen, welches Bild im Sucher zu erwarten ist. Gerade als Anfänger verschätzt man sich nämlich leicht mit der Größe der zur Orientierung benutzten Asterismen.
Zu wissen, wie groß in Relation zum Gesichtsfeld eine bestimmte Konstellation erscheinen muss, erleichtert die Suche danach ungemein.
Viele Grüße
Stephan
PS. Man liest hier gelegentlich den Rat, man solle diese mickerigen vollchromatischen Popelsucher am besten gleich wegschmeißen oder aber ihre Linsen heraus brechen. Ich würde ehrlich gesagt an meinem Tschibo-Torpedo diesen Sucher nicht gegen einen Rotpunkt-Peiler eintauschen wollen.