Willman-Bell macht dicht

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Hallo!

...ich gehöre altersmäßig nicht zur Wischbrettchenfraktion,...

Das hat mit dem Alter nichts zu tun. Meiner Mutter (über 80, eher den Geisteswissenschaften zugehörig) haben wir vor ein paar Jahren halbherzig ein iPad geschenkt und eigentlich damit gerechnet, dass es nach kurzem Ausprobieren vielleicht in einer Schublade enden wird. Aber gar nicht. Das ist täglich im Einsatz und sie hat sich sogar noch ein iPhone dazu gekauft, damit sie auch unterwegs nicht auf die liebgewonnenen Funktionen verzichten muß.

Selber habe ich die Digitalisierung des täglichen Lebens von Anfang an mitgemacht und habe jeden einzelnen Schritt als großen Segen empfunden. Mir fehlt gar nichts von dem, was dabei auf der Strecke geblieben ist. Da muß ich nur jemanden sehen, der mit Spucke an den Fingern in einem Buch blättert (oder gar in irgenwelchen Papieren die ich selber noch bearbeiten muß) und mir vergeht die Lust auf die „Haptik“ von Papier sofort. Ganz ohne Corona.

Grüße
Maximilian
(unterwegs bei der Arbeit mit MacBook, iPads (ein eigenes und zwei von der Firma, die schon einen halben Wald in Kanada gerettet haben, weil sie uns seit ca. 5 Jahren ein fast papierloses Arbeiten ermöglichen und uns sogar im Falle eines Falles noch bis zum näcshten Flughafen navigieren würden. Das Buch will ich sehen, mit dem das geht...)
 
Da muß ich nur jemanden sehen, der mit Spucke an den Fingern in einem Buch blättert (oder gar in irgenwelchen Papieren die ich selber noch bearbeiten muß) und mir vergeht die Lust auf die „Haptik“ von Papier sofort.

Deshalb kaufe man Bücher neu und verborge sie nur an Menschen, mit denen man den Mund teilt. Für die Spucke ungezogener Leser kann das Buch nichts - im Übrigen diente das aber dem guten Training unserer Immunsysteme. Seit wir uns weniger bekeimen und die iPads abwischen, gibt es Corona. _affeaugen: Also ein Hoch auf Küchenschwämme und Bücher.

Nun, ich las gerade, dass russische Hacker wieder Cyberangriffe auf amerikanische Krankenhäuser starten. Früher, als die Mauern von Burgen und Spitälern noch Grenzen darstellten, waren wir drinnen sicher. Heute genügt ein Kabel, um von der anderen Seite der Welt überall einzudringen und alles lahmzulegen. :sick:

Sonst: ja, mit einem Navi zu fliegen erhöht die Chance, den Flughafen zu finden. Aber mit Karte wurde es vereinzelt auch schon geschafft - aber das weißt Du. Ich wollte nur ein wenig Segen aus der IT saugen... ;)

lg
Niki
 
Ich glaube, ein Aspekt wurde hier noch nicht genannt. Natürlich ist es sehr schade, dass der Verlag zumacht, Perry und seine Frau waren überaus engagiert und immer auf der Suche nach neuen Themen (astronomisch), über die jemand ein Buch schreibt. Tatsächlich waren beide aber schon nicht mehr jung, als ich sie vor einigen Jahren das erste Mal getroffen habe ?
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es schwierig ist, einen Nachfolger für dieses Geschäft zu finden.

Gruß Torsten
 
Moin zusammen,

ich finde es einfach schön, bei schlechtem Wetter ein gutes, altes Astronomiebuch aus dem Regal zu nehmen. Wenn man´s dann öffnet, riecht es so gut nach Druck und Papier (jedes Buch riecht ein bisserl anders), kein eBook-Reader kann das imitieren.

2020 habe ich mir zum ersten Mal das Himmelsjahr als eBook für´s Handy gekauft. Nö, mach ich nie wieder, es ist einfach nicht dasselbe. Ich will mir auch keine Gedanken darüber machen, ob das Format in 20 Jahren noch lesbar ist.

Das mit Willmann-Bell ist traurig, ich habe einige Bücher vom Altmeister Jean Meeus. Und noch ein echtes Leckerli, ein neuwertiges Planetary Nebulae von Steven Hynes :love:. Das Buch ist für mich sowas wie ein Wiegendruck einer Gutenberg-Bibel. Das staube ich auch gerne mal ab... ;-)

nostalgische grüße, volker.
 
Hallo, ich gehöre ebenfalls zur Papier-Generation. Ein PDF zu lesen ist anstrengender, als ein Buch zur Hand zu nehmen und es sich dabei gemütlich machen. Das Rascheln der Seiten beim Umblättern und der "Duft" des Buches gehören zu einem entspannten Leseerlebnis dazu.

Ich habe noch viele meiner alten atronomie-Bücher. Darunter ein "Welcher Stern isrt das?" aus dem Jahr 1961 und einen Newcomb-Engelmann, "Populäre Astronomie", 6. Auflage 1921. Wenn ich etwas zu einem Thema recherchiere, schau ich gerne auch in den alten den alten Schwarten nach, was man damals für Vorstellungen hatte. Dabei lernt man schnell, dass es oft anders kommt, als vermutet.

Ich nutze aber auch die modernen Medien. Wenn ich aktuelle Daten brauche oder ein wissenschaftliches Paper für eine Recherche, geht kein Weg am Online-Zugriff vorbei.

Es ist sehr schade, dass WB zu gemacht hat. Aber es gibt immer noch ein paar Verlage, die interessantes auf Papier veröffentlichen. Deshalb, wenn das Buch gut ist und ich es brauche, freut sich mein Buchhändler.

Hans
 
Da ja viele meinen, dass man alles ohne Probleme (legal) im Internet findet frage ich mich, wo es denn die tollen Willmann-Bell Bücher zum Teleskopbau als PDF zu kaufen gibt?

Und da Papier ja total 90er ist frage ich mich doch, warum jetzt die Amis in deutschen Shops deren W-B Bestände aufkaufen, weil die deren Bücher auf dem Gebrauchtmarkt oder NEU vom Preis her in ungeahnte astronomische Höhen schnellen. ;)


Glücklicherweise habe ich das letzte Buch "Star Cluster von Archinal & Hynes" noch ergattern können. Bei Amazon.com wird ein neues Exemplar momentan bei 890$ geführt. :LOL: Amazon.com: Star Clusters by Archinal, Brent A., Hynes, Steven J.: Books
 
Guten Abend Sternfreunde,

ich möchte dieses Thema kurz noch einmal aufgreifen. Ich vermisse die Fortsetzung der Annals of the Deep Sky und finde es sehr schade dass Willman-Bell
nicht mehr existiert. Nur als Beispiel aus dem Band 6 über Corona Berenices:

Es gibt in den Annalen über dieses Sternbild allein 161 Seiten. Neben historischen Anmerkungen werden auf 31 Seiten die hellsten Sterne und die wichtigsten Doppelsternsysteme mit spektroskopischen Informationen und einer Würdigung der Arbeiten des Astronomen O. C. Wilson besprochen.
Danach folgen 21 Seiten über galaktische Objekte, insbesondere Kugelsternhaufen. Daran anschließend kommen 72 Seiten mit allen wesentlichen extragalaktischen Objekten, insbesondere der Struktur des Comahaufens. Danach kommen noch Kapitel über Max Wolf, einen amerikanischen Teleskop- und Spektroskophersteller des 19 Jahrhunderts und eine kurze Geschichte der großräumigen Kartierung des Universums. Schließlich gibt es eine Menge Diagramme und Übersichtstabellen.

Die Annalen sind damit vorzüglich geeignet, wenn man sich z. B. neue Beobachtungsobjekte abseits der ausgetretenen Pfade suchen will oder auch etwas über die historische Entwicklung der Astronomie und Astrophysik wissen möchte. Es wäre wirklich schade, wenn Jeff Kanipe und Dennis Webb die Arbeit nun abbrechen würden.

Das Internet ist sicher - auch für mich - eine wichtige Informationsquelle, aber ich kenne keine Stelle im Internet, die Informationen derart exzellent aufbereitet in dieser Dichte und Anordnung zu bieten vermag. Für mich sind Bücher in keiner Weise überflüssig geworden. Im Gegenteil möchte ich das Papier zum Blättern nicht missen.

Liebe Grüße und auch wenn das Jahr schon etwas fortgeschritten ist
ein Frohes Neues Jahr an alle, viele klare Nächte und vor allem viel Gesundheit in diesen schwierigen Zeiten

DIeter
 
Liebe Sternfreunde,

ich habe im Web die neue Bestell-Seite für die Willman-Bell Bücher noch nicht gefunden, nur das hier:
https://aas.org/willbell

Hab dann mal spaßhalber beim Bözos seimem Laden für schöne Frauen mal nachgelugt, was z.B. der "Meeus" so kostet...
224,43 € (gebraucht)

Hui, da bin ich froh, dass ich den schon hab. Mal sehen, was die Bücher dann auf der neuen Seite so kosten.

cs,
harald

--
 
Soweit überhaupt noch verfügbar, die derzeitigen Gebrauchtpreise bei Amazon:

Algorithms .................................................................................... € 228,70

Morsels ........................................................................................... € 112,36

Formulae for Calculators ........................................................... € 90,00

Tables for the Sun, Moon and Planets ............................... € 223,00

Transits ........................................................................................... € 269,00

Canon of Lunar Eclipses .......................................................... € 162,50

Bis das verbliebene Inventar von Willmann-Bell bei S&T wieder verfügbar wird, angeblich gegen Ende Oktober, sollte man wohl abwarten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Tatsächlich verrückt, in was für Zeiten wir leben… ich dachte ja schon, die Leute sind absolut bekloppt, wenn sie sich vorm Asphaltgold hier bei mir bewaffnet mit Rucksäcken und Unmengen an Bargeld versuchen (kein Spaß, die haben teilweise 10000€ dabei, denn ein Paar kostet nen Tausender - im Laden 200€) die neuen Yeezy Sneaker den paar Raffle Gewinnern regelrecht aus den Händen zu reißen.

Haste was biste was…

Schon klar, Angebot und Nachfrage. Aber das sich das mittlerweile durch Gefühlt ALLE Bereiche zieht.

Die PlayStation 5 ist seit einem Jahr vorbestellbar und noch immer kann man sie nicht normal in einem Laden kaufen, da immer sofort online alles weg bestellt und auf eBay gepackt. Teurer natürlich.
Menschen, die für eine Rolex aus Stahl das 3-fache der UVP bei Grauhändlern zahlen, weil sie nicht 2 Jahre auf die Uhr warten wollen.

Limited Edition hier und dort, eins von hundert, kauf sofort sonst ist es weg. Hast eins bekommen? Toll, wolltest es ja eh nicht, das Ding. Gleich auf eBay fürs Doppelte.


Und nun auch noch bei Astro Büchern? Ich mein logisch, hier gibts einen ganz konkreten Fall einer Schließung und damit einem absehbaren „Ende“. Ne Rolex bauen die dir in 10 Jahren immer noch…

Als ich letztens mal von Celestron ein Teleskop „Limited Edition“ gesehen hab dachte ich mir das darf doch einfach nicht wahr sein, jetzt fangen die bei uns damit auch schon an…

Rechnet schonmal damit, dass bereits jetzt ein findiges Script Kiddie dabei ist, nach der Schule einen Bot zu programmieren, der sobald das verbleibende Inventar online freigeschaltet wird, innerhalb von 20 Sekunden jedes einzelne Produkt restlos aufkauft.

Die Exemplare sind dann mit 300% Aufschlag auf eBay zu finden…
 
Hallo!

Man sollte sich allerdings nicht in jedem Fall auf die tatsächliche Verfügbarkeit verlassen. Gerade bei Amazons Marketplace werden viele Produkte mit Phantasiepreisen angeboten, da es dort für den Händler wohl irgendwie von Vorteil ist, mit vielen Artikeln gelistet zu sein. Das ist mir aus einem Gespräch mit einer Online-Marketingfirma im Ohr geblieben. Da werden dann nicht verfügbare Produkte nicht entfernt, sondern von 37,95 auf 12.000,- hochgesetzt. Den genauen Grund weiß ich allerdings nicht mehr - war aber irrsinnig plausibel.
Andererseits habe ich solche Preise im Astro-Buch-Bereich schon öfter beobachtet. Da hat sich schon so mancher Buchtipp aus Internet-Quellen von vor 10 Jahren als vermeintlich teures Vergnügen entpuppt.
Wirklich schade, denn ich kaufe relativ viele Bücher in Antiquariaten und das hat - auch preislich - immer besonderen Spaß gemacht. Natürlich sind solche Dinge immer nur ein Vergnügen auf Zeit. Als Amazon das ZVAB entdeckt hat, haben die das gleich gekauft und verkrüppelt.

Gruß
Sebastian
 
Zuletzt bearbeitet:
Interessant ist, was knapp ist. Und natürlich teuer, so haben wir es gelernt. Dass sich diese Marketing-Gesetze manchmal gegen uns selbst wenden fällt kaum mehr auf. Wenn ich das Zeug noch "retten" will, bevor es zu Geschichte wird, dann werde ich zum Sammler, und komme eventuell in meiner Sterbenssekunde drauf, dass außer mir kein Hahn mehr danach krähte... außer ein anderer Sammer... der seinerseits in seiner Sterbenssekunde... na, ihr wisst schon.

Die Kerbschnitzereien mancher Neandertaler gehen uns heute auch nicht wirklich ab, und wir alle müssen wohl eines Tages das loslassen, was uns so vertraut und ans Herz gewachsen ist. Auch Bücher haben eine Evolution durchzumachen, und sie interessieren sich nicht dafür, ob sie "Besitzer" haben. Ist ihre Zeit gekommen, dann sterben sie aus... :coffee:

Die Wehmut über die alten Zeiten befällt wohl jeden... irgendwann mal.
Bis auch sie völlig obsolet wird. ;)

lg
Niki
 
Vielleicht habe ich ja hier was überlesen,
aber die Bücher von WB wird es wieder geben, siehe aktuelles Astronomie Magazin S. 11
 
Hab jetzt nur mit einem Auge in den Thread hereingeschaut und bin doch haengengeblieben...

Ich setze hier mal einen Kontrapunkt, Niki.

Was das generelle Problem von IT Technologien ist. Sowohl die Träger, als auch die Software sind nach 20 Jahren meist nicht mehr benutzbar. Normale DVDs hab ich einfach als mp4 aktualisiert, aber früher wurden Daten-DVDs mit Inhaltverzeichnis & Co mit Flash oder "Director" erstellt und wenn sie nicht in HTML der neuesten Fassung vorliegen, gibt es Probleme.
Naja, das ist nicht nur ein Problem von Daten auf digitalen Datentraegern.

Chemische Fotos haben eine Lebensdauer von rund 150 Jahren, Mikrofilm von bis zu 500 Jahren (aber eine lausige Informationsdichte), "normales" Papier nur 50-70 Jahre, saeurefreies Archivpapier 3x so lange, ist aber 2-3x so teuer, die wenigsten Buecher erzielen genug Marge, um es zu verwenden...
Kann in der digitalen Welt der Inhalt eines Werkes mit sehr grossem Tempo von einem Datentraeger auf den anderen (neuen und besseren?) in 10s umkopiert werden, ist das in der analogen Welt sehr teuer und langwierig. Von vielen Dokumenten / Buechern zerfaellt irgendwann die letzte Kopie und eine Digitalisierung ist die letzte Rettung vor dem Totalverlust, denn eine neue Druckauflage gab es da i.d.R. auch schon in der "guten alten Zeit" nicht mehr.

Auch die Nationalbibliotheken beschäftigen ganze Abteilungen, um alte, digitale Datenarchive (!!) auf neue Medien umzuspeichern... und sie irgendwie lesbar zu halten. Ende nie.

Frag' doch einfach mal die Leute in den Nationalarchieven, was die dazu sagen, wenn alte Buecher Seite fuer Seite umkopiert werden muessen, bevor die Saure die zerfrist. Irgendwo habe Ich mal gelesen, dass in der analogen Welt weniger als 0.01% der geschriebenen kulturell relevanten Information langfristig ueberdauern koennen (Informationsdichte, Lebensdauer, Kostend er Konservierung). Diese Art von Problemen ist im digitalen Zeitalter zwar anders, wirklich neu ist das aber nicht und vor allen Dingen auch nicht muehseliger als frueher ... im Gegenteil.

In der Sternwarte bei den "Visuellen" und bei den Vorträgen ist der Sockel des Interesses immer noch die schiere Faszination unserer Existenz und die Unendlichkeit des Alls.

Naja, genau das ist witzigerweise das, was mich immer von solchen Veranstaltungen meilenweit ferngehalten hat. Sind die Modelleisenbahner, Modellflugbauer und Briefmarkensammler sich selbst gegenueber wenigstens ehrlich was sie da so treiben (Eskapismus), so meinen so manche Amateurastronomen (=Sternengucker) tatsaechlich zuweilen ernsthaft, dass sie da in die Fusstapfen von Carl Friedrich Gauss treten.

Mal ueberspitzt gesagt, mag die eine Drittel des Saals von der "Faszination unserer Existenz und die Unendlichkeit des Alls" getragen sein, mag ein Drittel lediglich ein technikaffines Hobby pflegen, handelt es sich beim letzten Drittel mitunter eher um die Selbsthilfegruppe der soziologisch gestoerten Eskapisten mit ueberhoehtem Selbstanspruch. Deren Fluchtversuch vor normalem sozialen Leben findet mit Hilfe des Telekops statt, und deren Treffen unter Gleichgesinnten koennte man zynisch als den Sieg des Optimismus ueber die Erfahrung bezeichnen. ;)
Ist vollkommen ok, muss man aber nicht zu sehr romantisieren.

So ergibt sich dieser Bogen von der Einsteigerberatung bis zum Vermessen von 4 Pixeln am Rand einer Aufnahme samt seitenlanger Diskussion, ob das jetzt so "gültig" sein darf oder nicht. Was oft völlig am Thema "Astronomie" im allgemeinen vorübergeht, jedoch eben nicht am Thema "Technische Haarspalterei". Weil da kann jeder mitmachen, auch jene, denen Poesie, Philosophie und die Fähigkeit, sich zu wundern weniger gegeben ist, als ein Teleskop und eine Kamera zu kaufen und Teil der Gemeinschaft zu sein.

Da muss Ich mal ganz ehrlich fragen, was soll denn diese voellig ueberhebliche Polarisierung in Poeten/Philosophen einerseits und "technische Kleingeister" andererseits?

(Amateur-)Astrofotografie haengt sich gerne den Nimbus der Wissenschaftlichkeit um. Das ist natuerlich eine eitle Selbsttaeuschung. Amateur-Astrofotografie ist eher eine Abart der Fotografie und das wiederum ist auf meinem Radar so ganz grob umrissen zu 20% Fotokunst, 40% Handwerk und 40% Motiv und Gelegenheit.
Nur ist bei der Amateurastrofotografie die Motivauswahl eben fest vorgegeben und unveraenderlich (da schoepft ein Streetphotographer, oder Reisefotograf, oder Tierfotograf [...] aber aus endlos tieferen Poetten...), die Gelegenheit vom Wetter und vom Standort vorbestimmt und so verschiebt sich die Sache eben auf das Handwerkliche und dessen Perfektionismus.
Das zieht dann wiederum eben auch tendenziell mehr technikaffine Leute an, die ihre Leidenschaft fuer's Ingenieurische da ausleben als kuenstlerisch Begabte, die vermutlich lieber vor der Staffelei sitzen.
Daran ist aber nichts falsch und das muss man nicht abwerten. Und vor allen Dingen steht das soziologisch gesehen auch nicht hoeher und nicht tiefer als jemand der hinter einem Fernrohr sitzt, zum x-ten Mal einen Sternencluster bewundert und meint sich dabei einzigartige philosophische Gedanken durch den Kopf gehen zu lassen, aber dabei dann in der Realitaet zu 99% genauso banales Zeug produziert wie das Geknipse der Astrofotografen.
Vielleicht waere es fuer alle Beteiligten einfacher, wenn dieses Hobby in all seinen Aspekten nicht so hoffnungslos ueberhoeht wuerde.

Nein, das Problem ist, wenn EINER anfängt, bessere Bilder zu machen, hängt er entweder in kurzer Zeit alle ab, oder die anderen 5.000 müssen das mitmachen und nachlernen, oder sie bleiben stehen und sitzen bald mit ihren Ergebnissen allein in der guten Stube. Deswegen herrscht dann allerorts Panik, ob man diese oder jenes Pixel wohl richtig belichtet hat, ob man mit Bathinov oder FWHM fokussiert, ob man temperaturkompensiert, vorkühlt, ventiliert, absaugt, einbläst, filtert....
Wie schon oben geschrieben, in der "Fotokunst" Astrofotografie ist die Motivauswahl sehr beschraenkt und unveraenderlich. Wie viele Motive gibt es realistisch gesehen, 500, 1500? Wie viele Astrofotografen gibt es weltweit, 25000, 35000? Die einzigen beiden Evolutionspfade in denen sich das entwickeln kann, sind da einerseits mehr handwerklicher Perfektionismus und andererseits "mehr kuenstlerische Freiheiten".
Gerade Letzteres reibt sich aber mit dem vermeintlichen wissenschaftlichen Ansatz der Sache und ist tendenziell verpoent, wodurch alles noch mehr auf technischen Perfektionismus verengt wird.

Nur sollte man mal festhalten, dass ist aber eher ein typisch deutscher Tick, z.B. bei den Amis ist Amateurastronomie einfach ein cooles Hobby und das war's. Die einen gehen Surfen, die anderen fliegen Drone, die naechsten fahren Motorrad, andere machen Amateurastronomie. Entsprechend weniger verkrampft gehts zu und dann sind "pretty pictures" eben einfach auch nur mal "pretty pictures" und Sterngucken ist Sternegucken und hat eben keinen philosophischen Anspruch.
Hier in D haelt man dagegen eine normative Authentizitaet hoch, die letztendlich nichts anderes ist als typisch deutscher Strukturkonservativismus, welcher letztendlich dem Normativen des Faktischen dann wieder ewig hinterherrennt.
Man erinnere sich doch mal unvoreingenommen, wie das damals noch gleich war: "Oh, was ist das denn wieder fuer ein neuer Quatsch, ein Dobson-Telekop(?!). Oh mein Gott, Haerasie gegen die wahre Lehre, ja darf man das eigentlich?" usw...

Und genau das scheint auch bei der Debatte ueber die alten gedruckten Buecher durch. Ich selber liebe Buecher, Ich liebe es in einer Bibliothek zu sitzen, Ich liebe den Geruch alter Folianten, Ich liebe das Knistern beim Umblaettern, aber genauso sehe Ich, wie sich der Zugriff zu Information durch digitale Techniken tatsaechlich revolutioniert hat.
Der halbe Klerus hat damals auch gejammert, als die schoenen handgeschriebenen Folianten durch den Gutenbergs Buchdruck hinweg gefegt wurden. Trotzdem war im kritischen Rueckblick der seinerzeit erhoehte Zugang durch diese Innovation zu Wissen die Grundvoraussetzung fuer die Renaissance und letztendlich auch die Aufklaerung, die die Moderne in der wir heute leben vorbereitet hat. Besserer Zugang zu Wissen und Information kann zivilisatorisch gesehen meiner Meinung nach nie schlecht sein.

MfG
 
Interessant ist, was knapp ist. Und natürlich teuer, so haben wir es gelernt.
Hallo Niki,

Was mich nun aber wirklich mal interessieren würde, ich bin da noch ein wenig jung für denke ich. War es tatsächlich schon mal so, dass die Leute vor Schuhläden / Apple Läden / Media Märkten / setze beinahe beliebigen Laden hier ein kampiert haben, sich gekloppt haben - Black Friday - horrende Summen, teilweise bis 500% Aufschlag auf eBay Kleinanzeigen zahlen

Also ist in unserer Gesellschaft dieser pure und blanke BESITZ irgendwelchen warum auch immer gearteten „knappen“ Zeug wirklich so krass in den Vordergrund gerückt, dass sogar für Astro Bücher mehr als 800$ verlangt werden?

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Leute früher schon so drauf waren. Bei Rolex bspw. hab ich’s selbst mitbekommen, vor 7-8 Jahren lag was im Schaufenster, man konnte hin gehen und - mit dem nötigen Kleingeld - es kaufen. Heute fragt man nach ner Rolex und wird ausgelacht, auf welche Liste man sich denn lieber schreiben möchte, die für 7 Jahre Wartezeit oder die für 2 Jahre Wartezeit. Letztere gibts nur, wenn man noch für 5 stellig Schmuck mitnimmt.

Irgendwann sind dann auch die Bananen im Supermarkt „Limited Edition“?

Ist eine wirklich ehrlich ernst gemeinte Frage, ob es das früher in diesem Ausmaß schon so gab.
 
Hallo!
War es tatsächlich schon mal so, dass die Leute vor Schuhläden / Apple Läden / Media Märkten / setze beinahe beliebigen Laden hier ein kampiert haben, sich gekloppt haben - Black Friday - horrende Summen, teilweise bis 500% Aufschlag auf eBay Kleinanzeigen zahlen
Sagen wir mal so: Da haben sich die Umstände geändert, aber nicht die Menschen. Zu den Sommerschlussverkäufen wurden schon in den 80ern die Messer zwischen die Zähne geklemmt. Für begehrte Konzertkarten wurde auch schon immer so manche Nacht auf dem Gehweg verbracht. Da wir uns heute zusätzlich wesentlich besser über solche "Sale-Events" vernetzen können, haben diese uralten Instinkte sich eben entsprechend weitreichender manifestiert. Konkurrenzverhalten im Wettbewerb um knappe Ressourcen sind jedenfalls Teil der menschlichen Natur und das daraus erwachsende, gute Gefühl des Jagderfolgs haben wir auch nicht erst seit letztem Dienstag.
Bei bestimmten Luxusgütern ist eine künstliche Verknappung deshalb auch Teil des Marketing. Das gilt umso mehr in Zeiten, da die Zahl der Menschen, die sich soetwas leisten wollen und können drastisch steigt. Eine Rolex einfach kaufen zu können, wäre der Marke vermutlich abträglich. Man muss auf der Liste stehen. Direkt zwischen dem Herzog von Castrop-Rauxel und dem Eigentümer der "Milwaukee Flying Bedpans".
Es wird eben meisterhaft auf der Klaviatur der menschlichen Triebe gespielt.

Aber auch wenn man es sich so oder so ähnlich erklären kann - verrückt bleibt es, da würde ich dir nicht widersprechen wollen. Was könnten wir nicht mit ein bisschen mehr Vernunft alles anstellen...

Ob das alles allerdings der Grund für die hohen Astro-Buchpreise ist, wage ich zu bezweifeln. Da sind irgendwelche Leute einfach nicht ganz dicht, glaube ich.

Gruß
Sebastian
 
Eine Rolex einfach kaufen zu können, wäre der Marke vermutlich abträglich. Man muss auf der Liste stehen. Direkt zwischen dem Herzog von Castrop-Rauxel und dem Eigentümer der "Milwaukee Flying Bedpans".
Ne, genau so war es eben nicht. Es war völlig normal, sich sowas "einfach kaufen zu können". Man brauchte natürlich das Geld dafür. Aber jetzt mal ehrlich. Man brauchte auch sicher vor 8 Jahren das Geld für eine EQ6. Aber wenn man denn das Geld hatte und eine wollte, hat man eine bekommen.
Man musste nicht 10 Monate warten oder auf eBay für über Listenpreis (oder bei Händlern für über Listenpreis) etwas kaufen. Es haben auch keine Bots massenhaft die Stores leer gekauft. Es gibt auf eBay Bilder, da zeigen "Händler" dutzende Kartons mit PS5 drin, dutzende. Ganze Wände stehen voll. Link Der Gewinn? Alles unversteuert, natürlich. Abholung nur gegen Bar... Über 19 Millionen Dollar Gewinn mit PS5 Verkäufen (laut Artikel). Meine Herren...

Eine Wertschöpfungskette gibt es ja nicht. Ein Privater kauft etwas und verkauft es teurer weiter.

Diese allgemeine Entwicklung, inbesondere der ganz konkreten und drastischen Körperverletzungen wie bspw. bei Black Friday (einfach mal bei YouTube gucken...), betrachte ich mit zunehmender Sorge.

Wie kann man nur so von einem Gegenstand besessen sein, dass man Gewalt anwendet, um ihn zu bekommen? Dass man diese unfassbaren Preise bezahlt, um sie zu bekommen? Menschliche Triebe hin oder her, aber irgendwann muss doch Schluss sein.
Menschen, die 800$ für Astro Bücher wollen?

Ja, stimme ich dir zu, find ich auch bekloppt. Aber nicht wirklich mehr oder weniger bekloppt, als die anderen Sachverhalte.
 
Ne, genau so war es eben nicht. Es war völlig normal, sich sowas "einfach kaufen zu können".
Ja, das habe ich nicht richtig ausgedrückt: Früher hat es gereicht, wenn es teuer war. Heute haben zu viele Leute Geld. Da reicht es nicht mehr aus, eine Marke speziell zu halten. Wenn jeder Gebrauchtwagenhändler mit so einem Ding am Arm herumlaufen kann, dann war es das für Rolex. Ich weiß aber gar nicht, wo die Preise da generell los gehen... Meine Uhr habe ich seit Weihnachten 92. :unsure:
Der Ökonom spricht da übrigens vom "Snobeffekt". Die dazu passende Theorie gibt es auch schon recht lange.
Die derzeitigen Lieferengpässe darf man dem allerdings nicht zuordnen. Was wir jetzt gerade erleben ist immer noch ein Problem der Pandemie-Delle in der Produktion. Da spielt dann auch noch eine Rolle, dass bestimmte Volkswirtschaften viel Geld ausgeben, und so die Rohstoffe "mit Gewalt" zu sich umleiten. Das wird noch ne Weile so bleiben, aber irgendwann werden sie die EQ6 schon wieder zeitnah liefern können, denke ich.

Bei den 800,- für ein Astro-Buch wäre ich gar nicht mal so sicher, ob man das wirklich bekommen würde. Ich hatte ja schon angemerkt, dass Angebote manchmal um des Angebots Willen gemacht werden.

Gruß
Sebastian
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo!
Ja, stimme ich dir zu, find ich auch bekloppt. Aber nicht wirklich mehr oder weniger bekloppt, als die anderen Sachverhalte.
Also ich finde das mit den Büchern schon ein bisschen bekloppter als z.B. die Konzertkarten oder Armbanduhren. Diese Bücher sind nämlich nichts besonderes. Größtenteils Tabellenwerke, die von jeder besseren Handyapp längst überflüssig gemacht wurden. Und auch nicht wirklich dafür geeignet, um sie ins Regal zu stellen und damit anzugeben (wie das vielleicht mit einer mittelalterlichen Bibel möglich wäre) oder gar ab und zu drin zu lesen. Und 315€ für „Astronomical Formulae for Calculators“ (softcover, 185 Seiten) - ernsthaft? Das ist interessant für einen Taschenrechnersammler wie mich, der nebenbei auch noch Astronomie als Hobby betreibt, aber sonst für niemanden. Und so selten auch nicht, dass man dafür solche Preise bekommen würde. Einfach lächerlich!

Wenn ich aber zu einem Konzert von den Stones (oder im Jahr 2021 vielleicht eher Taylor Swift) will, dann brauche ich dafür eine Eintrittskarte. Ein Konzertbesuch ist durch nichts anderes zu ersetzen und eine Eintrittskarte auch nicht. Also regulieren hier Angebot (knapp) und Nachfrage (riesig) den Preis. Kann ich nachvollziehen, habe mich selbst auch schon zum Kauf von viel zu teuren Eintrittskarten hinreissen lassen...

Und auch bei einer teuren Uhr in Zeiten, in denen man für sein Geld auf dem Bankkonto Gebühren bezahlen muß: Um den Wert hoch zu halten, haben die Hersteller (richtig) erkannt, dass man das Produkt nicht in großen Stückzahlen herstellen darf. Lieber eine Warteliste als ein Preisverfall. Kann ich ebenfalls nachvollziehen.

Grüße
Maximilian
 
Um den Wert hoch zu halten, haben die Hersteller (richtig) erkannt, dass man das Produkt nicht in großen Stückzahlen herstellen darf. Lieber eine Warteliste als ein Preisverfall. Kann ich nachvollziehen.
Maximilian, ich stimme dir in deinem Post zu, aber hier würd ich mir noch einen kleinen OT Einwurf erlauben:

Rolex ist eine Stiftung. Denen ist es vollkommen egal, was am Ende bei raus kommt. Die produzieren 1 Millionen Uhren im Jahr, die Nachfrage wegen deinen genannten Gründen ist allerdings dermaßen explodiert, dass nun eben solche Preise auf dem Graumarkt aufgerufen werden.

Aähnlich bei Patek Philippe bspw., die stellen jetzt ihr Topmodell "Nautilus" ein, weil die spitz gekriegt haben, dass die Uhren auf dem Graumarkt für das Dreifache gehandelt werden. Die sagen einfach, "Nö, haben wir keinen Bock drauf, dann bauen wir das Teil lieber nicht mehr." Da will man als Marke eher nicht auf diese EINE Uhr reduziert werden.

Es geht in diesem spezifischen Bereich Armbanduhren also NICHT um Geld für den Hersteller.

Das nur noch als Anmerkung. Ich hör jetzt aber auf mit dem Uhren Quatsch. Kam für mich nur irgendwie passend, als ich 800$ für ein Astrobuch las.
 
Irgendwann sind dann auch die Bananen im Supermarkt „Limited Edition“?
Nun, Chiquita Bananen sind ein gutes Beispiel für Branding von Natur. Man nimmt sich eine Frucht und macht statt "made by god for mankind" ein "made by chiquita für Aldi" draus.

Die Wirtschaft kennt künstliche Verknappung als Mittel zur Preiserhöhung seit langem. Und jetzt hat es halt auch uns erwischt. Man entlasse einen Virus, der die Weltwirtschaft kurz ausbremst, stelle ein Schiff wochenlang quer in einen Kanal und sperre Häfen wegen Corona. Währenddessen stelle man die eigene Wirtschaft auf noch bessere Beine und freue sich über die Preissteigerungen von Containermieten, Chips und Skywatcher-Zeug. Und tausenden anderen Artikeln. Genial. Welch Synergie... :cool::y:

lg
Niki
 
Da muss Ich mal ganz ehrlich fragen, was soll denn diese voellig ueberhebliche Polarisierung in Poeten/Philosophen einerseits und "technische Kleingeister" andererseits?
Findest Du? Es sind zwei wesentliche Aspekte unseres Hobbys. Die Freude am Universum und die Beherrschung eines Skywatcher-Kastls samt Chip-Abstand vom Reducer. Um zwei Beispiele zu nennen - sonst sagt Du wieder, ich betreibe eine völlig überhebliche Polarisierung in Träumer und Reducer-Besitzer. ;)

Meine beiden Beispiele waren Stellvertreter von Mainstream-Gattungen unseres Hobbys, denke ich. Hier wird immer wieder gefragt, ob ein Pixel hie und da qualitativ noch "durchgeht" - die Angst, technisch nicht mithalten zu können stand bei meiner Betrachtung im Vordergrund.

Techniker sind Techniker, zu Kleingeistern werden sie, wenn man beginnt, Erbsenzählerei in den Vordergrund zu stellen. Aber interessant, wie manche Menschen meine Zeilen interpretieren. Jeder liest sie wohl anders, betrachten wir sie also wie ein Bild, das in einem Museum hängt... :coffee:

Frag' doch einfach mal die Leute in den Nationalarchieven, was die dazu sagen,
Meine Frau arbeitete in der Nationalbibliothek, weshalb ich den Betrieb ganz gut kennen dürfte. Die spalten dort schon mal Seiten alter Bücher um eine Mittellage neuen Papiers einzubringen, und natürlich digitalisieren sie auf Teufel komm raus und kopieren parallel alte Datenträger wieder um, etc. (und von Google books rede ich jetzt mal nicht).

Sind die Modelleisenbahner, Modellflugbauer und Briefmarkensammler sich selbst gegenueber wenigstens ehrlich was sie da so treiben (Eskapismus), so meinen so manche Amateurastronomen (=Sternengucker) tatsaechlich zuweilen ernsthaft, dass sie da in die Fusstapfen von Carl Friedrich Gauss treten.
Nun, deine Trilogie der Typisierung gegenüber den Sternguckern ist auch nicht weniger erschütternd, als meine Beispiele. :LOL: Ja. Die wenigsten haben tiefes und zusammenhängendes Wissen in Astronomie. Ich auch nicht. Und Du hast recht: Gauss ist eine Nummer größer, als unsere Auseinandersetzung mit (zB) einem ADC von ZWO ASI. Wer den beherrscht, ist nicht der Gott der Sterngucker, sondern hat die Bedienungsanleitung verstanden - oder zumindest die Produktionsfehler mithilfe des Forums ausmerzen können.:y: Aber wir scheinen uns da absolut einig zu sein.

(Amateur-)Astrofotografie haengt sich gerne den Nimbus der Wissenschaftlichkeit um. Das ist natuerlich eine eitle Selbsttaeuschung.
Das zähle ich auch nicht als Kontrapunkt, da sind wir ebenfalls einer Meinung. :cool:

Das zieht dann wiederum eben auch tendenziell mehr technikaffine Leute an, die ihre Leidenschaft fuer's Ingenieurische da ausleben als kuenstlerisch Begabte, die vermutlich lieber vor der Staffelei sitzen.
Daran ist aber nichts falsch und das muss man nicht abwerten.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich es abwertend formuliert habe. Du hast es offenbar jedenfalls so gelesen.

Hier in D haelt man dagegen eine normative Authentizitaet hoch, die letztendlich nichts anderes ist als typisch deutscher Strukturkonservativismus, welcher letztendlich dem Normativen des Faktischen dann wieder ewig hinterherrennt.
Natürlich. Und nicht nur in D.

Ich liebe das Knistern beim Umblaettern, aber genauso sehe Ich, wie sich der Zugriff zu Information durch digitale Techniken tatsaechlich revolutioniert hat.
:y:

Du gehörst für mich eigentlich zu den Philosophen.
Und sei es nebenberuflich oder hobbymäßig. ;)
Du hast ein sehr präzises Verständnis, wie man Dinge betrachten kann...

lg
niki
 
Davon sind zahlreiche Standardwerke aus unserem Fundus betroffen, die hier häufig zitiert werden. So werden wir zusammen mit unserem Hobby schon zu Lebzeiten de facto zur Antiquität ...

Wenn ich mal in mein astronomisches Bücherregal schaue, um nur die prominentesten zu nennen:

Telescope Optics von Harrie Rutten & Martin van Venrooij, Star Testing Astronomical Telescopes von Harold Suiter, Amateur Telescope Making von Albert Ingalls, Astronomical Algorithms & Mathematical Astronomy Morsels I-V von Jean Meeus ...

Hallo Peter,
und Du meinst es laege an den digitalen Zeiten, dass sich solche Buecher in Kleinauflagen zwar nicht lohnen, aber trotzdem das Copyright trotzdem bei den Verlagen liegen bleibt?

Vielleicht ist ja auch etwas ganz anderes aus dem Ruder gelaufen:

Wenn einer das ultimative Mittel gegen Krebs erfindet, dann hat der bestenfalls einen Patentschutz von 25 Jahren, bevor die Sache in die Public Domain wandert.

Wenn dagegen einer "Tandaradei" zwischen zwei Buchdeckel schreibt (oder in ein Mikrofon singt) dann erlischt das Urheberrecht erst 70 Jahre nach dem Tod des urspruenglichen Urhebers, in der Regel also des Autors. Hat der wiederum sein Copyright an einen Verlag abgetreten, dann liegt das Recht der Veroeffentlichung da aus rechtlichen Gruenden einfach fest und das nicht selten fuer ~100 Jahre.

Kann man sich ja mal ueberlegen, ob man das fuer verhaeltnismaessig haelt.

Es ist technisch in den digitalen Zeiten ja ueberhaupt kein Problem, einen Rutten & van Venrooij zu scannen und digital als pdf kostenneutral zur Verfuegung zu stellen, es ist schlicht und ergreifend illegal.
Und so geraten als Nebenwirkung dieser Rechtslage nun mal sehr viele Buecher in Vergessenheit:

Diese Buecher sind zwar unwirtschaftliche Nische und werden nicht mehr aufgelegt, aber das Copyright liegt trotzdem fast 100 Jahre bei den Verlagen, die ein Uebertragen in die Public Domain (gemeinfrei) selbst dann nicht zulassen, wenn die Sache realistisch gesehen weit jenseits jedweder realistischen Kommertialisierung liegt und die urspruenglichen Autoren das sogar wollen.

Wer immer Willmann-Bell fuer einen Apfel und ein Ei jetzt aufsammelt, der erwirbt das Copyright der Werke welches noch Dekaden gelten duerfte und der entscheidet alleine ueber das Wohl und Wehe dieser Werke bevor etwa die Autoren (oder deren Erben/Rechtsnachfolger) was dazu zu sagen haben.
Wenn die jetzigen Verleger den Verlag aufgeben wollen, warum fragen die dann nicht bei den Autoren an, ob die nicht damit einverstanden sind, das Urheberecht in die Public Domain zu geben?
Denn waere das nicht die beste Loesung?
Dann verschwinden all diese Sachen auch nicht von der Bildflaeche sondern dann hilft die Digitalisierung, dass diese Werke weiter repliziert und verteilt werden, dann halt auf kostenneutralen digitalen Wegen.

Lustigerweise kommt das aber nie auf den Tisch, sondern alle schimpfen ueber die Digitalisierung, obwohl hier doch in erster Linie einige historisch gewachsene Schieflagen bzgl. der Copyrights und des Urheberrechts vorliegen.
MfG
 
Wer immer Willmann-Bell fuer einen Apfel und ein Ei jetzt aufsammelt,

Diese Buecher sind zwar unwirtschaftliche Nische und werden nicht mehr aufgelegt,

Es ist die American Astronomical Society, welche "aufsammelt"
und es hört sich so an als ob die Bücher erhältlich bleiben:
"We anticipate keeping most of Willmann-Bell’s existing books available indefinitely"


lg Tommy
 
Meine beiden Beispiele waren Stellvertreter von Mainstream-Gattungen unseres Hobbys, denke ich. Hier wird immer wieder gefragt, ob ein Pixel hie und da qualitativ noch "durchgeht" - die Angst, technisch nicht mithalten zu können stand bei meiner Betrachtung im Vordergrund.

Ich glaube da unterschaetzt Du tatsachlich die Amateurastronomie ein wenig. Von der Mathematik/Physik, ueber mechanisch begeisterte Bastler, den Spiegelschleifern, den Optik-Fans, den Naturbeobachtern, den Amateurfotografen, den Amateurphilosophen, den Exzentrikern bis hin zu den Esotherikern, [...], naja, dieses Hobby bietet erstaunlich vielen Leuten mit ganz verschiedenen Interessen einen Punkt zum andocken.
Nicht alle haben die gleiche Forenpraesenz, nicht alle haben die gleiche Menge Fragen, nicht alle zeigen die gleiche Larmoyanz dabei.

Man kann ja mal spasseshalber schauen, wie "wir" so im direkten Vergleich dastehen. Googeln wir doch mal die 10 beliebtesten Hobbies in Deutschland (aus statista.com) und schauen, ob die eigentlich nicht alle in der Amateurastronomie vereint sind:
  1. Gartenarbeit, (check)
  2. Shoping, (check)
  3. Fotografieren, (check)
  4. Ausgehen/Essen gehen,
  5. Raetsel loesen, (check)
  6. Computerspiele, (check)
  7. Fitnesstudio, (check)
  8. Heimwerken, (check)
  9. Wandern, (check)
  10. Jogging,
  11. [...]
8/10 sind dabei, da sind wir doch gut aufgestellt.

Zum Essen joggen kriegen wir auch noch hin ... ;)

Nun, deine Trilogie der Typisierung gegenüber den Sternguckern ist auch nicht weniger erschütternd, als meine Beispiele.
Polemik ist Polemik, ganz klar. :cool:

Es ist die American Astronomical Society, welche "aufsammelt"
und es hört sich so an als ob die Bücher erhältlich bleiben:
"We anticipate keeping most of Willmann-Bell’s existing books available indefinitely"
Hi Tommy,
danke fuer den Hinweis, dass sind erst mal gute Nachrichten, nur wird man sehen wie lange das dann dauert.
Wie gesagt, IMHO sind solche Sachen langfristig in der Public Domain besser aufgehoben.

*klettert von der Seifenkiste 'runter* genug erst mal 8|
MfG
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben