Noch ein paar allgemeinere Anmerkungen:
Die Bewertung von Smart Teleskopen ist letztendlich auch immer eine Frage der Perspektive. Sprich wer und welchem Zweck soll das Gerät dienen und mit welchem astronomischen Hintergrund-Wissen und u.U. Equipment kommt der Nutzer daher. Nutzt man schon ein astrofotografisches EAA System, wo liegt der qualitative Anspruch und wie tief steckt jemand generell in der Materie - all das sind essentielle Fragen bei der Bewertung eines Smart Teleskops und seinem potentiellen Nutzen. Die großen Vorteile liegen eben in der sehr einfachen Zugänglichkeit, der Transportabilität, dem All-in-one Charakter und schlussendlich vor allem dem Preis.
Das S50 pro bietet dafür für mich in Summe für 900€ das aktuell wohl rundeste Paket. Was Draco (1500-1700€) kann und wie das gesamte System funktioniert, kann ich noch nicht beurteilen. Auch weil man wirklich Rohdaten-Bilder vergleichen müsste, und nicht endlos nachbearbeitetes Material.
Der immer wieder gesuchte Abgleich mit modularen EAA (APO)-Systemen ist daher für mich häufig irreführend, denn man kauft ja eben nicht gezielt Montierung, Optik, Kamera und Astrocomputer in freien Leistungsparametern und übernimmt die Systemgestaltung selbst. Sondern es ist ein Kompaktsystem, welches dann logischerweise auch innerhalb seiner Limitationen arbeitet, einem aber auch den gesamten systemischen Deep Dive abnimmt. Umso mehr man sich also den Leistungsparametern selbst konfigurierter, modularer EAA-Systeme nähert, umso größer, schwerer und aufwändiger und teurer wird es, dies als kompaktes und transportables System zu verbauen. In kurz: man verspielt also zunehmend die 2 großen Vorteile: Transportabilität und allen voran den Anschaffungspreis.
Und hier sei eben nochmals ganz klar gesagt: Die Ergebnisse aller Smart Teleskope sind so gut - dass sie im klassischen Setting oder generell mit diesem Budget in einem EAA Setup nicht umsetzbar sind. Vorausgesetzt, man fängt bei Null an, und hat eben nicht schon eine geeignete Montierung, Optik oder DSLR rumliegen.
Und genau da sehe ich zusammengefasst auch die primäre Anwenderzielgruppe: Bei Einsteigern oder an Astrofotografie interessierten Hobbyastronomen, die eben nicht in ein aufwändiges modulares EAA-System und den dazugehörigen Tiefgang einsteigen wollen. Die Kompaktheit macht es zudem zum optimalen Reiseteleskop.
Wer qualitativ höhere Ansprüche hat, die eher von einem vollwertigen Apo und besserer Sensortechnik umgesetzt werden können, dem wird die Bildqualität noch nicht reichen, der wird dann aber auch um das Mehrinvestment an Geld und Zeit nicht herumkommen. Zudem muss man sich dann auch den systemischen Herausforderungen in Konfiguration und Zubehör stellen. Mag sein, dass smarte Teleskope irgendwann Optiken und Sensoren verbauen, die modularen EAA Systemen in nichts nachstehen, dann werden aber auch die preislich klar in einer anderen Liga spielen und die Entscheidung hinsichtlich der Variabilität und Flexibilität modularer EAA Systeme eine zusätzliche Herausforderung.
Um das etwas greifbarer zu veranschaulichen: Ich komme initial von einem S50 als praktischer astronomischer Einstieg - wohlbemerkt aber mit exzellenten, theoretischen Hintergrund in Astronomie und Astrophysik. Für mich war der Einstieg damit optimal: niedrigschwellig, zugänglich, schnelle Erfolgserlebnisse. Nach einem Jahr wollte ich dann nach reiflicher Überlegung den Geräte - Deep Dive. Und hier kam dann das Problem: Die Ergebnisse des Smart Teleskop waren oberflächlich erstmal so gut, dass das nötige Investment um wirklich einen guten Sprung hinsichtlich Qualität und Möglichkeiten zu machen, unterhalb mehrerer Tausend Euro nicht machbar war.
Und noch ein Insight zum Schluss: Ich besitze nach wie vor das S50, neben meinem eben mittlerweile primär genutzten Apo und Maksutov, und sehe in seiner Anwendung aktuell noch keinen Grund es durch das S50 pro oder den Draco zu ersetzen. Ich warte auf die nächsten Generationen. Das S50 kommt bei mir vor allem als schnelles Reiseteleskop oder als einfach zugängliches Astro-Gadget bei Freunden un Familien zum Einsatz. Nach kurzer Einweisung ist das ein "Astro-Magnet", denn bei meiner großen Technik wären die meisten Laien noch nicht mal in der Lage den Mond zu finden. Manchmal läuft es auch noch neben den zwei großen auf Motivsuche mit.
CS
Thomas