Reinhard_Lauterbach
Aktives Mitglied
Hallo allerseits,
ich schreibe ja eher selten im visuellen Board, aber Christopher, alias "Schiefspiegler" hat mich durch seinen Beitrag zu chi-Cygni, z. Zt. zu finden im "Veränderliche Sterne" Board:
https://forum.astronomie.de/threads/chi-cygni-im-maximum.400862/#post-2131179
getriggert, mal wieder visuell aktiv zu werden. Am Ende seines Threads habe ich dazu auch kurz berichtet.
https://forum.astronomie.de/threads/chi-cygni-im-maximum.400862/#post-2132647
Nun bin ich hier über die beiden Beiträge zu Beobachtungen mit einem Zweizöller gestolpert und das hat mich daran erinnert, dass ich ja auch einen Refraktor mit kleiner Öffnung besitze, eigentlich sogar zwei.
Zum Einen ist es das berüchtige Plastik-Rohr von Vixen, ein New Sirius 50L, leider ohne Sucher. Der liefert eine erstaunlich gute Abbildung, Kunststück bei f16, aber um den soll es hier nicht gehen.
Es geht mir hier um meinen Selbstbau Recycling-Refraktor mit 60mm Öffnung und 900mm Brennweite, also ein f15.
2002 erstand ich auf der Astro-Messe in Hückelhoven von einem niederländischen Händler zwei gefasste Achromaten mit Luftspalt, sowie mehrere verkittete ungefasste Achromate, für kleines Geld zum basteln. Nach längerem Dornröschenschlaf baute ich aus einem der Luftspalt-Achromate meinen Recycling-Refraktor und aus einem der verkitteten Achromate meinen Holz-Refraktor. Wer sich für den Holz-Refraktor interessiert kann ihn sich auf meiner Heimatseite ansehen:
https://skyviewer.de/selbstbau/refraktor-2/refraktor-holz.htm
Aber der soll hier nicht das Thema sein, sondern der "Recicling-Refraktor". Er trägt seine Bezeichnung nicht zu Unrecht und das aus gleich mehreren Gründen:
- Das Stativ, ein Gitzo mit Kurbelsäule, rettete ein netter Kollege aus dem Schrott Kontainer meiner ehemaligen Firma. Der darauf befindliche schwere Videoneiger war deffekt und so entsorgte man gleich alles :-/.
- Die azimutale Montierung ist eine "Mizar" die ich mal von einem Astro-Kumpel bekommen habe. Die Mizar wurde später von Baader als BP60 vertrieben und ist heute nicht mehr erhältlich.
- Das Tubus-Rohr war einmal eine Welle einer Pool-Abdeckung. Da das Chlor dem Alu über die Jahre zugesetzt hatte, musste ich ein paar Löcher mit Epoxy flicken, egal kommt sowieso Farbe drüber.
- Der Feinfokusierer war mal ein M42 Foto-Objektiv bei dem die Blendenlamellen verklebt waren. Wegen dem überschaubaren Fokusierweg wurde aber noch ein Schiebetubus verbaut.
- Die Schiene ist ein Rechteckprofil und die Klemme ist selbt gebaut, wohl mit zwei Klemmschrauben. Das funktioniert gut wenn man sich bewusst ist, dass man keine Schwalbenschwanz-Schiene vor sich hat.
Das Einzige was noch fehlt ist ein Sucher. Der Tubus ist aber so lang, dass man mittels "entlang peilen" bei niediger Vergrößerung die Objekte gut findet.
Die Kombination dieser Einzelteile sieht nun so aus:
So, jetzt möchte ich aber langsam zum visuellen Einsatz kommen.
Am Abend des 6.10.2026 hatten wir bei uns einen klaren Himmel, aber mit durchziehenden Wolken. Durch vorherigen Regen war die Luft schön klar und somit war die Aufhellung durch die Lichtverschmutzung nicht ganz so heftig wie gewohnt, also wurde der Refraktor raus gestellt. Zum Aufsuchen kam mein 25mm TAL-Plössl zum Einsatz, ansonsten waren LV-Okulare mit 15mm, 9mm, und 6mm im Einsatz. Zwischendurch machte ich mir immer kleine Skizzen, damit ich auf meine alten Tage die Details nicht so durcheinander werfe ;-).
Angeregt durch die oben schon genannten Beiträge habe ich ein paar Doppelsterne aufs Korn genommen.
- Zum Aufwärmen ging es zunächst zu Alkor und Mizar im großen Wagen. Dabei hatte ich noch das 25mm TAL-Plössl im Okularauszug. Ein hübsches Paar, welches zusammen mit einem schwächern Stern ein stumpfes Dreieck bildet.
- Dann war gamma-Andromeda dran. Im 9mm LV war das auch ein schöner Anblick, wobei ich allerdings keine Farbe erkennen konnte. Das könnte evtl. meinen Augen geschuldet sein, oder es war einfach zu wenig Öffnung.
- Epsilon Lyra stand auch auf dem Plan und ich konnte die vier Komponenten im 9mm LV deutlich und mit Zwischenraum trennen.
- Zur Entspannung schwenkte ich auf Albireo, der war ja nicht weit weg. Hier kam das 15mm LV zum Einsatz.
- Nach diesen Doppelsternen stellte ich h & chi im Perseus ein. Das 15mm LV zeigte mir zu wenig Drumherum, weshalb ich auf das 25mm TAL wechselte. Das Double-Cluster ist immer wieder ein prächtiger Anblick, wobei es bei einem noch dunkleren Hintergrund noch mehr her gemacht hätte. Aber ich will nicht unzufrieden sein, die Luft war recht klar und der klerikale Skybeamer, der bei uns den nahegelegenen Kirchturm reichlich illuminiert, wird unter der Woche um 23 Uhr abgeschaltet, immerhin. Aber etwas eigenartig kam mir h & chi dann doch vor, ach ja Zenitprisma... seitenverkehrt gegenüber dem Miyauchi ;-).
- Dann fiel mir noch 17 Cygni ein, welcher ja Thema unter dem ersten Link oben war. Im 9mm LV konnte ich die beiden Kompoinenten erkennen. Versuchshalber probierte ich es noch mit dem 6mm LV und für mich brachte das eine gut merkliche Verbesserung, was wohl an meinen nicht mehr ganz frischen Augen liegen dürfte.
Abschließend kann ich sagen, dass die Beobachtung mit der überschaubaren Öffnung Spaß gemacht hat. Das Refraktörchen zeigt ein kontrastreiches, scharfes Bild.
Noch ein paar Worte zum Objektiv des Gerätes. Hier ein Foro des noch nicht verbauten "Zwillings":
Man erkennt auf dem Bild zwei der Abstandsplättchen, die Fassung ist aus Alu. Leider finden sich keinerlei Gravuren. Die Öffnung ist gemessen 60mm und die Brennweite gemessen 900mm. Falls jemand von Euch das Objektiv identifizieren können sollte, dann wäre ich für einen Hinweis dankbar.
So, das war mein gar nicht mal so kurzer Ausflug ins visuellen-Board
.
Viele Grüße & CS,
Reinhard
ich schreibe ja eher selten im visuellen Board, aber Christopher, alias "Schiefspiegler" hat mich durch seinen Beitrag zu chi-Cygni, z. Zt. zu finden im "Veränderliche Sterne" Board:
https://forum.astronomie.de/threads/chi-cygni-im-maximum.400862/#post-2131179
getriggert, mal wieder visuell aktiv zu werden. Am Ende seines Threads habe ich dazu auch kurz berichtet.
https://forum.astronomie.de/threads/chi-cygni-im-maximum.400862/#post-2132647
Nun bin ich hier über die beiden Beiträge zu Beobachtungen mit einem Zweizöller gestolpert und das hat mich daran erinnert, dass ich ja auch einen Refraktor mit kleiner Öffnung besitze, eigentlich sogar zwei.
Zum Einen ist es das berüchtige Plastik-Rohr von Vixen, ein New Sirius 50L, leider ohne Sucher. Der liefert eine erstaunlich gute Abbildung, Kunststück bei f16, aber um den soll es hier nicht gehen.
Es geht mir hier um meinen Selbstbau Recycling-Refraktor mit 60mm Öffnung und 900mm Brennweite, also ein f15.
2002 erstand ich auf der Astro-Messe in Hückelhoven von einem niederländischen Händler zwei gefasste Achromaten mit Luftspalt, sowie mehrere verkittete ungefasste Achromate, für kleines Geld zum basteln. Nach längerem Dornröschenschlaf baute ich aus einem der Luftspalt-Achromate meinen Recycling-Refraktor und aus einem der verkitteten Achromate meinen Holz-Refraktor. Wer sich für den Holz-Refraktor interessiert kann ihn sich auf meiner Heimatseite ansehen:
https://skyviewer.de/selbstbau/refraktor-2/refraktor-holz.htm
Aber der soll hier nicht das Thema sein, sondern der "Recicling-Refraktor". Er trägt seine Bezeichnung nicht zu Unrecht und das aus gleich mehreren Gründen:
- Das Stativ, ein Gitzo mit Kurbelsäule, rettete ein netter Kollege aus dem Schrott Kontainer meiner ehemaligen Firma. Der darauf befindliche schwere Videoneiger war deffekt und so entsorgte man gleich alles :-/.
- Die azimutale Montierung ist eine "Mizar" die ich mal von einem Astro-Kumpel bekommen habe. Die Mizar wurde später von Baader als BP60 vertrieben und ist heute nicht mehr erhältlich.
- Das Tubus-Rohr war einmal eine Welle einer Pool-Abdeckung. Da das Chlor dem Alu über die Jahre zugesetzt hatte, musste ich ein paar Löcher mit Epoxy flicken, egal kommt sowieso Farbe drüber.
- Der Feinfokusierer war mal ein M42 Foto-Objektiv bei dem die Blendenlamellen verklebt waren. Wegen dem überschaubaren Fokusierweg wurde aber noch ein Schiebetubus verbaut.
- Die Schiene ist ein Rechteckprofil und die Klemme ist selbt gebaut, wohl mit zwei Klemmschrauben. Das funktioniert gut wenn man sich bewusst ist, dass man keine Schwalbenschwanz-Schiene vor sich hat.
Das Einzige was noch fehlt ist ein Sucher. Der Tubus ist aber so lang, dass man mittels "entlang peilen" bei niediger Vergrößerung die Objekte gut findet.
Die Kombination dieser Einzelteile sieht nun so aus:
So, jetzt möchte ich aber langsam zum visuellen Einsatz kommen.
Am Abend des 6.10.2026 hatten wir bei uns einen klaren Himmel, aber mit durchziehenden Wolken. Durch vorherigen Regen war die Luft schön klar und somit war die Aufhellung durch die Lichtverschmutzung nicht ganz so heftig wie gewohnt, also wurde der Refraktor raus gestellt. Zum Aufsuchen kam mein 25mm TAL-Plössl zum Einsatz, ansonsten waren LV-Okulare mit 15mm, 9mm, und 6mm im Einsatz. Zwischendurch machte ich mir immer kleine Skizzen, damit ich auf meine alten Tage die Details nicht so durcheinander werfe ;-).
Angeregt durch die oben schon genannten Beiträge habe ich ein paar Doppelsterne aufs Korn genommen.
- Zum Aufwärmen ging es zunächst zu Alkor und Mizar im großen Wagen. Dabei hatte ich noch das 25mm TAL-Plössl im Okularauszug. Ein hübsches Paar, welches zusammen mit einem schwächern Stern ein stumpfes Dreieck bildet.
- Dann war gamma-Andromeda dran. Im 9mm LV war das auch ein schöner Anblick, wobei ich allerdings keine Farbe erkennen konnte. Das könnte evtl. meinen Augen geschuldet sein, oder es war einfach zu wenig Öffnung.
- Epsilon Lyra stand auch auf dem Plan und ich konnte die vier Komponenten im 9mm LV deutlich und mit Zwischenraum trennen.
- Zur Entspannung schwenkte ich auf Albireo, der war ja nicht weit weg. Hier kam das 15mm LV zum Einsatz.
- Nach diesen Doppelsternen stellte ich h & chi im Perseus ein. Das 15mm LV zeigte mir zu wenig Drumherum, weshalb ich auf das 25mm TAL wechselte. Das Double-Cluster ist immer wieder ein prächtiger Anblick, wobei es bei einem noch dunkleren Hintergrund noch mehr her gemacht hätte. Aber ich will nicht unzufrieden sein, die Luft war recht klar und der klerikale Skybeamer, der bei uns den nahegelegenen Kirchturm reichlich illuminiert, wird unter der Woche um 23 Uhr abgeschaltet, immerhin. Aber etwas eigenartig kam mir h & chi dann doch vor, ach ja Zenitprisma... seitenverkehrt gegenüber dem Miyauchi ;-).
- Dann fiel mir noch 17 Cygni ein, welcher ja Thema unter dem ersten Link oben war. Im 9mm LV konnte ich die beiden Kompoinenten erkennen. Versuchshalber probierte ich es noch mit dem 6mm LV und für mich brachte das eine gut merkliche Verbesserung, was wohl an meinen nicht mehr ganz frischen Augen liegen dürfte.
Abschließend kann ich sagen, dass die Beobachtung mit der überschaubaren Öffnung Spaß gemacht hat. Das Refraktörchen zeigt ein kontrastreiches, scharfes Bild.
Noch ein paar Worte zum Objektiv des Gerätes. Hier ein Foro des noch nicht verbauten "Zwillings":
Man erkennt auf dem Bild zwei der Abstandsplättchen, die Fassung ist aus Alu. Leider finden sich keinerlei Gravuren. Die Öffnung ist gemessen 60mm und die Brennweite gemessen 900mm. Falls jemand von Euch das Objektiv identifizieren können sollte, dann wäre ich für einen Hinweis dankbar.
So, das war mein gar nicht mal so kurzer Ausflug ins visuellen-Board
Viele Grüße & CS,
Reinhard
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