Hallo Gerd,
das muss man aber auch differenziert betrachten. Im Sommer dieses Jahres habe ich mich auch ein Wenig mit 50mm Öffnung auseinandergesetzt, nämlich mit dem als Guidingscope konzipierten 50mm ED von Skywatcher. Nun, es wäre ja durchaus interessant gewesen, wenn das Gerät einen Tick mehr Backfokus gehabt hätte, aber man bekommt einfach die meisten Okulare nicht mit Zenitspiegel in den Fokus. Bis auf diese vermeidbare (hineinkonstruierte) Schwäche, ist das ein Beispiel für Vielseitigkeit, weil die Optik sauber abbildet und dennoch mit wirklich kurzer Brennweite einen erheblichen Himmelsausschnitt zugänglich macht - letztendlich bei adäquater Okularausstattung mit der Option auf (relativ zur Öffnung) hohe Vergrößerung.
Dein Zeiss Gerät erfüllte mit 50/540 den Conrady-Standard, konnte also Hochvergrößerung mindestens gut und war nur vom maximalen Himmelsausschnitt eingeschränkt - in kaum störender Weise angesichts von 2,8° Feld. Der Celestron 50/360 erfüllt immerhin noch Sidgewick-Standard, zeigt also schon einen sichtbaren Farbfehler und hat damit schon Einschränkungen bei hoher Vergrößerung - für einen recht mageren Gewinn, 4,3° Feld wenn 1,25" abgeliefert werden, nur 3,5° mit 24,5mm Steckdurchmesser. Betrachtet man die AP mit 32mm Okularen hat man mit dem 50/360 4,4mm AP und mit dem 50/540 noch 3mm AP. Da fehlt dem 50/360 meiner Meinung nach 1mm AP, um als Comet Catcher Dienst zu tun. Er kratzt am Feldstecher-Bereich.
Betrachten wir das dann im heutigen Paket: Wackelstativ, OAZ aus Plaste, dann entfernt man sich wirklich weit vom Zeiss-Refraktor. Dies sind aber praktisch relevante Kriterien. Wir können nicht immer nur die Optik-Kennzahlen heranziehen, sondern müssen uns der üblen Realität stellen, dass diese Geräte heute als Kinderspielzeuge konzipiert werden. Und zwar Kinderspielzeug in einer Zeit, in der das Spielzeugauto nicht aus lackiertem Weißblech mit Aufziehmotor ist, sondern aus Plaste mit Wegwerf-Fernsteuerung. Der Vergleich mit einem "wohlkonzipierten Zeiss 50mm Refraktor" ist da ein völliger Anachronismus.
Und insofern hat es schon ein recht dickes Fundament, wenn man dazu rät, diesen Qualitätsbereich zu verlassen. Das kann man auch heute noch mit 50mm Öffnung tun, gerät dann aber auch gleich in Preisbereiche, die jedenfalls leistungsfähigere Geräte beinhalten, als 50mm Achromate aus Billigfertigung. Das gilt auch nicht allein für 50mm Achromate, sondern 76mm Newton-Spiegel kann man genauso darunter fassen, wie den Charge um Charge nach Unten durchgereichten "Lidl-Scope" 70/700er. Und angesichts solcher Geräte, die auch bastlerisch kaum aufzubessern sind (Plaste-Ring im Achromaten statt Abstandsplättchen) kann man sehr wohl das Wort Ressourcenverschwendung gut begründet anführen. Das ist einfach gar kein Vergleich mit einem alten Vixen 80L.
Eine weitere Differenzierung möchte ich auch noch aufmachen, um aufzuzeigen, dass es nicht nur abwärts geht. Es gab in letzter Zeit einige Forenteilnehmer, die aus verschiedenen Gründen die derweil recht günstig gewordenen 80mm AS Objektive verwendet haben. Interessant aus nostalgischen Gründen und, um das Leistungsvermögen von Teleskopen einschätzen zu können, die für Sternfreunde in den 1970er bis 1980er Jahren quasi Referenzqualität hatten. So ein unvergütetes AS-Objektiv mit 80/1200 ist dahingehend hochinteressant - aber durch die verschiedensten modernen Optiken bezüglich Montierungsbedarf und überhaupt die Summe der Eigenschaften und Fähigkeiten egalisiert. So interessant die Geräte sind: Sie haben ihren Platz am Markt verloren.
Ich betone, dass ich wenn möglich dazu rate, beschaffte, geerbte und sonstwie zugelaufene Geräte ersteinmal zu benutzen, und sie nicht zu verdammen. Aber ich meine, dass man unbedingt angesichts der "Spielzeugqualität" aufklären muss, dass diese Geräte nicht beispielhaft sind, weder mit ihren spezifischen Unzulänglichkeiten, noch für das Hobby im Allgemeinen.
Ich glaube daher nicht, dass es wirklich zielführend ist, sich anhand der Eckdaten an Teleskope mit grundsätzlich anderen Qualitätsmassstäben und (selbst ohne Inflationsbereinigung) erheblich höherem Anschaffungswert zu erinnern, und deren Möglichkeiten unhinterfragt auf heutigen Ramsch zu übertragen.
Ich persönlich komme dazu, weil ich persönlich, ganz anders als Du, als mein erstes eigenes Teleskop um 1990 einen 60/800 Tchibo-Torpedo hatte, mit 3 Stück 24,5mm Vollplastik-Okularen, Plastik-Wackelauszug, azimutal-Gabel mit Tangentialarm-Wackelverstellung und unvergütetem Objektiv. Und als ich das bekam, habe ich zum Glück schon den 12" Spiegel der Volkssternwarte des Nachbarorts gekannt. Sonst halte ich es für möglich, dass Dir meine heutigen Kommentare und mir noch die Erfahrungen mit zwei größeren, aber nicht besseren Billigteleskopen erspart geblieben wären. Das Tchibo-Torpedo ist nämlich bei mir auf dem Dachboden gelandet, bis ich irgendwann den Tubus-Zersägt habe, um einen Zeiss Achromaten aus der Baader-Ramschware da hinein zu setzen. Nur selbst damit hat das Gerät seine Auferstehung nicht gefeiert, weil ein sinnvoller Okularauszug sich gegenüber anderen Widefield- Optionen einfach nicht gelohnt hat.
Ich kann daher keinen mild verklärten Blick auf diese Optiken haben.
Clear Skies
Sven