Hallo Freunde
Hier scheinen wohl noch einige Irrtümer und Unwissenheiten über Binokularansätzen zu grassieren.
Nun, fangen wir mal ganz von Vorne an.
Eines erst mal vorweg: So ein Bino hat mit einem zu kleinem Fangspiegel zu engem Okularauszug oder dem Taglichtblendrohr in einem Cassegrain einiges gemeinsam. Das Lichtbündel jeder Optik ist, in dem Bereich wo der BA (Binokularansatz) das Licht im Strahlengang abgreift, deutlich größer als die vordere Öffnung des BA. Daher kommt es je nach Öffnungsverhältnis mehr oder weniger zu Defiziten in der Ausleuchtung. Der Bildkreis der in der Bildebene noch zu 100% ausgeleuchtet wird ist nochmals deutlich kleiner als der Durchmesser am Binoeingang. Wie groß der tatsächlich zu 100% ausgeleuchtete Bildkreis ist könnt ihr dieser
Tabelle von verschiedenen BAs entnehmen. Auch das ist abhängig vom Öffnungsverhältnis. Wie man nun sieht ist hier mal ein langsames Öffnungsverhältnis deutlich bevorteilt!
Zu nächst einmal benötigt jeder BA (Binokularansatz) Lichtweg mit nur einer Ausnahme, aber das ist ein Sonderfall den ich nicht empfehlen möchte denn der bringt wieder andere Nachteile mit sich.
Beim Großfeldbino beträgt der benötigte Lichtweg ca. 110 mm. Jetzt muß man sich vorstellen wo dieses Bino mit seinem Eingang von 28mm das Lichtbündel vom Strahlengang abgreift und wie das Lichtbündel an diesem Punkt, also 110 mm vor der Primärbildebene, dimensioniert ist!
Wie Ihr ja alle wissen solltet verläuft das Lichtbündel von der bildgebenden Optik (Linsenobjektiv / Hauptspiegel) her zur Bildebene in einem Winkel, der durch das Öffnungsverhältnis definiert wird, spitz zu bis zum Brennpunkt / Bildebene. Der Bildkreis an dem nun das Bino das Licht abgreift ist dadurch deutlich größer als der Bildkreis den das Bino erfassen kann. Um wie viel der Bereich größer ist hängt von Öffnungsverhältnis ab und damit dem Winkel in den das Lichtbündel zum Brennpunkt verläuft. Und hier verliert man das meiste Licht!
Bei 110mm Lichtweg des BA ändert sich der Durchmesser vom Lichtbündel bei:
-F4,5 um 24,4mm
-F5 um 22mm
-F10 um 11mm
-F20 um 5,5mm
Daher erreicht eine F20-Optik auch eine bessere Feldausleuchtung als die schnelleren Optiken siehe nochmals die Tabelle! Bei kleinen BAs tendiert der zu 100% Ausgeleuchtete Bildkreis bei F5 gegen Null wo gegen der Bildkreis bei einer F20-Optik immer noch bei über 20mm liegt! Wir verschenken an Schnellen Optiken also auch Öffnung und Auflösung!
Um nun bei schnellen Optiken die Ausleuchtung zu verbessern muß das Strahlenbündel wesentlich näher an der Teleskopbildebene / Primärbildebene abgegriffen werden wo das Lichtbündel im Durchmesser wesentlich kleiner ist. Damit bekommen wir mehr Licht ins Bino.
Und hier bekommen nun die Lichtwegkorrektoren ihren wahren Sinn!
Mit diesen Korrektoren wird die Bildebene nach hinten hinaus verlagert und wir können das Primärlichtbündel näher an der Primärbildebene abgreifen wo es nun mal wie vorhin beschrieben im Durchmesser kleiner aber auch intensiver gebündelt ist und so mehr Licht ins Bino gelangt! Wir nutzen dann praktisch mehr Öffnung! Hier liegt der währe Sinn eines Lichtwegkorrektors!
Wir verlieren über die Brennweitenverlängerung zwar an Flächenhelligkeit, die bekommen wir aber wieder herein in dem wir nun längere Okularbrennweiten verwenden um an eine gleiche Austrittspupille zu kommen. Allerdings verlieren wir am maximalen Gesichtsfeld. Es wird kleiner. Das ist dann der Preis den wir für eine bessere Ausleuchtung und ein helleres Bild zahlen müssen!
Wer das nun alles einigermaßen verinnerlicht hat dem sollte nun klar sein das es bei einem Bino um eine möglichst großen Eingang und einem möglichst kurzem Lichtweg ankommt um optimale Ergebnisse zu erzielen. Das alles ist mit Kompromissen behaftet und der eigentliche Preis bleibt ein vergleichsweise kleines wahres Gesichtsfeld.
Was nun das ganz am Anfang erwähnte Billig-Bino anbelangt so scheint es hier im Forum noch ein Haufen an Vorurteilen zu geben. Wer hat denn nun hier wirklich mal durch so ein Teil hindurch geguckt? Ich denke, hier gibt es am Markt noch einige versteckte Produkt-Gleichheiten von ein und dem selben Hersteller!
Dazu empfehle ich auch sich hier einmal durch den schon vom Klaus empfohlenen
Beitrag von 25 Seiten hindurch zu kämpfen. Google übersetzt mir das automatisch. Das hat vielfach seine Längen bringt aber in der Gesamtheit einen brauchbaren Überblick über das Marktgeschehen mit seinen Vor- und Nachteilen in Sachen Qualität sowie Produktgleichheiten unter verschiedenen Labels.
Zum Flex Tube-Dobson:
Die Verwendung eines BA an einem F5-Flex Tube Dobson ohne Glaswegkorrektor ist aus oben ersichtlichen Gründen ein Irrweg. Man gewinnt zwar beim maximalen Gesichtsfeld verliert aber an Öffnung wie bei einem Newton mit zu kleinem Fangspiegel der keinerlei Ausleuchtung zu 100% mehr bieten kann!
Freunde, laßt Euch das noch einmal richtig durch den Kopf gehen und lest das bitte mehrmals falls ihr die ganzen Zusammenhänge noch nicht begriffen habt.
Und damit wünsche ich noch allen viel Glück fürs neue Jahr!
Peter