Beobachtungsbericht 22.9.
Ziele:
-> lernen, ordentliche und detailgenaue Zeichnung von Doppelstern und Planet zu machen
-> lässt sich Epsilon Lyrae in meinem 60er Refraktor bei 116x als Vierfachsystem auflösen?
-> und einfach mal endlich wieder Sterne sehen
Beginn: ca. 22.30 Uhr, Ende: ca. 2.00 Uhr; ca. 9,5 Grad Lufttemperatur am Beginn; Ort: Balkon; Mond: fast noch voll und sehr störend; Luft recht feucht; Gerät: mein 60/700 Refraktor mit Zenitspiegel (aufrechtes, seitenverkehrtes Bild); 20 mm Okular, 6 mm Okular
->
Versuch, Epsilon Lyrae aufzulösen: die beiden klar zu trennenden Komponenten wirken bei 116x (sehr unsicher) etwas unrund bzw. länglich; aber bei störendem Mondlicht und etwas Unschärfe aufgrund der Luftfeuchtigkeit (?) auch schwer zu beurteilen. Uwe, ich hab mir Deine Zeichnung vom Montag nochmal angeschaut. Wenn das bei Dir auch ein seitenverkehrtes Bild ist, könnte das, was ich da bei mir aufgezeichnet hab, schon ansatzweise in diese Richtung gehen. Aber keinesfalls klar getrennt. Vielleicht versuche ich es nochmal bei besseren Bedingungen.
Insgesamt hat mich das mit Epsilon Lyrae aber in der Hinsicht sehr genervt, dass es eine Katastrophe war, auch nur zu versuchen, das im 6 mm Okular ohne Nachführung zu zeichnen! Ich war mehr mit Nachschubsen und Sucherei beschäftigt als mit der eigentlichen Beobachtung bzw. Zeichnung. So macht das keine Freude!
-> aus lauter Frust wollte ich mich
Delta Lyrae zuwenden, der auch im 20 mm Okular (bei 35x) kein Problem sein sollte. Sollte. Wenn man ihn denn fand...
-> bei der Suche nach Delta schließlich auf (wahrscheinlich)
Zeta Lyrae hängengeblieben. Bzw. ihn einfach genommen, bevor der Abend in eine endlose Sucherei ausartete.
Das Zeichnen ohne Nachführung ging im größeren Okular deutlich entspannter als vorhin; ganz sicher bin ich mir nicht mehr, ob ich wirklich beim 20 mm geblieben bin, glaub aber schon. Irgendwie hab ich an dem Abend städig Okulare gewechselt - um im größeren das Objekt wiederzufinden und zu zentrieren und es dann im kleineren Okular genauer zu betrachten.
Das Zeichnen: Es war nicht einfach, alle Sterne einigermaßen "richtig" einzuzeichnen und dabei nicht nur auf ihre Positionen zueinander, sondern auch auf unterschiedliche Helligkeiten zu achten. Farbunterschiede fielen mir bei diesem Himmelsabschnitt keine auf, sie erschienen alle weiß. Ich fertigte in meinem Beobachtungsbuch erst mal eine grobe Skizze an und wollte diese später eine schöne Reinzeichnung übertragen.
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Visite bei Saturn: Ich wollte ja auch einen Planeten zeichnen. Und da nahm ich mir zur Abwechslung mal Saturn vor. Doch der Kerl nervt einfach nur, ich kann mir nicht helfen! Er war von Dunst umgeben, und ich hatte Schwierigkeiten, ihn überhaupt mit dem Leuchtpunktsucher anzuvisieren; kaum hatte ich ihn in einer halbwegs für eine Zeichnung sinnvollen Vergrößerung von 116x, wanderte er auch schon wieder aus dem Bild. Bis ich nach Stift und Papier gekramt hatte, war er wieder weg! Also nochmal größeres Okular rein, die Feststellschraube der Montierung lösen, Saturn suchen, alles festzurren, kleines Okular rein, Zeichensachen suchen, warten, bis das Gewackel aufhört, Saturn suchen, und so weiter.
Nö, Leute, das macht doch keinen Spaß! So kommen wir nicht weiter! Und dann das alles für Saturn? Nein!
-> Da strahlte mich halt wieder
Jupiter an. Ich kann nix machen, wir zwei gehören einfach zusammen!

Jupiter war trotz der Luftfeuchtigkeit gut zu erkennen. Ich fertigte eine recht genaue Graustufenzeichnung mit Bleistift auf weißem Papier an. Dabei konnte ich außer den Farbunterschieden der auffälligsten Bänder und Zonen keine wirklichen Details erkennen, GRF-Zeit war auch nicht. Die Monde, die ich im 6 mm Okular erfassen konnte, hab ich mit dokumentiert. Kallisto war außerhalb des Sichtfeldes, deshalb fehlt sie. Io sah deutlich kleiner aus als ihr Nachbar Ganymed und etwas orangefarben, während Ganymed und Europa weiß erschienen.
Danach war irgendwie die Luft raus und ich ging rein.
Drinnen erinnerte ich mich an Deinen Kakao, Uwe, und machte mir auch einen. Gute Idee!
Ich
zeichnete Jupiter zum ersten Mal in Farbe, und auf schwarzes Papier. Das war eine rechte Umstellung, vor allem, die hellen Bereiche nun ebenfalls auszufüllen - mit weißer Farbe. Und ich finde es immer noch schwierig, das in etwa so zu zeichnen, wie ich es sehe und nicht, wie meine Vorstellung weiß, dass es auszusehen hat. Das Ganze ist auch kontrastreicher geworden als in Wirklichkeit, wo Jupiter hauptsächlich hell war mit ein paar ganz zart farbigen Bereichen. Es ist echt schwer, sowas realitätsnah zu zeichnen!
Beim
Reinzeichnen von Zeta Lyrae ging es leichter. Bis ich mit der Frage konfrontiert wurde, welche
Himmelsrichtungen ich denn nun wo hinschreiben sollte.
Peter
@P_E_T_E_R , ich hab das, was Du mir zu dem Thema gezeigt hast, wirklich angeschaut! Aber durchblicken tu ich noch nicht. Bei Jupiter hab ich mir gemerkt, dass es schon passt, wenn ich das so mache, wie auf der Landkarte. Wenn auch aus ganz anderen Gründen... Aber das, was für Jupiter und Saturn gilt, gilt bei Doppelsternen und allem, was weder Mond noch Planet ist, eben nicht automatisch genauso. Ich hab gelesen, dass Norden nicht grundsätzlich oben ist, sondern dort, wo der Polarstern sich im Bezug zu dem betrachteten Objekt befindet.
Tja, und
wo war Polaris gestern Abend im Bezug zu Zeta Lyrae?? DARAUF hab ich nicht geachtet. Also noch schnell und zu sehr später Stunde Stellarium angeworfen und gespickt. Und gottlob noch rechtzeitig daran gedacht, dass meine Zeichnung ja seitenverkehrt war, bevor ich das "N" hingeschrieben hab. Bei Ost oder West werd ich mich da auf gar nichts einlassen! Es muss so reichen.
Und weil es nun schon gut 2 Uhr geworden war, zog ich mir nochmal eine Jacke über und ging schnell in die dunkle Ecke hinterm Haus, in der irgendwann
Orion erscheinen würde. Aber es war inzwischen so neblig geworden, dass nicht mal die Plejaden erkennbar waren.
Fazit:
-> Es ist wirklich anspruchsvoll, eine dokumentarische und genaue Zeichnung einer astronomischen Beobachtung anzufertigen. Und gerade nach meiner künstlerischen Pastellzeichnerei vom Nachmittag geriet ich immer wieder in Versuchung, ungenau zu werden. Aber das sind halt zwei völlig unterschiedliche Arten, Objekte zeichnerisch darzustellen. Mit unterschiedlichen Zielen.
->Detailzeichnungen am 6 mm Okular ohne Nachführung sind ein Graus und nur mit viel Geduld oder Zuneigung zum Objekt zu bewältigen.
-> Und noch was. Ich merkte, dass es gestern sehr anstrengend war. Ein Grund dafür war die elende Nachschieberei und Sucherei. Ein anderer war, dass ich irgendwie das Gefühl hatte, mir geht die Freude und Leichtigkeit beim Beobachten etwas verloren. Durch den Anspruch, den ich da im Moment an mich selbst reinlege. Weil ich ja was lernen will. Aber dabei verliere ich auch etwas von dem, was bisher beim Beobachten immer dabei gewesen war. Gibt es sowas wie eine "Krise der Weiterentwicklung" in der astronomischen Beobachterei? Dass man durch das Dazulernen zwar viel gewinnt und weiter kommt, sich aber auch von etwas verabschieden muss? Versteht ihr, was ich meine? Ich weiß nicht. Vielleicht brauche ich nur mal wieder eine meiner früheren Chaos-Beobachtungsrunden, bei der ich nicht aufpasse, welches Okular gerade drin ist und ich mich keinen Pfifferling um Genauigkeit oder Himmelsrichtungen scheren muss. So eine Art Schulferien. Werd ich auf jeden Fall bald mal machen.
Nun ist es wieder mal extrem lang geworden. Bitte seht mir das nach!
Trotzdem noch ein Wort an *entfernt*-Peter: Deine Liste mit den Vergrößerungen benutze ich regelmäßig zum Nachschauen! Danke nochmal!
Damit spielt der kleine 129 Euro Refraktor mit 60/700 von Sabine und der 79 Euro Apollo 76/700 Newton von Frank in der gleichen Liga wie ein 1500 Euro Dreilinsiger ED-Luftspaltapochromat mit 120/900 auf einer 1500 Euro Montierung mit Goto Nachführung.
Magst Dir nicht einen kleinen Ruck geben und auch mal ein Foto oder eine Zeichnung hier hereinstellen? Zum Vergleich der unterschiedlichen Möglichkeiten, die auch diese Liga der kleineren Geräte bietet. Wäre bestimmt interessant!
Viele Grüße an euch alle
und gutes Beobachtungswetter!
Sabine