Navigation am Himmel mit einem einfachsten manuellen Selbstbau-“GoTo“ für azimutale Montierungen

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Hallo Günter,

ich hatte den in 1,25“ mit viel Weitwinkel bei angenehmsten Eigengesichtsfeld für viel Beobachtungsfreude beim Surfen in Aussicht gestellt. Der Auszug schafft das.

Zur Ansicht kaufen, testen, entscheiden.

Andere Brennweiten haben andere Vergrößerungen. 24-25mm ist laut Literatur in 1,25“ das Optimum für angenehmes und ehrliches Eigengesichtsfeld. Die Feldblende limitiert zu kleineren Vergrößerungen hin mit dem Ergebnis des Tunnelblickeffektes. Wunder sind bei 1,25“ >25mm nicht zu erwarten.

Grüße, *entfernt*
 
Beide Augen bleiben auf. Eines sieht in der von vorn schwarz abgedeckten Glasscheibe des Peilers den Rotpunkt . Das andere
blickt daran vorbei und sieht die Sterne im Zielgebiet. Das Sehen geschieht im Kopf. Da werden die beiden Einzelbilder zur Deckung gebracht und überlagert. Du siehst den Rotpunkt zwischen den Sternen und kannst ihn zum Zielpunkt führen.
Ja, und dieses Prinzip nutze ich auch bei geradsichtigen Sucherfernrohren, um das Objekt ins Gesichtsfeld zu bringen. Ein Auge schaut durch den Sucher, eines daran vorbei direkt auf den Himmel. Die Augen sind dabei entspannt und parallel ausgerichtet. Wenn sich das direkt sichtbare Objekt am Himmel mit der Mitte des Gesichtsfelds des Suchers überlagert, kommt es meist ins Blickfeld des Suchers und kann ich es dann in die Mitte des Fadenkreuzes bringen.
CS Nik
 
Hallo zusammen!

Vielen Dank für euere Tipps und Überlegungen, was die Okulare betrifft. Aber ich bleib vorerst mal bei denen, die ich schon hab und sammle damit noch weiter Erfahrung, um ggf. später bessere Okulare auch wirklich schätzen zu können. Wenn es dann soweit ist, werd ich bestimmt nochmal hier nachschauen, was ihr mir vorgeschlagen habt. Vielen Dank, dass ihr euch darüber Gedanken und mir ein paar Empfehlungen gemacht habt!

Ansonsten konnte ich meine Quadranten-Konstruktion und euere Tipps, was das Benutzen des Leuchtpunktsuchers betrifft, noch nicht ausprobieren. Denn, wie wahrscheinlich bei euch auch, macht das Wetter nicht wirklich mit. Dranbleiben werd ich, und einiges von eueren Hilfestellungen wird auch in mein Büchlein notiert.

Viele Grüße und brauchbaren Himmel!
Sabine
 
Guten Abend allerseits!

Es geht weiter.
Zwar konnte ich mein "Quadranten-Goto" nachts noch immer nicht ausprobieren. Aber ein Artikel in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift "Sterne und Weltraum", den ich jetzt erst gelesen hab, hat mir einen neuen Floh ins Ohr gesetzt. In dem Artikel berichtet der Autor davon, dass er nicht nur Planeten wie Jupiter, Venus oder Merkur am Taghimmel (sogar mittags!) beobachten konnte, sondern auch helle Sterne wie zum Beispiel Wega und sogar Polaris (ca. 2 mag). Er schreibt, das Problem sei nicht, sie (im Fernglas oder Teleskop) zu sehen, sondern sie zu finden. Na, für den Teil des Findens, so dachte ich mir, hab ich ja nun so meine Möglichkeiten... :cool:

Das Problem an der Sache ist, dass das Ganze bei Sonnenschein am Tag stattfindet. Und ich brauch die Sonne, um mein "Goto" in der Azimut-Achse zu justieren. Und Sonnenfilter hab ich nicht, was die Sache nicht sehr gesund für die Augen macht...

Da fiel mir die Idee mit der Projektionsmethode ein, die mir hier bereits vorgeschlagen worden war. Sowas hab ich noch nie gemacht, deshalb musste ich erst ein wenig herum experimentieren, bis ich zu dieser momentanen Lösung gekommen bin:

photo_2022-02-08_17-14-19.jpg


Und von hinten sieht das Ganze so aus:

photo_2022-02-08_17-14-29.jpg


Es ist einfach nur ein Aufsatz aus dünnem Karton, den ich auf den hintersten Teil des Leuchtpunktsuchers aufstecken kann. Und windig darf es an dem Tag auch nicht besonders sein, ...

Da der Leuchtpunktsucher ja sowieso so eingestellt ist, dass das, was man dort in der Mitte sieht, dann auch im Teleskop zentral sichtbar ist, hielt ich diese Art, das Teleskop nach der Sonne auszurichten, für brauchbar. Allerdings hab ich das mit dieser Projektionsmethode noch nie gemacht. Und aus Ermangelung der wirklichen Sonne draußen musste meine Küchenlampe als Ersatz für einen Test herhalten. Ist auch weniger gefährlich, denke ich.

Ich richtete das Teleskop so lange nach der Lampe aus, bis der dunkle ringförmige Schatten des Suchers richtig rund aussah. Etwa in der Mitte erschien ein heller Lichtfleck. Da ich mir nicht sicher war, ob ich alles nun wirklich einigermaßen exakt auf meine "Sonne" ausgerichtet hatte, steckte ich nun doch ein Okular ins Teleskop und nahm die Abdeckkappe ab. Vorsichtig und aus größerer Entfernung schaute ich lediglich nach, ob meine "Sonne" im Okular auftauchte. Und sie war da!

Also, wenn hier von euch niemand Einwände dagegen erhebt, würde ich das Ausrichten mit der Projektionsmethode bei Gelegenheit auf diese Weise mal draußen ausprobieren. Dann wird zur Kontrolle allerdings weder ein Okular eingesteckt noch die Linsenabdeckung entfernt.

Um dann einen Planeten oder Stern zu suchen, hatte ich eigentlich vor, mein Teleskop so hinter z. B. eine Hauswand zu stellen, dass die Sonne auch nicht aus Versehen ins Blickfeld kommen kann. Dummerweise brauch ich aber die Sonne fürs Justieren. Weiß noch nicht, wie ich dieses Problem löse. Vielleicht steht irgend ein heller Stern zu der Zeit dann auf der sonnenabgewandten Seite. Polaris wäre ja im Norden. Aber ob es gleich der sein muss, der ist jetzt nicht grad der Hellste...

Der Mond treibt sich momentan ja auch am Taghimmel herum. Vielleicht kann ich mich doch hinter eine Hauswand stellen und statt der Sonne ihn zum Justieren nutzen. Den würde ich dann aber direkt anpeilen, für die Projektionsmethode ist er ja nicht hell genug.

Mal sehen. Vielleicht wäre es doch langsam mal an der Zeit, einen Sonnenfilter zu basteln. Wenn ich nun schon ernsthaft überlege, mit meinem Grundsatz: "Bei Tageslicht niemals die Linsenabdeckung entfernen!" zu brechen. Allerdings werd ich mit Sonnenfilter bestimmt keine Sterne am Taghimmel sehen können. Muss man ja auch nicht. Aber wollen tät ich schon...

Ach Leute, man hat's nicht einfach. ;)

Ansonsten hab ich heute noch eine genauere Skala auf meinen Quadranten aufgeklebt:

photo_2022-02-08_17-13-59.jpg

Ja, sie wäre genauer, wenn ich sie groß genug ausgedruckt hätte, damit sie weiter unten auf den Viertelkreis passen würde. Aber der Versuch ist gescheitert - und ich hatte keine Lust, mich noch länger mit diesem Problem herumzuschlagen. Kann man ja auch später nochmal machen.

Nun wünsche ich euch ebenfalls viel Spaß bei eueren eigenen Basteleien, wenn ihr da grad was in Arbeit habt.
Und für uns alle möge der Himmel endlich mal wieder mehr Sonne und Sterne zeigen!

Herzliche Grüße
Sabine
 
Hallo,
so'n doofer Stern hopste mir auch schonmal ständig im Sucher 'rum, als ich frühabends um den Dämmerungsbeginn herum eigentlich Mars finden wollte, aber irgendwie die Richtung wohl leicht verpeilt habe. D.h. es spricht theoretisch nix dagegen, aber um unnötigen Frust zu vermeiden erlaube ich mir noch ein paar Anmerkungen: Mit deinem Equipment ist es trotz allem sportlich. Sicher, damals hatten die Leutz gar keine Optik, aber die alten Ägypter od. Tycho Brahe hatten auf jeden Fall einen wesentlich klareren Himmel, vor allem wg,. des damals deutlich geringeren Flugverkehrs. Die Aliens, die damals schon rumflogen, und z.B. den Ägyptern beim Bau der Pyramiden geholfen haben, hatten ja saubere Antriebe und nicht so Stinke-Düsen wie unsere heutigen Malle-Touri Flieger. D.h. es sollte schon sehr, sehr klare Luft sein.
Ein zweiter Punkt ist die Frage der Genauigkeit. Die schlägt umso mehr zu, je weiter du schwenkst, um von der Richtung, in der du dein Setup nach Sonne od. Mond justiert hast, deinen Zielpunkt zu erreichen. Deine Azimuth-Achse muss ja wirklich so perfekt wie möglich senkrecht sein, und die Höhenverstellung wd. senkrecht dazu.
Das ist ein typisches Dilemma: Objekte näher bei der Sonne (z.B. Merkur) sind hinsichtl.. Genauigkeit des Setups leichter zu finden, dafür ist dort mehr Streulicht. Und umgekehrt.
Und, last but not least: der Himmel dreht sich um unsere Erdscheibe auch schneller als einem lieb ist, ca 1° pro 4 min. D.h. Schnelligkeit ist auch noch gefragt. Da macht es dann schon Sinn, mal über ein parallaktische Montierung nachzudenken, um nach Einstellung der Zielhöhe nur um eine Achse schwenken zu müssen.
Trotz allem : Viel Erfolg! :y:
-cb
 
Hallo,

vor einiger Zeit hatte ich hier schon mal meinen Low Budget Sonnensucher vorgestellt. 2 Schrauben an den Rohrschellen des Lichtenknecker 70/1000 werfen Schatten. Wenn diese auf einer Projektionsfläche, ich benutze einfach meine Hand, zusammenfallen, ist alles palleti. Auf dem Bild sieht man, dass ich noch knapp daneben bin. Mit diesem Aufbau lässt sich die Sonne immer zuverlässig und ohne irgendwelches Risiko für Mensch oder Gerät einstellen.

CS Gerhard
 

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Hallo Sabine,

deinen Ausführungen entnehme ich, dass du vor Gefahren gewarnt bist, wenn du ein Teleskop nebst Sucher und vielleicht deine Augen in Richtung Sonne lenkst.

Das könntest du allerdings gänzlich vermeiden, indem du aus Kartonpapier einen eigenen Sonnensucher herstellst und den gezielt um einen definierten Betrag versetzt. Beispielsweise 10Grad. Den Wert berücksichtigst du einfach als einen Delta-Wert bei der Einstellung der Suchkoordinaten.

Grüße, *entfernt*
 
Hallo Leute,

gleich vorneweg: Ich finde das alles momentan OBERHAMMERSPANNEND! Astronomie mal andersrum sozusagen.

vor einiger Zeit hatte ich hier schon mal meinen Low Budget Sonnensucher vorgestellt. 2 Schrauben an den Rohrschellen des Lichtenknecker 70/1000 werfen Schatten. Wenn diese auf einer Projektionsfläche, ich benutze einfach meine Hand, zusammenfallen, ist alles palleti. Auf dem Bild sieht man, dass ich noch knapp daneben bin. Mit diesem Aufbau lässt sich die Sonne immer zuverlässig und ohne irgendwelches Risiko für Mensch oder Gerät einstellen.
Das könntest du allerdings gänzlich vermeiden, indem du aus Kartonpapier einen eigenen Sonnensucher herstellst und den gezielt um einen definierten Betrag versetzt. Beispielsweise 10Grad. Den Wert berücksichtigst du einfach als einen Delta-Wert bei der Einstellung der Suchkoordinaten.
Vielen Dank für euere Tipps zum Thema Sonnensucher!

Meinen Quadranten hab ich inzwischen weiter beskalt:
photo_2022-02-09_13-34-27.jpg




Nun berichte ich euch von meinem heutigen Experiment in Sachen Sterne am Tag mit meinem "Quadranten-Goto":

Bei uns schien heute Nachmittag die Sonne von einem wolkenlosen, aber (durch Cirren?) eher weißlichen als tiefblauen Himmel. U. a. motiviert durch die eher zweifelnden Worte unseres "Captains" ...
D.h. es spricht theoretisch nix dagegen, aber um unnötigen Frust zu vermeiden erlaube ich mir noch ein paar Anmerkungen: Mit deinem Equipment ist es trotz allem sportlich.
... trug ich um etwa 15.00 Uhr mein Teleskop auf den Balkon, um die Sache auszuprobieren. Doch schon das Justieren der Azimut-Skala per Sonnenprojektion brachte die erste Ernüchterung. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig mache. Denn als der Schattenkreis des Suchers exakt aussah, sah ich keinen hellen Sonnenfleck in dessen Mitte. Und als die Projektion der Sonne auf dem Papier einigermaßen rund aussah, war der Schattenkreis verzogen. Ich hab mich schließlich nach der Einstellung gerichtet, in der die Sonne in etwa rund abgebildet war. Bin mir aber bis jetzt nicht sicher, ob das richtig war.

Aufgrund dieser Azimut-Skaleneinstellung hab ich dann Wega nach ihren Koordinaten gesucht – und natürlich nicht gefunden. Auch dann nicht, als ich vorsichtig das Teleskop noch ein wenig in alle Richtungen über diese Himmelsregion bewegte.

Das „nichts erkennen“ hatte aber auch noch einen anderen Grund. Bei Tageslicht stört der Schmutz auf dem Okular (das ich noch nie wirklich gereinigt hab) immens! Nachts hat mich das noch nie wirklich gestört, aber bei Tag kann man es so kaum benutzen.

Ein weiteres Erschwernis, das ich nicht einkalkuliert hatte, war die Tatsache, dass ich den Okularauszug ganz nach innen gefahren hatte und das Bild dadurch nicht scharf war. Ich konnte das Teleskop natürlich auch nicht anhand eines Sterns oder so scharf stellen. Deshalb nahm ein entferntes Haus ins Visier und stellte das scharf. Aber ob das dann für Wega auch nur annähernd brauchbar war, weiß ich nicht.

Vorsichtig wegen der Sonne suchte ich noch ein wenig am Himmel herum, um vielleicht doch noch irgendein Sternchen zu entdecken. Aber Fehlanzeige. Auch mit dem 10 x 50 Fernglas hatte ich keinen Erfolg. Das ernüchterte mich schon etwas. Wenngleich ich auch noch nicht aufgeben will. Mein Ehrgeiz ist da jetzt schon geweckt. Und die Geschichte ging noch weiter.

Als um ca. 16.45 Uhr die Sonne gerade hinter den Bäumen am Horizont unterging, fiel mir Jupiter wieder ein. Der Himmel war leicht dämmrig, aber noch sehr hell. Mit bloßen Augen konnte ich Jupiter nicht sehen.

Da ich das Teleskop inzwischen bewegt hatte, musste ich die Azimut-Skala erneut justieren. Leider war mit der Projektionsmethode nichts mehr zu machen, weil die Sonne schon zu schwach war. Die Tatsache, dass sie schon so schwach war, ließ es mich wagen, sie hinter den Baumgerippen direkt mit dem Leuchtpunktsucher anzupeilen.

Ich stellte das Teleskop per Quadrant und Azimut-Skala auf Jupiters Koordinaten laut Stellarium ein und erntete wieder einen Fehlschlag. Kein Jupiter war im Bild. Als ich den Himmel mit dem Teleskop in der Umgebung nach ihm absuchte, huschte einmal ein unscheinbares winziges Lichtpünktchen durchs Bild. Das war wahrscheinlich Jupiter. Ich versuchte, ihn wiederzufinden, fand ihn aber nicht. Vielleicht wäre das mit einem sauberen Okular anders gelaufen. Aber ich hatte ihn auch deutlich auffälliger eingeschätzt gehabt als dieses kleine Pünktchen, das da kurz durch das Bild gehuscht war.

Auch jetzt brachte ein Versuch, Jupiter mit dem Fernglas zu sichten, ebenfalls wieder keinen Erfolg. Mit Wega versuchte ich es nun gar nicht erst.

So. Glaubt nicht, dass die Geschichte jetzt zu Ende wäre. Es wurde dunkler und kühler. Deshalb ging ich zum Aufwärmen (und um den armen hungernden Kater zu füttern) für ein Weilchen ins Haus.

Kurz vor 18.00 Uhr war ich wieder draußen bei meinem Teleskop. Es war inzwischen schon sehr düster geworden. Jupiter konnte ich aber immer noch nicht mit bloßem Auge erkennen. Zu Beginn konnte ich meine Azimut-Skala noch ganz gut sehen, aber im Verlauf musste ich mir die Rotlichtlampe dafür holen.

Das „Quadranten-Goto“ war noch justiert und ich stellte es auf Jupiters Koordinaten ein. Wieder war der Planet nicht sofort im Bild, aber nach einer kleinen Ruckelbewegung hatte ich ihn! Ich überprüfte seine Werte und verglich sie mit denen, die er laut Stellarium haben sollte, und war erstaunt:

Mein Jupiter in vivo stand bei etwa Az/Alt 242/12,5 Grad (mit Quadrant und Azimutskala gemessen), laut Stellarium sollte er bei 240/12,0 Grad sein!

Ich schaltete den Leuchtpunktsucher ein und schaute mir den Himmel an der Stelle, auf die er wies, genau an. Nein, Jupiter war dort wirklich nicht bloßäugig zu sehen.

Angefacht durch diesen Erfolg versuchte ich es noch einmal mit Wega, die ich natürlich mit bloßen Augen auch noch nicht sehen konnte. Ich stellte ihre Koordinaten mit meinem Teleskop ein. Auch sie war nicht sofort im Bild. Aber auch hier bedurfte es nur einer kleinen Korrekturbewegung, und schon strahlte sie mich im Okular hell glänzend an!

Also: Astronomie am Tag ist für mich momentan noch eher frustrierend. Aber Astronomie während der Dämmerung finde ich absolut toll! Denn mit Hilfe meines „Gotos“ konnte ich Jupiter und Wega aufspüren, obwohl sie noch nicht sichtbar waren. Anhand von den beiden konnte ich meinen Quadranten und auch die Justierung meiner Azimut-Skala überprüfen – und für durchaus brauchbar befinden. Ich konnte auch den Azimutwert der Ecke meiner Dachrinne am Haus bestimmen (es war dunkel genug, um die Skala exakt mit einem Stern zu justieren, aber auch noch hell genug, um die Dachrinne zu sehen). Nun kann ich die Skala tagsüber auch ohne Sonne anhand der Dachrinnen-Ecke justieren.

So wurde dieses Experiment trotz der vielen Fehlschläge am Ende ein Erfolg!


Vorläufiges Fazit:

• Schmutzige Okulare stören am Tag gewaltig
• Sterne am Tag zu sehen ist eine echte Herausforderung und mit meinen Möglichkeiten vielleicht wirklich nicht machbar
• Einschätzen der möglichen Helligkeit bzw. Unauffälligkeit von Objekten braucht noch Training (ich hätte Jupiter bei Sonnenuntergang für wesentlich auffälliger gehalten); bei fortgeschrittener Dämmerung war Wega auffälliger und heller als erwartet
• meine Azimut-Skala ist schon recht ungenau, außerdem ist der Abstand vom Pfeil zur Skala sehr weit und das Ablesen schwierig, außerdem ist (nach Anbringen eines Ablesepfeils auf der dem Benutzer zugewandten Teleskopseite) immer irgendwie der Höhenfeststellgriff im Weg
• Justieren der Azimut-Skala mit der Sonne ist ein Problem, das aber evtl. durch mehr Übung mit der Projektionsmethode besser wird; Hilfe könnte auch ein Justieren mit dem Mond anstelle der Sonne bringen (den konnte ich heute an meinem Standort jedoch nicht anvisieren); eine weitere Möglichkeit ist es, nachts oder während der Dämmerung die Skala anhand eines Sterns zu justieren und den Azimutwert einer Landmarke, die auch tagsüber anpeilbar ist, zu notieren, um die Skala künftig damit justieren zu können
• die Höheneinstellung per Quadrant klappt recht genau, die Azimut-Einstellung im Grunde auch – sofern die Skala gut justiert werden konnte
• Angst vor der Sonne hemmt sehr
• während der Dämmerung macht die Sache wirklich Spaß

Fortsetzung folgt bestimmt.

Bis dahin herzliche Grüße und allseits brauchbaren Himmel und viele astronomische Erfolge

Sabine
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Sabine,

ehrlich gesagt, ich bin beeindruckt. Zuerst ist da der jetzt aufgehübschte Quadrant. Wenn ich das mit dem Aussehen meiner Bastellösungen vergleiche, da liegen Welten dazwischen.

Eine gute Lösung ist die Anbindung der Azimut Skala an irdische Geländemarken. Für meine parallaktischen Kleingeräte weiß ich auch für Stellplätze in meiner Umgebung welchen Baum oder welches Haus in der Ferne ich anpeilen muss, damit es fürs Einnorden (visuell!) reicht.

Das mit dem Scharfstellen ist ein echtes Problem. Da bildet man sich ein, hunderte Meter entfernte Bäume würden zum Fokusieren reichen und liegt am Stern dann doch knapp daneben. Zum Auffinden bei noch hellem Himmel reichen da 10tel mm Abweichung, und man sieht nichts.
Das Fernglas kann in der Dämmerung eine gute Hilfe zum Aufsuchen sein. Im Fernrohr wirst du die Sterne aber früher sehen, da durch die kleine AP das Licht des Himmelshintergrundes auf eine größere Fläche verteilt wird. So ist der Kontrast größer als im Fernglas.

Falls du dein Okular reinigen willst, sei bitte vorsichtig. Staub zuerst mit einem passenden Pinsel, z.B. so einer mit Blasebalg aus dem Fotohandel, entfernen. Dann kann man es mit Optical Wonder oder reinem Isopropanol probieren - aber vorsichtig und nicht mit wilder Wischerei. Solltest du das Okular auseinander schrauben wollen, solltest du sicher sein wann sich was löst. Da kann man manchmal böse Überraschungen erleben! Auf ein mal hast du einen Salat von Linsen und Distanzröhrchen auf dem Tisch liegen, das ist mir früher auch schon passiert, und dann geht das Puzzle los. Das ist nichts für die Nerven!

Ja, Beharrlichkeit, Ausdauer und Training führen zum Erfolg auch in der Astronomie. Du bist ein leuchtendes Vorbild.

Herzliche Astrogrüße Gerhard
 
Hallihallo!

Gestern Nacht hab ich es nochmal versucht und bin an M 81 natürlich (vorerst) gescheitert. Aber ich war auch nur noch halbherzig dabei, denn es war übelst kalt und ich wollte eigentlich nur wieder rein. Heute Vormittag bin ich nochmal an Wega gescheitert. Jupiter war zusammen mit der Sonne, Merkur und Venus hinterm Haus und Capella stand zu "zenitig" (dank meinem Quadranten weiß ich jetzt, dass höher als 69 Grad bauartbedingt nix mehr ohne Tricks geht :(). Was war mit Altair? Ich glaub, der war auch hinterm Haus. Spica hätte mir von der Helligkeit noch gefallen, die war aber unterm Horizont.

Das mit dem Scharfstellen hab ich im Moment so gelöst, dass ich den Okularauszug seit gestern Abend nicht mehr verändert hab. Ich plane, abzumessen, wie weit er für mein 20er Okular draußen sein sollte. Ja, das ist alles andere als eine genaue Scharf-Einstellung. Aber von der Genauigkeit her passt das gut zu dem, was ich hier insgesamt so treibe. :cool:

Das aus Deinem Munde... :D:y:

Eine gute Lösung ist die Anbindung der Azimut Skala an irdische Geländemarken. Für meine parallaktischen Kleingeräte weiß ich auch für Stellplätze in meiner Umgebung welchen Baum oder welches Haus in der Ferne ich anpeilen muss, damit es fürs Einnorden (visuell!) reicht.
Ja, ein paar weitere Geländemarken wären auch in meinem Fall nicht schlecht. Kann ich ja jetzt alles ausmessen! :D

Das mit dem Scharfstellen ist ein echtes Problem. Da bildet man sich ein, hunderte Meter entfernte Bäume würden zum Fokusieren reichen und liegt am Stern dann doch knapp daneben. Zum Auffinden bei noch hellem Himmel reichen da 10tel mm Abweichung, und man sieht nichts.
Das ist interessant. Dass schon so wenig zum Nichtsehen reicht, hätte ich nicht vermutet. Den Anspruch, Wega scharf zu sehen, hab ich ja gar nicht. Aber wenn der Grat zwischen sehen und nicht sehen so schmal ist...

Das Fernglas kann in der Dämmerung eine gute Hilfe zum Aufsuchen sein. Im Fernrohr wirst du die Sterne aber früher sehen, da durch die kleine AP das Licht des Himmelshintergrundes auf eine größere Fläche verteilt wird. So ist der Kontrast größer als im Fernglas.
Ah, das ist auch sehr interessant!

Falls du dein Okular reinigen willst, sei bitte vorsichtig. Staub zuerst mit einem passenden Pinsel, z.B. so einer mit Blasebalg aus dem Fotohandel, entfernen. Dann kann man es mit Optical Wonder oder reinem Isopropanol probieren - aber vorsichtig und nicht mit wilder Wischerei. Solltest du das Okular auseinander schrauben wollen, solltest du sicher sein wann sich was löst. Da kann man manchmal böse Überraschungen erleben! Auf ein mal hast du einen Salat von Linsen und Distanzröhrchen auf dem Tisch liegen, das ist mir früher auch schon passiert, und dann geht das Puzzle los. Das ist nichts für die Nerven!
Von reinigen wollen kann nicht die Rede sein... Ich hab schon mal von jemandem eine genauere Anleitung zu dem Thema verlinkt bekommen (damals, als wir das GRF-Thema hatten). Seitdem trau ich mich erst recht nicht daran. Keine Sorge, auseinanderbauen werd ich so schnell bestimmt nichts: weder irgendwas am Teleskop noch die Okulare. :eek:

So, und nun zu Dir, Hartmut.
Eine Ergänzung wäre noch eine robuste Wetterstation wie diese hier: http://www.amazon.de/dp/B082GGY671/
Danke für den Link! Ist echt ne hübsche Wetterstation!
Ich hab aber schon eine, und die ist fürs Astro-Wetter noch besser geeignet. Und genauer. Außerdem hat sie sogar eine Vorhersagefunktion, schau:

Astro-Wetterstation.jpg


Na, was meinst? ;) :LOL:

Viele Grüße an euch alle und bis demnächst
Sabine
 
Schmutzige Okulare stören am Tag gewaltig
Das stört auch nachts. Immer Sauber halten! Gerade wenn es um Deepsky geht, wo durch das viele Licht der Kontrast sehr klein geworden ist, sind dreckige Optiken ein Killer.

Zwei Grad Genauigkeit sind für die Methode sehr gut. Das Zeug ist tagsüber sehr blaß. Helles Hellblau auf Hellblau. Schleierwolken sind für sowas Gift. Die reduzieren nochmal den ohnehin schwachen Kontrast. Venus ist relativ gut zu erkennen. Der Rest geht schwer zu finden. Es gibt aber Leute, die sind da Meister drin. @komposer z.B. findet tagsüber Merkur mit seinem kleinen Kamerachip. Das finde ich selbst mit Goto schwierig. Der Planet ist auf dem Sensor, aber man sieht ihn fast nicht, weil der Kontrast so schwach ist. Das geht nur gut, wenn es völlig klar ist. Stahlblauer Himmel sozusagen.

Evtl. würde bei deinem Problem ein Okular mit maximalem Gesichtsfeld helfen. Bei 1 1/4" wird das ein 32mm Plössl sein. Es muss nicht teuer sein, aber ein ordentliches Plössl mit geschwärzten Linsenkanten usw. Was hast du im Moment für eins?

Grüße,
Joachim
 
Hallo Joachim,

Das stört auch nachts. Immer Sauber halten! Gerade wenn es um Deepsky geht, wo durch das viele Licht der Kontrast sehr klein geworden ist, sind dreckige Optiken ein Killer.
Das klingt logisch. Ich werd versuchen, mir das zu Herzen zu nehmen.

Zwei Grad Genauigkeit sind für die Methode sehr gut. Das Zeug ist tagsüber sehr blaß. Helles Hellblau auf Hellblau. Schleierwolken sind für sowas Gift. Die reduzieren nochmal den ohnehin schwachen Kontrast. Venus ist relativ gut zu erkennen. Der Rest geht schwer zu finden. Es gibt aber Leute, die sind da Meister drin. @komposer z.B. findet tagsüber Merkur mit seinem kleinen Kamerachip. Das finde ich selbst mit Goto schwierig. Der Planet ist auf dem Sensor, aber man sieht ihn fast nicht, weil der Kontrast so schwach ist. Das geht nur gut, wenn es völlig klar ist. Stahlblauer Himmel sozusagen.
Danke, damit weiß ich wieder ein Stückchen besser, was ich zu erwarten hab.

Evtl. würde bei deinem Problem ein Okular mit maximalem Gesichtsfeld helfen. Bei 1 1/4" wird das ein 32mm Plössl sein. Es muss nicht teuer sein, aber ein ordentliches Plössl mit geschwärzten Linsenkanten usw. Was hast du im Moment für eins?
Ähm, für dieses Taghimmel-Experiment hab ich mein größtes, das 20 mm benutzt. Was das jetzt für eine Art ist, kann ich nicht sagen. Es war beim Teleskop mit dabei, ist also nix Besonderes, irgend ein Standard-Okular. Ja, da kann ich jetzt genauso gut sagen: Ich hab ein schwarzes. Naja, Okularkunde hatte ich noch nicht. Hier mal ein Foto, das wird die Sache aber wahrscheinlich auch nicht klarer machen:

photo_2022-02-10_18-20-42.jpg

Auf jeden Fall ist es ein dreckiges Okular...
Bisher leistet es mir gute Dienste und ich vermute mal, dass ich auch mit einem besseren aufgrund meiner mangelnden Erfahrung (und dem nicht vorhandenen Wissen in Sachen Okularkunde) nicht wirklich einen Unterschied sehen würde.

Herzliche Grüße
Sabine
 
[…] Okular […] Bisher leistet es mir gute Dienste und ich vermute mal, dass ich auch mit einem besseren […] nicht wirklich einen Unterschied sehen würde.

Hallo Sabine,

dein 20mm Okular wird weiterhin gute Dienste leisten und dir alles zeigen, was es zu sehen gibt.

Meinen Vorrednern und mir geht es darum, ein zusätzliches Okular, für noch kleinere Vergrößerungen anzuschaffen. Kleine Vergrößerungen erleichtern die Orientierung am Himmel sowie das Suchen und Finden.

Das kann dann ein etwas süchtiger machendes und damit teueres sein (wenn schon, denn schon), wie ich es vorschlug, oder aber einfachere, die am Ende auch ihren Dienst tun, auch nicht mehr zeigen vom Himmel, nur halt mit etwas mehr „Tunnelblick“.

Das kann so etwas simples aus dem Gebrauchtmarkt sein, wie etwa das hier


Ich selbst hatte jahrelang für kleine Vergrößerungen in 1,25´´ ein No-Name-Plössl in 28mm für 30€ bis ich auf das erwähnte süchtig machende umstieg.

Mit einem solchen kleinen Zukauf erweiterst du deine Möglichkeiten.

Grüße, *entfernt*
 
Hallo Reinhold,

danke für die Aufklärung!
Ja, mit einem Okular, das noch weniger vergrößert als mein 20 mm, könnte ich einen größeren Himmelsausschnitt sehen. Das ist durchaus eine Überlegung wert. Ich lass es mir durch den Kopf gehen, auch wenn ich jetzt nicht gleich überstürzt meine Okularsammlung erweitern werde.

Vielen Dank und herzliche Grüße
Sabine
 
Hallo Sabine,

ich meine so eins in der Art.

Es gibt noch eins von Omegon für 10 Euro weniger. Damit hast du ca. 2,3° Gesichtsfeld und kommst auch mit 2,7mm an eine gesündere Austrittpupille für Deepsky. Mit dem 20er bis du noch <2mm. Das ist für Deepsky fast schon zu dunkel. Das Auge ist so ausgelegt, dass es bei 3mm die maximale Kontrastleistung bringt.

Du musst immer überlegen...dein Auge hat vermutlich so 5-7mm Pupillenöffnung beim Beobachten, je nach Umgebungslicht und Alter. Aber der Strahlenkegel aus dem Okular ist kleiner zwei mm. D.h. die Flächenhelligkeit des Himmels ist in deinem 20mm um den Faktor 10 niedriger als mit bloßem Auge. Schwache Objekte sind so schwer zu sehen und auch zu finden. Tagsüber ist es etwas anders. Da hat man bei Sonnenschein eine sehr kleine Pupillenöffnung, d.h. da kann man auch mit 2mm Austrittspupille gut beobachten. Aber tagsüber ist man als Astronom doch eher selten unterwegs.

Unter 1mm Austrittspupille wird es nachts normalerweise so dunkel im Okular, dass man nicht mehr Details wahrnehmen kann als bei kleineren Vergrößerungen. Klar, der Mond ist so hell, da kann man noch weiter runter. Aber dann ist der Strahlenkegel, der aus dem Okular kommt schon so klein, dass der dir jedes Schwebteilchen im Augapfel scharf abbildet, der Einblick wird hektisch und das Beobachten unkomfortabel.

Die Austrittspupille ist übrigens Austrittspupille = Objektivdurchmesser [mm] / Vergrößerung

Grüße,
Joachim
 
Hallo Sabine,

die hohe Genauigkeit deines Quadranten und das wahre Gesichtsfeld am Himmel bei Verwendung eines 20mm Okulares liegen in ähnlichen Größenordnungen. Das macht es dir ohne Not schwierig.

Ein erster Gedanke wäre, die dicke Schnur des Pendels durch eine dünne (selbstleuchtende?) zu ersetzen.

Für das Weitere, möchte ich das, was du am Himmel siehst, jetzt in Winkelgraden ausdrücken (das nennt sich „Wahres Gesichtsfeld) und nicht in Vergrößerungswerten ausdrücken.

Die Formel für das Wahre Gesichtsfeld lautet

  • Wahres Gesichttsfeld = 2 arctan [(Durchmesser der Okularfeldlende/2)/Brennweite des Teleskops]

Für kleine Winkel gibts die Näherungsformel, für Rechner ohne Tangensfunktion

  • Wahres Gesichtsfeld ~ (Durchmesser der Okularfeldblende/Brennweite des Teleskops) 180 / Pi

Die Feldblende deines 20mm Okulares (wenn man unten reinschaut, sieht man den Kreis, Blech, Loch …) schätze ich mal einfach auf 22mm. Schnell gerechnet ergibt das für dein Teleskop mit diesem Okular

  • ein Wahres Gesichtfeld von ungefähr 1,8Grad

Das könntest du jetzt nächtens in einem Sternfeld und mit Hilfe einer Sternkarte prüfen. Will sagen, du siehst gerade knapp mehr, als die Pendelschnur dick ist.

Eine dünnere Pendelschnur nehmen, wäre das eine. Das andere war die Sache mit dem Okular. Wenn du im Weiteren ein größeres Feld am Himmel sehen wolltest, bräuchtest du ein Okular, mit einer größeren Feldblende. Das ist die Logik! Denn in der Formel taucht die Brennweite des Okulares nicht auf!

Dein Teleskop hat eine 1,25´´ Okularaufnahme. Die üblichen Hülsen der Okulare haben innen eine möglichen Innendurchmesser von 28mm, das wäre auch die Grenze für die Feldblende. Schnell ausgerechnet, ungefähr 2,3Grad.

  • Dein Teleskop könnte dir maximal 2,3Grad des Himmels zeigen…

… wenn du das wolltest. Mehr geht nicht. Ein Okularhersteller für 1,25´´-Okulare kann nun nicht zaubern, die Grenze von 28mm gibt die Hülse vor. Das führt zur praktischen Untergrenze von ungefähr 24mm Okularbrennweite. Ein 30mm Okular zeigt den gleichen Himmelsausschnitt von 2,3Grad, nur halt kleiner. Ein 33mm Okular zeigt den gleichen Himmelsausschnitt von 2,3Grad, nur halt noch kleiner. Und so weiter, Und so weiter.

  • Zu den kleinen Vergrößerungen hin, kommt es auf den Himmelsausschnitt, das wahre Gesichtsfeld an. Das ist das wahre Beobachtungsmotiv

… warum man die kleine Vergrößerung und damit größere Okularbrennweite wählt. Nicht die Vergrößerung um der Vergrößerung willen.

Und wenn die Beobachtungsfreude nicht unter einem Tunnelblick leiden soll, ist es gut, sich Übersichtsokulare in 1,25´´ zu besorgen, die sich bei angenehmen Eigengesichtsfeld nicht zu weit von der ~24mm-Grenze entfernen. Ein 28mm in der optischen Bauart Plössl scheint mir in dieser Hinsicht preislich ein schöner Kompromiß.

Ich will dir nix verkaufen ;-) ich habe ja gelesen, dass ein Okular aktuell nicht auf deinem Einkaufszettel steht. Ich wollte nur noch mal die Hintergründe vertiefen und auf die Vorteile der Wahrnehmung großer Wahrer Gesichtsfelder hinzeigen.

Grüße, *entfernt*
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo ihr beiden,

vielen Dank für euere ausführlichen Hintergrund-Informationen.
Ich will jetzt nicht so tun, als hätte ich das alles komplett verstanden. Aber ein Stück weit schon. Wenn ich es mir noch ein paar Mal durchgelesen hab, wird es sicher noch besser werden. ;) An der Erklärung liegt es nicht. Und es ist auf jeden Fall gut, mal was über Austrittspupille und das Wahre Gesichtsfeld gehört zu haben.

Du musst immer überlegen...dein Auge hat vermutlich so 5-7mm Pupillenöffnung beim Beobachten, je nach Umgebungslicht und Alter. Aber der Strahlenkegel aus dem Okular ist kleiner zwei mm. D.h. die Flächenhelligkeit des Himmels ist in deinem 20mm um den Faktor 10 niedriger als mit bloßem Auge. Schwache Objekte sind so schwer zu sehen und auch zu finden
Deshalb wird das Bild auch immer dunkler, je kleiner das gewählte Okular ist, ja?

Aber dann ist der Strahlenkegel, der aus dem Okular kommt schon so klein, dass der dir jedes Schwebteilchen im Augapfel scharf abbildet, der Einblick wird hektisch und das Beobachten unkomfortabel.
Ähm, da kommt mir jetzt noch eine andere Frage. Als ich da am Tag durchs Okular in den Himmel schaute (welches außerdem nicht annähernd scharf gestellt war), sah ich alle möglichen undefinierbaren Strukturen und auch sowas wie Tröpfchen - obwohl Teleskop und Okular nicht beschlagen waren. Könnte das so ein ähnlicher Effekt gewesen sein? Dass ich da aufgrund des hellen Tageslichts das Innere meines Augapfels gesehen hab?? Scharf war da gar nichts, aber dass das alles Schmutzpartikel gewesen sind, kann ich mir auch nicht vorstellen.

Das könntest du jetzt nächtens in einem Sternfeld und mit Hilfe einer Sternkarte prüfen.
Also durch das 20 mm Okular anschauen und in einer Sternkarte nachschauen, wie groß in Grad der Bereich ist, den ich sehen kann? Vielleicht sogar zeichnen, dann könnte ich das später in Ruhe mit der Sternkarte abgleichen. Das klingt auf jeden Fall spannend!

Will sagen, du siehst gerade knapp mehr, als die Pendelschnur dick ist.
Das ist auch ein interessanter Gedanke.
Ich überlege sowieso schon, mir einen weiteren Quadranten zu basteln (davon kann man nie zuviele besitzen...). Das werd ich dann dabei berücksichtigen.

Dein Teleskop könnte dir maximal 2,3Grad des Himmels zeigen…
Ebenfalls sehr interessant!

Vielen Dank für die Mühe, die ihr euch da gemacht habt!

Herzliche Grüße und eine gute Zeit euch allen!
Sabine
 
Mach dir nichts draus, die hab ich schon seit ich denken kann.
Als ich mit ca. 10 Jahren ein Mikroskop bekam dachte ich, das wären Bakterien auf dem Objekt :ROFLMAO:
 
Guten Morgen!

Nachdem ich nun eine Nacht darüber geschlafen hab, hab ich mir das alles nochmal durchgelesen. Und hierzu noch eine Nachfrage:

… wenn du das wolltest. Mehr geht nicht. Ein Okularhersteller für 1,25´´-Okulare kann nun nicht zaubern, die Grenze von 28mm gibt die Hülse vor. Das führt zur praktischen Untergrenze von ungefähr 24mm Okularbrennweite. Ein 30mm Okular zeigt den gleichen Himmelsausschnitt von 2,3Grad, nur halt kleiner.
Dann wäre das größte sinnvolle Okular für mein Teleskop, das den größtmöglichen Himmelausschnitt mit der geringsten Vergrößerung darstellt, eines mit 28 mm. Die Brennweite von 24 mm entsteht dadurch, dass die Linse etwas kleiner ist, weil ja die Hülle noch drumrum ist. Hab ich das richtig verstanden?

Liebe Grüße
Sabine
 
Guten Morgen Sabine,

das hast du leider falsch verstanden. Welche Brennweite das Okular hat, wie viel es also mit dieser Optik vergrößert, hängt von der Konstruktion des Okulars ab, also welche Linsen in welchem Abstand zueinander verbaut sind. Der wirksame Durchmesser der ersten Linse des Okulars bestimmt "wieviel Himmel " maximal in dieses Okular passt. Bei einem optimalen 28mm Okular wird dieses Feld erreicht. Gute Okulare mit mehr Brennweite wie das 32mm, also weniger Vergrößerung, zeigen auch nicht mehr Himmel. Trotzdem kann die schwächere Vergrößerung bei flächigen Objekten, z.B. Orionnebel, Andromeda Galaxie etc. und dunklem Himmel sinnvoll sein. Das scheinbare Gesichtsfeld, die "Röhre" in die du schaust, ist dann halt kleiner. Viele "moderne" Sterngucker finden das schrecklich; ich benutze oft Okulare mit 40° scheinbarem Gesichtsfeld - altes aber gutes Zeug halt.

Das wahre Gesichtsfeld mit einem bestimmten Okular kannst du am besten bestimmen, indem du einen Stern durch das Gesichtsfeld laufen lässt. Du brauchst einen Stern im Süden und nahe am Himmeläquator. Beides zeigt dir dein Quadrant und Azimutkreis. Den lässt du mit Zenitprisma von rechts nach links durch das Gesichtsfeld laufen und misst die Zeit für den Durchlauf. 1° wahres Gesichtsfeld braucht 4 Minuten.

So, jetzt muss ich erst mal schauen, was auf der Sonne los ist.

CS Gerhard
 
Dann wäre das größte sinnvolle Okular für mein Teleskop, das den größtmöglichen Himmelausschnitt mit der geringsten Vergrößerung darstellt, eines mit 28 mm. Die Brennweite von 24 mm entsteht dadurch, dass die Linse etwas kleiner ist, weil ja die Hülle noch drumrum ist. Hab ich das richtig verstanden?
Nein, das sinnvollste ist das mit der größtmöglichen Feldblende. Das gibt es mit 24mm als Weitwinkelokular mit knapp 70° Gesichtsfeld und bei dir 2mm Austrittspupille oder als 32mm Plössl mit ca. 50° Gesichtsfeld und 2,7mm Austrittspupille. Alle Brennweiten dazwischen sind ein Kompromiss zwischen Austrittspupille und Gesichtsfeld. Je größer das Gesichtsfeld desto teurer sind die Teile in der Regel.

Da muss man keine Quantenphysik draus machen. Einfach die maximale Feldblende. Fürs Aufsuchen habe ich für meinem 5" f/7,8 Apo ein 40mm 2" Erfle Okular mit 55° Gesichtsfeld. Ist sicher nicht das Megaokular und verzeichnet gegen den Rand, aber es ist hell und für den Zweck tut es das. Ich habe mir mal ein Riesenbinokular aus zwei 8" Newtonteleskopen gebaut und daher hatte ich noch 2 davon.

Wenn du aber denkst, dass die Astrogeschichte für dich so wichtig geworden, dass du mit dem Gedanken spielst irgendwann sowieso ein besseres Teleskop zu kaufen, dann würde ich mir das Geld sparen und lieber da rein stecken. Ein guter 80mm Apo z.B. hat immer einen 2" Anschluss, der ein Übersichtsokular für 1 1/4" überflüssig macht.
 
Hallo ihr beiden,

na, da hab ich mal wieder danebengehauen. Vielen Dank für die Berichtigung!

Es ist mal wieder so, wie so oft in der Astronomie: Kaum glaubt man, was verstanden zu haben, ist es doch wieder irgendwie anders... Gut, dass ich euch habe! Wer weiß, wohin ich mich sonst schon verirrt hätte...

Das alles muss ich mir nun auch noch mal in Ruhe durchlesen.

Dankeschön!

Wenn du aber denkst, dass die Astrogeschichte für dich so wichtig geworden, dass du mit dem Gedanken spielst irgendwann sowieso ein besseres Teleskop zu kaufen, dann würde ich mir das Geld sparen und lieber da rein stecken. Ein guter 80mm Apo z.B. hat immer einen 2" Anschluss, der ein Übersichtsokular für 1 1/4" überflüssig macht.
Das klingt vernünftig. Ein neues Teleskop... Ausschließen will ich das nicht. Aber ihr wisst ja schon: solange es noch soviel gibt, das ich mit meinem jetzigen noch sehen und lernen kann, bleib ich meinem erst mal treu.
Und sollte der Zeitpunkt fürs Aufrüsten kommen, nun ja, dann wird das für uns alle hier nochmal hart... ;)

Liebe Grüße und danke!
Sabine
 
Hallo Sabine, Hallo Freunde

Die Feldblende deines 20mm Okulares (wenn man unten reinschaut, sieht man den Kreis, Blech, Loch …) schätze ich mal einfach auf 22mm.
Schön währe es ja aber es ist nicht so. Das 20mm Beilageokular von Celestron hat nur einen Sichtwinkel von ca. 50° und damit eine Feldblende von ca. 17,3-17,5mm und nicht 22mm. Das wahre Gesichtsfeld beträgt also nur recht magere 1,43 Grad (ca. 2,5 Monddurchmesser).

Es empfiehlt sich also tatsächlich ein anderes Okular zu beschaffen. Und ja, alle 1 1/4" Okulare sind bis auf 2-3 Ausnahmen auf eine Feldblende von 27mm beschränkt.

Die einfachste Formel für die Berechnung des wahren Gesichtsfeld lautet immer noch 57,3 X Feldblendendurchmesser / Teleskopbrennweite.
Daraus errechnet sich hier das wahre Feld aus 57,3 X 27 / 700 =2,21°

Der preisgünstigste Weg ist hier tatsächlich ein 32er Plössl. So etwas kriegt man gebraucht ab etwa 25€.
Eine der ganz wenigen Ausnahmen sind die 31/36mm Hyperion aspheric Okulare, die erfassen einen Bildkreis von bis zu 30mm. Die dürften aber hier für den Zweck zu teuer sein.

Und ja , es macht schon einen deutlichen Unterschied ob man beim Aufsuchen nur ein Feld von 1,43° zur Verfügung hat oder ein deutlich größeres mit 2,2° ( 4 Monddurchmesser).

Gruß Peter
 
Hallo Sabine,

nur zur Einordnung.

  • Es gibt das Wahre Gesichtsfeld, das ist der Himmelsausschnitt.
  • Es gibt das Scheinbare Gesichtsfeld, das ist eine optische Okulareigenschaft. Auch Eigengesichtsfeld genannt.

Hier ist ein schönes Foto dazu:


Der Vogel ist in beiden Fällen gleich groß, als die gleiche Vergrößerung, also in beiden Fällen hat das jeweilige Okular die gleiche Brennweite.
Beim unteren Okular sieht man mehr „drumherum“.

Das untere Okular hat eine aufwändigere Konstruktion und ist daher teurer als das obere, wohlgemerkt, bei gleicher Brennweite, und damit gleicher Vergrößerung.

Wieviel „Drumherum“ nun gut oder schlecht ist, ist eine höchst persönliche geschmackliche Frage. Hier in deinem Fall, maximaler Himmelsausschnit, könnte man sich an allgemeine Weisheiten anlehnen und sagen, dass zwischen 65Grad und 70Grad von den meisten als angenehm empfunden wird und mit dem durchschnittlichen Wahrnehmungsempfinden („Überblick“) des menschlichen Auges harmoniert.

Derartige Okulare mit 65-70Grad Eigengesichtsfeld in 1,25“ und für maximalen Himmelsauschnitt haben ungefähr 24mm Brennweite und beginnen irgendwo bei 150€. Ich habe deine Lernkurve und Ambitionen berücksichtigt und bin mit dem Gedanken mit dem nächstbesseren und günstigeren ungefähr 28mm Brennweite in Plössl Bauart neu angetreten. Mit etwas Umschau gibts die gebraucht fürn Appel und nen Ei.

Der Rat müsste eigentlich lauten, im Ladengeschäft die verschiedenen Modelle anschauen. In deinem Fall des maximalen Himmelsauschnittes ist es so, dass die Feldblende das Limit setzt, die Hersteller nicht zaubern können, die Bauart Plössl ausgreift ist und auch nicht mehr rausholen kann, selbst die Bauart Erfle kann nicht mehr Himmelsauschnitt rausholen.

Sprich, jedes Plössl mit kleinstmöglicher Brennweite mit größtmöglicher Feldblende taugt für deine Zwecke.

Das Optimum dürfte bei 28mm Brennweite in 1,25“ liegen, 32mm gehen auch, aber da geht das „Ofenrohrsehen“ schon langsam los.

Wie gesagt, alle drei genannten Versionen zeigen den gleichen Himmelsausschnitt … wegen des Limits der Feldblende … und da mit steigender Brennweite die Vergrößerung kleiner wird … der Himmelsauschnitt immer noch der gleiche ist … wird der eben kleiner … und da die Umgebung wegen der limitierenden Feldblende unsichtbar bleibt … könnte man den Eindruck gewinnen, man schaute durch ein Ofenrohr … bei 32mm ist es vielleicht noch nicht so schlimm, aber bei 40mm gehts schon richtig los … aber auch das eine Geschmacksfrage … manche mögen das, man könne sich auf das Wesentliche konzentrieren …

An der Stelle alles nur eine Geld-versus-Komfort-Frage. Daher brauchts in diesem Fall keinen Besuch im Ladengeschäft. Ein 20€ Investment in Gebraucht bringt niemanden um.

Grüße, *entfernt*
 
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Nachtrag:

Als Alternative zu einem 32er Plössel bietet sich ein 24mm Hyperion an. Es erfasst auch den für 1 1/4" größten Bildkreis aber bei 68° Sichtwinkel anstatt 50°.
Es ist aber bereits deutlich teurer aber im vergleich zu anderen Okularen noch erträglich teuer.
Ein 26er oder 28er Plössel schränkt das Gesichtsfeld bereits wieder ein wenig ein. Hier käme ein Explore Scientific 62° LER Okular 26mm in Frage.

Aber man merkt schon je länger die Okularbrenweite desto kleiner der Sichtwinkel / scheinbare Gesichtfeld.

Gruß Peter
 
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