Hallo Leute,
gleich vorneweg: Ich finde das alles momentan OBERHAMMERSPANNEND! Astronomie mal andersrum sozusagen.
vor einiger Zeit hatte ich hier schon mal meinen Low Budget Sonnensucher vorgestellt. 2 Schrauben an den Rohrschellen des Lichtenknecker 70/1000 werfen Schatten. Wenn diese auf einer Projektionsfläche, ich benutze einfach meine Hand, zusammenfallen, ist alles palleti. Auf dem Bild sieht man, dass ich noch knapp daneben bin. Mit diesem Aufbau lässt sich die Sonne immer zuverlässig und ohne irgendwelches Risiko für Mensch oder Gerät einstellen.
Das könntest du allerdings gänzlich vermeiden, indem du aus Kartonpapier einen eigenen Sonnensucher herstellst und den gezielt um einen definierten Betrag versetzt. Beispielsweise 10Grad. Den Wert berücksichtigst du einfach als einen Delta-Wert bei der Einstellung der Suchkoordinaten.
Vielen Dank für euere Tipps zum Thema Sonnensucher!
Meinen Quadranten hab ich inzwischen weiter beskalt:
Nun berichte ich euch von meinem heutigen Experiment in Sachen Sterne am Tag mit meinem "Quadranten-Goto":
Bei uns schien heute Nachmittag die Sonne von einem wolkenlosen, aber (durch Cirren?) eher weißlichen als tiefblauen Himmel. U. a. motiviert durch die eher zweifelnden Worte unseres "Captains" ...
D.h. es spricht theoretisch nix dagegen, aber um unnötigen Frust zu vermeiden erlaube ich mir noch ein paar Anmerkungen: Mit deinem Equipment ist es trotz allem sportlich.
... trug ich um etwa 15.00 Uhr mein Teleskop auf den Balkon, um die Sache auszuprobieren. Doch schon das Justieren der Azimut-Skala per Sonnenprojektion brachte die erste Ernüchterung. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig mache. Denn als der Schattenkreis des Suchers exakt aussah, sah ich keinen hellen Sonnenfleck in dessen Mitte. Und als die Projektion der Sonne auf dem Papier einigermaßen rund aussah, war der Schattenkreis verzogen. Ich hab mich schließlich nach der Einstellung gerichtet, in der die Sonne in etwa rund abgebildet war. Bin mir aber bis jetzt nicht sicher, ob das richtig war.
Aufgrund dieser Azimut-Skaleneinstellung hab ich dann Wega nach ihren Koordinaten gesucht – und natürlich nicht gefunden. Auch dann nicht, als ich vorsichtig das Teleskop noch ein wenig in alle Richtungen über diese Himmelsregion bewegte.
Das „nichts erkennen“ hatte aber auch noch einen anderen Grund. Bei Tageslicht stört der Schmutz auf dem Okular (das ich noch nie wirklich gereinigt hab) immens! Nachts hat mich das noch nie wirklich gestört, aber bei Tag kann man es so kaum benutzen.
Ein weiteres Erschwernis, das ich nicht einkalkuliert hatte, war die Tatsache, dass ich den Okularauszug ganz nach innen gefahren hatte und das Bild dadurch nicht scharf war. Ich konnte das Teleskop natürlich auch nicht anhand eines Sterns oder so scharf stellen. Deshalb nahm ein entferntes Haus ins Visier und stellte das scharf. Aber ob das dann für Wega auch nur annähernd brauchbar war, weiß ich nicht.
Vorsichtig wegen der Sonne suchte ich noch ein wenig am Himmel herum, um vielleicht doch noch irgendein Sternchen zu entdecken. Aber Fehlanzeige. Auch mit dem 10 x 50 Fernglas hatte ich keinen Erfolg. Das ernüchterte mich schon etwas. Wenngleich ich auch noch nicht aufgeben will. Mein Ehrgeiz ist da jetzt schon geweckt. Und die Geschichte ging noch weiter.
Als um ca. 16.45 Uhr die Sonne gerade hinter den Bäumen am Horizont unterging, fiel mir Jupiter wieder ein. Der Himmel war leicht dämmrig, aber noch sehr hell. Mit bloßen Augen konnte ich Jupiter nicht sehen.
Da ich das Teleskop inzwischen bewegt hatte, musste ich die Azimut-Skala erneut justieren. Leider war mit der Projektionsmethode nichts mehr zu machen, weil die Sonne schon zu schwach war. Die Tatsache, dass sie schon so schwach war, ließ es mich wagen, sie hinter den Baumgerippen direkt mit dem Leuchtpunktsucher anzupeilen.
Ich stellte das Teleskop per Quadrant und Azimut-Skala auf Jupiters Koordinaten laut Stellarium ein und erntete wieder einen Fehlschlag. Kein Jupiter war im Bild. Als ich den Himmel mit dem Teleskop in der Umgebung nach ihm absuchte, huschte einmal ein unscheinbares winziges Lichtpünktchen durchs Bild. Das war wahrscheinlich Jupiter. Ich versuchte, ihn wiederzufinden, fand ihn aber nicht. Vielleicht wäre das mit einem sauberen Okular anders gelaufen. Aber ich hatte ihn auch deutlich auffälliger eingeschätzt gehabt als dieses kleine Pünktchen, das da kurz durch das Bild gehuscht war.
Auch jetzt brachte ein Versuch, Jupiter mit dem Fernglas zu sichten, ebenfalls wieder keinen Erfolg. Mit Wega versuchte ich es nun gar nicht erst.
So. Glaubt nicht, dass die Geschichte jetzt zu Ende wäre. Es wurde dunkler und kühler. Deshalb ging ich zum Aufwärmen (und um den armen hungernden Kater zu füttern) für ein Weilchen ins Haus.
Kurz vor 18.00 Uhr war ich wieder draußen bei meinem Teleskop. Es war inzwischen schon sehr düster geworden. Jupiter konnte ich aber immer noch nicht mit bloßem Auge erkennen. Zu Beginn konnte ich meine Azimut-Skala noch ganz gut sehen, aber im Verlauf musste ich mir die Rotlichtlampe dafür holen.
Das „Quadranten-Goto“ war noch justiert und ich stellte es auf Jupiters Koordinaten ein. Wieder war der Planet nicht sofort im Bild, aber nach einer kleinen Ruckelbewegung hatte ich ihn! Ich überprüfte seine Werte und verglich sie mit denen, die er laut Stellarium haben sollte, und war erstaunt:
Mein Jupiter in vivo stand bei etwa Az/Alt 242/12,5 Grad (mit Quadrant und Azimutskala gemessen), laut Stellarium sollte er bei 240/12,0 Grad sein!
Ich schaltete den Leuchtpunktsucher ein und schaute mir den Himmel an der Stelle, auf die er wies, genau an. Nein, Jupiter war dort wirklich nicht bloßäugig zu sehen.
Angefacht durch diesen Erfolg versuchte ich es noch einmal mit Wega, die ich natürlich mit bloßen Augen auch noch nicht sehen konnte. Ich stellte ihre Koordinaten mit meinem Teleskop ein. Auch sie war nicht sofort im Bild. Aber auch hier bedurfte es nur einer kleinen Korrekturbewegung, und schon strahlte sie mich im Okular hell glänzend an!
Also: Astronomie am Tag ist für mich momentan noch eher frustrierend. Aber Astronomie während der Dämmerung finde ich absolut toll! Denn mit Hilfe meines „Gotos“ konnte ich Jupiter und Wega aufspüren, obwohl sie noch nicht sichtbar waren. Anhand von den beiden konnte ich meinen Quadranten und auch die Justierung meiner Azimut-Skala überprüfen – und für durchaus brauchbar befinden. Ich konnte auch den Azimutwert der Ecke meiner Dachrinne am Haus bestimmen (es war dunkel genug, um die Skala exakt mit einem Stern zu justieren, aber auch noch hell genug, um die Dachrinne zu sehen). Nun kann ich die Skala tagsüber auch ohne Sonne anhand der Dachrinnen-Ecke justieren.
So wurde dieses Experiment trotz der vielen Fehlschläge am Ende ein Erfolg!
Vorläufiges Fazit:
• Schmutzige Okulare stören am Tag gewaltig
• Sterne am Tag zu sehen ist eine echte Herausforderung und mit meinen Möglichkeiten vielleicht wirklich nicht machbar
• Einschätzen der möglichen Helligkeit bzw. Unauffälligkeit von Objekten braucht noch Training (ich hätte Jupiter bei Sonnenuntergang für wesentlich auffälliger gehalten); bei fortgeschrittener Dämmerung war Wega auffälliger und heller als erwartet
• meine Azimut-Skala ist schon recht ungenau, außerdem ist der Abstand vom Pfeil zur Skala sehr weit und das Ablesen schwierig, außerdem ist (nach Anbringen eines Ablesepfeils auf der dem Benutzer zugewandten Teleskopseite) immer irgendwie der Höhenfeststellgriff im Weg
• Justieren der Azimut-Skala mit der Sonne ist ein Problem, das aber evtl. durch mehr Übung mit der Projektionsmethode besser wird; Hilfe könnte auch ein Justieren mit dem Mond anstelle der Sonne bringen (den konnte ich heute an meinem Standort jedoch nicht anvisieren); eine weitere Möglichkeit ist es, nachts oder während der Dämmerung die Skala anhand eines Sterns zu justieren und den Azimutwert einer Landmarke, die auch tagsüber anpeilbar ist, zu notieren, um die Skala künftig damit justieren zu können
• die Höheneinstellung per Quadrant klappt recht genau, die Azimut-Einstellung im Grunde auch – sofern die Skala gut justiert werden konnte
• Angst vor der Sonne hemmt sehr
• während der Dämmerung macht die Sache wirklich Spaß
Fortsetzung folgt bestimmt.
Bis dahin herzliche Grüße und allseits brauchbaren Himmel und viele astronomische Erfolge
Sabine