Hallo zusammen,
ich als noch recht frischer Einsteiger in die Astrofotografie möchte hier auch mal meinen Senf bzw. meine Erfahrung, wie es seinerzeit bei mir war dazugeben:
Das erste Teleskop bekam ich mit 8-9 von meinem Vater geschenkt, als ich mit einer Lungenentzügnung ans Bett gefesselt war und er mich etwas aufmuntern wollte. Es war ein Bresser Linsenteleskop, das weiß ich noch, der Rest der Daten ist weg :-( Aber meine Neugier für das Universum war geweckt und dadurch den Mond zu betrachten, war damals für mich als kleiner Junge einfach das Größte. Damals interessierte ich mich schon viel für Dokus und Universumsbilder und war begeistern von den farbenfrohen Aufnahmen. "GENAU SO ETWAS WILL ICH SELBST SEHEN!" Ging es mir damals immer durch den Kopf.
Etwas später, ich schätze so mit 12-13 stand bei uns damals im Karstadt (welches mitlerweile sogar abgerissen ist) ein Bresser 114/1000 auf einer eher plastikartig wirkenden EQ 1 oder was das ist...Ich dachte mir "damit muss man Farben sehen können" und belaberte meine Eltern so lange, bis ich das Teleskop schließlich zu Weihnachten bekam.

Auf jeden Fall konnte ich damit schon etwas mehr sehen, aber leider wackelte das Teil einfach nur schrecklich hin und her wenn man es fokussieren wollte oder auch nur schief anschaute. In meinem Jugendlichen Drang, alles "optimieren" zu wollen, versuchte ich es zu Justieren und habe es dabei wohl einfach verstellt. Auf jeden Fall war ich seinerzeit (mit Sternenkarte, Rotlichlampe und ihne die technischen Hilfsmittel von heute) nicht in der Lage auch nur annähernd etwas Farbenfrohes zu erkennen. Ich versuchte immer wieder M42 zu erkennen, konnte aber nicht zwischen tatsächlichem Nebel, einem Staubkorn auf dem Spiegel oder einer Fehlabbilduing durch die maßlos schlechte Justage unterschieden. Das steigerte damals meinen Frust schon sehr und ich stellte als kleiner Junge für mich fest: "da muss noch was größeres und mal etwas richtiges her"
Mit 18 kaufte ich dann eine gebrauchte Bresser Mon2, die war zwar etwas stabiler- änderte aber nichts an der bescheidenen Justage und den Bildern, die auch so ja nur grau in grau blieben. Leider wusste ich seinerzeit NICHT, dass man bei der visuellen Beobachtung keine Farben erkennt. So blieb viele Jahre das Teleskop unangetastet auf dem Dachboden stehen und immer wieder, wenn ich es ansah, kam in mir der Gedanke auf "irgendwann, wenn du mal Geld über hast, holst Du dir was "Richtiges" (Ich dachte halt, irgendwann kommt die Größe des Teleskopes, mit der die Farben Einzug erhalten)
Zur Coronazeit war es dann soweit. Durch irgendetwas getriggert, kam ich auf den Gedanken mit dem Teleskop- erst sollte es nur ein neuer Newton werden. Aber da ich mitlerweile älter geworden war (heute 36) stellte ich vorher einige Forschungen an, in Foren und dem Internet, was nun sinnvoll ist zu kaufen.
Schnell stellte sich heraus- nur das Teleskop bringt nix, wenn der Unterbau wackelt. Also geschaut was ein Set kostet. Hier merkte ich, DAS Teleskop welches ich haben wollte, gibts nicht mit einer Monti die mir zusagt. Also weitergeschaut und bisschen an Sets orientiert. Dabei schnell gemerkt " naja wenn du Geld in die Hand nimmst, nimm halt gleich eine Monti mit GoTo, du hast damals ja auch keine Sterne gefunden"
Also kam ich von nur Teleskop über güstigem Set nun zu GoTo Monti mit schon nicht schlechtem Einstiegs- Spiegelteleskop (TS- Photon 200/f4)
Also weiter gestöbert und dann gelernt "visuell mit Farben wird das nix".
Also schlau gemacht wie ich meine Canon 5dMK2 an das Teleskop flanschen kann.
Wieder schlau gemacht und die ersten Youtube Videos von Frank und Daniel gesehen und abermals gelernt " mit ner DSLR geht das, aber ist etwas herausfordernder weil keine stabile Kühlung usw.
Also war ich nun bei einer Astrokam angelangt. Es sollte die Asi 294 werden. Die wurd also gekauft. Den Beitrag im Astroshop mit der Warnung, die Kamera würde bei Dual-Narrowband Probleme machen, habe ich zwar gesehen, aber "hey"- keine Ahnung was Dual Narrowband ist- brauch ich nicht....
Während ich auf die wartete Videos zu den Dual- Narrowband Filtern gesehen und- oh schreck- das will ich ja doch haben...
Also Kamera umgetauscht... bisschen tiefer in die Tasche gegriffen und ne Asi 2600MC-Pro genommen. (Langsam ging das dann ins Geld :-D )
Teleskop, Monti (eine CGEM2), eingies Kleingerödel wie AsiAir, Sucherfernrohr Guidecam und eine Aso2600 standen also bei mir. Ich war mächtig stolz, konnte auch schon echt viel sehen- aber! DER GUIDEGRAPH

war irgendwo bei Suppe und Kartoffeln. :-( und irgendwie "Klingt" die Monti auch arg ungesund...
Abermals schlau gemach und festgestellt- ohne Tuning der Monti wird das nix.
Monti zu CG5 und mir gedaht "nächste Woche wird das was mit Beobachten"
Doch - oh Schreck abermals- Schneckenwelle krumm und keine Ersatzteile, das dauert.
...Und dauert...
...und dauert...
mitlerweile waren - ich glaub es waren 11- Monate ins Land gegangen ohne eine Monti und ich dachte mir schlussendlich"[zensiert] up- holste ne neue Monti!"
Also wurd ne CEM70G gekauft ?
So kam ich in etwas über 1,5 Jahren fast in die Privatinsolvens- aber ich hatte mitlerweile was ich wollte

(ganz so schlimm ist es zum Glück nicht)
Lacerta Fotonewton 200/0f4
CEM70
Asi 2600MC-Pro
AsiAir (mitlerweile ist die auf der Redcat und am Newton hängt ein Nuc mit Nina drauf)
Guidescope
und ein ganzer Keller voll Zubehör und Kleinkram
Lange Rede, kurzer Sinn:
Als Kind ist man begeistert von den farbenfrohen Aufnahmen und denkt sich "DAS will ich sehen"- aber mein weiß in seiner kindlichen Unwissenheit nicht, dass das eben leider nicht geht mit solchen Teleskopen.
So kauft man es, oder man lässt sich so etwas schenken. Die einen werde es als Einstig in ein tolles Hobby sehen und lassen sich nicht abscrecken von dem vielen Grau - in Grau, und eingie werden enttäuscht sein, dass sie nun (in Relation zur Körpergröße) so ein tolles, teures und großes Teleskop haben und nur "so wenig" sehen und das Hobby wird beiseitegeschoben.
Ich glaube es fehlt viel an Aufklärungsarbeit, was genau mit so einem Teleskop geht. Das ist auch gar nicht böse gegen die Eltern, welche ja in dem Alter, in welche sich die Zielgruppe befindet, noch die ersten Ansprechpartner sein dürften- einfach weil die es häufig ja auch nicht wissen. (Wenn nicht grad der Papa oder die Mama auch Astronmioe betreiben und es eben wissen) Fachpersonal wird es glaub ich im Aldi auch nicht so recht geben :-(
Das Teleskop wird wohl als Einsteig nicht schlecht sein, mal abgesehen von den günstigen Plastikzubehörzeilen, aber für DAS, was viele Kinder möchten, ist es eben leider das Falsche. Das ist meiner Meinung nach der Grund, warum eben diese "Kaufhausteleskope" leicht verpöhnt sind. Und wenn die Eltern bzw. die Kinder wussten, dass, wenn sie Farben sehen wollen, es doch leider etwas teuerer wird, sind glaube ich viele abgeschreckt.
Gruß
Patrick