Inzwischen habe ich etwas mehr Erfahrung mit dem TOE 5,5 mm, insbesondere bei der Beobachtung des Jupiters. Gleichzeitig habe ich mir kürzlich auch ein schon länger in der Community etabliertes TOE 4 mm zugelegt. Auf Cloudy Nights gibt es einzelne Kommentare, in denen die "alten TOEs" den "neuen TOEs" optisch vorgezogen werden. Ich war auch auf den Vergleich gespannt und möchte nun ein paar wie immer subjektive Eindrücke teilen.
(Siehe
Cloudy Nights: "I got the impression that the new TOE-58s are a little less contrasty and sharp than the old TOE-52s. However, they still look a little better in the center of the field of view than the Pentax XW … . I believe that the old TOE-52s are on the same level as the 4-lens orthoscopes, while the new TOE-58s are between the XW and the orthoscopes.")
Motivation für das TOE 4 mm
Wie in einem anderen Thread erwähnt, habe ich mir kürzlich die Astrothingy-Nachführung für meinen 10-Zoll-Galaxy-Dobson (1250 mm, f/5) zugelegt. Dadurch ist auch bei hoher Vergrößerung eine entspannte Beobachtung möglich. Deshalb kam mir die Idee, die bisherigen Brennweiten bis maximal 5 mm um eine höhere Vergrößerung zu ergänzen. Zur Auswahl standen das TOE 4 mm, da ich bereits positive Erfahrungen mit dem TOE 5,5 mm gemacht habe, und das Pentax XW 3,5 mm, da ich die XW-Reihe ebenfalls sehr gerne nutze. Am Ende hat sich das TOE 4 mm aufgrund seiner Kompaktheit durchgesetzt, weniger aufgrund einer potenziellen optischen Überlegenheit. Das Pentax XW 3,5 mm ist noch länger als die 5-mm-Brennweite und hätte keinen Platz mehr im bisherigen Okularkoffer gefunden. Wegen eines Okulars will ich keinen neuen Okularkoffer kaufen.
Haptikvergleich TOE 4 mm und 5,5 mm
Im direkten Vergleich wurde mir klar, woher die unterschiedlichen Kommentare auf Cloudy Nights stammen könnten. Nebeneinanderliegend sind deutliche Unterschiede zu erkennen, und zwar nicht nur in der Farbe der Beschriftung (weiß gegenüber bronzefarben). Auch die Schriftart ist erkennbar anders: Beim 5,5-mm-Okular ist sie teilweise kursiv. Deutlich erkennbar sind auch die Unterschiede in der Okularhöhe und in der Breite der Riffelung (siehe Bilder). Vielleicht ist „TOE” hier eher aufgrund der internen Ähnlichkeit beim Linsenaufbau angebracht. Von außen betrachtet könnten es auch zwei unterschiedliche Okularreihen sein.
Weitere kleine Unterschiede sind:
- Das TOE 4 mm passt aufgrund seiner geringen Höhe in ein 45 mm Drehpack 60 mm–80 mm. Aufgrund seiner Höhe passt das TOE 5,5 mm nicht mehr hinein. Leider gibt es das 45-mm-Drehpack kaum in der Höhe 80–120 mm. Deshalb muss das TOE 5,5 mm nun in einem 50-mm-Drehpack aufbewahrt werden.
- Die Augenlinse des 5,5-mm-Modells ist deutlich größer als die des 4-mm-Modells. Interessanterweise ist die Farbe der Lichtreflexe unterschiedlich. Beim TOE 5,5 mm sind alle Reflexe grün, beim TOE 4 mm gibt es grüne und gelb-braune Reflexe.
- Die Steckhülse des 5,5-mm-Modells glänzt matt. Im Gegensatz dazu ist die Steckhülse des 4-mm-Modells normal glänzend, wie man es typischerweise auch von den Okularen anderer Marken kennt. Die Steckhülse des 4-mm-Modells ist innen vollständig geschwärzt. Beim 5,5-mm-Modell erfolgt die Schwärzung erst nach einigen Millimetern.
Optische Anmerkungen
Ich möchte den Begriff "Vergleich" hier bewusst vermeiden, da sich die Brennweiten 5,5 mm und 4 mm, die bei mir am Teleskop 227-fach bzw. 312-fach vergrößern, stark voneinander unterscheiden. Deshalb hier nur einige Anmerkungen:
- Die Unterschiede im scheinbaren Gesichtsfeld (52° bei 4 mm, 58° bei 5,5 mm) sind zwar sichtbar, aber für mich kaum auffällig. Beide Okulare bieten ein gutes Plössl-Gesichtsfeld. Dagegen ist mir der Unterschied im Augenabstand (10 mm bei 4 mm und 15 mm bei 5,5 mm) direkt aufgefallen, auch ohne Angabe im Datenblatt. Ich beobachte zwar stets ohne Brille, finde den Augenabstand beim 5,5-mm-Okular aber deutlich entspannter. Er erreicht aber natürlich nicht den Augenabstand meines Pentax XW 5 mm.
- Beim Hauptbeobachtungsobjekt Jupiter sehe ich mit dem 4-mm-Okular keinerlei Reflexe. Bisher hatte ich immer gedacht, dass das Pentax XW 5 mm keine Reflexe zeigt. Beim hellen Jupiter musste ich jedoch feststellen, dass ein schwacher Reflex im Gesichtsfeld vorhanden ist, der allerdings deutlich geringer ausfällt als beim Nikon NAV 5 mm. Das 5,5-mm-Okular liegt irgendwo dazwischen, d. h., mit Mühe ist ein schwacher Reflex sichtbar. Das kann natürlich auch an der Austrittspupille liegen, da Jupiter im 4-mm-Okular dunkler ist. Trotzdem ist im 4 mm noch genug Licht vorhanden, um Jupiter mit einem leichten Blaufilter (Baader Hellblau Wratten 80 A) beobachten zu können.
- Auch wenn Jupiter im 4 mm gut kommt, muss ich sagen, dass ich bei meinen bisherigen, nicht perfekten Beobachtungsnächten im 4 mm nicht wirklich mehr sehe als im TOE 5,5 mm. Natürlich ist Jupiter größer, aber die Details in den Wolkenbändern werden nicht besser. Vermutlich braucht man eine perfekte Nacht, um im TOE 4 mm wirklich mehr zu sehen. Ähnlich verhält es sich im Übrigen auch beim Vergleich des Pentax XW 5 mm mit dem TOE 5,5 mm. Ich hatte bei der Beobachtung von Jupiter bisher eine Nacht, in der ich dem TOE einen erkennbaren Mehrwert gegenüber dem Pentax bescheinigen würde. An normalen Abenden liegen die beiden Okulare gleichauf, wobei das Pentax XW mit dem besseren Einblick und dem größeren Gesichtsfeld glänzen kann.
Fazit
Auch wenn das in den letzten Kommentaren nicht so wirkt, bin ich mit dem TOE 4 mm sehr zufrieden. Ich schätze insbesondere die Kompaktheit des Okulars ohne Einbußen bei der optischen Leistung (ich mag auch meine kompakten Nagler 16 mm T5 und 11 mm T6). Trotzdem sehe ich die TOE-Reihe als Spezialisten für Planeten und klare Nächte. Im Normalfall nutze ich bei gleicher Brennweite eher das Pentax XW. Da sich die großen Pentax XW und die kleinen TOEs aber problemlos in einen Okularkoffer unterbringen lassen, werden wohl beide Reihen bei mir bleiben.