Endlich Waffengleichheit BXT jetzt auch für Siril

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K.Bahr

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Moin!
Den originalen BlurXTerminator (BXT) von RC-Astro gibt es jetzt ja auch für Siril.
Nach meinen ersten Versuchen mit der Trial-Version muss ich sagen:
Ich habe ja so ziemlich alle alternativen Deconvolution-Tools ausprobiert,
aber der BXT ist schon ein ganz anderes Kaliber.

BXT for SIRIL.jpg


Trotz der guten Ergebnisse habe ich irgendwie das Gefühl,
zu cheaten. Gerade die Detailauflösung hat mir in den letzten Monaten
in Norddeutschland wegen der schlechten Seeing-Bedingungen von rund 3"
immer wieder Probleme gemacht. Das jetzt einfach über eine Software zu
kompensieren, fühlt sich irgendwie komisch an.
Dennoch, schön das die Tools nicht mehr exklusiv nur für Pixinsight
verfügbar sind.

Grüße und CS
Karsten
 
Hallo Karsten,

obwohl doch sehr viele in der Vergangenheit darüber geklagt haben, das es den BXT nur für PixInsight gibt, ist es doch nun erstaunlich ruhig wegen des aktuellen Themas hier im Forum.
Trotz der guten Ergebnisse habe ich irgendwie das Gefühl,
zu cheaten. Gerade die Detailauflösung hat mir in den letzten Monaten
in Norddeutschland wegen der schlechten Seeing-Bedingungen von rund 3"
immer wieder Probleme gemacht. Das jetzt einfach über eine Software zu
kompensieren, fühlt sich irgendwie komisch an.
Das macht dich so sympathisch!

CS Dietmar
 
Hallo zusammen,

ich finde es erfreulich, dass es noch Mitstreiter gibt, die den Einsatz dieser KI basierten Tools kritisch hinterfragen. :)

Eine KI / neuronales Netzwerk kann keine Deconvolution machen. Es tut das, wofür es trainiert wurde: es gibt hübsche Bilder aus, die möglichst gut zu den Eingangsdaten passen. Für mich ist das eine sehr traurige Entwicklung: man kann diese Bilder nicht mit "ehrlich" erarbeiteten Ergebnissen vergleichen, die nur genau das wiedergeben, was mühsam an echten Daten gesammelt wurde. Da hilft es auch nicht zu sagen "ich setze das nur defensiv ein", einfach der Ansatz ist schon grundverkehrt.

Viele Grüße, Dietmar.
(Ja, ich heiße auch Dietmar ;-) .)
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo zusammen. Ich habe jetzt auch den letzten Gedanken, von SIRIL zu PI zu wechseln, beiseite gelegt. SIRIL ist inzwischen so stark, dass es für mich keinen Grund mehr gibt. Und jetzt gibt es sogar BXT, wobei ich den kostenlosen Aberration Remover als fast genau so gut empfinde.

Karstens Skrupel teile ich und mache daher nur die Sterne schön, schärfe aber nicht.
 
SIRIL ist inzwischen so stark, dass es für mich keinen Grund mehr gibt.

Korrigere mich, wenn ich falsch liege, aber Siril hat doch weder Slots noch einen Desktop für gleichzeitige Arbeit mit mehreren Bildern/Masken etc.?

Ich habe noch nie verstanden, wie fortgeschrittene Astrofotografen damit zurechtkommen. Da ist SAS Pro eindeutig besser (als Freeware-Lösung).
 
Stimmt, ich mache auch viele Schritte abschließend in GIMP, weil ich nicht wüsste, wie ich es mit SIRIL mache. Obwohl manches wahrscheinlich mit Pixel Math möglich wäre. Vielleicht ist es aber auch ein Fall von "Ich weiß gar nicht, was ich verpasse."
 
Der Sinn bzw. Unsinn von KI basierten Tools in der Bildbearbeitung wurde ja schon sehr erschöpfend diskutiert.
Für meinen Teil ist es eindeutig eine Erleichterung um ansehnliche Bilder zu gewinnen oder Bildmaterial sogar zu retten was andernfalls im Mülleimer landen würde. Ich hege aber auch nicht den Anspruch hiermit wissenschaftliche Dokumentation zu betreiben. Das können andere besser.
Allerdings verwende ich sowohl BXT als auch NXT sehr konservativ. Die Defaultwerte finde ich zu hoch gewählt, auch wenn es je nach Sampling und Seeingeinfluß Anpassungen nötig macht. Das es diese Tools nun auch für Siril gibt finde ich klasse.
Die Aussage das BXT keine echte Deconvolution ist und nur für pretty pictures gemacht ist dem empfehle ich sich erst einmal in die Thematik genauer einlesen.
Und für pretty pictures brauchts offenbar ein wenig mehr wie man häufig sehen kann.

CS,
Franz
 
obwohl doch sehr viele in der Vergangenheit darüber geklagt haben, das es den BXT nur für PixInsight gibt, ist es doch nun erstaunlich ruhig wegen des aktuellen Themas hier im Forum.
Moin,
ich denk mal diejenigen, die auf die RC-Tools nicht verzichten wollten, haben in der Zwischenzeit halt PixInsight gekauft. Seit dem Erscheinen von BXT sind ja auch schon ein paar Jahre ins Land gezogen. Interessant ist das Thema wohl eher für Neueinsteiger.
Ich würde jedenfalls nicht mehr auf PI verzichten wollen, nur weil es für die RC-Tools jetzt andere Wege gibt. Und im Vergleich zu den Kosten der sonstigen Ausrüstung ist PixInsight immer noch eine der günstigeren Anschaffungen, die man so tätigen kann :)
Trotzdem begrüße ich es auch sehr, dass es nun die Integration der Tools in andere Software gibt.
CS
André
 
Hallo euch allen,

ich freue mich sehr über den schönen Austausch in diesem Thread.
Damit hatte ich ehrlich gesagt gar nicht mehr gerechnet.

@DietSky
Vielen Dank für deine freundliche Anmerkung.
Die Deconvolution ist ein heikles Thema. Ich muss gestehen,
dass ich sie auf konventionelle Art und Weise nie so richtig
in den Griff bekommen habe. Da ist eine automatisierte
Anwendung wie BXT natürlich schon sehr verlockend.
Nach ein paar Tagen der Nutzung ist die anfängliche Euphorie
allerdings wieder etwas verflogen. Einige der Ergebnisse,
die ich bei meinen Tests erzielt habe, wirken auf mich doch
etwas unnatürlich. Solche Bilder würde ich daher auch nicht veröffentlichen.


@Finkenwerder
Wunder kann BXT bei Sternen leider auch nicht vollbringen.
Sie wirken teilweise etwas ausgestanzt und haben sehr harte Kanten.
Vielleicht habe ich aber auch einfach noch nicht die optimalen BXT-Einstellungen gefunden.

@DominikW
Für SIRIL ist ebenfalls ein Update geplant,
das die Bildbearbeitung deutlich erweitern soll
unter anderem mit Ebenen (Layern), Masken und weiteren Funktionen.

Der aktuelle Fahrplan (Roadmap)

Siril 1.5.0 (Aktueller Stand/Dokumentation):
In dieser Version wurden bereits Bildmasken (Image Masks) eingeführt.
Diese erlauben es, bestimmte Operationen (wie Sternenmasken für die Dekonvoluton
oder Sättigungsmasken für bestimmte Farben) auf ein Bild anzuwenden.
Dies sind jedoch noch keine klassischen Photoshop-Ebenen,
sondern Masken, die direkt auf einzelne Bildschritte wirken.

Siril 1.6 (Zukunft):
Für diese Version ist die vollständige
Einführung von Ebenen (Layers), anpassbarer Ebenendeckkraft,
Ebenenmasken mit verschiedenen Mischmodi und einem erweiterten
FITS-Metadatenformat geplant, damit unfertige Bilder mit
erhaltenen Ebenen abgespeichert werden können.

Grüße und CS
Karsten
 
Wunder kann BXT bei Sternen leider auch nicht vollbringen.
Sie wirken teilweise etwas ausgestanzt und haben sehr harte Kanten.
Vielleicht habe ich aber auch einfach noch nicht die optimalen BXT-Einstellungen gefunden.

Hi,
du kannst den StarHalo Parameter von 0 auf sagen wir mal 0.2 setzen. Das sorgt für einen weicheren Übergang und löst das Problem der harten Sterne.

Zur Diskussion kann KI Deconvolution oder nicht. Da würde ich weder der eigenen Meinung trauen, aber schon mal gar nicht den Aussagen von Russel Croman. Ich denke da ist viel Marketing im Spiel.
Ich denke man wird bei einer BlackBox nicht sagen können, was der BxT wirklich macht. Man könnte versuchen es an bestimmten Metriken zu messen und vorsichtige Annahmen darüber machen. Was andere Tools angeht, da bin ich sehr sicher, dass das nichts mit einer echten Deconvolution zu tun hat. Innerhalb des GraXpert Teams hatten wir da Diskussionen, die dazu geführt haben, dass die Beta Version, die eine Deconvolution verspricht, nicht weiter verfolgt wurde. Wäre es mir nach gegangen, wäre die überhaupt nie an die Öffentlichkeit gelangt. Alles was ich sonst so gesehen habe, von Setiastro bis Syquon, hat mich wenig überzeugt. Im besten Falle wird es sich dabei um ein generisches Schärfen handeln. Aber nur meine Meinung.

CS Frank
 
Hallo zusammen,

vorab möchte ich noch sagen, dass auch ich jede Erweiterung für Siril begrüße, die hilft, der Software eine breitere Nutzerbasis zu verschaffen. Ich mag Siril und ich mag freie Software besonders.

Ich empfehle den Write-Up von Russel zu dem Thema.

Ja, das Dokument habe ich selbstverständlich gelesen. Es gibt noch ein weiteres, in dem die "Mathematik von BxT" beschrieben ist:


Leider kranken beide Darstellungen an dem gleichen Problem: Es werden sehr viele Fakten _sehr_ genau und treffend beschrieben, die an und für sich vollkommen korrekt sind. Aber genau an dem Punkt, wo es darum geht, darzustellen, wie BxT _genau_ aufgebaut ist und trainiert wurde und zu belegen, dass es sich wirklich um Deconvolution handelt und nachweislich nicht halluziniert (oder besser: nicht halluzinieren kann), wird es etwas dünn und nebulös. Was auch nicht weiter verwunderlich ist, weil man es eben nicht belegen kann. Klar kann man mit einem neuronalem Netzwerk beliebige mathematische Funktionen annähern, aber dann handelt es sich eben um eine Näherung (wie RC ja auch selbst schreibt) oder ich möchte es mal so formulieren: eine Simulation von Deconvolution. Was an und für sich ja auch in Ordnung wäre, wenn man denn sicher sein könnte, dass eben nicht auch andere "Verschönerungen" vorgenommen werden. Ich _glaube_ auch, dass dies für Sterne z.B. gut funktioniert (deswegen finde ich auch den Ansatz von Malte, nur die Sterne mit BxT zu bearbeiten durchaus sinnvoll), bei allen anderen Strukturen habe ich aber starke Zweifel. Und wir sehen ja durchaus Unmengen an Bildern mit eigenartigen Filamenten und anderen "Features", die auf Referenzaufnahmen nicht oder anders sichtbar sind. Und genau deswegen halte ich den Ansatz, neuronale Netzwerke für (diese Art der) Bildverarbeitung zu verwenden, für prinzipiell falsch.

Die Aussage das BXT keine echte Deconvolution ist und nur für pretty pictures gemacht ist dem empfehle ich sich erst einmal in die Thematik genauer einlesen.

Ich bitte höflich darum, nicht von Annahmen auszugehen und fair zu bleiben. Ich habe durchaus umfangreiches grundlegendes Wissen, sowohl was neuronale Netze angeht, als auch im Bereich der digitalen Signalverarbeitung. Vielleicht habe ich genau deswegen die Probleme mit diesem Thema. Ich habe mich _sehr_ eingehend damit beschäftigt und bin zu dem Schluss gekommen, dass KI in diesem Anwendungsfall für mich nicht in Frage kommt. Aber: ich verurteile niemanden, der das benutzt. Warum auch? Es ist für uns alle ein Hobby.
Und für pretty pictures brauchts offenbar ein wenig mehr wie man häufig sehen kann.
Ich respektiere in jedem Fall die Leistung, die bei den Aufnahmen erbracht wurde, auch wenn sie derart nachbearbeitet wurden. Das eine schließt das andere nicht aus. Ich weiß nur nicht, wie man mit der mangelnden Transparenz umgehen will. Man sieht es einem Bild nicht unbedingt sofort an, dass es mit den RC-Tools bearbeitet wurde und deswegen die Vergleichbarkeit fehlt.

Viele Grüße, Dietmar.
 
Hallo,

Siril hat sich in den letzten 2 Jahren sehr gut entwickelt. Hätte ich nicht schon Pixinsight, würde ich es heute wohl nicht mehr kaufen. Allerdings nutze ich es sehr gerne und werde dabei bleiben. BXT hat bei meinen mediokren Bildern nur den Zweck, Sterne zu verkleinern und den Kontrast zu erhöhen. Ich kann bei meinen Bildern nach der Anwendung keine zusätzlichen Inhalte erkennen, die vorher nicht da waren. Für mich als Anfänger in Fotografie generell waren und sind die RC Tools eine große Hilfe.

Graxpert nutzt ja auch KI, um Gradienten zu entfernen, auch das finde ich legitim, habe da beim Vorher/Nachher aber größere Zweifel, ob das noch original ist oder nicht, als beim BXT.

LG Olaf
 

und es halluziniert nachweislich!
Stimme dir in allem zu. Dennoch nutze auch ich den BxT.
Was du schreibst ist absolut richtig, zu dem Schluss kommen alle, die sich mit Signaltechnik beschäftigen. Fakt ist aber auch, nutzt man den BxT nicht, bekommt man in der Amateurszene keine Beachtung mehr bzw. man wird sogar kritisiert.


Graxpert nutzt ja auch KI, um Gradienten zu entfernen, auch das finde ich legitim, habe da beim Vorher/Nachher aber größere Zweifel, ob das noch original ist oder nicht, als beim BXT.
Ich weiß nicht ob es dich tröstet, aber selbst als derjenige, der die Idee hatte ein NN auf Gradienten zu trainieren, nutze ich diese Funktion nicht mehr. Aber in dem Fall muss man keine Angst haben, dass die KI die Bilder verfälscht. Es wird lediglich am Ende das Gradientenmodell abgezogen. Und da wird immer Signal mit abgezogen, unabhängig davon, wie das Modell berechnet wurde. Insofern finde ich es in dem Fall vertretbar.

CS Frank
 
Ich empfehle den Write-Up von Russel zu dem Thema.
Schreiben kann der viel. Was er tatsächlich macht, ist nicht transparent. Alleine was BXT mit den Sternen macht, ist meiner Meinung mit reiner Deconvolution unmöglich. Parallax sieht für mich eher nach Deconvolution aus.

Fakt ist aber auch, nutzt man den BxT nicht, bekommt man in der Amateurszene keine Beachtung mehr bzw. man wird sogar kritisiert.
So sieht das so aus :) Ich habe die RC Tools zwar nur getestet, hatte aber den Eindruck, dass BXT eigentlich sinnvoll zu Werke geht, was die Detailverstärkung angeht. Es macht das, was der Name sagt. Ich hatte eher den Eindruck, dass die Kombination von BXT mit dem Schärferegler von NXT die kontroverse Diskussion verursacht. Außerdem lassen manche Leute das mehrfach drüber laufen. Da kriegst du mit jedem Tool dein Bild kaputt. Der Unterschied bei *XT ist einfach, dass die Bilder trotzdem noch normal aussehen.

Es gibt in Siril schon lange Tools, die...zugegebenerweise mit deutlich mehr Mühsal...ziemlich gute Ergebnisse liefern, die *XT nicht viel nachstehen. Es gibt seit längerem schon jede Menge Skripte für Schärfen, Sternkorrektur, HDR, Entrauschen, Hintergrundextraktion usw. Es wird nur relativ wenig zur Kenntnisse genommen, da gefühlt 3/4 der Community wegen BXT abgewandert ist.

Jetzt ging das ja jahrelang nicht mit Siril und BXT. Nun kommt mit Parallax ein Konkurrent nach Siril und paar Tage später steht die CLI Schnittstelle samt Skript da. Da sage ich mal nix zu...

Ist Siril denn nur wirklich gleichgestellt, was *XT angeht? Denn bei den Syqon Tools ist das offenbar nicht so. Da hat man in PI deutlich mehr Einstellungsmöglichkeiten. Ich finde auch die Skripte in Siril nicht ausgegoren. Ist das bei den RC Tools auch so?

Grüße,
Joachim
 
Jetzt würde mich schon interessieren ob die Syqon Tools gegenüber den RC Tools gleichwertig oder gar besser zu bewerten sind.
Falls sie die Daten weniger verfälschen und dennoch vergleichbare Ergebnisse bringen würde ich mir glatt überlegen zu switchen.
Vielleicht hat hier jemand schon einen objektiven Vergleich machen können.
Die Beispiele auf der Syqon Seite sind allerdings nicht unbedingt repräsentativ für echte Deconvolution. Das sieht genau so überzogen aus wie viele mit *XT verprügelte Aufnahmen. Das alles erinnert mich ein wenig an die plastische Schönheits Chirurgie. Wenn gut gemacht, merkt man es kaum und wenn's zu weit geht dann lieber nicht hinschauen ;)

CS
Franz
 
Schreiben kann der viel. Was er tatsächlich macht, ist nicht transparent. Alleine was BXT mit den Sternen macht, ist meiner Meinung mit reiner Deconvolution unmöglich. Parallax sieht für mich eher nach Deconvolution aus.
Hi,
beim ersten Teil gebe ich dir Recht, beim letzten Satz bin ich anderer Meinung. Habe aber zugegeben das Programm nicht, ich habe nur neulich mal ein mit Parallax bearbeitetes Bild gegen den BxT getestet (am Rohbild natürlich). Ob so ein "Test" Aussagekräftig ist sei dahingestellt (ich werd das Geld jedenfalls nicht ausgeben für Parallax), aber für mich sah das nur nach lokaler Kontrasterhöhung aus, nicht nach Deconvolution. BxT hat da ein ganz anderes Ergebnis geliefert.

Jetzt ging das ja jahrelang nicht mit Siril und BXT. Nun kommt mit Parallax ein Konkurrent nach Siril und paar Tage später steht die CLI Schnittstelle samt Skript da. Da sage ich mal nix zu...

PixInsight hat für den Mac sein eigenes KI Entrausch Tool rausgebracht. Im Juli soll es angeblich auch auf anderen Plattformen kommen und man hat angekündigt auch andere "Ill Posed Problems" zu lösen (damit ist m.M.nach eindeutig Deconvolution gemeint). D.h. die Lesart könnte auch sein: PixInsight bringt seine eigenen KI Tools raus, und plötzlich gibt es die RC-Tools mit CLI Schnittstelle.


Ist Siril denn nur wirklich gleichgestellt, was *XT angeht?

Ja. Alle Funktionen die auch die CLI Schnittstelle liefert, sind im Skript auch vorhanden.


Jetzt würde mich schon interessieren ob die Syqon Tools gegenüber den RC Tools gleichwertig oder gar besser zu bewerten sind.
Falls sie die Daten weniger verfälschen und dennoch vergleichbare Ergebnisse bringen würde ich mir glatt überlegen zu switchen.
Ich würde bei BxT bleiben, aber nur aus meinem oben beschriebenen Test heraus gesagt. Andere sind ganz aus dem Häuschen wegen Parallax.

Nochmal generell zur Deconvolution:
Das ist keine Schärfung in dem Sinne, sondern ein mathematisches Problem. Eine KI kann das m.M.n. nicht lernen, sie kann höchstens lernen, dass die Ergebnisse plausibel nach der Lösung des mathematischen Problems aussehen. Alles was auf RCs Homepage steht findet man in jedem gut recherchierten Aufsatz über Deconvolution, das reicht als "Beweis" nicht aus.
Man müsste solche KI Tools testen könnte in dem man ein klares Setting formuliert mit einem Ground Truth und kontrolliert hinzugefügtem Rauschen. Ich weiß aber (noch) nicht, welche Metriken man dann anwenden darf/kann/sollte um wirklich zu sagen: Das ist Deconvolution oder nicht.
Diese ganzen "Tests" a la "also für mich sieht das gut aus", sind m.E. von geringer Aussagekraft (womit ich meinen oben genannten Test selber in Frage stelle
:cool:
)

CS Frank
 
Die Behauptung mit KI könne man mathematische Probleme nicht lösen kann man so nicht stehen lassen. Erst einmal sollte man besser “machine learning” denn KI sagen, konkret üblicherweise mit CNNs, und das man das sehr wohl mathematisch angehen kann siehe z.B. den folgenden Beitrag (von 2019, also vor dem KI hype): https://www.math-berlin.de/images/summerschool/2019_slides/Kutyniok_2_klein.pdf (nur ein Beispiel). Für deconvolution mit CNN gibt es also sehr wohl eine mathematische Grundlage - das ist nicht ChatGPT.
Wie die meisten inversen Probleme ist auch die Dekonvolution ein schlecht gestelltes Problem, d.h. man muss weitere (in der Regel unzureichende wenn nicht gar inkorrekte) Annahmen machen - die dann zu Artefakten führen können, das ist bei eine CNN-basierten Dekonvolution nicht anders wie bei Richardson-Lucy. Das hat aber auch mit Halluzinieren nix zu tun.
Ja, CNNs sind eine black box und erzeugen einen gewisses Unbehagen bei der Nutzung - aber Hand aufs Herz: wer hat Lucy-Richardson inhaltlich voll durchdrungen?
CS Matthias
 
Ja, CNNs sind eine black box und erzeugen einen gewisses Unbehagen bei der Nutzung - aber Hand aufs Herz: wer hat Lucy-Richardson inhaltlich voll durchdrungen?
CS Matthias

Hallo Matthias,
ja, sicher ist die Behauptung CNNs können keine mathematischen Probleme lösen falsch. Da habe ich mich undeutlich ausgedrückt. Und es stimmt auch, dass auch der Richardson Lucy Probleme hat durch den Fakt, dass es ein schlecht gestelltes Problem ist. Die Folge sind Artefakte. Mein Kollege Rainer arbeitet genau auf dem Gebiet, was in deinem verlinkten Paper gezeigt wird, nämlich der medizinischen Bildgebung. Mit ihm hättest du einen weit besseren Gesprächspartner als mit mir, aber ihm geht immer schnell die Pumpe bei dem Thema :-)
Er hat mal einen Test gemacht. M13 vom HST als Ground Truth, geblurred und verrauscht (so wie es RC auch selber beschreibt). Dann darauf den BxT angewendet. Man erkennt deutlich, dass BxT halluziniert. Der BxT generiert offensichtlich Sterne aus dem Rauschen. Meiner Meinung nach ist das was anders, wie ein Artefakt durch ein schlecht gestelltes Problem. Ich muss Rainer fragen, ob ich das hier zeigen darf oder vielleicht mag er sich doch selber auch zu Wort melden.

Russel Croman schreibt in der Anleitung zum BxT unter Punkt 3.4 und 3.5 ja einiges zu der Problematik. Ich sehe mich nicht in der Lage das zu kontern, da gibt es weitaus berufenere Menschen. Aber die Frage ob das, was der BxT mach nun wirklich eine deconvolution ist, oder ob es lediglich eine sehr plausible Antwort gibt, die ist meines Erachtens schon erlaubt.

CS Frank
 
und es halluziniert nachweislich!
Stimme dir in allem zu. Dennoch nutze auch ich den BxT.
Was du schreibst ist absolut richtig, zu dem Schluss kommen alle, die sich mit Signaltechnik beschäftigen. Fakt ist aber auch, nutzt man den BxT nicht, bekommt man in der Amateurszene keine Beachtung mehr bzw. man wird sogar kritisiert.



Ich weiß nicht ob es dich tröstet, aber selbst als derjenige, der die Idee hatte ein NN auf Gradienten zu trainieren, nutze ich diese Funktion nicht mehr. Aber in dem Fall muss man keine Angst haben, dass die KI die Bilder verfälscht. Es wird lediglich am Ende das Gradientenmodell abgezogen. Und da wird immer Signal mit abgezogen, unabhängig davon, wie das Modell berechnet wurde. Insofern finde ich es in dem Fall vertretbar.

CS Frank
Hallo Frank,

völlig albern, jemanden dafür zu kritisieren, dass er irgendein Tool NICHT nutzt! Wer ohne BXT auskommt, beweist doch, dass er mehr drauf hat als andere. Ich sehe das alles nicht als Wettbewerb, ich möchte halbwegs gelungene Bilder für mich machen. Aber klar, viele sehen das als Sport. Kann ich nachvollziehen, ist bei mir aber nicht so. Ich nutze übrigens Graxpert gerne, manchmal nehme ich aber den Gradient Corrector in Pixinsight. Mal funktioniert das eine besser, mal das andere.

CS Olaf
 
Hallo zusammen,

herrje, was habe ich angerichtet! ;-) Ich wollte nur meiner Freude Ausdruck geben, dass jemand (danke, @K.Bahr ) kritisch hinterfragt, was er beim Einsatz des BxT aus seinen Daten herausbekommt.

sicher ist die Behauptung CNNs können keine mathematischen Probleme lösen falsch.
Das hast du nicht behauptet. Du hast geschrieben:
Eine KI kann das m.M.n. nicht lernen, sie kann höchstens lernen, dass die Ergebnisse plausibel nach der Lösung des mathematischen Problems aussehen.
Und das ist m.E. nach auch richtig. Und auch das von Matthias (@GalacticRAVE ) verlinkte Dokument legt nichts anderes nahe, soweit ich das auf die Schnelle beurteilen kann. All diese Verfahren lernen möglichst gute Näherungen aufgrund der Eingangsdaten und ihrer Trainingsdaten zu erzeugen. Das ist im mathematischen Sinne keine Deconvolution. Was an und für sich (wie ich oben ja auch schon geschrieben hatte), nicht schlimm wäre. Allerdings ist es so, dass für Eingangsdaten wie z.B. Rauschen eben auch Ergebnisse ausgegeben werden, die offensichtlich nicht mehr allzu viel mit der "Realität" zu tun haben, sondern offensichtlich gelernte Strukturen nachahmen. (Frank hat das Wort "Halluzinieren" hier versehentlich eingestreut. Wir reden schon die ganze Zeit über neuronale Netze, wo "generieren" vielleicht besser passt.) Man kann das in vielen Bildern ja deutlich sehen. Und niemand kann sagen, ob und wann und in welchem Ausmaß das passiert.

Für mich persönlich ist das nicht akzeptabel, aber trotzdem ist es für mich Ok, wenn jemand das anders sieht. Aber er sollte sich dann auf jeden Fall selbst bewusst sein (und eingestehen), dass sein Ergebnis nur noch bedingt auf seinen gesammelten Daten beruht und gewisse Teile eben aus gelerntem Wissen aus hoch qualitativen Astrobildern.

Viele Grüße, Dietmar.
 
Hallo Frank,

völlig albern, jemanden dafür zu kritisieren, dass er irgendein Tool NICHT nutzt! Wer ohne BXT auskommt, beweist doch, dass er mehr drauf hat als andere. Ich sehe das alles nicht als Wettbewerb, ich möchte halbwegs gelungene Bilder für mich machen. Aber klar, viele sehen das als Sport. Kann ich nachvollziehen, ist bei mir aber nicht so. Ich nutze übrigens Graxpert gerne, manchmal nehme ich aber den Gradient Corrector in Pixinsight. Mal funktioniert das eine besser, mal das andere.

CS Olaf

Hallo Olaf,
nun ja, es passiert aber. Man hat gutes Seeing, das Teleskop ist perfekt kollimiert, also benutzt man mal keinen BxT. Mir ist das zwar nicht passiert, aber ich kenne Fälle wo dann Leute gesagt haben: Öh, die Sterne sehen aber nicht gut aus.
Wir haben uns halt schon an den Anblick der Bilder mit BxT und co. gewöhnt. Und ja, ich nutze diese Tools selber auch gerne.

Ich nutze ab und zu auch die KI in GraXpert, denn manchmal hat die nen guten Tag. Ich komme aber sicherer ans Ziel mit den Kästchen in GraXpert und der "oldschool" Methode. Und ja, GC in PI nutze ich auch. Manchmal funktioniert das eine besser als das andere. Gut dass wir jetzt so eine Auswahl haben.

CS Frank
 
Hallo zusammen,

ich verstehe die ganze Aufregung um die KI-unterstützte Auswertung der Bilder nicht. Das würde am ehesten kritisch, wenn die Bilder wissenschaftlich ausgewertet würden. Aber das ist doch hier im Forum nicht ansatzweise der Fall. Hier geht es doch "nur" um "pretty pictures". Und das ist auch der Sinn eines Amateur-Forums. Die Leute wollen schöne Bilder sehen. Zu recht. Und die werden dann auch auf schön getrimmt. ("feines Bild").

ich glaube, wenn man die Bilder von Gasnebeln, Galaxien etc wissenschaftlich auswerten wollte, wurde man auf jeden Fall die Sterne entfernen. Die stören dabei nur. Die NASA lässt sie vermutlich nur für ihre Tax-Payer drin, weil die Leute halt Sterne in einem Astrobild erwarten. Dann bekommen die Bilder noch bedeutungsschwere Namen wie "Pillars of creation" und der Tax-Payer ist zufrieden und sieht sein Geld gut angelegt. Auch, wenn diese Bilder wissenschaftlich eher zweitrangig sind. Sie müssen nur schön sein.

Und weil die NASA auch Falschfarben (Hubble-Palette) verwendet, ist das seitdem auch okay. Das macht die eigenen Bilder dann auch noch was interessanter.

Ich sehe auch keinen großen Unterschied in der Benutztung von KI oder FI (Fremd-Intelligenz). Denn letztlich benutzen wir alle Programme, die von Experten (FI) geschrieben wurde, die in der Regel wissen, was sie machen. Was aber die meisten Anwender vermutlich nicht nachvollziehen können. Genauso wenig wie bei der KI. Man wendet es halt an, wie es von den Astro-Influenzern empfohlen wird, die aber auch nicht zu denen gehören, die die mathematischen Modelle in die Software bringen.

Vn daher sehe ich das ganz entspannt.

Gruß,
Peter
 
Hallo,

mit SIRIL kann man ja mit einem Klick (Autostretch) das gestapelte Rohbild strecken. Dann kann jeder nach seiner Bildbearbeitung das gestreckte Rohbild und das fertig bearbeitete Endergebnis nebeneinander hier einstellen. Und jeder kann für sich entscheiden: gefällt mir (ist ein guter Maßstab für meine eigene Bildbearbeitung ), oder: ich finde die Bearbeitung "übertrieben" (so weit möchte ich nicht gehen, ist mir zu "künstlich".

Schon Goethe wusste:

"Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen;
Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus.
Wer Vieles bringt wird Manchem etwas bringen,
und jeder geht zufrieden aus dem Haus."
 
Hallo Matthias,
ja, sicher ist die Behauptung CNNs können keine mathematischen Probleme lösen falsch. Da habe ich mich undeutlich ausgedrückt. Und es stimmt auch, dass auch der Richardson Lucy Probleme hat durch den Fakt, dass es ein schlecht gestelltes Problem ist. Die Folge sind Artefakte. Mein Kollege Rainer arbeitet genau auf dem Gebiet, was in deinem verlinkten Paper gezeigt wird, nämlich der medizinischen Bildgebung. Mit ihm hättest du einen weit besseren Gesprächspartner als mit mir, aber ihm geht immer schnell die Pumpe bei dem Thema :-)
Er hat mal einen Test gemacht. M13 vom HST als Ground Truth, geblurred und verrauscht (so wie es RC auch selber beschreibt). Dann darauf den BxT angewendet. Man erkennt deutlich, dass BxT halluziniert. Der BxT generiert offensichtlich Sterne aus dem Rauschen. Meiner Meinung nach ist das was anders, wie ein Artefakt durch ein schlecht gestelltes Problem. Ich muss Rainer fragen, ob ich das hier zeigen darf oder vielleicht mag er sich doch selber auch zu Wort melden.

Russel Croman schreibt in der Anleitung zum BxT unter Punkt 3.4 und 3.5 ja einiges zu der Problematik. Ich sehe mich nicht in der Lage das zu kontern, da gibt es weitaus berufenere Menschen. Aber die Frage ob das, was der BxT mach nun wirklich eine deconvolution ist, oder ob es lediglich eine sehr plausible Antwort gibt, die ist meines Erachtens schon erlaubt.

CS Frank
Weil Frank mich ins Spiel gebracht, möchte ich kraft meiner Ausbildung und beruflichen Expertise (dazu weiter unten mehr) noch ein wenig Senf dazugeben.

Es macht sehr wohl einen Unterschied, ob a) eine klassische Lösung eines inversen Problems aufgrund von generischen Annahmen in der sogenannten Regularisierung (oder allgemein einem zur Konvergenz notwendigen Prior Knowledge-Term) lokal zu einem S/N-abhängigen Verhalten führt, oder b) ein KI-Algorithmus aufgrund einer trainierten Klassifizierung von Stern- und Nicht-Stern-Inhalt (das sogar laut Herstellerangaben) im Output Sterne mit perfekter Punktbildfunktion (PSF) synthetisiert. Und genau das macht der BlurXTerminator (BXT).

Der Fall a) demonstriert genau die Limitationen eines inversen Problems mit Nullstellen im (Vorwärts-)Filter und der Anwesenheit von Rauschen. Der Fall b) ist offensichtlich generatives Verhalten, was durch Fehlklassifikation zu Manipulation der Information führen kann - exakt das sind Halluzinationen eines Deep Learning (DL)-basierten Algorithmus.

Die scheinbare Stärke von DL bei der Rekonstruktion von Informationslücken liegt in der Tatsache, dass das CNN mathematisch einem extrem komplexen Prior Knowledge entspricht. Dies führt zu sehr plausiblen Ergebnissen, die – weil sie so realistisch aussehen – ohne einen Vergleich gegen eine Ground Truth schwer anfechtbar sind. Beeindruckend und plausibel ist aber nicht richtig! Nur die Mühe macht sich bedauerlicherweise in der Regel keiner, wenn die Ergebnisse „hübsch“ genug sind und zudem die Anwendung so bequem ist.

Sowohl die Fehlklassifikation (=Halluzination) als auch die Synthese von Sternen lässt sich bei den R.C. Astro-Tools mit einem einfachen Experiment an einem Kugelsternhaufen nachweisen. Dazu hatte ich für eine Konferenz des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik vor zwei Wochen ein paar Folien erstellt (Auszug der Präsentation angehängt). Ausgangspunkt ist ein aus Amateur-Sicht „unendlich scharfes“ Bild des Zentrums von M13, aus dem durch Verunschärfung ein realistisches inverses Problem mit bekannter Ground Truth konstruiert wird.

Der Fall ist deswegen eine Herausforderung, weil die reale Sterndichte durch die reduzierte Auflösung zu einer Überlagerung der verunschärften Einzelsterne führt, die nach der Abtastung mit diskreten Pixeln nicht mehr von Rauschen zu unterscheiden sind. Kein Algorithmus der Welt kann also dieses Problem lösen. Während eine klassische Deconvolution in diesen Bereichen natürlich dort auch nichts rekonstruieren kann, generiert der BXT jedoch Einzelsterne mit perfekter PSF im Falle isoliert liegender Sterne und an Schwerpunkten solcher durch Überlagerung entstandener Cluster. Das sind Merkmale generativer KI und im Vergleich mit der Ground Truth eindeutig Halluzinationen. Im übrigen benötigt es dafür keine explizit generative KI (z.G. GANs oder Diffusion Models), sondern auch ein primitives U-Net kann im Decoder generativ agieren. Das gilt auch für den „correct only“ mode, der keine physikalische Korrektur von Koma etc., sondern ebenso eine Synthese von perfekten PSFs ist.

Dass die Klassifizierung von Sternen und Nicht-Stern-Inhalt als Basis der Synthese schief gehen kann – auch wieder mit dem obigen Argument der Überlagerung von Sternen jenseits der Auflösungsgrenze – sieht man beeindruckend am StarXTerminator (am Ende der Folien). Sterne und Hintergrund trennen, und dann separat strecken und Bearbeiten ist also genauso eine Propagation von Halluzinationen der KI.

Ich höre leider oft Sätze wie „beindruckend, was dieser Algorithmus aus den Daten herausholt“. NEIN: Algorithmen, die scheinbar fundamentale Grundsätze der Signaltheorie aushebeln, holen nicht mehr aus den Daten heraus, sondern interpretieren mehr hinein. Die vermeintlich überlegene Leistung ist Raten auf Basis von trainierten Wahrscheinlichkeiten, was qualitativ sehr wohl ein Unterschied zu generischen Annahmen ist, die man der klassischen Lösung eines inversen Problems macht.

Wer das bezweifelt behauptet effektiv, eine KI könnte lernen, durch Beobachtung eines Würfels den nächsten Wurf vorherzusagen. Eine KI kann zwar lernen, sich „wie ein echter“ Würfel zu verhalten (das ist Plausibilität) und sich damit ähnlich zum Turing-Test ununterscheidbar von einem echten Würfel zu machen. Aber niemals kann das Verhalten eines bestimmen Würfels modelliert werden. Das Pendant zum Würfel sind hier beim inversen Problem das Rauschen und die Nullstellen im Filter.

Theoretisch könnte man mit Fleiß erreichen, dass ein DL-Algorithmus generalisiert und „nur“ dasselbe erreicht wie eine klassischen Deconvolution, aber genau dann ist der Wow-Effekt dieser Algorithmen nicht mehr vorhanden. Jede (scheinbare) Überschreitung der Grenzen der Gesetze der Informationstheorie funktioniert nur durch starke Annahmen, die das Gegenteil der Extraktion von Information aus den Daten darstellen, also Information hineindichten (in beide Richtungen: generieren oder entfernen). Und es kommt in der Theorie zu großen CNNs noch schlimmer: diese sognannte Generalisierung ist sogar unmöglich zu beweisen. CNNs haben einen unbeschränkten Fehlerkorridor, d.h. jeder Test auf Basis von endlichen Datenmengen ist kein Beweis, dass Halluzination nicht auftreten können. Bei den hier diskutierten Astro-AI-Tools stellt sich diese Frage aber gar nicht, weil man offensichtlich Halluzinationen provozieren kann.

Ich bin als Physiker seit über 25 Jahren professionell in der Signalverarbeitung (Medizintechnik / Computertomographie) tätig, deswegen tief in diesem Thema drin. Dort reden wir nicht über Pretty Pictures, sondern über zwingend erforderliche Datenintegrität. Jede Erzeugung von Bildern auf Basis von trainierten Wahrscheinlichkeiten wird zwangsläufig dazu führen, dass genau die Abweichung von der Norm (= der relevante Befund in der Medizin) manipuliert wird.

Meine Erfahrung in Signaltheorie und das spezielle Einsatzgebiet sind der Grund, warum ich mich hier so herauslehne und für eine kritischere Sicht auf KI-basierte Algorithmen plädiere, wenn es um Datenintegrität geht. Die Qualität an der Quelle (intrinsische Schärfe und Rauschminimierung durch dunklen Himmel und genügend Belichtungszeit) ist die einzige Möglichkeit, Auflösung und Tiefe real zu bekommen. Beides kann nicht „berechnet“ werden, sondern nur kosmetisch mit mehr oder weniger Bezug zu den ursprünglichen Daten beschönigt werden. Wie oben dargelegt, wird der Bezug zu den Originaldaten mit KI-Algorithmen in der Regel reduziert, da viel stärkere , trainierte Annahmen eingehen.

Natürlich darf jeder mit seinen Astrobildern machen, was er will, aber ich finde, dass das Wissen über qualitative Unterschiede zwischen verschiedenen Verfahren wichtig ist. Nur dann kann man mit Fug und Recht sagen, dass das Ergebnis „mein“ Bild ist und nicht das Ergebnis eines manipulativen Prozesses. Tragisch finde ich, dass sich jeder an den polierten Bildeindruck gewöhnt hat und man ohne Benutzung eigentlich keine Chance mehr hat, wahrgenommen zu werden. Dabei zeigen viele der auf einschlägigen Plattformen prämierten Bilder auch ohne Vergleich mit einer Ground Truth klare Halluzinationen. Offenbar stört das aber keinen, was mir sehr unverständlich ist.
 

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Hallo Rainer,

lassen wir mal die "überzeugen by Authority"- Versuche ... kann ich nicht ab. Viele Deiner Aussagen würde ich uneingeschränkt zustimmen, allerdings sind sie Widerlegen von Behauptungen, die zunächst niemand aufgestellt hat (klassische Trickkiste der Rhetorik). Der eigentliche Punkt aber ist: (fast) alles gilt in ähnlicher oder analoger Weise auch für die klassische Deconvolution, womit wir wieder bei der Ausgangsfrage wären. Das Verfahren jenseits ihrer Möglichkeitsgrezen auch Mist kreieren, ist keine sonderlich überraschende Erkenntnis. Matthias
 
Weil Frank mich ins Spiel gebracht, möchte ich kraft meiner Ausbildung und beruflichen Expertise (dazu weiter unten mehr) noch ein wenig Senf dazugeben.

Es macht sehr wohl einen Unterschied, ob a) eine klassische Lösung eines inversen Problems aufgrund von generischen Annahmen in der sogenannten Regularisierung (oder allgemein einem zur Konvergenz notwendigen Prior Knowledge-Term) lokal zu einem S/N-abhängigen Verhalten führt, oder b) ein KI-Algorithmus aufgrund einer trainierten Klassifizierung von Stern- und Nicht-Stern-Inhalt (das sogar laut Herstellerangaben) im Output Sterne mit perfekter Punktbildfunktion (PSF) synthetisiert. Und genau das macht der BlurXTerminator (BXT). [...]

Hallo Rainer,

ich glaube, Du schießt hier sehr weit über das Ziel hinweg. Das ist ein Amateur-Forum mit Ausrichtung auf »pretty pictures«. Die Bilder hier werden nicht astronomisch ausgewertet. Für das Forum hier sind die Sterne eher »Beiwerk«, von Kugelhaufen vielleicht mal abgesehen. Und die werden auch nicht wissenschaftlich ausgewertet. Die sollen nur schön aussehen und gefallen. Und die Sterne sollen rund sein. Darum geht es hier im Forum.

Die Sterne sind reine Punktquellen und ihre Abbildung unterliegt der benutzten Optik. Das sieht man auf den Fotos. Ich bei z.B. kein Freund von Fangspiegelhalterungen, die sich als Kreuz um die Sterne abbilden. Je nach benutzter Optik entstehen Abbildungsfehler, die man an Punktquellen leider allzu gut sehen kann. Deshalb halte ich eine kosmetische Korrektur der Sterne mit BXT schon für legitim für »pretty pictures«.

Ich trenne die Sterne immer von dem eigentlichen Objekt, dass ich fotografieren und hervorheben will. Dann kann ich die Objekte strecken und damit besser hervorheben. Für den wissenschaftlichen Gebrauch sind die dann aber wertlos. dafür sehen sie schön aus. Dann werden auch noch andere Operationen am Bild vorgenommen (ich mache das in PI), wie MaskedStretch oder MultiscaleAdaptiveStretch, womit die Bilder dann jeden Bezug zum realen Bild und der Astronomie verlieren. Aber sie sehen halt schön aus. Und darauf kommt es an. Und dann wird ja auch noch an den Farbe manipuliert. So knallig, wie sie hier zu sehen sind, sind sie in Wirklichkeit natürlich nicht. Aber das ist die künstlerische Freiheit und dem Geschmack geschuldet. Und wenn es die NASA macht, kann es ja nicht schlecht sein.

Danach füge ich die ungestreckten Sterne (vorher getrennt) mit der Funktion $T^(1/2.512) wieder ein, damit die (störenden) Sterne auch wieder im Bild erscheinen, aber nicht dominieren. So bekommt man zwar ein schönes Foto, hat aber mit der strengen astronomischen Wahrheit nichts mehr zu tun.

Aber Du siehst die Datenverarbeitung aus einem speziellen Blickwinkel, der passionierten Arbeit in der Bildverarbeitung. Das ist (neben der astronomischen Diskussion, die hier sowieso zu kurz kommt) ein anderer Aspekt, die Bilder und deren Verarbeitung zu diskutieren.

Letztlich unterliegt die Bearbeitung der Bilder immer dem persönlichen Geschmack, oder den Bildern, die von anderen vorgegeben werden und den Trend bestimmen. Die Amis mögen es ja gerne etwas knalliger in den Farben.

Gruß,
Peter
 
Hallo Rainer,

vielen Dank für deinen Beitrag zu diesem Thema. Es hat mich sehr gefreut, mal sauber dargelegt zu bekommen, dass KI-basierte Bildbearbeitungstools in der Astrofotografie keine tatsächlich verlorenen Bildinformationen wiederherstellen, sondern auf Basis trainierter Wahrscheinlichkeiten physikalisch inkorrekte, aber äußerst plausibel aussehende Halluzinationen erstellen können. Das deckt sich im Großen und Ganzen auch mit meinen Erfahrungen. Manchmal gruselt es mich auch hier im Forum, wenn ich lese, dass ‚die Optik zwar echt nicht gut ist, BXT das aber wieder hinbekommt‘. Das ist nicht mein Anspruch an die Astrofotografie. Sicherlich bin auch ich kein Wissenschaftler und mache meine Bilder ‚zum Spaß‘, das muss aber nicht heißen, dass diese immer perfekt sein müssen. Wie sonst könnte ich meine Fortschritte in meinen Bildern sehen, gute und schlechte Nächte. Wer letztlich ‚nur‘ das schönste Bild sehen will, kann meiner Meinung nach gerne BXT nutzen, sollte es aber dazuschreiben (was viele ja auch tun).

Dass nicht wahrgenommen wird, wer BXT nicht einsetzt, kann ich (bis jetzt) so noch nicht unterschreiben. Zumindest in meinem Umfeld. Die Entwicklung finde ich aber bedenklich und auch wenn ich mich über positives Feedback freue, ist das nicht mein Lebenszweck und ich verdiene meine Brötchen auf andere Weise. Irgendwie kommt mir in diesem Zusammenhang ein wenig der Gedanke an Sport und Doping. Wer ganz vorne mit dabei sein möchte, muss den ein oder anderen Trick anwenden. Manche Wege können, so verlockend sie auch sein mögen, aus Holz sein. ;)

Auch ich nutze gerne Graxpert und entferne bei einigen Aufnahmen die Sterne, auch um die Nebelstrukturen zu sehen, die sonst im Wald der Sterne untergehen. Einige KI-Tools (auch und gerade BXT) sind mir dann aber doch ‚too much‘. Inzwischen habe ich mir abgewöhnt, die Pixelquetsche zu doll anzuziehen und das Letzte aus den Daten herauszuholen. Dann lieber eine etwas feinere Ästhetik.

lassen wir mal die "überzeugen by Authority"- Versuche ... kann ich nicht ab.
Ich empfinde diesen Vorwurf als unangebracht. Da macht sich jemand die Mühe und schreibt einen, in meinen Augen, fundierten Text, der die Diskussion hier doch eigentlich nur bereichern kann, und du unterstellst ihm rhetorische Spitzfindigkeiten („klassische Trickkiste der Rhetorik“). Du musst seine Meinung natürlich nicht teilen, aber ein respektvoller Umgang ist, meines Erachtens, nicht zu viel verlangt.

So gerne ich auch KIs (auch beruflich) nutze, so sehr sehe ich ihre Grenzen. Der letzte Versuch, alte, eingescannte Familienfotos mit ihrer Hilfe zu restaurieren, ist grandios schiefgegangen. Zwar sahen die Bilder aus wie aus einer modernen Digitalkamera, aber plötzlich lächelte jemand, der im Original ernst schaute, und manche Leute habe ich kaum wiedererkannt. Das Ganze war also im Resultat großer Mist. Schade eigentlich.

Das schöner nicht immer besser sein muss sieht man hier:

KI-Vergleich.jpg


Rechts das Original, links die KI (aus dem Original 'kreiert'). Was hübscher aussieht ist wohl keine Frage, aber wer würde 'sowas' als sein Bild ausgeben?
Ok, ist ein Extremfall mal ganz abgesehen davon, dass die KI versucht hat aus Ganymed einen Stern zu machen :cool:

Viele Grüße
Michael
 
Peter bringt es ganz gut auf den Punkt. Die Stellen wo Astrophysik und Pretty Image aufeinandertreffen lassen sich nicht eindeutig trennen.
Um Dinge sichtbarer zu machen hilft nun mal die Bildbearbeitung und die genutzten Techniken. Das Leute dann die gegebenen Tools auch mal missbrauchen liegt auf der Hand. Oft aus Unwissenheit oder einer präferierten Vorstellung werden die Regler gerne bis zum Anschlag gedreht. Das hat sicher nichts mehr mit Datenintegrität bzw. wissenschaftlichen Nutzen zu tun. Aber jedem das Seine. Wir sind hier im Hobby Bereich und machen keine wissenschaftliche Analysen. Manche aber schon und ich finde das klasse wie tief hier teilweise recherchiert und analysiert wird. In der Rubrik Astrofotografie geht es aber am Ende um ein Bild das einen Catchen soll. Damit erweckt man auch Interesse und erschließt den Menschen unser Universum. Gäbe es diese Pretty Pictures nicht wäre ich wohl nie zu diesem Hobby gestoßen.
Da sind die Halluzinationen der KI und Deconvolution die dann offenbar gar keine mehr ist eher das kleinere Problem. Mit dem Sättigungsregler oder einer brutalen S-Kurve beim Histogramm mache ich deutlich mehr kaputt wie mit einer zu aggressiven BXT oder NXT.

CS,
Franz
 
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