Re: 24" Spiegel - welcher Hersteller ist zuverläss
Hallo,
Da hatte ich mich wohl zu früh gefreut, von wegen sachlicher Diskussion. :teufelgrr: Ich bin nicht sicher, ob es Sinn macht, noch etwas zu schreiben, der Thread scheint keinen Puls mehr zu haben. Trotzdem, ein paar letzte Zeilen von mir, nicht kurz, aber dafür ausführlich. :/
Ich bin kein Spiegelschleifer oder -tester, sondern anspruchsvoller Nutzer. Ich versuche ein kleines Fazit, vom Beobachter für den Beobachter. Da ich noch

keinen Spiegel aus feinem Haus besitze, steht mir weder Besitzer- noch Bauherrenstolz im Weg.
Ich werde bei meinem zukünftiges Teleskop - es werden finanziell bedingt noch ein paar Jahre ins Land gehen - maximale Qualität in jeder Hinsicht anstreben. Das steht schon lange fest, der Thread hat nur letzte Unklarheiten ausgeräumt. Insbesondere bei der Verknüpfung von Beobachtung und Test am Stern habe ich oft die Befürchtung, falsch zu interpretieren. Dank unserer Nachbarn gibt es für mich keine offenen Fragen mehr, alles ergibt ein rundes Bild. Merci dafür nach Frankreich, an David und an Rolf. Dass es dort eine derart lebendige Astro- und ATM-Szene gibt, wusste ich gar nicht, ich war wohl zu sehr US-fixiert.
Okay, woran mache ich maximale Qualität fest?
Wenn ich zwischen zwei Fernrohren, die ebenbürtig sein sollten, Unterschiede ausmache, suche ich nach dem Fehler, in der Hoffnung, ihn abstellen zu können. Ich bin da auch nicht völlig inkompetent.

Die optische Glätte ist dabei zunächst kein Thema, denn tausend Dinge kommen vorher. Dejustage? Optik verspannt oder verschmutzt? Schlechter Standort? Reflexe im Gerät? Ein blank gebliebener Schraubenkopf reicht schon, eine ungeschwärzte FS-Kante kann das Bild regelrecht killen. Und dann die Thermik! Ein abkühlender Spiegel heizt nicht nur, bei Borsilikat sackt auch der Rand weg, weil er über die Seitenkante zusätzlich Wärme verliert (das lässt sich abmildern, indem man die Kante mit Heizkörpertapete isoliert). Aber was, wenn man das ganze Programm durchgezogen hat, und die "Differentialdiagnose" ohne Ergebnis bleibt? Das habe ich schon mehrmals durch, vielleicht kommt manch einem das Erlebnis bekannt vor. Man kann dann natürlich sagen "Tja, er hat nicht gründlich genug gesucht". Aber das ist ein Totschlagargument.
Wenn die Parabel selbst in Ordnung ist (der Sterntest zeigt's, wer damit nicht klar kommt, kann immernoch das I-meter anwerfen), was bleibt dann noch übrig? Und: Das, was die Franzosen schreiben, passt perfekt zu den Erfahrungen, die ich und viele Andere gemacht haben. Auch im Forum finden sich Darstellungen. "Live", unter Beobachtern habe ich in vielen Jahren noch nie einen Streit über dieses Thema miterlebt. Manchmal wird diskutiert, oft mit Augenzwinkern oder einer gewissen Ratlosigkeit - aber nie Streit. Für mich(!) ist ein guter, großer Spiegel, dem die finale Glätte fehlt, gewissermaßen wie Axel Schulz: Im Prinzip zu Höherem fähig, aber ohne "Punch" bleibt er ein weicher Riese auf Lebenszeit. :totlach2: Nur in deutschen Foren wird man, wenn man Fragen über optische Rauheit und ihre Auswirkungen stellt, mit "Vergiß es, ist unwichtig." abgefertigt, oder - wenn man an den Richtigen gerät - sogar verspottet. Und zwar von Leuten, die offen zugeben, entsprechende Optiken gar nicht persönlich zu kennen.
Und hier komme ich zu einer Sache, die mich wirklich enttäuscht:
Warum funktioniert die Kommunikation nicht, wo kommt dieser Dogmatismus her? Warum stehen bei manchen Leuten die Funkgeräte immer auf Sendung, aber nie auf Empfang? Warum geht Kai von Anfang an davon aus, dass die Franzosen "einer großen Illusion aufgesessen sind", warum ist für Kurt jemand, der eine andere Meinung hat, ein "mathematisch-physikalisch Unkundiger", der "überzeugt" werden muss?? Es kostet mich Überwindung, hier nicht polemisch zu werden.
Liegt es daran, dass man Glätte und Streulicht bis heute mit Amateuren zugänglichen Mitteln nicht quantifizieren kann? Unmessbares existiert nicht?. Wer das für wissenschaftliche Denkweise hält: Was ist dann mit Gravitationswellen! Man kann ihre Auswirkungen beobachten (z.B. an Doppelpulsaren), doch gemessen hat bis heute noch niemand etwas. Heißt das nun, dass die GEO600-Forscher esoterische Spinner sind? :augenrubbel: Übrigens steht es jedem frei, ein Messverfahren zu entwickeln. Bis es soweit ist, bleibt die Beobachtung der einzige Maßstab. Unterschiede sieht man im Direktvergleich am besten, feine Unterschiede sieht man sogar
nur im side-by-side-Vergleich. Genau deswegen ist die Diskussion - auch die (sprach-)grenzüberschreitende - schiefgelaufen: Der Eisbär kann nicht mit dem Wüstenfuchs über die Sahara reden.

Es besteht hier ganz einfach eine Erfahrungslücke. Erkennt man zusätzlich die Erfahrungen Anderer nicht an oder deutet sie falsch (weil man sie sich nicht erklären kann), wird daraus eine Wissenslücke, welche man mit den Vermutungen füllt, die am besten ins eigene Weltbild passen. (Ja, das klang jetzt etwas kompliziert...einfach sacken lassen :biggrin
Es wurde angemerkt, dass Deutschland und Frankreich unterschiedliche ATM-Traditionen haben. Das sehe ich auch so; wir haben im Vergleich zu unseren Freunden westlich des Rheins mehr Probleme mit Lichtverschmutzung, was den deutschen Drang zu transportablen Leichtbauten mit dünnen Spiegeln erklärt. Die Franzosen setzen andere Prioritäten; genau deswegen hätte dieser Thread einen interessanten Erfahrungsaustausch bieten können. Zum Austauschen muss man aber den Empfänger einschalten...
Wie auch immer: Ich hoffe, dass die Spiegelschleifer aus diesem Thread die von Vernet angeregten Vergleiche machen und die versäumten Erfahrungen nachholen. Aber bitte nicht mit sechs Zoll! Da ist zuwenig Licht im Spiel, um den Fehler deutlich zu machen. Schon der Gedanke, den Versuch mit so kleinen Spiegeln durchzuführen, illustriert, dass das Thema eben doch nicht richtig erfasst wurde. Bei dieser kleinen Öffnung muss die Rauigkeit so hoch sein, dass die Sache unrealistisch wird und scheinbar das Gegenteil beweist - und dann geht das wieder von vorn los.

Ich jedenfalls habe Lichthöfe an hellen Sternen in kleinen Spiegeln stets auf andere Ursachen zurückführen können. Bitte noch mal meine Frage an David Vernet nachlesen, meine Schilderung bezieht sich auf einen 12,5-Zöller. Seine Antwort "Tout à fait." beantwortet gut die Frage, die man Rauigkeit im Sterntest erkennt. Was Kurts Vorschlag betrifft: Er macht genau den gleichen Fehler, bei einer off-axis-Blende nutzt man ein Sechstel der Spiegelfläche.
Man müsste dann irgendwie hochskalieren, aber wie? So einfach "mal sechs" geht nicht, unsere Augen funktionieren nicht linear, das hatte ich schon mal erwähnt, glaube ich.
Überhaupt wäre es interessant gewesen, den "Human Factor" mal mit in die Diskussion zu nehmen. Vielleicht hätte ein kluger Kopf eine Idee für eine Bewertungsmethode ausgebrütet. Ein Beispiel, wie so etwas aussehen könnte, gibt's ja schon. Refraktoren bewertet man inzwischen mit dem "gewichteten Polystrehl", der darauf basiert, dass unsere Augen Farben stark unterschiedlich, eben nichtlinear, wahrnehmen. Wenn nun für (Streulicht-)Helligkeiten etwas Ähnliches gelten würde.....
Sehr schade, dass ein gesitter Gedankenaustausch offenbar nicht möglich ist.
Bis irgendwann
Klaren Himmel
Jens
P.S: Falls Ihr überhaupt nichts mehr von mir hören solltet, hat Axel hier mitgelesen! :totlach: