Hallo Leute.
Schönes Thema, das mich grade beschäftigt. Ich habe eine Aufnahme (unter anderen) vom 13ten dieses Monats von Clavius und Co,
unnnnnd es gefällt aber es sieht irgendwie seltsam aus. Sind zwar keine Artefakte, doch ich finde etwas stimmt nicht.
Was meint ihr dazu.
CS Jozef
Hallo Jozef,
hast du das mit Deconvolution geschärft? Das ist anfällig für diese Art von verschwimmen. Bei mir funktioniert Deconvolution bei Mondbildern gar nicht gut. Probiers mal mit einem Wavelet Tool. Registax z.B.
Und zu dem anderen Thema mit den Doppelstrukturen. Ich hoffe mal, dass ich für diese Erklärung nicht wieder von irgendjemand beleidigt oder diffamiert werde.
Das menschliche Gehirn interpretiert Schärfe über die Kantenwahrnehmung. Schärfen macht nichts anderes als das auszunutzen und den Kontrast an hell-dunkel Übergängen zu verstärken und den Übergang steiler zu machen. Idealerweise kommt man irgendwann auf einen direkten Übergang von schwarz nach weiß.
Irgendwo hat das natürlich seine Grenzen, da die Algorithmen sowas nicht können. D.h. an den Kanten bekommt man auf der dunklen Seite einen Wert, der unter der Umgebung liegt und auf der Hellen Seite darüber. Wenn man das dann weiter verstärkt, bekommt man auf der anderen Seite des dunklen Randes wieder einen hellen Rand. So erkläre ich mir die Entstehung dieser Ringartefakte und Doppelstrukturen.
Vermeiden müsste man das können, in dem man die Schärferadien so klein wählt, dass sie die zu schärfenden Strukturen noch auflösen können. Da so kleine Radien nichts mehr schärfen können, muss man diese dann iterativ vergrößern bis man zu einem optimalen Ergebnis kommt. Das macht z.B. ein Wavelet Tool. Im Idealfall bekommt man keine Artefakte bis es irgendwann zu rauschen anfängt. In der Praxis kann man es aber nicht ganz vermeiden. Manche Strukturen zeigen schon Artefakte, wo man andere noch locker nachschärfen kann. Der Mondsüdpol mit seinen harten Kontrasten ist z.B. so ein Fall. Da ist der Kontrast eh schon extrem und man kommt schneller an eine Grenze. Ich wähle dann immer einen Kompromiss.
Das Ergebnis ist allerdings relativ flach und kontrastarm, da man ja genau diese übermäßige Kontrastverstärkung versucht zu vermeiden. D.h. man muss sich noch eine Methode überlegen, wie man den Kontrast verstärken kann ohne zu schärfen. Dafür kann man z.B. einen Hochpassfilter nehmen oder über die Verschiebung des Weiß- bzw. Schwarzpunkts den Kontrast verstärken. Das ist auch der Punkt, an dem ich manchmal ein KI Tool einsetze. Das schärft die Kanten nochmal ohne die Nachteile der klassischen Filter und entfernt das Rauschen, sodass ich wieder Reserven für den Kontrast bekomme.
Außerdem hilft es, wenn man ausreichend Material hat, um die Tonwertübergänge im Summenbild optimal zu glätten. Es wird immer wieder behauptet, dass das SNR bei Mond- und Planetenbildern keine Rolle spielt. Das ist falsch. Je besser das SNR im Summenbild, desto stärker kann man schärfen, ohne dass das Bild zu rauschen anfängt oder Artefakte zeigt. Das ist genau wie bei der Deepskyfotografie, nur dass man dort die Reserven im Bild hauptsächlich zum Strecken verwendet und nicht zum Schärfen. Das SNR des Summenbildes erhöht man genau wie bei Deepskyfotografie durch die Erhöhung der Anzahl der Einzelbilder oder durch die Erhöhung des SNR der Einzelbilder. Idealerweise kombiniert man man beides.
Ansonsten gibt es natürlich noch die Möglichkeit mit Masken zu arbeiten. Z.B. kann man mit einer negativen Graustufenmaske schärfen, um die extremen Kontrastbereiche zu schützen. Man kann auch im Extremfall mit einem Tool zum Kanten finden, eine Kantenmaske erzeugen und nur die Kanten schärfen oder umgekehrt die Kanten vom Schärfen ausnehmen. Man kann auch das überschärfte Bild maskieren und mit der Sprühpistole nur bestimmte Bereiche, die extrem viel Schärfung vertragen, freisprühen.
Man kann vieles machen, am Ende ist dann halt irgendwo der Punkt, wo man sich eingestehen muss, dass in dem Bild das drin ist, was drin ist und nicht mehr. Die Schärfungsalgorithmen erhöhen nicht die Auflösung, sie verstärken nur Kontraste und machen die Übergänge steiler.
Grüße,
Joachim