Artefakte bei Bildbearbeitung von Planeten und Mondfotos

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Witold_Münster

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Hallo Mond- und Planetenfreunde,
angeregt durch einen Bildbeitrag (Clavius Richtung Südpol) und die dort entstandene Diskussion würde ich gerne hier einen neuen Beitrag eröffnen, mit der Bitte um Beteiligung und Auflistung möglichst unterschiedlicher Artefakte (versteht sich mit Bildmaterialien), die bei Aufnahmen vom Mond und Planeten entstehen.
Es wäre schön (bin selbst dafür dankbar), wenn hier auch Tipps zustande kämen, wie man diese bearbeiten, verbannen bzw. vermeiden kann.

Eine Bitte an alle, die sich an den Kommentare beteiligen: bitte benutzt bei den Beschreibungen und Tipps eine auch für Anfänger verständliche Sprache :) (am besten eine Schritt für Schritt Erklärung ohne Kürzel etc.)

Vielen Dank fürs Mitmachen und jederzeit cs
Witold

Hier ein Ausschnitt (am Terminator am besten wahrnehmbar) aus dem schönen Mondfoto vom Klaus (mit einem C8!) mit den von Uwe und mir angesprochenen Artefakten.

Screenshot (37).png
 
Zuletzt bearbeitet:
Am Terminator ist natürlich der Kontrast am Größten. Da verschwinden leichte Doppellinien nicht in einem Grau, sondern bleiben eben besser sichtbar im Schwarz. Dort liegt allerdings nicht das Hauptmotiv des Bildes. Mich kratzt das am Terminator deshalb eigentlich nicht. :coffee:

Viel störender sind die schillernden Doppelbilder in vielen anderen Mondfotos, wo die Schärferadien nicht optimal angewendet wurden... man zeige mit also erst mal wesentlich BESSERE Bilder als das obige... ;)

lg
Niki
 
Hallo Leute.
Schönes Thema, das mich grade beschäftigt. Ich habe eine Aufnahme (unter anderen) vom 13ten dieses Monats von Clavius und Co,
unnnnnd es gefällt aber es sieht irgendwie seltsam aus. Sind zwar keine Artefakte, doch ich finde etwas stimmt nicht.
Was meint ihr dazu.

Moon_200648 im PS.jpg


CS Jozef
 
Hallo Jozef,
wie war der Seeing an dem Abend? Zeigen alle Aufnahmen diesen Effekt?
Es könnte am Seeing liegen. Gabs da eventuell den s.g. Microseenig?
Wanderte der Mond während der Aufnahme durch das Bild?
Wie war die Anzahl der Bilder pro Sekunde?

Wenn andere Aufnahmen (vorher & nachher) in Ordnung sind , dann würde ich mit AS!3 andere Parameter wählen und noch einmal stacken.

Hier ein Beispiel von mir für echte Artefakte, die durch AS!3 verursacht wurden (weil die Mont nicht richtig austariert war und der Mond durch das Bildfeld wanderte:
22_03_07_l3_ap1258_10_3_9_gaus_ASI.png


Nachdem ich die die Parameter bei AS!3 gändert habe (anstatt 10% wählte ich unter den zu stackenden Anzahl der Bilder 15% und nach Veränderung unter Alignment Point der AP Size kam folgendes Bild heraus:

22_03_07_l2_ap5841_10_3_9_gaus_ASI.png
 
Hallo Witold
Wunderbare Idee...
und gleich ein Tipp zum Anfang. Die Dinge im Bild, auf die verwiesen wird, und die für die Diskussion wichtig sind, sollten gekennzeichnet werden (Pfeil o. a.), sofern die Dinge nicht gleich auffallen. Bei dem Bild habe ich ehrlich gesagt Probleme das erwähnte zu erkennen.
Einige Artefakte die bei der Bildbearbeitung entstehen, kenne ich aus eigener Erfahrung und bestimmt nicht alle.
Auf das 'Schachbrettmuster' bei manchen Mondbildern habe ich in meinen Kommentaren schon aufmerksam gemacht. Als 'Startbild' liegt ein Bild vor was fast sauber von Artefakten ist. Ich sehe eigentlich nur ganz leichte Aufhellungen an den Schatten in Kratern beim Übergang vom Schatten zum Kraterboden. Dieser Effekt wird mit zunehmender Schärfe oder Kontrastanhebung immer stärker (Photoshop). Ringartefakte sehe ich keine. Nun, meine Erfahrungen haben noch Luft nach oben. Es gibt z. B. nur wenige Stellen im Bild wo der möglich hellste Wert von 255 (RGB 255,255,255) erreicht wird (kleinere Krater). Rauschen, wie schon gesagt, könnte noch geglättet werden. Aber das sind keine Artefakte. Daher finde ich das Bild schon sehr gut und ausgewogen. Bei meinen Bildern (mit einer spiegellosen digitalen Fotokamera, DSLM) habe ich zudem mit Artefakten zu kämpfen, die durch die Videokomprimierung entstehen. Astrokamerabesitzer kennen das nicht.
Bin gespannt wie es hier weitergeht.
VG spa
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Witold.
Hallo Jozef,
wie war der Seeing an dem Abend? Zeigen alle Aufnahmen diesen Effekt?
Das Seeing war verdammt kurzfregwentig einerseits, und es gingen immer wieder auch deutliche unscharfe Wellen durchs Bild. So gesehen sehr blöde Voraussetzungen.
Ich denke auch, dass diese, ich nenne es mal "Verzerrung" dem ganzen Umstand der Luftunruhe zuzuschreiben ist.
Wanderte der Mond während der Aufnahme durch das Bild?
Wie war die Anzahl der Bilder pro Sekunde?
Nein der Mond wanderte nicht durchs Bild.....
Anbei die Aufnahmedaten:

FireCapture v2.6 Settings
------------------------------------
Camera=ZWO ASI290MM
Filter=Baader CCD Rot
Profile=Moon
Filename=Moon_200648.avi
Date=130222
Start=200633.852
Mid=200648.581
End=200703.310
Duration=29.458s
Frames captured=5000
File type=AVI
Binning=no
ROI=1936x1096
ROI(Offset)=0x0
FPS (avg.)=169
Shutter=4.830ms
Gain=125 (20%)
Gamma=70
Brightness=1 (off)
USBTraffic=100 (off)
SoftwareGain=10 (off)
Histogramm=50%
Sensor temperature=18.8°C

Gestckt 1000 Frames

CS Jozef
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo,

erst einmal zum oberen Beispielbild. Das sind für mich keine Bearbeitungsartefakte. das wurde vor Jahren hier im Forum schon diskutiert.

Meiner Meinung nach entstehen diese doppelten Kraterränder beim Stacken durch die Seeingschwankungen.

Hier eine Animation von Copernicus bei schlechten Bedingungen:
Moon_110222_214414badkl.gif


Besonders beim rechten hellen Kraterrand fallen die verschobenen Dopplungen auf. Das Stackingprogramm wird das beim automatischen Ausrichten nicht komplett kompensieren können. Wenn dann der helle Kraterrand am dunklen Terminator liegt, fällt der schwächere verschobene Kraterrand noch mehr auf.

Wenn nun bei einzelnen Frames im Stack dieser helle Kraterrand verschoben ist wird man das im Summenbild vielleicht noch nicht direkt sehen aber spätestens beim Schärfen bzw. bei einer Kontraststeigerung.

Dies ist meine logische Erklärung für das häufig auftretende Phänomen.

Gruß,
Holger
 
Hallo Holger,
bei dem schönen Video-Beispiel mit schlechten Seeing (Prosa der Nächte in unseren Breitengraden) trifft das sicherlich zu. In solchen Fällen mache ich keine Aufnahmen mehr. AS!3 schafft diese Differenzen nicht mehr auszugleichen.

Gib uns doch bitte (in einem separaten Beitrag) einen Tipp in Form einer genauen Beschreibung (Schritt für Schritt) wie man aus einem Video so ein Anschauungsmaterial in Form einer Animation machen kann. Dann kann man das immer parallel zu den Fotos als ein Anschauungsmaterial für die Seeingverhältnisse mitliefern :)

Ich habe mir erlaubt das Foto vom Klaus (mit seinem Summenbild) weicher zu bearbeiten. Hier das Ergebnis. Es ist eventuell noch recht "hart", aber mir persönlich (nach Euren vergangenen Rügen ;)) gefällt es ziemlich gut:

Moon_205810_130222_lapl4_ap2098_10_3_5_gaus_ASI.png


VG
Witold
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Oreoluna

Ich denke Dein Bild hat schon Artefakte, wahrscheinlich auf Grund des Seeings (strichweise Verzerrungen) wie Witold schon vermutet. Bei dem Bild findet das Auge keinen Ruhepunkt, zumal die Schärfe und Kontrast dadurch nicht wirklich in den Vordergrund kommt. Ich denke solchen Fällen sind 20% gestakte Bilder auch zu viel.
Ich habe mir erlaubt das Bild mal in PS zu bearbeiten. Erst weichgezeichnet um die Artefakte zu entfernen und wieder geschärft (wechselnd) plus Tiefen/Lichter Anpassung. Es gehen feine Details verloren aber ich finde es sieht besser aus. Mit dem Original Summenbild geht das bestimmt noch besser. Hier mein Ergebnis
VG spa

1645036380178.jpeg
 
Hallo Darkstar.
Das ist ein überzeugender Ansatz, hab Dank dafür. Das geht in die richtige Richtung... das
Resultat ist deutlich zur "Ruhe" gekommen. :y::y::y:
CS Jozef

Nun 20 min später..... einfach abgefahren, der TIP von Dir. Hammer.

Unbenannt1.gif
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Witold,

Gib uns doch bitte (in einem separaten Beitrag) einen Tipp in Form einer genauen Beschreibung (Schritt für Schritt) wie man aus einem Video so ein Anschauungsmaterial in Form einer Animation machen kann.

Das ist schnell erzählt: Avi in virtualdub laden, 20 Frames croppen, Export als Animated Gif, fertig ist die Seeinganimation.

Jozef:

Das sieht immer noch sehr merkwürdig aus, diese Glanzlichter, ich weiß gar nicht wie ich das ausdrücken soll, habe ich so noch nicht gesehen.
Ist denn schon das Summenbild auffällig ?
Kannst Du das mal zeigen ?
Ist das eigentlich ein Mosaik ?

Gruß,
Holger
 
Erst weichgezeichnet um die Artefakte zu entfernen und wieder geschärft (wechselnd) plus Tiefen/Lichter Anpassung.
Tja. Für mich ist der Kontrastumfang trotzdem merklich zu hoch. Weiß ist fast ganz Weiß, Schwarz tiefstes Schwarz. Ich würde das nicht dermaßen spreizen... hier zur Verdeutlichung, was ich meine. Das untere hingegen Bild hat einen verträglichen Tonwertumfang und wirkt für mich natürlich. :coffee:

Bildschirmfoto 2022-02-16 um 20.16.42.png


Bildschirmfoto 2022-02-16 um 20.15.37.png


lg
Niki
 
Bei zu hohem Kontrast und Tonwertumfang wird es brutal hart und verliert die Zeichung in den Lichtern. Die Kraterränder sind fast ganz weiße Streifen, die Schatten schwarz. Keine Grauwerte mehr. Auch die wellige Langschaft scheint bei harter Zeichnung sehr überhöht, was es unnatürlich erscheinen lässt... ;)

Bildschirmfoto 2022-02-16 um 20.21.42.png

Ergo: Unschärfe lässt sich nicht durch Kontrasterhöhung eliminieren...

lg
Niki
 
Hallo Leute.
Schönes Thema, das mich grade beschäftigt. Ich habe eine Aufnahme (unter anderen) vom 13ten dieses Monats von Clavius und Co,
unnnnnd es gefällt aber es sieht irgendwie seltsam aus. Sind zwar keine Artefakte, doch ich finde etwas stimmt nicht.
Was meint ihr dazu.

CS Jozef
Hallo Jozef,

hast du das mit Deconvolution geschärft? Das ist anfällig für diese Art von verschwimmen. Bei mir funktioniert Deconvolution bei Mondbildern gar nicht gut. Probiers mal mit einem Wavelet Tool. Registax z.B.

Und zu dem anderen Thema mit den Doppelstrukturen. Ich hoffe mal, dass ich für diese Erklärung nicht wieder von irgendjemand beleidigt oder diffamiert werde.

Das menschliche Gehirn interpretiert Schärfe über die Kantenwahrnehmung. Schärfen macht nichts anderes als das auszunutzen und den Kontrast an hell-dunkel Übergängen zu verstärken und den Übergang steiler zu machen. Idealerweise kommt man irgendwann auf einen direkten Übergang von schwarz nach weiß.

Irgendwo hat das natürlich seine Grenzen, da die Algorithmen sowas nicht können. D.h. an den Kanten bekommt man auf der dunklen Seite einen Wert, der unter der Umgebung liegt und auf der Hellen Seite darüber. Wenn man das dann weiter verstärkt, bekommt man auf der anderen Seite des dunklen Randes wieder einen hellen Rand. So erkläre ich mir die Entstehung dieser Ringartefakte und Doppelstrukturen.

Vermeiden müsste man das können, in dem man die Schärferadien so klein wählt, dass sie die zu schärfenden Strukturen noch auflösen können. Da so kleine Radien nichts mehr schärfen können, muss man diese dann iterativ vergrößern bis man zu einem optimalen Ergebnis kommt. Das macht z.B. ein Wavelet Tool. Im Idealfall bekommt man keine Artefakte bis es irgendwann zu rauschen anfängt. In der Praxis kann man es aber nicht ganz vermeiden. Manche Strukturen zeigen schon Artefakte, wo man andere noch locker nachschärfen kann. Der Mondsüdpol mit seinen harten Kontrasten ist z.B. so ein Fall. Da ist der Kontrast eh schon extrem und man kommt schneller an eine Grenze. Ich wähle dann immer einen Kompromiss.

Das Ergebnis ist allerdings relativ flach und kontrastarm, da man ja genau diese übermäßige Kontrastverstärkung versucht zu vermeiden. D.h. man muss sich noch eine Methode überlegen, wie man den Kontrast verstärken kann ohne zu schärfen. Dafür kann man z.B. einen Hochpassfilter nehmen oder über die Verschiebung des Weiß- bzw. Schwarzpunkts den Kontrast verstärken. Das ist auch der Punkt, an dem ich manchmal ein KI Tool einsetze. Das schärft die Kanten nochmal ohne die Nachteile der klassischen Filter und entfernt das Rauschen, sodass ich wieder Reserven für den Kontrast bekomme.

Außerdem hilft es, wenn man ausreichend Material hat, um die Tonwertübergänge im Summenbild optimal zu glätten. Es wird immer wieder behauptet, dass das SNR bei Mond- und Planetenbildern keine Rolle spielt. Das ist falsch. Je besser das SNR im Summenbild, desto stärker kann man schärfen, ohne dass das Bild zu rauschen anfängt oder Artefakte zeigt. Das ist genau wie bei der Deepskyfotografie, nur dass man dort die Reserven im Bild hauptsächlich zum Strecken verwendet und nicht zum Schärfen. Das SNR des Summenbildes erhöht man genau wie bei Deepskyfotografie durch die Erhöhung der Anzahl der Einzelbilder oder durch die Erhöhung des SNR der Einzelbilder. Idealerweise kombiniert man man beides.

Ansonsten gibt es natürlich noch die Möglichkeit mit Masken zu arbeiten. Z.B. kann man mit einer negativen Graustufenmaske schärfen, um die extremen Kontrastbereiche zu schützen. Man kann auch im Extremfall mit einem Tool zum Kanten finden, eine Kantenmaske erzeugen und nur die Kanten schärfen oder umgekehrt die Kanten vom Schärfen ausnehmen. Man kann auch das überschärfte Bild maskieren und mit der Sprühpistole nur bestimmte Bereiche, die extrem viel Schärfung vertragen, freisprühen.

Man kann vieles machen, am Ende ist dann halt irgendwo der Punkt, wo man sich eingestehen muss, dass in dem Bild das drin ist, was drin ist und nicht mehr. Die Schärfungsalgorithmen erhöhen nicht die Auflösung, sie verstärken nur Kontraste und machen die Übergänge steiler.

Grüße,
Joachim
 
Hallo in die Runde,
Besonders beim rechten hellen Kraterrand fallen die verschobenen Dopplungen auf. Das Stackingprogramm wird das beim automatischen Ausrichten nicht komplett kompensieren können.
ähnliche, sehr wahrscheinlich Seeing-bedingte Effekte sind mir bei Planetenaufnahmen auch schon untergekommen. Ein doppelter Rand fällt dabei natürlich v.a. an der hellen Seite auf. Ich vermute dann, dass es bestimmte Konstellationen von Seeing(pseudo-)Frequenz, Belichtungszeit und Auslesemethode (z.B. interleaved) geben kann, so dass die seeing-bedingte Dopplung ("SBD" hehe, oder englisch "SID", wieder eine Gelegenheit für kryptische Abkürzungen, aber wir sollen es ja gm. Wunsch des TO allgemeinverständlich halten) , schon im Frame landet. Dann wäre auch der beste Alignment-Algorithmus machtlos.

Es wird immer wieder behauptet, dass das SNR bei Mond- und Planetenbildern keine Rolle spielt.
Wer behauptet denn sowas? Habe ich hier noch nicht gelesen, und bei dem, was hier auf A.de alles m.o.w (un-)sinnvolles gepostet wird, will das ja was heissen. :LOL:
-cb

PS: noch ein Nachtrag: selbst wenn die Belichtungszeit kurz genug ist, den Seeing-Effekt auf mehrere Frames zu verteilen, kann u.U. das Alignment versagen. Man kann sich dass wie eine schwingende Feder vorstellen, bei schneller Oszillation fallen dem Auge ja besonders die Umkehrpunkte auf, dort verweilt der Rand der Feder ja auch am längsten. Auf's Alignment umgesetzt bekommt der Algorithmus also überwiegend zwei Zielpunkte vorgesetzt, nach denen er ausrichten kann, und das wahrscheinlich dann auch so tut...
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
D.h. an den Kanten bekommt man auf der dunklen Seite einen Wert, der unter der Umgebung liegt und auf der Hellen Seite darüber. Wenn man das dann weiter verstärkt, bekommt man auf der anderen Seite des dunklen Randes wieder einen hellen Rand. So erkläre ich mir die Entstehung dieser Ringartefakte und Doppelstrukturen.
Meist nimmt man "Unscharf maskieren", da kann man den Schwellwert und den Radius bestimmen, sowie die Intensität.
Im Prinzip wird dabei der Kantenübergang überhöht, indem das Programm VOR dem Übergang die hellere Fläche kurz vor der Kontrastkante AUFHELLT und die dunklere Fläche vor der Kante abdunkelt:

Bildschirmfoto 2022-02-16 um 22.24.41.png

Die Aufhellung oder Abdunklung wandert jedoch nicht von der Kante weg. Hingegen kan eine vorher durch Wavlet-Filterung erzeugte Doppelkante mitgeschärft werden, dann kommt das heraus, was Du beschrteibst.

Bei mir funktioniert Deconvolution bei Mondbildern gar nicht gut. Probiers mal mit einem Wavelet Tool.
Deconvolution IST ein Wavelet-Filer, Joachim. Oder sehe ich das falsch?

Ansonsten gibt es natürlich noch die Möglichkeit mit Masken zu arbeiten. Z.B. kann man mit einer negativen Graustufenmaske schärfen, um die extremen Kontrastbereiche zu schützen.
Korrekt, aber das ist sehr aufwändig. Besser, das Ausgangsmaterial stimmt, und darauf sollte man sich m.E. eigentlich konzentrieren. Wenn das "Original" stimmt, braucht man nachher nicht zu zaubern...:)

lg
Niki
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Niki, ich kann nur Deiner letzten Aussage zustimmen: wenn das Bild oder die Bildfolge (Ausgangsmaterial) nicht stimmt: nicht scharf ist, falsch belichtet etc. so ist der Zug einer gelungenen Bildbearbeitung und eines zufriedenstellenden Endergebnisses abgefahren. Das galt schon in der analogen Zeit der Negative und der Umwandlung in ein Positiv. Noch komplexer war es bei den Dias. Wenn der Seeing nicht stimmt, dann hilft nichts: keine noch so schnelle Kamera, keine Reduktion der Öffnung, keine Tricksereien mit noch so teuren Programmen, Filtern etc. pp.

Kann mir jemand sagen was passiert bei einer Aufnahme (im Bezug auf Seeing, was letztendlich auch eine Frequenz der Störungen beim Bilderscheinung bedeutet) mit z.B. 1/30 Sekunde Belichtungszeit und einer Bildfolge von 180 Bildern pro Sekunde im Vergleich zu einer Aufnahme mit 1/30 Sek. Belichtungszeit und einer Bildfolge von 30 Bildern pro Sekunde? Und umgekehrt bei einer Aufnahme mit einer Belichtung von 1/180 Sekunde bei einer Bildrate von 30 Bildern pro Sekunde?
Welche Einstellungen sind bei unserem mitteleuropäischem Seeing hilfreich und welche sind sinnlos? Die Belichtungszeit ist glaube ich (sagt mir mein Bauchgefühl) zweitrangig, wenn sie kürzer als die Bildrate (z.B. 1/180 Sek bei Bildrate von 30/Sek. ist oder gleich der Bildrate ist (1/30 Sekunde bei 30 Bildern (?)) Oder mache ich hier einen Denkfehler? Wenn ich richtig liege, was passiert in dem übrigen Fall?

Ich habe öfter sehr gute Ergebnisse mit einer Bildrate von 15 bis 60 Bildern pro Sekunde gemacht. Die Belichtungszeit war nie kleiner.

VG
Witold
 
Zuletzt bearbeitet:
Deconvolution IST ein Wavelet-Filer, Joachim. Oder sehe ich das falsch?
Ich bin kein Mathematiker :) Ich frage daher mal zurück. Ist ein Wavelet Filter automatisch ein Deconvolution Filter? Und arbeitet jedes Wavelet Tool mit Deconvolution?

Naja, das dauert keine Minute. Perfektes Material ist natürlich immer gut, habe ich aber nie.
 
Das ist schnell erzählt: Avi in virtualdub laden, 20 Frames croppen, Export als Animated Gif, fertig ist die Seeinganimation.

Ich nehme mit SER-Format. Gilt das auch dafür?

PS: Habe gerade ausprobiert. Leider nicht :( Gibs für SER einen Konverter?
...

o.k. habe ein älteres Video genommen. Was heisst croppen? Kannst Du es bitte genauer erklären für einen Doofen wie mich ....
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi,
Bildrate und Belichtungszeit (BZ) hängen nur theoretisch zusammen (reziprok), in der Praxis muss die Kamera die ausgelesenen Bilder möglichst schnell wegschaufeln, was nicht immer so schnell geht wie gewünscht, und dann dazu führt, dass die Bildrate kleiner wird als gemäss 1/BZ zu erwarten wäre. Auf die Qualität des Stacks hat dies dann indirekt Einfluss, weil einfach weniger Bilder gesammelt werden als theoretisch möglich. D.h. SNR wird kleiner als theor. möglich. Bzgl. des Seeings ist dagegen die BZ alleine ausschlagebend, weil die ja bestimmt, wie lange die Luftunruhe das Bild verwabern kann, bevor es im Kasten ist.
Daraus könnte man schliessen, die BZ immer so kurz wie möglich zu machen, aber leider gibt das dann in der Praxis andere Probleme. Man braucht höhere Gain-Einstellungen mit in Folge höherem Noise, und bei schlechten Bedingungen sind die Einzelframes dann u.U. stark verzerrt., so dass die Alignment-Algorithmen überfordert sind , sie jeweils passend zurecht zu biegen beim Aufsummieren. D.h. die Info ist im Bild, aber man kommt nicht 'ran :confused:

Wavelets und Deconvolution sind grundsätzlich ganz verschiedene Algorithmen, trotzdem können sie tw. ziemlich ähnlich aussehende Artefakte produzieren. Bei der Deconvolution nimmt man im Prinzip einen Gauss-Spread (Aufweitung ) an durch das Abbildungssystem, und versucht diesen iterativ wd. rückgängig zu machen. Bei der Wavelet-Transformation findet eine Entwicklung in eine Satz von Basisfunktionen statt, mit zunehmend kleinerer Wellenlänge, danach wird das Bild mit modifizierten Koeffizienten wieder zusammengerechnet. Somit lassen sich je nach Wunsch bestimmte Wellenlängen (Muster) im Bild verstärken od. abschwächen. Dabei kann man sich dann auch schnell weit von der Realität wegbewegen, während Deconvolution -zumindest im übliche Rahmen der verwendeten Parameter - etwas näher bei der Wahrheit, aber eben auch stärker begrenzt in ihrer Wirkung, bleibt. Mal jetzt etwas seeehr flapsig ausgedrückt...

Last but not least: man muss bei schlechtem Ausgangsmaterial nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, sofern es nicht ganz grottenschlecht ist. Aber das ist natürlich ein Geduldspiel. Und, v.a., wo verläuft die Grenze zw. schlecht u. grottenschlecht ?
-cb
 
Moin,
VirtualDub ist Freeware und kann hier heruntergeladen werden: VirtualDub download (at SourceForge) - virtualdub.org
Ist ein Programm zur allgemeinen Videobearbeitung und nicht speziell zur astronomischen Videobearbeitung gedacht, kann aber, auch dank zahlreicher Plugins, dafür genutzt werden.

Ich benutze es schon seit vielen Jahren, da das Programm, ähnlich wie Fitswork, äußerst kompakt programmiert, schnell installiert und dennoch sehr umfangreich ist.

Statt AS3! gibt es alternativ auch den Planetary System Stacker - mit eigenem Strang hier: PlanetarySystemStacker (PSS)
Habt ihr euch damit mal beschäftigt?
Der Autor Rolf Hempel gibt sich richtig Mühe in die Algorithmen der astronomischen Videobearbeitung.

Und dann gibt es da noch PIPP, den Planetary Image PreProcessor - auch frei: PIPP Downloads - PIPP Planetary Imaging PreProcessor
Es ist ebenso, wie die Vorgänger, schnell installiert. Diese Software nutze ich z.B., um meine 20 Jahre alten AVIs in ein modernes Format zu konvertieren und vielleicht mal die ein oder andere Stellschraube zu benutzen (z.B. Sortierung der besten Frames :giggle: ).

Man muss sich allerdings bei jeder Software mit den Parametern vertraut machen, sonst wird das nix ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
Teil 2:
Ich bin jedenfalls dazu übergegangen, weniger zu schärfen und mehr die natürliche Erscheinung zu erhalten, um Artefakte zu vermeiden.
Stellvertretend dafür soll eine Jupiteraufnahme mit 'nem C8 aus dem April 2003 herhalten:

Bearbeitet am 08.04.2003 (bearbeitet mit Giotto):
20030406-jupiter2.jpg


Dieselbe Aufnahme moderat bearbeitet 2018 mit AS3!:
20030406-jupiter.jpg

Welche Bearbeitung gefällt euch besser?
Der Informationsgehalt ist in beiden Fällen derselbe!
 
Zuletzt bearbeitet:
Ganz klar die weichere Version.

Die Belichtungszeit ist glaube ich (sagt mir mein Bauchgefühl) zweitrangig, wenn sie kürzer als die Bildrate (z.B. 1/180 Sek bei Bildrate von 30/Sek. ist oder gleich der Bildrate ist (1/30 Sekunde bei 30 Bildern (?)) Oder mache ich hier einen Denkfehler?
Ohne genaue Kenntnis nur nach meiner Logik:
Ist die Belichtungszeit kürzer als die Framerate werden halt 30 Einzelframes pro Sekunde abgespeichert, wahrscheinlich gleichmäßig auf die Sekunde verteilt.
Es ist dann nicht die ganze Sekunde im Avi sondern 30 x 1/180 Sek, praktisch mit Lücken dazwischen.

Das Seeing ändert sich schnell, daher würde ich die kürzere Belichtungszeit bevorzugen allerdings bleibe ich beim Mond mit dem Gain Wert bei ca. 50-60 von max. 100. Die Belichtungszeit liegt bei mir dann meist um die 2 ms.
Bei schlechten Bedingungen warte ich mit der Aufnahme immer auf bessere Phasen und unterbreche bei schlechteren Momente mit der Pause Taste.
Außerdem wähle ich eine schmalere ROI um die Framerate zu erhöhen. Häufig halten gute Seeingphasen nur 1 bis 2 Sekunden an und da möchte ich so viele Frames wie möglich im Avi haben, also nicht wie oben beschrieben Lücken erhalten.
So muss ich zwar häufiger einen größeren Krater in mehrere Avis aufteilen, habe aber bei einer kurzen ruhigen Phase viel mehr gute Frames gesammelt.
Ich nehme mir also recht viel Zeit für einen Krater.

Bei besseren Bedingungen ist das dann weniger nötig, da reichen mir 30fps ohne ROI.

Nachbearbeitung:
Deconvolution ist nicht mein Ding, damit komme ich einfach nicht klar.

Ich verwende fitswork: gauss schärfen und Wavelet Detailsverstärkung.
Zum Schluss gimp unscharfe Maske & gmic Plugin (leichtes Entrauschen)
Hier aber mit Ebenenmasken:
Entrauschen mit invertierter Graustufenkopie um die dunkleren Bereich mehr zu bearbeiten und beim Schärfen genau umgekehrt also die Graustufenkopie nicht invertieren und die hellen Bereiche noch etwas erhöht.

Gruß,
Holger
 
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