Astrofotografie trotz Lichtverschmutzung - wie bearbeite ich meine Bilder, dass sie brauchbar werden

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

TaurusM45

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

aufgrund von sinnbefreiten Ausgangssperren, beschränkt sich meine Beobachtung/Fotografie auf die heimische Terrasse.
Leider ist bei mir die Lichtverschmutzung sehr hoch, sodass ich nach mehr als 45 Sekunden Belichtung bereits gelb/braune Bilder bekomme.

Ist es dennoch möglich, DeepSky Fotografie zu machen und kann ich die Bilder irgendwie retten?

Ich bearbeite ausschließlich mit DSS und Photoshop 2021.

Was soll ich tun, damit ich dennoch hier zuhause erfolge an z. B. M51 und Kollegen habe bzw. welche Schrauben muss ich bei PS drehen damit die Bilder was werden?

vielen Dank schon mal für eure Hilfe
Grüße
Andreas
 
Man könnte für Nebel mit einem Duo Narrowband Filter arbeiten und sonst mit einem CLS Filter. Allerdings habe ich mit meinem günstigen so meine Probleme, es sollte also nicht der billigste sein... ;)
 
Hallo Andreas,

Von wie viel Lichtverschmutzung reden wir denn hier? Was für einen Bortle-Wert zeigt z.B. LightPollutionMap für Deinen Standort an?
Was für ein Offnungsverhältnis hat Deine Optik, welche Kamera verwendest Du?

Gelbe Bilder bei 45 Sekunden klingt erstmal ganz schön heftig. Meinst Du damit den Anblick in einem Bildbetrachter, so wie die Bilder aus der Kamera kommen? Oder die ungestreckten Bilder in einer Astro-Software?
Ich fotografiere mit einer f/4 Optik unter einem Bortle 6 Himmel und kann trotzdem 200-300 Sekunden belichten. Dazu muss ich aber auf ISO 200 runter. Ein hellbrauner Hintergrund in den Einzelbildern im Bildbetrachter ist dabei völlig normal.
Man kann auch mit 45 Sekunden Bildern arbeiten, aber dann wird es mühsam, auf ordentliche Gesamtbelichtungszeiten zu kommen.

Zu Bearbeitungstipps mit DSS / PS kann ich wenig sagen, da ich Siril, Darktable und Gimp nutze. Aber ganz allgemein würde ich sagen, die Bearbeitung unterscheidet sich nicht sonderlich von Aufnahmen unter dunklem Himmel, außer dass mehr und aufwändigere Gradienten zu entfernen sind.
Also die Bilder normal stacken, dann einen sauberen Hintergrundabzug machen und Gradienten entfernen, dann den Hintergrund neutralisieren und die Farben kalibrieren. Erst dann wird gestreckt.

Du musst Dir aber auf jeden Fall im klaren sein, dass Du bei starker Lichtverschmutzung ein Vielfaches an Gesamtbelichtungszeit brauchst. Aus einer Stunde unter dunklem Himmel werden da schnell mal 5 Stunden.

Grüße und CS,
Steffen
 
Hallo,

verwendete Optik, Kamera und ein Beispielbild wäre interessant.
Ich kann z.B. an meinem Standort ohne Probleme mit einer Mono CCD an einem f4 Teleskop 20 Minuten Belichten.
Verwende ich aber eine DSLR und versuche z.B. eine Milchstraßen Aufnahme zu machen ist nach 30s alles nur noch gelber matsch.

Gruß
Carsten
 
Hallo Andreas,

Generell geht das leidlich auch unter lichtverschmutztem Himmel Da gibt es viele Beispiele im Netz. Ich probiere mich da auch. Ich sehen das als "in Übung bleiben" Ansatz. Dunkler Himmel ist durch nichts zu ersetzen.


Man kann nur sehr kurz belichten, da der Himmelhintergrund so hell ist. Das eigentliche Problem sind bei mir die viele Gradienten.

Light.jpg


Diese zu entfernen ist tricky. Ich kann nur zu PI was sagen nicht zu PS. In PI hilft da der Prozeß DBE.

CS
Dirk
 
Hallo Andreas,

im Prinzip geht Astrofotografie auch bei Lichtverschmutzung. Filter helfen, wenn es die richtigen sind und der Hintergrund aus bestimmten engen Frequenzen besteht. Der Mond z.B. ist ein Breitbandstrahler. Da helfen auch keine Lichtverschmutzungsfilter. Kürzere Belichtungszeiten bei Einzelframes werden wahrscheinlich auch nötig sein - dafür aber eine längere Gesamtbelichtungszeit. Stell dir ein Sensorpixel wie einen Eimer vor. Wenn sich der bei längeren Belichtungen mit Hintergrundlicht füllt, bleibt halt weniger Platz (Belichtungszeit) für das eigentliche Signal übrig, sonst läuft er über. Außerdem hat das Hintergrundlicht sein eigenes proportionales Rauschen. Um das zu unterdrücken, muß man länger belichten. Für ganz schwache Signale ist da jedoch meist Hopfen und Malz verloren, um ein vernünftiges Signal/Rauschen-Verhältnis hinzubekommen.
In der Nachbearbeitung sollte man dann ein Programm haben, welches gute Hintergrundsubtraktionstools bietet. Ich nehme Pixinsight, aber günstigere Programme wie Affinity bieten da auch schon Funktionen. Damit bekommt man dann leidlich gute Fotos bei Lichtverschmutzung hin. Dunkler klarer Himmel ist aber natürlich durch nichts zu ersetzen.

Gruß

*entfernt*
 
Hallo Andreas,

Generell geht das leidlich auch unter lichtverschmutztem Himmel Da gibt es viele Beispiele im Netz. Ich probiere mich da auch. Ich sehen das als "in Übung bleiben" Ansatz. Dunkler Himmel ist durch nichts zu ersetzen.


Man kann nur sehr kurz belichten, da der Himmelhintergrund so hell ist. Das eigentliche Problem sind bei mir die viele Gradienten.

Den Anhang 193357 betrachten

Diese zu entfernen ist tricky. Ich kann nur zu PI was sagen nicht zu PS. In PI hilft da der Prozeß DBE.

CS
Dirk

Uhhhh, so sieht das bei mir aus, wenn ich bei Vollmond aufnehme. Ich dachte die Streifen kommen von den Flats oder fehlenden Darks.

Wieso hat man diese Streifen bei hellem Hintergrund denn?

Grüße,
Joachim
 
Zum Vergleich: ein Einzelbild meiner Aufnahme von M51 bei Bortle 6 Himmel.
Komplett unbearbeitet und so, wie es die Kamera ausspuckt.
200 Sekunden bei Iso200, Nikon D7200 an 10" f/4 Newton, keinerlei Filter:

M51_Single_Exposure.jpg


Und so sieht das fertige Bild aus 148 solchen Einzelbildern aus:


Grüße,
Steffen
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo zusammen,

vielen dank für eure zahlreichen Antworten.

hier mal ein paar Eckdaten. Also mein Himmel liegt bei Bortle 6. Wohne in Hattersheim. im Osten ist Frankfurt sowie Höchst. Im Südosten der Flughafen.
Westlich hab ich Wiesbaden und Mainz. Also zusammengefasst eine einzige Katastrophe.

Fotografiert werden soll mit einem 4" ED F/7 und einem Meade 12" SC Reducer auf F/6,3 und das Ganze mit einer Canon EOS 760D

Ja dieses Rohbild von Steffens M51 trifft ganz gut auf das zu, was ich hier habe. Bei mir ist es an schlechten Tagen sogar noch schlimmer.

@steffens
Was machst du nur mit deinen Bildern, um so ein tolles Ergebnis zu bekommen.

Viele Grüße
Andreas
 
Hallo Andreas,

Also mit f/7 oder f/6,3 sollten mehr als 45 Sekunden Belichtungszeit drin sein, bevor das Bild zu hell wird. Im Zweifelsfall runter mit dem ISO-Wert.

Wie gesagt, das Wichtigste ist viel Gesamtbelichtungszeit!
Nach dem Stacken in Siril mache ich mehrere Durchgänge der Background-Extraction, bis der Hintergrund eben ist. In DSS gibt es so etwas nicht, und in PS ist es schwierig, den Hintergrund sauber abzuziehen, da man das ja auf den linearen, noch nicht gestreckten Daten machen muss. Da sieht man in PS leider nur ein ziemlich dunkles Bild, daher ist Bearbeitung schwierig.
Vielleicht kannst Du Dich ja mit Siril als Ersatz für DSS anfreunden. Oder zumindest das Stack-Ergebnis von DSS mal mit Siril weiter bearbeiten
Die Background-Extraction, gefolgt von der Farbkalibrierung reicht eigentlich schon, um den Hintergrund neutral (grau) und auch dunkel zu bekommen.
Wenn es Fragen zur Bearbeitung in Siril gibt kann ich gerne weiterhelfen.

Hier hatte ich vor einiger Zeit mal meinen Workflow aufgeschrieben. Ist zum Großteil noch aktuell, wenn auch Siril in der Beschreibung etwas kurz kommt und dafür Darktable ausführlicher behandelt wird...

Grüße,
Steffen
 
Zuletzt bearbeitet:
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben