Re: Beschädigte Schmidtplatte: doch kleben?
Zitat von UwePilz:
Durch die ganze Diskussion hier habe ich mir überlegt, ob kleben nicht doch einen Sinn hätte. Klingt irrsinnig, aber es ist ja nichts mehr zu verlieren.
Hallo allerseits,
ich habe heute mal ZEMAX aktiviert, um die hier aufgeworfene Frage - rein theoretisch natürlich - zu untersuchen, ob so ein Klebeversuch mit den abgebrochenen Stücken der Korrektorplatte eine realistische Chance hat. Dabei wollte ich insbesondere klären, wie sich eine Verschiebung der Korrektorplatte entlang der optischen Achse und eine Verkippung auf die Bildqualität auswirkt.
Um den Aufwand in Grenzen zu halten, habe ich eine bereits existierende Simulation von einem "langen" Schmidt-Cassegrain, bei dem die Korrektorplatte in wesentlich größerem Abstand vor dem Sekundärspiegel steht, adaptiert und daraus einen gewöhnlichen "kurzen" SC gemacht. Die Form der Korrektorplatte wurde unverändert beibehalten. Der optische Abstand zwischen Korrektor und Sekundärspiegel wurde auf etwa 9 mm verkürzt. Die Fangspiegelspinne mit drei Armen aus dem existierenden Design wurde ebenfalls beibehalten. Die Größe der Optik beträgt nach einer Skalierung 8" f/10, entspricht also nominell der Situation der vorliegenden C8 Optik.
Die Resultate sind unten in Gestalt von drei verschiedenen Bildfolgen angehängt, bei denen jeweils das simulierte Beugungsbild (mit den Beugungsspikes von der Fangspiegelspinne) und das PSF-Profil gezeigt werden.
(1) Die erste Bildfolge dient nur dem Vergleich der "langen" und der "kurzen" SC Bauform. Wie man sehen kann, verschlechtert die Verkürzung der Bauform die optische Leistung zwar merklich, aber nicht drastisch.
Die weiteren Bildfolgen untersuchen, jeweils für die kurze Bauform, den Effekt einer Parallelverschiebung und einer Verkippung der Korrektorplatte:
(2) Eine reine Verschiebung (ohne Verkippung) entlang der optischen Achse um +- 1 mm bewirkt keine merklichen Veränderungen. Dies ist auch nicht verwunderlich, zumal die wesentlich größere Verschiebung von der langen zur kurzen Bauform dies bereits erwarten lässt.
(3) Anders ist das Verhalten gegenüber Verkippungen der Korrektorplatte. Hier tritt bereits bei einem Kippwinkel von nur 0.010° eine merkliche Verschlechterung der PSF ein, und mit zunehmender Verkippung wird es sehr schnell schlechter. Bei einem Kippwinkel von 0.100° und größer kollabiert die PSF völlig und vom Stern bleibt nichts mehr übrig.
Ursprünglich hatte ich überlegt, ob es in einem zweiten Durchlauf Sinn machen würde, die Apertur der Optik in verschiedene Segmente aufzuteilen, um auf diese Weise den Beitrag verschiedener "Scherben" getrennt untersuchen zu können. Mit ZEMAX kann man praktisch beliebige Aperturblenden setzen und untersuchen.
Nachdem aber die globale Untersuchung die große Empfindlichkeit gegenüber Verkippungen demonstriert, macht es meines Erachtens wenig Sinn, nun noch mit einzelnen Scherben zu spielen.
Mein Eindruck ist, dass es ziemlich hoffnungslos ist ...
Mit freundlichen Grüßen,
Peter