BlurXTerminator? Nein, danke.

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Hallo!
Mal abgesehen von den Preisen der Alternativen ist PI eben eine Software, die sich auf die Astrofotobearbeitung konzentriert. Ist es dann nicht nachvollziehbar, wenn Russell Croman für eben diese Plattform seine Plugins entwickelt? Das könnte ja auch gut damit zusammenhängen, dass PI dem Programmierer bestimmt Funktionen bietet, die in PS möglicherweise nur schwer umzusetzen sind.
Ich beschwere mich ja auch nicht, dass es das Photoshop-Plugin XYZ für Affinity Photo nicht gibt. Es ist eben eine andere Software.
Insofern finde ich die sehr vorwurfsvoll klingende Formulierung "Das Jahr hat kaum angefangen, schon will man Geld sehen" nicht nachvollziehbar. Ja, die Sache hat ihren Preis, das kann man nicht leugnen, aber es ist ein Angebot, kein Zwang.
Gruß
Sebastian
 
Moin,

man darf nicht aus dem Auge verlieren, wie viel Arbeit letztlich im Entwurf, der Umsetzung und dem Test solcher Tools liegt. Das macht nicht jeder aus altruistischen Motiven, denn vieles davon verschlingt Ressourcen, die auch wieder bezahlt werden müssen.

Man kann bei PI sicher diskutieren ob der Preis des Programms und der erhältlichen Erweiterungen angemessen ist, ich denke schon, das ist meine persönliche Meinung, denn der Inhalt ist gewaltig und das Tool über das wir derzeit diskutieren zeigt, dass in dem PI-Universum kräftig entwickelt und ausgebaut wird. Das zahlt man letztlich mit, da beißt die Maus keinen Faden ab.

Wenn ich Konstruktion auf einem Niveau betreiben will das wir manchmal für unsere Fotos beanspruchen bin ich auch im Bereich bezahlter Software - letztlich sind das Produktivsysteme, dass wir mit unseren Bildern i.d.R. kein Geld verdienen ist eine andere Sache, an den Anforderungen an die Programme ändert das nix.

Und da es weit verbreitete freie Software als Alternative gibt kann man auch nicht von einem "Monopoldruck" sprechen, der einen auf die Bezahlsoftware zwingt. Dass meine Möglichkeiten sich um ein Tool NICHT erweitern wenn ich es nicht kaufen möchte oder es für die von mir bevorzugte Plattform nicht verfügbar ist, kann ich dem Tool nicht vorwerfen.

CS
Jörg
 
Insofern finde ich die sehr vorwurfsvoll klingende Formulierung "Das Jahr hat kaum angefangen, schon will man Geld sehen" nicht nachvollziehbar. Ja, die Sache hat ihren Preis, das kann man nicht leugnen, aber es ist ein Angebot, kein Zwang.
Er (Cormann) könnte doch eine eigenständige Software herausbringen a la StarNet++ oder GraXpert??
Warum unbedingt der PI Zwang? Also ich finde mein Anliegen gerechtfertigt.
 
Moin,

dann müßte er sich um die ganze Umgebung, das grafische Benutzerinterface und alles drumrum kümmern, anstatt die Systembausteine aus PI zu nutzen. Das würde ich mir erhlicher Weise auch dreimal überlegen. Letztlich käme dann auch noch die Verbreitung, Support usw. alles dazu. Das wird heute erwartet und schafft sich nicht von alleine. Längst nicht jeder, der programmiert, hat daran Interesse.
Ich bin Mitglied beim Digicamclub, da laufen allein für Server, IT-Support usw. rd. 750€/a auf, die wir als Mitglieder, da wir das werbefrei halten wollen, selbst aufbringen. Wie gesagt, das fällt alles nicht aus den Bäumen und wenn man dann auf einen gut fahren Zug springt ist das nicht vorwerfbar.

CS
Jörg
 
Naja, ist es nicht immer eine Kostenfrage? Er kann den Preis ja anheben.
Ich würde lieber 170,- für BXT stand alone Software bezahlen als 350,- für PI+BXT.
 
Moin,

das ist in erster Linie eine unternehmerische Grundsatzentscheidung - möchte ich selbst ein Produkt auf den Markt bringen mit allen Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die damit verbunden sind, oder möchte ich das nicht. So kann er sein Programm schreiben, reicht es an PI weiter und er klappt das Laptop zu, anderenfalls ist das eine Daueraufgabe. Ich kann seine Vorgehensweise verstehen und bin froh, dass sich überhaupt auf solchem Niveau damit befaßt. Alles andere ist unser Anspruchsdenken, aber das ist UNSER Problem.

CS
Jörg
 
Er (Cormann) könnte doch eine eigenständige Software herausbringen a la StarNet++ oder GraXpert??
StarNet++ und GraXpert ist Freeware Sebastian.
XYZXTerminator ist dagegen kostenpflichtige closed-source Software.

Beides direkt zu vergleichen ist doch sinnlos, da die Veroeffentlichung von BXT nun mal einem Geschaeftsmodell folgt und nicht irgendeiner idealistischen pro-bono Idee. Und da grast man mit ueberschaubarem Aufwand in der ersten Runde eben die solvente und dezidierte Kundschaft ab, waehrend man hinter den Kulissen dann eventuell mit mehr Aufwand einen breiteren Markt anpeilt. Macht doch aus diesem Blickwinkel vollkommen Sinn und es ist auch nichts verwerflich daran.

Naja, ist es nicht immer eine Kostenfrage? Er kann den Preis ja anheben.
Ich würde lieber 170,- für BXT stand alone Software bezahlen als 350,- für PI+BXT.
Kannst Du ihm ja vorschlagen ... ;)

Ich vermute nur, dass bei 170,- Euro fuer eine einzige Funktion bei den meisten Interessenten die Schallmauer bei weitem durchbrochen waere.
Davon mal abgesehen, BXT (das liegt in der Natur der Sache) sollte schon auf linearen Daten eingesetzt werden und muss daher relativ frueh in die Postprocessing Kette. Das ist nicht die Welt von PS, sondern dann eher von z.B. Siril.
Gruss & CS
 
ich bin sehr zufrieden mit BXT, das Tool liefert hervorragende Ergebnisse.
Sicherlich verhält es sich wie mit jedem anderen Werkzeug auch: Wer's übertreibt, erzeugt mehr Probleme als er behebt. Dafür gibt es die super Dokumentation, um die Möglichkeiten kennenzulernen.
Hallo Dominik,

die übertriebenen Aufnahmen werden am meisten gefeiert. D.h. das wird sich dann auch durchsetzen.

Ist natürlich die Frage, was ist gekonnte Anwendung und was übertrieben. Das was als gekonnte Anwendung gilt, finde ich schon maßlos übertrieben. Ich habe mir letzte Woche mal ein paar der Bilder runtergeladen und die Querschnitte der Strukturen bestimmt. Die liegen um das was rum mit dem Sampling möglich ist oder sogar unterhalb dessen und gehen trotzdem noch als moderat durch. Teilweise wurden da "wohl" auch zwei KI Tools bzw. normale Deconvolution mit einem KI Tool kombiniert, was zu völlig unnatürlichen Abbildungen führt. Da kriegen Filamente Knotenstrukturen und knotige Staubwolken werden zu Filamenten. Trotzdem geht das als moderat durch. Da sind sehen die Sterne trotz massiver Reduktion matschig aus gegen die Nebelstrukturen. Das Objekt verliert komplett seinen Charakter. Trotzdem geht das als moderat durch.

Allerdings stehen die KI Tools nie in der Liste der Bildbearbeitungsprogramme. Das wird gerne vermieden. Deshalb schreibe ich "wohl". Wenn man aber eine Weile mit den Teilen gearbeitet hat, sieht man sofort die Handschrift. Leider kann man sich auch nicht mehr an Hubble oder JWT Aufnahmen orientieren, denn die ziehen genauso krass an den Hebeln wie alle anderen auch. Irgendwie stört sich auch niemand dran, dass man sich das Zeug nicht mehr in groß anschauen kann.

Ich denke irgendwo wird es eine Entwicklung geben wie in der modernen Kunst. Irgendwann wird jeder die krassesten überschärften Strukturen in Kombination mit Übersättigung und komplett fehlendem Entrauschen gezeigt haben und dann wird es wieder eine Bewegung back to the roots geben und die Astronomie in den Vordergrund rücken. Ich persönlich hatte diesen Punkt erreicht, als mir klar geworden ist, dass es mit dieser Bearbeitungsmethode um nichts anderes mehr geht als um Effekthascherei gegenüber anderen. Mit Astronomie, die mir deutlich wichtiger ist als die Fotografie, hat das nichts mehr zu tun gehabt.

Ist jetzt nicht so, dass ich die KI Tools ablehne. Ich arbeite selbst schon lange damit. Meine Bearbeitung geht aber wieder zurück zum Objekt und ich versuche den Charakter des Objekts oder eine Stimmung herauszuarbeiten und nicht nicht mehr das Maximum dessen, was das Material in irgendeiner Form hergibt.

Ist auch jedem seine Sache. Will da keinem rein reden. Wer lieber die Ahs und Ohs mag, kann das ja machen. Für mich ist das allerdings nix.

Dann kannst du fürs halbe Geld eins der Topaz Tools nehmen. Das funktioniert auch mit PS und kann dir genauso krasse Schärfung liefern, wenn du deine Daten entsprechend manipulierst. Überlege dir, wie die KI trainiert wurde und nutze das aus, in dem du deine Bilder entsprechend vorbereitest. Denoise AI ist zum Beispiel bei Astrofotos allergisch gegen starke Kontraste. Wenn du dein Rohbild so bearbeitet, dass du gut vorgeschärfst und harte Kontraste hast, dann will dir die KI aus allem Haare machen. Einfach mal die Testversion runter laden, Orion- oder Andromedanebel entsprechend vorbereitet reinstecken. Zum Vergleich kannst du dann das selbe Bild nehmen, den Hintergrund auf 30% stellen und das selbe Tool liefert dir am selben Bild eine astreine Entrauschung ohne die Schärfe in irgendeiner Form zu beeinflussen.

Grüße,
Joachim
 
Wie gesagt. Es könnte sein, dass er für sein Plugin Funktionen nutzt, die in PI eingebettet sind und die er sonst erst mit viel Aufwand nachbilden müsste. Die Beschränkung auf PI dürfte ihm selber gar nicht so recht sein, denn an das Geld der reinen PS-User kommt er so nicht.

BXT (das liegt in der Natur der Sache) sollte schon auf linearen Daten eingesetzt werden und muss daher relativ frueh in die Postprocessing Kette. Das ist nicht die Welt von PS, sondern dann eher von z.B. Siril.
Stimmt! Das Bild sollte noch Linear und weitgehend unbearbeitet sein. Das wäre sogar ein noch besserer Grund für die Konzentration auf PI.

Das was als gekonnte Anwendung gilt, finde ich schon maßlos übertrieben.
Also das Tool verleitet einen aber auch wirklich zur Übertreibung, das muss man zugeben.
Dennoch stimmt der Einwand total. Die ersten gruseligen Beispiele finden sich bereits. Im Youtube-Kanal "Entering Into Space" (den Namen des Kollegen habe ich gerade nicht parat) geht es bearbeitungstechnisch ja sowieso schon recht rücksichtslos und fragwürdig zur Sache. Dennoch sahen die Ergebnisse bislang noch einigermaßen ausgewogen aus.
Zuletzt wurde da IC1396A in Hubble-Schmalband bearbeitet. Bei 50:17 endet die Bearbeitung im Video und man sieht ein ordentliches Ergebnis. Danach (ab 51:06) folgt dann aber eine Kamerafahrt durch eine offensichtlich vorab mit BXT bearbeitete Version, die schon mal einige Verheerungen zeigt, die wir in Zukunft regelmäßig sehen werden: Unrealistisch messerscharfe Übergänge und knotige Lichtsäume an den Nebelrändern.

Gruß
Sebastian
 
Tja. Alles, was nicht verboten ist, wird gemacht.
Und das, was verboten ist, trotzdem.

Man will ja besser sein als alle anderen, und das heißt: herausstechen. Im wahrsten Sinne.
Wenn einer anfängt, dann gibt es kein Zurück.

Werden Böller nicht verboten, werden einige damit immer Chaos anrichten.
Wird BXT nicht verboten, wird es hemmungslos eingesetzt.
Und würde es verboten, dann würde es ebenso hemmungslos eingesetzt werden, natürlich ohne es zu erwähnen.

Es sind immer die, die am lautesten schreien, die mit der Zeit gewinnen. Weil man all die anderen nicht mehr hört, wenn sie nicht auch zu brüllen beginnen. :coffee:

Nennen wir es: Bearbeitungsdarwinismus.

lg
Niki
 
Hallo zusammen,
interessante Diskussion.
Das schöne finde ich, dass jeder auf seie Weise die Bilder bearbeiten kann. Ich persönlich habe mich für PI entschieden und finde die 250,-€ dafür auch gerechtfertigt. Was mich dabei überzeugt, ist die gute Dokumentation, es gibt massenweise Literatur, Tutorials etc. Ich verwende ein paar kostenfreie Skripte, die die Arbeit erleichtern. Die Zusatzprogramme von RC Astro verwende ich bisher nicht. Zum einen sind es die Kosten. Da kommt schon einiges zusammen, wenn man alles haben möchte: StarShrink 50$, GXT 60$, SXT 60$, NXT 60$ und BXT 100$. Dass der RC Geld verlangt ist absolut i.O. und kaufen muss es ja auch keiner.
Also bearbeite ich lieber selbst und habe das Gefühl besser zu verstehen, was da läuft. Es dauert halt länger und das Ergebnis ist anders (vielleicht schlechter), aber damit kann ich leben.
Was ich wirklich super fände, wäre wenn die Leute ihren workflow mit angeben würden, zumindest die Reihenfolge der PI-Prozesse und vielleicht die ein oder anderen Parameter. Das wäre ein Lernerfolg für alle. Für mich ist z.B. die Entrauschung immer der kritische Schritt. Die ...XT-Prozesse sind dagegen weitgehend eine black box. Gut, dass es hier nun einige Erklärungen zum Hintergrund gab. Trotzdem bleibt es für mich eine black box. Das Ergebnis ist vielleicht toll, aber ich habe danach nicht verstanden, wie ich es hinkriegen könnte.
Grüße und CS
Ulli
 
-> Stenkelfeld Das Silvester Feuerwerk

Aber Quatsch beiseite - die Technik die BXT und anderen vergleichbaren Tools zugrunde liegt ist an sich nicht aufhaltbar. Das wäre eine Aufgabe für Don Quichote. Wie Niki richtiger Weise schreibt, was gemacht werden kann, wird auch gemacht.

Schaut Euch den in den USA üblichen Stil der Astrofotos an, das sieht teils aus als wären die Tintenpatronen im Monitor explodiert. Machen wir das nach, oder besser, müssen wir das nachmachen - nein. Und es gibt immer wieder Beispiele, dass z.B. auch nach unserer Art gestaltete Aufnahmen z.B. APOD werden, also besteht Hoffnung.

Entsprechend sehe ich das hier auch. Niemand zwingt uns, diese neuen Werkzeuge in einer Weise zu verwenden, dass es einem weiblichen rosa Rüsseltier graust. Das liegt immer noch an dem, der an den Reglern dreht. Auch wenn ich in einem Ferrari sitze, kann ich mit den vorgeschrieben 50km/h durch den Ort rollen, leise und gesittet. Das liegt nicht an dem Auto, sondern am Fahrer.

Und dass, sinnvoll verwendet, solche Tools gute Arbeit machen können, haben wir denke ich auch schon gesehen. Was "gut" ist, ist immer eine Betrachtungssache des Einzelnen, aber auch das wird immer so bleiben. Egal welche neuen Technologien auftauchen und verfügbar werden.

In diesem Sinne

CS
Jörg
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Die klassische Deconvolution-Variante mit Berechnung eines PSF über die Wahl geeigneter Sterne oder über das automatische Berechnen eines solchen mit händischer Anpassung der Deringing-Optionen udg. hat bei mir nur in den seltensten Fällen wirklich funktioniert.
Meistens hatte ich zwar einen guten Schärfungseffekt ohne Ringe um die Sterne, aber oftmals enstand dadurch eine gewisse Granularität im Bild, die einfach furchtbar aussah.

Schlussendlich hatte ich Deconvolution dann komplett sein lassen und mich rein auf das Schärfen mittels "starlet transform"-Algorithmus verlassen. Da kommt mit BXT jetzt sehr gelegen.
 
Ist natürlich die Frage, was ist gekonnte Anwendung und was übertrieben. Das was als gekonnte Anwendung gilt, finde ich schon maßlos übertrieben. Ich habe mir letzte Woche mal ein paar der Bilder runtergeladen und die Querschnitte der Strukturen bestimmt. Die liegen um das was rum mit dem Sampling möglich ist oder sogar unterhalb dessen und gehen trotzdem noch als moderat durch.
Unrealistisch messerscharfe Übergänge und knotige Lichtsäume an den Nebelrändern.

Ohne das irgendwie bewerten zu wollen, sondern lediglich mal zu veranschaulichen, hier mal der Vergleich am Bildbeispiel vom Dominik aus diesem Thread verglichen mit hochaufloesenden Hubble-Daten mit minimaler Bearbeitung. Da sieht ein Signalprofil quer durch die "Pillars of Creation" dann so aus:

Picture1BXTvNasa.png

Die Daten von dem Hubble Bild wurde so skaliert, dass der Kontrast in der "Grabenmitte" zu den Flanken weit abseits der Kante halbwegs passen (tendenziell ist der Ueberschwinger noch groesser als dargestellt, aber andere Gradienten waren auch noch drin).
Das Ringing der massiven (Ueber-)Schaerfung von BXT/Dominik ist wohl offensichtlich, aber das BXT-bearbeitete Bild sieht halt subjektiv "knackscharf" aus.

Leider kann man sich auch nicht mehr an Hubble oder JWT Aufnahmen orientieren, denn die ziehen genauso krass an den Hebeln wie alle anderen auch.
Da sollte man differenzieren. Sicher wird fuer PR-Bilder auch bei der NASA/ESA "krass" geschaerft, aber man kann problemlos Hubble-Daten mit professioneller Bearbeitung herunterladen.
Man sieht auch (siehe oben) in den Vergleichsdaten, dass solche Hubble-Bilder leicht geschaerft sind, denn ein kleiner Ueberschwinger am "Kraterrand" ist da auch sichtbar.
Das ist aber ok.
Denn um die Diskussion mal zu versachlichen, naja in der eher professionellen Bildverarbeitung ist "Ueberschaerfen" und "wie viel ist zu viel" (fuer eine objekttreue Abbildung/Bildeindruck) naemlich schon etwas genauer definiert: Es ist (brutal zusammengefasst) ein Schaerfungsfilter mit einer MTF >1.3 (siehe z.B. hier Sharpening | Imatest fuer eine detailiertere Erklaerung). Was die MTF ueberhaupt mit Schaerfung zu tun haben koennte, das kann man vielleicht "astroamateurgerecht" kurz und knapp bei dem wohl bekannten Planetenfotografen Thierry Legault nachlesen ( Thierry Legault - What is the function of image processing ? ), denn die Planetenfotografie kennt die Saga schon seit gefuehlt 20 Jahren.
Die Hubble-Daten wurden mit einer (geschaetzten) MTF von 1.05 bei den hohen Frequenzen geschaerft, bei Dominiks Schaerfung duerfte die MTF bei den hohen Frequenzen jenseits von 2 liegen. Ersteres waere Astrofotografie, letzteres ist dann Astroart.

Man will ja besser sein als alle anderen, und das heißt: herausstechen. Im wahrsten Sinne.
Wenn einer anfängt, dann gibt es kein Zurück.
Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche ...

Und ebenso sicher ist das: Es wird jetzt eine Periode des inflationaeren Einsatzes geben und irgendwann hat man sich an der "knackscharfen Inflation" sattgesehen - weil jeder hat es - und das wird wieder heruntergeregelt, weil "authentisch" ist dann der naechste coole Trend.
Und genau auf diesen Moment bereite Ich mich vor, um dann mit meinem an C&A Prospekten trainiertem Hubble-Palette-CNN in pastell Astrobin komplett aufzumischen (ColorXTerminator).
Gruss & CS
 
Zumindest könnte ich mir vorstellen, das alle diese X Terminator Algorithmen, ehemalige Bildbearbeitungstechniken waren, die von den Bildbearbeitern des Hubble Weltraum Teleskops eingesetzt wurden. Das Teleskop war praktisch blind, und lieferte Bilder, die schlechter abbildeten als ein 20cm Newton. Im All wurde eine Korrektur Optik verbaut. In Hochzeiten arbeiteten bis zu 240 Bildbearbeiter an den Daten. Könnte mir vorstellen, das dieser Crowman dieses Now how jetzt kommerziellen Nutzern zur Verfügung stellt, da Hubble nicht mehr benötigt wird. Finde es zumindest merkwürdig, das in diesem Fall eine Einzelperson soetws entwickelt?
VG Frank
 
Und genau auf diesen Moment bereite Ich mich vor, um dann mit meinem an C&A Prospekten trainiertem Hubble-Palette-CNN in pastell Astrobin komplett aufzumischen (ColorXTerminator).
Ich liebe pastell.

Eigentlich sind diese Forums-Diskussionen lustig. Ok, sie sind bipolar, psychisch gesehen, aber eigentlich lustig. Ein wenig erinnern sie mich an die Fernsehnachrichten. Es gibt täglich kaum wirklich Neues, aber man kann 30 Minuten dabei zugucken, wie es dasselbe gibt. :cool:

Solche Diskussionen sind wie ein Urlaubsort, den man gut kennt. Den man liebt. Da reserviert man mit dem Bearbeitungshandtuch seinen Meinungs-Liegestuhl, geht eine Runde in den Pool und freut sich, dass man in der Badehose schärfer aussieht als der Typ auf der Nebenliege.

"Heute ist de Pool ein halben Grad wärmer als gestern."
"Ah, tatsächlich... ob nicht heute weniger Wolken sind, als gestern...?"
"Mir ist ein wenig zu wenig Chlor im Wasser."
"Also Chlor kann nicht schaden. Es desinfiziert."
"Randsprünge sind doch verboten, und der Typ da springt trotzdem."
"Was soll man machen. Die machen sowieso, was sie wollen."
"Müsste man strenger verbieten."
"Willste nen Zaun rund um den Pool machen?"
"Jedes Jahr sind mehr Leute da. Widerlich."
"Tja, kann sich halt heute jeder leisten, das hier."

"Schärfen ist bääääh."
"Nein, ÜBERschärfen ist bäääh."
"Wann ist es überschärft."
"Bei Dingsbums 1,7 ist es ÜBERschärft."
"Wer sagt das."
"Jeder kann machen, wie er will."
"Herrlich!"
"Nein, entsetzlich."
"Es ist wie mit der Atombombe."
"Was?"
"Auch die Kernkraft wurde missbraucht."
"Der Mensch missbraucht sowieso alles irgendwann."
"Ab wann ist es Missbrauch?"
"Also wenn etwas ÜBER..."
"Ach, hör auf."
"Jeder soll tun, was ihm gefällt."
"Dann haben wir Bürgerkrieg hier."
"Na und? Die Politiker machen, was sie wollen, die Clans, die Klimakleber, die Mafia, Putin, alle machen, was sie wollen."
"Eben. Wir haben Bürgerkrieg."
"Ach was. Es ist eine... Bürger-Operation."
"Ja, und BXT ist eine Schärf-Operation, wie?"
"Genau."
"Kein Krieg."
"Kein Krieg, nein."

:coffee:

lg
Niki
 
Moin,

das eher weniger, im Bereich machine vision läuft derzeit extremst viel, nicht nur für EloX pseudo-autonome Autos, auch im Bereich Objekt- und Gesichtserkennung, Biometrie, Lageerkennung und Positionierung, um Montageschritte zu beschleunigen und Stellen, an denen menschliches Hinsehen erforderlich ist, zu reduzieren, aber auch zur Überwachung dynamischer Prozesse.

Früher mußte man dazu extrem gut ausgeleuchtete Zonen haben, damit die Kanten und Konturen scharf abgebildet wurden, heute soll das ja möglichst in natürlicher Umgebung stattfinden, denkt an Dronen und Roboter die in eingestürzten Gebäuden nach Verschütteten suchen, von militärischen Anwendungen sprechen wir besser nicht, denn auch was aus der Luft heute gesehen werden kann kommt nur durch fortgeschrittenste Bildaufbereitung zustande. Da brauchts Jahrzehnte alte NASA-Technik nicht wirklich mehr.

Das ist alles kein Hexenwerk, ich erwarte die Hauptschwierigkeiten eher darin den Algorithmen beizubringen WIE das Ergebnis beschaffen zu sein hat, also was für eine Art Objekt er erkennen soll, welche Art Kanten und Profile, und wie eine Transformation da aussehen muss damit wir mit dem Ergebnis entsprechend unserer Sehgewohnheiten zufrieden sind (...und das Produkt kaufen).

Ich bin mir ziemlich sicher, dass man, nimmt man den Vergleich oben mit den Hubble-Kurven, BXT auch so parametrisieren kann, dass es sich so verhält wie das NASA-Profil, das ist eine Frage der Schärfung unserer Zielansprache - das Vergleichsbild zeigt ja relativ deutlich, dass es dem Grunde nach die Aufgabe lösen kann, für uns steckt da noch ein Betrag "zuviel" drin, aber das ist nicht ein Thema des Algorithmus sondern der Anwendung.


*** Danke Niki, Du rettest den Tag! *** - Mal wieder pointiert auf den Punkt gebracht.

CS
Jörg
 
Zumindest könnte ich mir vorstellen, das alle diese X Terminator Algorithmen, ehemalige Bildbearbeitungstechniken waren, die von den Bildbearbeitern des Hubble Weltraum Teleskops eingesetzt wurden. Das Teleskop war praktisch blind, und lieferte Bilder, die schlechter abbildeten als ein 20cm Newton. Im All wurde eine Korrektur Optik verbaut.
... weil die Limits mit einer Rueckfaltung wieder auf die beugungsbegrenzte Aufloesung zu kommen fuer so eine schwere sphaerische Aberration eben etwas happig waren.

In Hochzeiten arbeiteten bis zu 240 Bildbearbeiter an den Daten. Könnte mir vorstellen, das dieser Crowman dieses Now how jetzt kommerziellen Nutzern zur Verfügung stellt, da Hubble nicht mehr benötigt wird. Finde es zumindest merkwürdig, das in diesem Fall eine Einzelperson soetws entwickelt?
Man braucht weder 240 Leute um eine "konventionelle" Deconvolution zu explizit zu programmieren (hier eine LR-Version von zwei Autoren: GitHub - dop-oxford/svDeconRL: The repository contains the MATLAB codes requires for deconvolving an image with a spatially variant point response using a modified Richardson-Lucy algorithm with total variation regularisation and sample datasets. ), noch braucht es viele Leute um implizit ein CNN zu trainieren. Fuer letzteres braucht man viele Trainingsbilder, einen dicken Rechner (sonst dauert das ewig), einen Startpunkt (die gehen auf github wie geschnitten Brot) und eine Menge Fleissarbeit.
Daran ist wirklich nichts "merkwuerdig" (?).
Gruss & CS
 
Die Hubble-Daten wurden mit einer (geschaetzten) MTF von 1.05 bei den hohen Frequenzen geschaerft, bei Dominiks Schaerfung duerfte die MTF bei den hohen Frequenzen jenseits von 2 liegen. Ersteres waere Astrofotografie, letzteres ist dann Astroart.

Hast du mal ein "manuell" deconvoluted Bild durchlaufen lassen? Da wirst du sicherlich auch keine "echte" Astrofotografie mehr vorfinden.
Der ganze Prozessgedanke versucht etwas herzustellen, das so nicht vorhanden ist, auf Basis einer algorithmusbasierten Abschätzung zur räumlichen Distribution. AI oder nicht, das Ergebnis steht auf einer anderen Seite als die Quelle.

Und bei der Frage nach Astrofotografie oder -art fallen dann noch weitere "akzeptierte" Methoden ins Auge: Rauschreduzierung? Schwierig. Lokale Histogrammanpassungen? Entspricht auch nicht wirklich der "Realität".

Am Ende des Tages mach' ich "Pretty Pictures". Ich zieh mir den Astronomie-Schuh gar nicht erst an.
 
Man braucht weder 240 Leute um eine "konventionelle" Deconvolution zu explizit zu programmieren
Das sollten wir aber im zeitlichen Zusammenhang sehen und nicht einseitig von den jetzigen Möglichkeiten der CNNs ausgehen.
Sicherlich wird der Personalstand der Hubble Bildbearbeiter im Zuge der besseren elektronischen Bildbearbeitung reduziert worden sein. Ich wollte nur einen Denkanstoß leisten, das diese Entwicklung dadurch erst möglich wurde.
In ein paar Jahren wird vll jeder soetws selber benutzen? Crowman ist da eher nur der Anfang?
VG Frank
 
Hast du mal ein "manuell" deconvoluted Bild durchlaufen lassen?
Klar (siehe unten).
Da wirst du sicherlich auch keine "echte" Astrofotografie mehr vorfinden.
Naja, kommt doch ganz auf die PSF an. Wenn man leicht den Einfluss des Seeings zurueckdraengen will, dann bekommt man da schon "echte" Astrofotografie (der Aufnahmeumstaende, die man nun mal hat). Das schaut dann halt "etwas" besser aus, als die "verwaschene" Version deines Gifs, aber ist halt jenseits von spektakulaer.
Wer komplett die ganze aus Seeing+Optik+Sensor bestehende PSF rueckfalten will, der hat diesbzgl. etwas viel vor, richtig.

Und da habe Ich auch fuer dich ein schoenes anschauliches Beispiel.

Hier ein Bild von einem meiner Refraktoren mit Astigmatismus (wegen zeitweiliger Verkippung, laengere Geschichte).
Oberere Reihe: On-Axis,
unterer Reihe: In der Ecke,
Linke Spalte: BXT
rechte Spalte: Van Cittert Deconvolution.

1672673295889.png


Obere Reihe: Alles im gruenen Bereich, alles gut!
Untere Reihe: Schau dir mal die untere Reihe an. Da siehst Du die PSF von Restastigmatismus (helle grosse Sterne) auf beiden Seiten. Rechts siehst Du eine Deconvolution mit einem Blurring-Kernel, die aus einem Bild unter Seeingeinfluss (bei diesen Belichtungszeiten in erster Naeherung eine Gaussfunktion) das Seeing vermindert. Der Astigmatismus wird allerdings nicht angefasst, weil diese Deconvolution davon "gar nichts weiss". Demzufolge haben alle Sterne Restastigmatismus.

Links bei BXT ist das etwas anders: Die "dicken hellen" Sterne werden von BXT nicht als Sterne erkannt, sondern nur die kleinen Sterne sind "Sterne". Was in diesem Beispiel zu der lustigen Situation fuehrt, das BXT die kleinen Sterne perfekt zu Punkten schaerft, die dicken Sterne dagegen gar nicht, die bleiben astigmatisch.
Daher wuerde Ich bei solchen Aussagen:

Der ganze Prozessgedanke versucht etwas herzustellen, das so nicht vorhanden ist, auf Basis einer algorithmusbasierten Abschätzung zur räumlichen Distribution.
etwas vorsichtiger sein. Eine korrekt durchgefuehrte Deconvolution macht eben nicht nur "irgendeine Abschaetzung einer raeumlichen Distribution", sondern die beste Rekonstruktion gemaess der Optimierung des quadratischen Fehlers mit der PSF die man 'reinsteckt. Und das heisst im obigen Beispiel, "Seeing" sollte herausgezogen werden und - im Rahmen der durch das Rauschen limitierten Genauigkeit - wurde das und nur das herausgezogen.
BXT is implizit programmiert und tickt da zuweilen etwas anders. In diesem gezeigten Fall wird auf direkt benachbarte Objekte gleicher Morphologie eine unterschiedliche Rekonstruktion angewendet. Wenn man es strikt nimmt, ist das kein "rekonstruiertes Bild" mehr, schon alleine deshalb nicht, weil man z.B. den Effekt einer BXT Operation nicht mehr durch eine "(BXT)^-1" Funktion umkehren koennte.

Was will Ich dir damit sagen?
1) Du bist der Meinung, BXT ist nicht immer eine Deconvolution im klassischen Sinne. Da bin Ich deiner Meinung.
2) Du bist der Meinung, das ist eigentlich (fuer das was wir hier treiben, aka "Pretty Pictures") i.d.R. nicht weiter schlimm. Da bin Ich auch deiner Meinung.
3) Du bist der Meinung, auch mit einer "klassischen" Deconvolution kann man prima Bilder ueberschaerfen oder mit Artefakten zupflastern. Da bin Ich mit Sicherheit deiner Meinung.
4) Du bist der Meinung, eine "klassische" Deconvolution ist daher ja auch nur irgend so ein (schraeges) Ding. Das wiederum ist nicht haltbar (wobei Ich klarstelle: Ich bin eigentlich ueberhaupt nur in diesen Thread eingestiegen, um kurz zu zeigen, dass BXT ebenfalls nicht nur irgend so ein "schraeges" Ding ist ... ;) ).

Am Ende des Tages mach' ich "Pretty Pictures". Ich zieh mir den Astronomie-Schuh gar nicht erst an.

Das verlangt ja auch keiner, Ich schon mal gar nicht (warum auch?).

Gruss & CS
 
Der Astigmatismus wird allerdings nicht angefasst, weil diese Deconvolution davon "gar nichts weiss". Demzufolge haben alle Sterne Restastigmatismus.
Weil du die falsche PSF verwendest hast! Lies dir nochmal in Ruhe Dominiks Beitrag #253 und #260 durch. Die von dir verwendete PSF hat nix mit deinem Teleskop zu tun! Dadurch ist bei BXT das bessere Bildergebnis möglich, da hier die realen Sterne verwendet werden. Du solltest den Reiter externe PSF verwenden, das wäre besser.
VG Frank
 
Lies dir nochmal in Ruhe Dominiks Beitrag #253 und #260 durch.
Naja, da Ich ihm explizit auf seinen genannten Aspekt antworte, denke Ich schon genau das in Ruhe getan zu haben ;)

Die von dir verwendete PSF hat nix mit deinem Teleskop zu tun!
Richtig, es ist bei VC nur die vom Seeing, die vom Telekop sollte explizit drinbleiben (und richtig, der Astigmatismus waere damit auch muehselig zu beheben).

Dadurch ist bei BXT das bessere Bildergebnis möglich, da hier die realen Sterne verwendet werden.
Nicht bei diesem Beispiel, denn es werden hier ja nur kleine Sterne geschaerft (Astigmatismus "raus"), grosse Sterne dagegen verbleiben unveraendert astigmatisch. Exakt deshalb habe Ich es ausgewaehlt.
Das ist halt das Problem bei implizit programmierten Algorithmen, wenn sich der astigmatische Stern zu weit von den Trainingsdaten entfernt, stellt BXT kommentarlos die Funktion ein.
Auch wenn da eine kleine astigmatische Galaxie liegen wuerden, dann wuerde die eben auch nicht von BXT mitgeschaerft, sondern einfach so gelassen. Was BXT an den Sternen da treibt ist eben keine mathematisch konsistente Rueckfaltung.
Das ist (noch einmal) nicht schlimm, sondern eben einfach anders.
Genau das (und nur das) wollte Ich zeigen.

Du solltest den Reiter externe PSF verwenden, das wäre besser.
Das war aber ueberhaupt der nicht der springende Punkt hier (und wuerde sowieso nur fuer Nachfuehrfehler helfen, Asti ueber das ganze Bildfeld bekommst Du so nicht weg).
Ziel der Uebung war zu zeigen, dass eine "normale" Deconvolution nicht irgendwas macht (wie von Dominik angedeutet), sondern ziemlich exakt das rausnimmt (und nur das, im Rahmen der mathematischen Grenzen), was man als PSF vorher explizit hineingesteckt hat.
Das wiederum laeuft bei BXT an den Sternen nun mal nicht so und fuehrt mitunter zu interessanten Inkonsistenzen, die nun mal ganz anderer Natur sind.

Wollte man diese in BXT beheben, dann muesste man immer groessere Aberrationen von Koma bis Asti in die Trainingsdaten werfen, was dann damit enden wuerde, das in den Bildecken tendenziell alles in einen Punktstern verwandelt wird. Jede Methode hat ihre Grenzen...

Was dich offenbar irritiert scheint die Tatsache zu sein, dass es Leute gibt die Werkzeuge charakterisieren, ohne zwangsweise in irgendwelche binaeren "gut/schlecht" "banal/magisch" Kategorien zu schliddern, sondern sowas austesten und die Grenzen skizzieren.

Wie Niki / Joerg schon geschrieben haben, das hier Geschriebene wird 90% der User von BXTkomplett Wurst sein, Hauptsache die Bilder sind cool.
Ist doch ok.
Mich interessiert halt wie ein Uhrwerk laeuft und eben nicht nur wie spaet es ist.
Gruss & CS
 
Finde es zumindest merkwürdig, das in diesem Fall eine Einzelperson soetws entwickelt?
Wahrscheinlich hat er sich über die Jahre, mit seinen anderen Netzwerken, ein großes Bildarsenal aufgebaut, welches er als Trainingsdaten nehmen kann. Für den Rest braucht man eine kluge Netzwerkstruktur (die gibts auf Github) und lässt dann die GPUs, evtl. ein paar Tage, schwitzen. Es ist im Grunde nichts verrücktes mehr Machine Learning zu betreiben. Aber klar hat er Aufwand reingesteckt und evtl. an einen Cloudanbieter Beträge überwiesen, um sein Netzwerk auf verteilten Grafikkarten zu trainieren. Das möchte ich auch nicht in Frage stellen.

Eine korrekt durchgefuehrte Deconvolution macht eben nicht nur "irgendeine Abschaetzung einer raeumlichen Distribution", sondern die beste Rekonstruktion gemaess der Optimierung des quadratischen Fehlers mit der PSF die man 'reinsteckt.
Für die interessierten, wie @Sky Traveler die weniger Geld investieren wollen (wie ich). Das Key-Word heißt "blind deconvolution". Dazu gibts reichlich gute wissenschaftliche Ansätze, auch aus den letzten Jahren erst, auf Github. Auch sehr schöne Sachen mit CUDA, die dann auf der NVIDIA Grafikkarte laufen (Rechenpower!). Wer die nicht hat, kann sich für 25 $ die Stunde auch eine Remote Machine mit acht 2000 $ Grafikkarte anmieten. Letztendlich muss man wissen was man tut, man muss die Zeit haben und evtl. braucht man noch andere Hardware, die auch kostet. Ob das ein oder andere eher lohnt, ist doch eigentlich egal, solange man weiß was man mit seinem Hobby erreichen will und kann.

BXT is implizit programmiert und tickt da zuweilen etwas anders. In diesem gezeigten Fall wird auf direkt benachbarte Objekte gleicher Morphologie eine unterschiedliche Rekonstruktion angewendet.
Klingt "gefährlich". Wie weiter weiter vorne mal ausgeführt, werden für gewöhnlich die Sterne in benachbarte Gruppen aufgeteilt und dann eine gemittelte PSF ermittelt. Wenn wirklich jeder Stern einzeln betrachtet wird, dann werden Doppelsterne einfach zu Einfachsternen gewandelt, weil die Zielsetzung ein perfekter Punktstern ist. Ich denke und hoffe dafür hat er eine Lösung gefunden.

Mich interessiert halt wie ein Uhrwerk laeuft und eben nicht nur wie spaet es ist.
Ja, das finde ich auch total spannend.

Letztendlich wird es sich wohl dahin entwickeln, dass man für sein Rohsummenstack noch ein paar Schieberegler hat und dann ist das "schnelle Astrobild" fertig. Es scheint ja soweit alles vorbereitet, 512x512 Pixel rein und 512x512 Pixel raus. Wie das Netzwerk zu den vielleicht 1 % MSE Loss kommt, entscheidet die Bewertungsfunktion und die liegt im Geschick des "Trainers".

Viele Grüße

Sebastian
 
Zuletzt bearbeitet:
Ziel der Uebung war zu zeigen, dass eine "normale" Deconvolution nicht irgendwas macht (wie von Dominik angedeutet),
Es ging nicht um die NORMALE Deconvulation! Bitte lies dir noch einmal die Antworten von Dominik durch, glaub du bringst da etwas durcheinander!
Bitte bedenke auch, das dieses Tool BXT eine gewisse AI Fähigkeit besitzen muß, somit werden deine aufgeblähten Sterne nicht für die Ermittlung der realen PSF verwendet, was ein guter Beweis dafür ist! Sie werden nicht verändert.
Wenn man das weiter denkt, könnte ich mir gut vorstellen, das in absehbarer Zeit reducer und Koma Korrektoren hinfällig werden. Die AI wird anhand des Rohbildes erkennen welcher Teleskop Typ verwendet wurde und welche optischen Mängel und Seeingeinflüsse zu beachten sind! Die Bildbearbeitung wird dann sehr reduziert möglich sein! Bleibt nur zu hoffen das die Realität nicht auf der Strecke bleibt!?
VG Frank
 
Klingt "gefährlich". Wie weiter weiter vorne mal ausgeführt, werden für gewöhnlich die Sterne in benachbarte Gruppen aufgeteilt und dann eine gemittelte PSF ermittelt. Wenn wirklich jeder Stern einzeln betrachtet wird, dann werden Doppelsterne einfach zu Einfachsternen gewandelt, weil die Zielsetzung ein perfekter Punktstern ist. Ich denke und hoffe dafür hat er eine Lösung gefunden.
Ja.
Nein.
Nicht wirklich.
Das funktioniert halt bei CNNs so nicht mehr.
Das ist halt wie eine komplexe Filterkette von Eigenschaften in die die ganzen Bildmosaiksteinchen geworfen werden und was darin nicht (genug) antrainiert wurde, dass faellt dann durch die Ritzen. Andererseits, wenn man zu weit gefasst trainiert (overfitting), dann faellt nichts mehr durch die Ritzen. Irgendwann braucht der Filter zu viele Layer und dann immer mehr Mengen an Trainingsdaten mit immer vielfaeltigerer Charakterisierung der moeglichen Artefakte.
Ich denke, dass wird dem Russel einfach egal sein, weil er diese Risiken und Nebenwirkungen ja explizit erwaehnt und fuer "pretty pictures" ist es wahrscheinlich auch wirklich Wurst.

Bitte bedenke auch, das dieses Tool BXT eine gewisse AI Fähigkeit besitzen muß, somit werden deine aufgeblähten Sterne nicht für die Ermittlung der realen PSF verwendet, was ein guter Beweis dafür ist! Sie werden nicht verändert.
Na gut Frank, wenn Du meinst.
Dann isses fuer dich halt eine AI.

Wenn man das weiter denkt, könnte ich mir gut vorstellen, das in absehbarer Zeit reducer und Koma Korrektoren hinfällig werden. Die AI wird anhand des Rohbildes erkennen welcher Teleskop Typ verwendet wurde und welche optischen Mängel und Seeingeinflüsse zu beachten sind! Die Bildbearbeitung wird dann sehr reduziert möglich sein!

Wie der Sebastian schon geschrieben hat, was Du da umreisst nennt sich "blind deconvolution" und das (richtig) kann man auch ueber ein CNN implementieren, aber (falsch) hat erst mal nix mit AI zu tun. Bitte vergiss mal nicht, das die Amateurastronomie nicht gerade im Brennpunkt des allgemeinen Interesses bewegt und was in dieser Nische hier von Enthusiasten als EBV 2023 serviert wird, ist nicht unbedingt der neuste Stand der Dinge, auch nicht BXT. Schau z.B. mal hier (um mal ein Beispiel aus dem Jahre 2014 zu nennen):

Blind_solving.PNG

(@Moderation: Open access publication, verwenden von Bildmaterial gestattet mit Angabe der Quelle und der Autoren)
Daniele Perrone, Paolo Favaro, Total Variation Blind Deconvolution: The Devil is in the Details, CVPR 2014, Computer Vision Foundation

Das ist eine Bildrekonstruktion komplett ohne vorgegebene PSF also state-of-the-art Blind Deconvolution (deren mathematisches Fundement irgendwo so 1995-2000 gelegt wurden). Aaaalerdings: Diese Rekonstruktion ist mathematisch konsistent und schaerft alles (und warum eigentlich, das ist u.a. Thema der verlinkten Publikation). BXT macht (was DS Objekte angeht) sowas etwas primitiver (naemlich nur ueber ein Blurkernel also eine symmetrische, gaussfoermige PSF). Das kleine Bild hat damals (2014) >2h Rekonstruktion gebraucht, Ich wuerde wetten das macht man inzwischen auf einer GPU in 2-5 Minuten.
Z.z. ist das fuer grosse Bilder noch sehr durch die erforderliche Rechenzeit limitiert (und das ist es tendenziell auch noch fuer CNN Algorithmen) aber wenn Du genug Sitzfleisch hast, dann geht das tatsaechlich bereits heute.
Wie aber wie schon "irgendwo dahinten" im Thread explizit ausgefuehrt, das ist ein Prozess (auch wenn man diesen ueber ein CNN implementiert) der intrinsisch extrem vom Rauschen limitiert wird und je groesser das Blurkernel wird, desto schlimmer wird das und desto instabiler wird diese Rueckfaltung (und davon Seeing (also einem gemittelten Speckle-Kernel, das wird dann DAS Limit bei langen Brennweiten) im Vorbeigehen herauszurechnen wollen wir da mal gar nicht reden).
Auch mit solchen Methoden laeuft es darauf hinaus, dass zukuenftig ein Ausgangsbild mit moeglichst guter Anfangsaufloesung und moeglichst gutem SNR einen besseren Startpunkt hat, als "ein Haufen verrauschter Matsch".
Und dann - c'est la vie - bekommen dann die Buben ohne Komakorrektor mit Ach und Krach genau die Bilder rekonstruiert, die heutzutage die "Cracks" ohne solche Algorithmen abliefern (allerdings mit deutlich schlechterem SNR) und die "Cracks" mit sauber abgestimmter und korregierter Ausruestung und gut ausbelichteten Bildern mit hohem SNR kicken dann schon wieder in der naechsten Liga und setzen trotzdem die Massstaebe. :cool:
Zusaetzlich kommt hinzu, dass solche Methoden das SNR zwangslaeufig verschlechtern und somit muss dann nach der "Aufloesungssteigerung" wieder ein noch dickereres Denoising her, welches die Aufloesung dann wieder hintenrum limitieren kann.
Das sind alles tolle Sachen die Grenzen verschieben werden, aber eben auch kein magischer Zauberstab, der diese "hokuspokus" verschwinden laesst.
Gruss & CS

PS: Noch'n Bild, weil einfach abgefahren (man beachte die PSF in der unteren rechten Bildecke. DAS waere mal ein Nachfuehrfehler .... ;) ):

Blind_solving2.PNG

Daniele Perrone, Paolo Favaro, Total Variation Blind Deconvolution: The Devil is in the Details, CVPR 2014, Computer Vision Foundation
 
Zuletzt bearbeitet:
Moin,

mal abgesehen von den vielen interessanten Details, der Versuch die Mitleser wieder einzufangen, die angesichts der Debattentiefe vielleicht ausgestiegen sind:
  • BXT ist kein mathematisch exakt arbeitendes Tool im Sinne einer Rückfaltung, d.h. auch ein lineares Bild, das mit BXT bearbeitet wurde, ohne vorher gestreckt oder anderweitig verändert worden zu sein, kann nachträglich nicht mathematisch in das Ausgangsbild zurückgeführt werden.
  • Es gibt solche mathematisch exakten Methoden grundsätzlich schon länger, siehe Beispiele voranstehend aus den 90er Jahren, allerdings sind diese mathematisch exakten Modelle durch die ausufernde Rechenzeit limitiert. Stichwort für die weitere Recherche ist "blind deconvolution".
  • Die Möglichkeiten, die BXT bietet, wurden gezeigt in Beispielen, da geht schon eine Menge, aber...
  • Auch BXT kann nur in einem begrenzten Umfang funktionieren, ein sehr schlechtes Bild wird durch BXT kein gutes Bild, es wird zwar geschärft und "verbessert", aber ab einem bestimmten Punkt um den Preis von Artefakten.
  • Die Physik verschenkt nichts, der Preis für ein bearbeitetes Bild ist ein schlechteres SNR als vorher.
  • Es gilt nach wie vor, man kriegt raus, was man reinsteckt, ein Bild mit guter Ausgangsqualität wird im Endeffekt mehr von BXT gewinnen als ein schlechtes Bild, das durch das erforderliche "mehr" an Bearbeitung auch "mehr" an Authentizität verlieren kann.
  • Letztendlich liegt es am Nutzer wie weit er die Bearbeitung treibt. Je mehr Schärfung vorgenommen wird umso mehr werden an den Kanten auch Artefakte auftreten und/oder den Bildinhalt gegenüber dem Original verändern.
  • BXT ist somit kein "Zauberstab" mit dem man ein unscharfes, aufgeblähtes Bild antippt und schwupps wird ein Bild in Hubble-Qualität draus.
Vielleicht faßt das die Essenz der Debatte in allgemeinverständlicher Weise für die zusammen, die bei dem Diskurs zuvor ausgestiegen sind.

CS
Jörg
 
@Optikus Sehr schön zusammengefasst. Ich denke, wenn es BXTs Funktionsweise betrifft sind wir noch auf dem richtigen Gesprächsfaden. Den Grundkurs in Deconvolution kann sich jeder ergooglen, wenn Bedarf besteht.

BXT macht (was DS Objekte angeht) sowas etwas primitiver (naemlich nur ueber ein Blurkernel also eine symmetrische, gaussfoermige PSF)
Bitte was? Wo hast du diese Info her? Warum sollte nur so ein "Hello World" Kernel verwendet worden sein? Dafür braucht man kein Machine Learning, die paar Freiheitsgrade bekommt man auch schnell mit einem Levenberg-Marquardt gefittet.
Dann passt die Aussagen aber auch nicht zu dieser für DS Objekte:
Wenn man es strikt nimmt, ist das kein "rekonstruiertes Bild" mehr, schon alleine deshalb nicht, weil man z.B. den Effekt einer BXT Operation nicht mehr durch eine "(BXT)^-1" Funktion umkehren koennte.

Das funktioniert halt bei CNNs so nicht mehr.
Das kommt aufs gesamte Design an. Anscheinend hast du ja tiefere Einblicke in das BXT Design. Vielleicht kannst du sie mit uns teilen?!

Viele Grüße

Sebastian
 
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