Der Letzte seiner Art ?

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**DONOTDELETE**

Hallo Leute,

ich frage mich seit einiger Zeit ob ich der letzte visuelle Beobachter bin.
Natürlich wis ich daß dies nicht wirklich der Fall ist.
Schließlich beobachte ich gelegentlich zusammen mit einigen
anderen Beobachtern.

Nur wenn ich mir anschaue welche Teleskope auf den Markt kommen,
wie es um das Zubehör bestellt ist, wie lang manche sehr gut
für die Beobachtung geeignete Teleskope im Biete-Markt angeboten
werden bis sie endlich einen Käufer finden, dann frage ich mich ernsthaft
ob es vielleicht da draußen nur noch Knipser gibt und die Beobachter
weitgehend ausgestorben sind?!

Meiner Ansicht nach wird schon lange zu wenig an die rein
visuellen Beoabchter gedacht. Spezielles Zubehör für all jene
die mit Newtons beobachten findet man nicht:

Wo sind komakompensierende Okulare?
Wo sind Barlows mit Komakompensation?
Wo sind okularauszüge mit eingebauter Irisblende?

Dies alles gab es schon einmal. Das komakompensierende Okular
für lichtstarke Newtons wurde eingestellt weil ein darin
verwendeter Glastyp nicht mehr erhältlich war.
Die Barlow wurde eingestellt weil der Händler eine zu große Menge
davon hätte abnehmen müssen, der Verkauf würde zu lange dauern.

Neue Newtons werden neuerdings fast immer photographisch ausgelegt.
Bei visueller Nutzung werden dann turmhohe Auszüge notwendig.
Die Innenschwärzung ist meist mäßig, eine Verblendung gar
nicht vorhanden.

Die Situation ist bei den Linsenteleskopen auch nicht besser.
Da werden die Apos immer lichtstärker, was den Photographen freut,
den Beobachter aber nur dann wenn er auf große tatsächliche
Gesichtsfelder aus ist.

Meine Frage ist also:
Gibt es den reinen visuellen Beobachter noch? Falls ja:
Was sind seine Wünsche bezüglich Teleskope und Zubehör?

Neugierige Grüße, Karsten
 
Hallo Karsten,

ich denke gucken will gelernt sein. Wenn ich mir die Anfragen heute so ansehe: "Ich will auch Foto" schreibt uns der Einsteiger täglich, noch bevor es um die Objekte geht, die beobachtet werden sollen (wenn sie denn genannt werden).
Als ich meinen Einstieg machte, wollte ich auch fotografieren. Aber das war einerseits die Ausnahme und andererseits wusste ich, dass das mit den Geräten die ich mir erlauben konnte nicht möglich war. Webcams gab es ja noch nicht.
Inzwischen komme ich nicht mehr zum Fotografieren, weil ich bei den wenigen Gelegenheiten mit klarem Himmel und für mich machbaren Nächten einfach zu große Lust auf die Beobachtung habe.
Vermutlich müssen die meisten Einsteiger heute eine solche Entwicklung durchmachen, um dahin zu kommen, visueller Beobachter zu sein - oder aber sie schaffen das nicht einmal.
Von daher mag es wohl krass ausgedrückt richtig sein, nur Foto und Allround auf die Fahnen zu schreiben, weil ein Großteil des Marktes genau das Zeug haben will. Das ganze ist ein Massenmarkt geworden. Für Schnellstarter.

Ob's klappt ist ne andere Frage - oder eine Frage der gesetzten Ziele bzw. deren Relativierung...

Clear Skies
Sven
 
Hallo Karsten,

Die Antwort auf Deine Frage dürfte für jeden anders ausfallen. Es kommt auf die Vorlieben, den Standort etc. an. Für meinen Teil bin ich mit dem visuellen Möglichkeiten am Markt durchweg zufrieden. Es gibt günstige Dobsons, gute EDs, Okulare mit weitem Gesichtsfeld, prima Herschelkeile, Binoviewer, etc. Eigentlich was das Herz begehrt. Limitieren tut nur das Budget.

Hier im Forum sieht man zugegebener Maßen viele Bilder und wenig BB. Das heißt nicht, daß wenig visuell beobachtet wird - es werden nur weniger BBs geschreiben. Vielleicht schreibst Du selbst mal wieder einen und animierst Andere zum visuellen Beobachten. Ich muß leider passen - seit 5 Wochen Wolken. Wenn es wieder klar wird folgen BBs.

Die beste Neuerung am Markt sind für mich derzeit die 100° Okulare. Diese erlauben entspanntes Beobachten und grandiose Einblicke.

CS
Dirk
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Karsten,

ich glaube, es gibt sie schon noch, die visuellen Beobachter.
Ich glaube aber auch, dass viele nur zufrieden mit dem sind was sie angeboten bekommen, weil sie gar nicht mehr wirklich wissen, was mit visuell ausgelegten Teleskopen der gegebenen Öffnung tatsächlich möglich ist und dass das nicht zwingend erheblich mehr kosten müsste.

Man geht heute viel zu leicht her und steigert von 6" Öffnung auf 10" oder von 10" auf 16" bevor man sein Teleskop erst mal ans Limit bringt. Der Markt macht das Öffnungsupgrade leicht und das Marketing propagiert es. Optimierungen werden hingegen ganz selten angeboten oder wenig propagiert, weil sie ja zwangsläufig ein Hinweis sind, dass das Gerät zuvor nicht gut war.

Die Bastelecke ist dann ein Weg, der aber nicht jedem Nutzer zuzumuten ist.

Gruß
*entfernt*
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo,
erstmal vorne weg: Ich beobachte hauptsächlich visuell d:-).
Weiterhin finde ich, dass viel schon bei der Beratung daneben geht.
Wenn man hier in das Forum schreibt und nach einem Teleskop fragt kommen ja zwangsläufig die Fragen wie: Willst du damit auch fotografieren?
Klar! Wenn du ein Auto kaufst und jemand sagt, willst du auch noch ne geile Anlage drin haben würde auch keiner nein sagen.
Vielen Einsteigern ist doch garnicht bewusst, was echte Astrofotografie bedeutet, wie aufwendig sie ist und wieviel Zeit man investieren muss.
Gleichzeitig weiß auch keiner was eigentlich an Einbussen in visueller Sicht auf ihn warten wenn er sich für ein fotografisch ausgelegtes Teleskop entscheidet.
Und auch der Werbeschriftzug "für Astrofotografie geeignet tut da ja schon sein übriges."
Ich würde gerne mal wissen wer wirklich sich mit der Fotografie beschäftigt hat, von denen die hier gefragt haben. Ich werd mal schauen was ich solles gefragt hab in meinem ersten post hier d:-).
Wer meine in letzter Zeit geöffneten Threads gelesen hat sieht ja auch schon an den Leserzahlen wie wichtig hier die Idee von einem transportablen voll visuell ausgelegtem Teleskop den Leuten hier ist!

Gruß Deadlock
 
Hallo Karsten,
Du darfst wohl doch ein wenig beruhigt sein – ja, es gibt sie noch, die „nur-Visuellen“, denn auch in meinem Umfeld sind sie noch vorhanden.
Allerdings scheint es mir in der Tat diesen Trend zum Foto zu geben. Dabei will ich gar nicht mal darauf abheben, dass man als nicht-Fotografierender die Händlerofferten im Biete-Board nur mehr mit einem Auge zu sichten braucht, weil es bloß noch irgendwelche neuen CCDs gibt und fotooptimierte Weitfeldinstrumente.

Auch stimmt es, dass die Einsteiger auf „ich will aber auch Bilder machen“ zielen.
Nach meiner Wahrnehmung ist das auf mehrere Faktoren zurückzuführen:
1.Der Himmel gibt durch Lichtverschmutzung zunehmend weniger her und zwingt quasi, mangelnde Details bzw. „tiefe“ Einblicke durch lange Belichtungen auszugleichen, was das Auge eben nicht kann.
2.Technik ist interessant – das reine Beobachten scheibar weniger. Am Instrument zu verbessern, zu schrauben, zu feilen und zu kleben macht Spaß. Wenns dann da steht – muß gleich was anderes, was Neues her, damit man was zu tun hat. Das hängt mit dem nächsten Punkt zusammen
3.Die „Einsteiger“ sind heute oft weniger geduldig: nach meinen eigenen Erfahrungen endet es bei mancher Beobachtung mit Neuen damit, dass nach dem „super-ich habs gefunden“ der Blick hinter dem Oku nicht mal ne Minute währt, dann heißt es schon weiter zum nächsten. Sich EIN Objekt auch ruhig mal eine Viertelstunde anzusehen, ist kaum drin. O-Ton: „Hab ich doch auf Bildern schon gesehen!“ Öööhm... Ja dann... Das „Sehen“ allein ist nicht mehr „Kick“ genug.

Diese Schnelligkeit ist aber ein Zug der Zeit. Ich bin mir dabei sicher, dass dies auch in anderer Hinsicht so sein wird: viele der Einsteiger weden auch ganz schnell wieder Aussteiger, wenn der Reiz des Neuen weg ist. Übrig bleiben nur wenige, die sich tatsächlich an den wenigen Photonen auf der Netzhaut begeistern. Und die lernen dann wirklich das Sehen neu.

Wünsche als Visueller? Klar! So wie Du sie schon beschrieben hast...
Aber mit denen werde ich bei unseren großen foto-visuellen Astro-Discountern kaum fündig werden. Z.B. Stichwort "TMB-Mono"...

Grüße von Dino zu Dino :/
Thorsten
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Ich beobachte ausschließlich visuell, wobei ich keine BBs verfasse, sondern meine Beobachtungsnächte nach den hier veröffentlichten BBs gestalte.
Außerdem bastel ich sehr gern, für mich gehört es zum Hobby mir meine Technik im Rahmen meiner Möglichkeiten auch selbst zu bauen.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hi Karsten,

ich kann schon verstehen, warum seitens Handel bevorzugt der Astrofotograf bedient und umworben wird. Leute, die sich mit Astrofotografie beschäftigen oder sich damit beschäftigen wollen, sind bereit (oder leidensfähig genug) eine Menge Geld auszugeben.
Die Foren sind daran auch nicht ganz unschuldig. Bei entsprechenden Anfragen steigt von Post zu Post der Betrag, den man für den Einstieg vermeindlich aufbringen muss.
Astrofotografie ist ein Markt, der sich quasi selbst am Leben erhält. Schon alleine durch die steigende Qualität der Astrofotos wird die Messlatte immer höher geschoben, die als Futter für die "Materialschlacht" dient.

Es gibt noch eine Menge visuelle Beobachter. Dass es für diese ein vergleichsweise geringes Angebot an visuell optimierten Geräten gibt, kann man jedoch ggf. verschmerzen. Entsprechende Optimierungen sind ja relativ einfach und kostengünstig durchführbar. Teilweise finden sich ja auch Angebote, wo solche Optimierungen professionell durchgeführt werden.

Aber auch bei den "Visuellen" kann man den Eindruck gewinnen, dass sich manche mehr mit der technischen Ausstattung an sich beschäftigen, statt mit der Beobachtung - Beobachtung in dem Sinne, dass man nicht nur Objekte aufsucht und dann als gefunden abhakt (viele BB machen diesen Eindruck), oder per Beobachtung nur die Leistungsfähigkeit der Optik testen und dokumentieren möchte. In den Berichten vermisse ich oft die tiefergehende Beschäftigung mit den Objekten, z.B. durch eine detailliertere Beschreibung. Ein BB, der nur aus einer Aufzählung besteht, ggf. noch mit Kommentaren, die selbst von den Anmerkungen im Karkoschka an Inhalt übertroffen werden, ist m.E. überflüssig.
Und da qualitativ hochwertige BB viel Arbeit machen, scheut so macher den Aufwand einen solchen zu erstellen. Ich nehme mich da nicht aus.

CS
Chris
 
hallo Karsten,

ein paar lose Gedanken dazu...

ich seh das anders, mit den Dobsons haben wir doch einen grossen Aufschwung in der rein visuellen Astronomie. Es gibt Komakorrektoren die rein visuell konzipiert sind und mit sämtlichen Okularen verwendet werden können. Das scheint für die meisten Leute zu genügen. Auch für mich, der ich fotografiere, wenn das Graffl dann aber mal am Knipsen ist, häng ich am Dobson und gucke.

Durch die Verbreitung der Dobsons kommt sogar der umgekehrte Fall vor, dass ein solcher fototauglich gemacht wird. Letztens musste ein Amateur hier sogar den Tubus kürzen, sonst wäre kein Fokus zu erreichen gewesen.

Es ist auch im visuellen Bereich, wenn man optimal arbeiten will, eine Trennung von Richfield und Hochvergrösserung nötig. Einerseits ist das voll ausgeleuchtete Feld mit grossem FS für Deepsky gut, andererseits brauchts für Planeten einen möglichst kleinen FS und das ausgeleuchtete Feld kann ruhig klein sein.

Newton-Tuning wird zwar angeboten, die Nachfrage ist aber sehr gering, obwohl ich da immer was dazu sage. Ab und zu fragt mich einer wie er richig auskleidet, die meisten die es überhaupt machen tun das selber, und ist ja auch günstiger so und gar nicht kompliziert.

Es gibt aber grosse Hersteller die durchaus offene Ohren haben, ich habe kürzlich einem solchen meinen voll getunten 10" Newton vorgeführt, Kurts thermische Messungen gezeigt, und auch genau erklärt warum der Lüfter saugen muss und nicht blasen ;-) Mal sehen ob das Früchte trägt, die waren jedenfalls ganz heiss auf Ideen.

Es kommen jetzt eine Menge Newtons auf den Markt die explizit für Fotografie ausgelegt sind, mit Blenden und weiteren Tuben, und Carbon und was nicht alles. Das ist für fortgeschrittenere Leute, die Einsteiger wollen sich aber immer alle Optionen offen halten und günstig haben, daher nehme ich an dass diese von dir beklagten nicht-Fisch-nicht-Fleisch Teleskope uns vorerst erhalten bleiben.

Was IMHO wirklich den Markt beherrscht, ist der enorme Preisdruck. Es muss günstig oder noch billiger sein, um einen Marktanteil zu haben, wir sehen gerade dass Teleskope eingeführt werden die eigentlich nur für den innerchinesischen Markt bestimmt waren. Das dürfte eine Spezialität in D sein, denn diese Scopes sehe ich sonst bei keinem Händler weltweit im Angebot.

Daher denke ich dass ein komakorrigierendes Okular oder ein OAZ mit Irisblende nur einem Edelhersteller mit gutem Namen und zahlungskräftigster Kundschaft vorbehalten sein wird. An den wären solche Wünsche zuerst heranzutragen, der könnte damit sein Profil durchaus schärfen, wie das so schön heisst.

Da finde ich deine Nachfragen sehr gut, denn häufig gibts ja am Markt Angebote für die die Nachfrage erst geschürt werden muss - hier könnte es gesunderweise durchaus mal umgekehrt sein!

lg Tommy
 
Hi Karsten,

da kann ich dir Recht geben. Selbst Dobsons, ursprünglich nur fürs Visuelle gedacht - bekommen einen zu großen Fangspiegel verpaßt. "Man könnte ja mal photographieren wollen"...Nein, will ich nicht! Dann noch diese Tubuskürzerei (alles für die Ausleuchtung bla...), dass man an einigen Newtons ellenlange Verlängerungshülsen braucht, um visuell tätig zu werden...
Das nervt wirklich.

Aber um mal von der Meckerseite runterzukommen - ich denke, der Grund für den Vorzug der Photographie seitens des Marktes liegt darin, dass durch die zur Verfügung stehende Technik sehr viel mehr möglich ist auch bei schlechteren Bedingungen, wohingegen der visuelle Beobachter praktisch immer auf gute Bedingungen angewiesen ist. Ähnliches gilt natürlich auch für die Photographie, ich finde aber nicht so extrem wie für den Beobachter. Und da die meisten eher bescheidenen Himmel haben, wird lieber geknipst und am Ende versucht, das beste rauszuholen...

Soweit mein Senf, ich bitte um Entschuldigung, wenn ich hier was benannt habe, was schon woanders steht - war grad zu faul alles zu lesen ;)

Ahoi,
Norman
 
Astronomie als Leistungssport ...

Ich hab ja schon von den Messier-Rennen gehört ... und von einigen anderen "Abgehakt"-Nummern gelesen ...

Bei mir nicht!

Ich habe da eine etwas unkonventionelle Art der "Naturbeobachtung" ... die praktiziere ich schon seit Jahren bei meinen "Ausflügen" (mit Hund/en) quer durchs tiefste Gelände: Man schaut sich die schönen Dinge, die einem da so begegnen, an, eine Pflanze, einen Pilz, ein Insekt oder auch mal 'ne Wildsau ;) ... und anschliessend versuche ich zu "erkunden", was ich da so im einzelnen zu Gesicht bekommen habe (das Internet ist mittlerweile dabei eine grosse Hilfe).

So mach ich es auch sehr oft beim Spechteln ... ein "Spaziergang" mit dem Telsekop in einer zuvor grob "festgelegten" Himmelsregion ... und da sieht man Dinge, von denen man zunächst gar nicht weiss, wie die "benamst" sind ... aber schön sind sie :)
Und nachher dann versuche ich erst anhand meiner Erinnerungen und diversen "Hilfsmittel" herauszufinden, was ich denn da überhaupt gesehen haben könnte ... so hat man beim "Spaziergang" keinen Stress (z.B. einen bestimmten Pilz aufzufinden ;) ) und kann nachher in aller Ruhe nochmal über das Gesehene sinnieren ... :)

Aber nochmal:
Wieviele der Einsteiger mit Astrofotografiewunsch (gemeint sind die tollen Superaufnahmen von Galaxien, Nebeln und Sternhaufen etc.) bleiben bei ihrem "Begehren" nach einer ausführlichen Beratung durch erfahrene Astro-Kollegen? Einer von Hundert ... länger als ein Jahr? Dass die Händler kein allzu grosses Interesse daran haben, dem neuen "Astrofotografen" sein Vorhaben mehr oder weniger auszureden (= über die wahren Anforderungen, nicht nur an Material, zu informieren), ist scon verständlich, denn wann kann man schon mal einen solchen Umsatz mit einem Kunden machen, sofern dieser einigermassen betucht ist. Andererseits denken eben auch viele Einsteiger (ob visuell oder fotografisch), das Astronomie 'ne reine "materialschlacht" sei (siehe auch Post weiter oben). Da ist man dann der Überzeugung, ich blättere mal eben so drei Tausender hin, und die Technik wirds dann schon machen ... in anderen Hobbys ist es nicht viel anders, dieses Verhalten ;)

Aber gegen einen visuell optimalen Serien-6/6er Newton, der dann auch die hier schon viel erwähnten "Features" besitzt, hätte ich absolut nix einzuwenden ... :pfeif: ;)
 
Zitat von 47Tau:
Auch stimmt es, dass die Einsteiger auf „ich will aber auch Bilder machen“ zielen.
Nach meiner Wahrnehmung ist das auf mehrere Faktoren zurückzuführen:
1.Der Himmel gibt durch Lichtverschmutzung zunehmend weniger her und zwingt quasi, mangelnde Details bzw. „tiefe“ Einblicke durch lange Belichtungen auszugleichen, was das Auge eben nicht kann.
2.Technik ist interessant – das reine Beobachten scheibar weniger. Am Instrument zu verbessern, zu schrauben, zu feilen und zu kleben macht Spaß. Wenns dann da steht – muß gleich was anderes, was Neues her, damit man was zu tun hat. Das hängt mit dem nächsten Punkt zusammen

Ich kann nur zustimmen.

Vorallem ist es heute Technisch (Photomäsig) alles viel einfacher geworden als vor 20 - 3o Jahre.
Die rein visuellen die ich kenne sind meisten > 50 Jahre jung! und haben > 15 Jahre Erfahrung in Astronomie.

CS,
Igor
 
Hallo Carsten,

da hast du ja was losgetreten. Aber nicht zu unrecht.
Denn photografisch optimierte Geräte sind in der Tat beworben, visuell optimierte Geräte gibt es nicht explizit. Wer es weiß, der kennt die Parameter eines visuell optimaleren Geräts, aber es wird eben nicht explizit beworben.

Da aber, wie in diesem Thread bereits beschrieben, die Fotografie erschwinglicher geworden ist und heutzutage die Erfolge schneller sichtbar werden sollen, ergibt sich für mich daraus der logisch Trend. Vielleicht ist es aber auch das Interesse an den neuen Möglichkeiten.

Hier hat sich im visuellen Bereich bis auf die erschwinglichren Öffnungen nicht viel geändert - ggf. sogar verschlechtert, was es die optische Realisierung angeht. Da liegen Okulare eher im Trend, aber die können auch nur zeigen, was auf dem Weg zu ihnen an optischen Informationen belassen wurde.

Nehme ich mal an, dass sich der Trend zur Fotografie wieder relativieren wird, wenn sich die derzeitigen Wogen beruhigt haben. Dann kommen auch die visuellen Beobachter wieder zu ihrem Recht. Vielleicht beginnt es schon mit den ersten Threads über dieses Thema in den Astrothreads.

Cs,
Stefan
 
Zitat von xbass:
Die rein visuellen die ich kenne sind meisten > 50 Jahre jung! und haben > 15 Jahre Erfahrung in Astronomie.

Hi Igor,

dass das ein bisschen auch eine "Generationengeschichte" sein könnte, ist wohl gar nicht so abwegig. Die jüngere Generation ist ja sozusagen fast nur noch eine "Second Hand"-Generation ... oder eher "Third Hand"-Generation ... Informationen und "Erfahrung" kennen die fast nur noch aus zweiter oder dritter Hand ... Medien und Internet, virtuelle Spielwelten, Bilder auf Papier oder Bilder auf dem Display ... wer redet denn noch von Angesicht zu Angesicht miteinander? Da wird lieber gesimst oder getwittert oder "telefoniert" ... man hat tausende "Freunde" in einer "Social Community" ... da wird am Teleskop 'ne Webcam angeschlossen, damit die Bildchen auch schön vom "Chefsessel" aus am Monitor zu sehen sind, während man sich Fastfood und braunen Flüssigzucker reindrönt ... aber gottseidank sind (noch) nicht alle jungen oder jüngeren Leute so ;)
 
Hi Karsten,

ich bin auf Grund meines Alters auch einer von den "Dinosaurieren" in der Astroszene. :)

Angefangen mit den Beobachtungen hab ich als Stepke vor rund 40 Jahren mit nem Quelle-Fernglas, dann nem "Piratenfernrohr", das man zusammenschieben konnte, dann kam Opas "Jagdfernglas" unter dunklem Himmel im Erzgebirge und am Meer. In der Pubertät war dann anderes wichtiger: Schule, Ausbildung, Freund, Familie gründen, Beruf.

In den 80ern dann hauptsächlich Astronomie aus Büchern, Kosmologie, Planetariumsbesuche. Zum ersten eigenen Fernrohr kam ich dann Mitte der 90er, als ich mir genügend Geld zusammengespart hatte. Ne Russentonne mit abgedrehten Mikroskopokularen auf ner motorisierten GP. Mann, ich hab das Tönnle heiß und innig geliebt, zu jedem Teleskoptreffen geschleppt und ausgereizt bis zum "Gehtnichtmehr". In jedem Urlaub hatte ich es dabei. Die Urlaube selber hab ich nach astronomischen Gesichtspunkten geplant (Neumondphase, Sternschnuppenstrom, Sofi) und meiner Familie irgendwie "verkauft" ;)

Fotografisch war ich nur mit Strichspuren, Mofis und Sofis unterwegs. Dann kam die Revolution mit den Webcams. Auf einmal konnte ich Bilder machen von den Planeten. Eine neue Welt tat sich auf, während gleichzeitig die Beobachtung von flächigen, lichtschwachen Objekten aus der Stadt raus immer schwieriger wurde wegen der Himmelsaufhellung und zunehmender Blendung durch sinnlose Beleuchtungsorgien meiner Nachbarn.

Objekte, die ich mit der angesammelten Erfahrung locker mit dem Tönnle oder dem inzwischen angeschafften Newton erkenne, sieht ein Anfänger überhaupt nicht.

Ich find es gut, daß heute brauchbare Teleskope und bezahlbare Montierungen samt Zubehör für 500 Euro aufwärts angeboten werden. Es stört mich überhaupt nicht, daß diese Geräte so konstruiert sind, daß damit prinzipiell Fotografie machbar ist.

Die meisten Menschen wohnen heute in den Ballungszentren. Visuelles Deepsky-Beobachten kannst da nur sehr eingeschränkt betreiben. Da ist es doch gut, daß es die Alternative der erschwinglichen Fotografie gibt. Planeten mit Webcam oder s/w Kameras und Farbfiltern, Deepsky mit Digiknipsen und gekühlten CCD-Kameras mit Schmalbandfiltern.

Für jeden Geldbeutel etwas. :super:

Ich vermisse eigentlich etwas ganz anderes. Bei all den vielen fantastischen Deepsky-Bildern von Amateuren im Internet wird nur sehr selten darauf hingewiesen, wie lange die Bildbearbeitung gedauert hat. Bei den gut dokumentierten Bildern steht zumindest dabei, mit welcher Kamera, Optik (Brennweite) und welchen Filtern sowie den einzelnen Belichtungszeiten gearbeitet wurde. Aber der EBV-Aufwand wird unterschlagen.

Dadurch entsteht bei etlichen Einsteigern der Eindruck, daß man blos die Kamera (egal welche) ans Teleskop (egal welches) ranklatschen muß, einmal abdrücken und schon hat man solche klasse Bilder...

Ich mach seit über 15 Jahren öffentliche Führungen auf Sternwarten oder laß Nachbarn durch meine diversen Teleskope gucken. Bei Erstbesuchern merke ich immer, daß sie 5 Sekunden ins Okular reingucken und glauben, sie hätten alles beobachtbare gesehen. Wenn ich dann ganz geziehlt frage, was sie denn jetzt gesehen hätten, können sie den Eindruck überhaupt nicht wiedergeben. Sie gucken wieder durch, erzählen was und gucken dann nochmal rein, um sich zu vergewissern, daß es auch stimmt, was sie da von sich geben. :D

Wenn ich dann erzähle, daß ich ein einzelnes Objekt auch mal 10 oder 20 Minuten lang anguck, bis ich jedes Detail ausgiebig genossen hab, sind sie völlig platt. :cool:

Ich glaube, das hängt damit zusammen, daß unser gesamtes Leben viel hektischer geworden ist. Man spricht schneller, guckt schneller und nach wenigen Sekunden lenkt man seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes...

Nimm blos mal alte Nachrichtensendungen vom Fernsehen - aus heutiger Sicht schlafen die Sprecher fast ein beim Ablesen der Nachrichten. Oder alte Spielfilme. Da sind viele Szenen etliche Minuten lang ohne einen einzigen Schnitt.

Visuelle Astronomie empfinde ich daher als echte Erholung von der Alltagshektik. Da nehm ich mir ganz bewußt Zeit, laß die Seele baumeln. :super:

Meine Frage ist also:
Gibt es den reinen visuellen Beobachter noch? Falls ja:
Was sind seine Wünsche bezüglich Teleskope und Zubehör?

Meine ganz persönlichen Wünsche:
- Einsatz von Leichtbaumaterial bei Tuben und Rohrschellen
- Abgestufte Verlängerungen für die Stative, die Beine sollen nur zum Ausgleich der Bodenunebenheiten dienen
- Prinzipiell nur solide 2" Okularauszüge mit Untersetzung ab 4" Refraktoren bzw. 6" Newtons
- ordentliche Blenden und schwarze Auskleidung von allen Newtontuben
- Fangspiegelspinne mindestens 5 cm tiefer in den Newtontubus reinbauen (für einen besseren Streulichtschutz bei Dämmerungsbeobachtung und ungünstigen Umgebungsbeleuchtungen)
- Prinzipiell 2 Löcher über dem Hauptspiegel für optionale Lüfter bei allen Newtontuben mit Gitter und integrierten Feinstaubfiltern
- Weiß lackierte Tuben, damit sich die Teleskope tagsüber garnet erst so stark aufheizen und bei Sonnenbeobachtung weniger Tubusseeing entsteht

CS
Fee

 
Hi!

Zitat von xbass:
Die rein visuellen die ich kenne sind meisten > 50 Jahre jung! und haben > 15 Jahre Erfahrung in Astronomie.

Also ich bin 23 Jahre jung und seit 13 Jahren bin ich mit Teleskopen dabei. Photographie hab ich ganz am Anfang mal mit des Vaters analoger Spiegelreflexkamera probiert. Die ersten Versuche hatten allerdings nur sehr bescheidene Ergebnisse und als ich in diversen Büchern dann gelesen hab, was da noch so alles an Material dazukommen sollte, um vernünftige Bilder zu machen, bin ich dann bei visueller Beobachtung geblieben.

(Hin und wieder mach ich aber auch mal ganz gerne ein paar einfache länger belichtete Sternbild-Aufnahmen mit Weitwinkelobjektiven)

Je nach dem, in welchem Personenkreis man sich befindet, wird man aber durchaus mal mit schrägen Blicken angeschaut, wenn man erwähnt privat [also zuhause hobbymäßig] ein (fast) rein visueller Beobachter zu sein.

Okay... ich geb ja zu... wenn man jetzt astrometrische Messungen und Photometrie braucht, die aktuell, präzise und wissenschaftlich verwertbar sein soll, dann führt kein Weg an Kameras vorbei. [Aber zuhause privat hab ich durchaus auch Argelanders Stufenschätzmethode und Beobachtung von Meridiandurchgängen von Sternen mit Stoppuhr mal probiert! Trotz der einfachen Methode funktionieren diese rein visuellen Messungen doch erstaunlich präzise.]

Aber wenn man erwähnt, das 60cm RC am Hohen List visuell benutzt zu haben, kommt durchaus schonmal ein Kommentar der Art "Und wieso nicht mit CCD dran?"


Viele Grüße

David
 
Ja, viele gibt's ja wirklich nicht mehr
Gründe sind die wachsende
LICHTVERSCHMUTZUNG - jedem Haus und jeder Gasse seine Halogenlampe!!!, Skybeamer auf Discos und McDonalds etc., sodaß man wirklich tief ins Gebirge fahren muss um visuell zufrieden zu sein, sowie
BEQUEMLICHKEIT - das ist teilweise ganz schlimm, weil "was so weit?" und "ist mir zu kalt!" usw. und
NIX FINDEN/KEINE GEDULD - mit einem Telrad/Rotpunktsucher und einem guten 8x50(RACI)-Sucher sowie guter Sternkarten (Starguide, Night Sky Observers Guide!!!, Deep Sky Atlas´, Karkoschka usw.) findet man wirklich richtig viel, sowie
ZU KLEINE ÖFFNUNG - es macht erst ab 8" Spaß Deep Sky anzugehen (ideal 12-16"), darunter gibt's immerhin Mond, Planeten, Doppelsterne, offene Sternhaufen für's "kleine" Fernrohr.
Es ist auch wichtig, sich die beobachteten Objekte auch in den Fotos/Daten anzuschauen, was dann im Kopf am Okular zusammengeführt wird und so einen wesentlich interessanten Einblick in die Himmelswelt ergibt.
Mit den bezahlbaren und transportierfähigen Dobsons von 10-16" gibt es immer noch tausende Objekte zu jagen. Man muss ja wirklich nicht gleich 10-20 Minuten auf jedes Objekt starren.
Die Weitwinkelokulare von 70-100° sind auch ein Fortschritt für die visuelle Beobachtung.
Der einzige Wermutstropfen sind die hohen Preise in Europa - man schaue sich mal die Preise in USA an!!! Da beides aus Asien geliefert wird, läuft hier irgendwas falsch bei uns, denn reich werden können die Astrohändler ja auch nicht gerade.
Ich persönlich habe mit einigen, (leider nur sehr wenigen) Kollegen immer wieder tolle Highlights in abgelegenen Gegenden und schaue auch oft von zu Hause, obwohl mit neuen beleuchteten Häusern und Halogen-Strassenbeleuchtungen in der Nähe es damit wohl bald vorbei sein wird.
Zum Fotografieren habe ich keine Lust, da man dabei nix sieht und die meisten zum tausendsten Mal den Orion-Nebel, M31 etc. stundenlang belichten und meist nur neben dem Fernrohr stehen bzw. es ewig lange einstellen, damit dann in einer Nacht 2-3 Aufnahmen gemacht werden können - wem es aber Spass macht, dem sei es gegönnt. Wenn man das Fotografieren mal draufhat (nach Investition von viel Zeit und Geld), dann gibt es immer wieder unglaublich gute Amateuraufnahmen - meinen Respekt.
 
Hallo,

dieser Thread hat ja schon eine richtige statistische Aussagekraft bekommen :respekt2:
Es ist ganz klar eine sehr positive Resonanz zur visuellen Beobachtung zu erkennen.

Ich selbst bin 100% visueller Beobachter, wobei mir die vielen schönen photografischen Aufnahmen von euch sehr gut gefallen. Aber die astronomische Photografie ist nicht was mich selber reizt, es ist eher der visuelle Genuss etwas mit den eigenen Augen da oben zu sehen, auch wenn es nur wenige Phototen sind. :augenrubbel:

Ich hatte Saturn schon hundert mal gesehen, in Büchern und auf Postern, aber das erste Mal als er im Okular auftauchte war wie bei vielen Beobachtern ein tolles Erlebnis. Ich glaube dass die astronomische Beobachtung weiterhin stark betrieben werden wird, auch wenn sich hier und da mal etwas nicht in die richtige Richtung entwickelt. So lang man Spaß und Faszination bei der Beobachtung hat wird es auch immer wieder viel zu erzählen geben hier ;)

CS
MaRKus

p.s. langsam reichts mal mit den Wolken sonst verlerne ich noch das indirekte Sehen !!

 
*die Hand hebt* Hier ist auch noch einer, ein rein visueller Beobachter. :)

Habe keine Ambitionen hinsichtlich Fotografie, bin mehr als ausgelastet mit der visuellen Deep-Sky-Beobachtung, die mein größtes Hobby ist und sehr viel Spaß macht. Für mehr bleibt neben 3 Kindern, Haus und Arbeit dann auch nicht mehr Zeit übrig - aber das ist ein anderes Thema. :)

Ich kann über das heutige Equipment für visuelle Beobachter gar nicht meckern. (Was hätte man noch vor ganz nicht allzulanger Zeit für einen 8'' mit guter Optik hinlegen müssen!!) Habe als Fernglas-Beobachter angefangen und bin mittlerweile beim 8 Zöller gelandet (genauer: 8x40 Fernglas, 15x70 Fernglas, 4'' Refraktor, 8'' Newton). Mehr Öffnung brauche / möchte ich persönlich gar nicht. Für mich fängt Deep-Sky ab 8x40 an (eigentlich ja schon mit dem bloßen Auge) - man muss kein O'Meara sein oder unter Hochalpenhimmel leben, um bereits im 4-Zöller erfolgreich "faint fuzzies" zu jagen. (Es geht sowieso nichts über Weitfeld-Beobachtung, hihi.) Aber soll jeder machen wie er will natürlich! :)

Was ich damit nur sagen wollte: Ja, es gibt sie noch, die visuellen! Und mehr als man denkt, glaube ich, wenn ich so in mein persönliches Umfeld schaue.
 
Hallo David,

ich würde so einen Personenkreis dann schräg angucken. Die ham echt was verpasst im Leben. Fotos: Klasse Grabbeigabe.

Clear Skies
Sven
 
Hallo zusammen,

allein die Ethos-Okulare zeigen doch, daß es noch etliche "Visuelle" geben muß, die das auch auf höchstem Niveau machen wollen.

Vielleicht ist Fotografieren vs. visuell auch wirklich eine Generationenfrage: Nicht, weil heutzutage die Jüngeren ja so schrecklich ungeduldig wären.... sondern einfach, weil man vielleicht als jüngerer Mensch tendentiell eher das Bedürfnis hat, Dinge für die Nachwelt festzuhalten, und später, wenn man es denn oft genug gemacht hat, will man lieber nur noch für sich selbst gucken und erleben....?

Was Ungeduld und Generationenfragen angeht, könnte man ja bei "Der letzte seiner Art" eher mal fragen:

Wer beobachtet heute eigentlich noch OHNE Goto (Dobsons einmal ausgenommen)? Da fühle ich mich manchmal ziemlich allein, mit meiner Vorliebe für Teleskopmontierungen, die am besten einen völlig ungesteuerten Antrieb haben (einfach nur irgendwo an den Strom anstöpseln und es läuft in RA, fertig). Keine Knöppe, keine LEDs, kein Computergedöns, kein garnix.... und wenn das Objektfinden dann ein bißchen länger dauert, na und.... krieg ja kein Geld dafür
:)

Denn das war ehrlich gesagt beim Lesen der Überschrft, bevor ich dann den eigentlichen Beitrag gelesen habe, mein allererster Gedanke....

LG
Thomas
 
Hallo Karsten,

da hast Du ein schönes Thema aufgemacht, und es bekommt - wie man sieht - die Resonanz, die es verdient.

Obwohl ich ja fast ausschließlich fotografiere, besser gesagt videografiere, betrachte ich mich doch auch als "visueller" Betrachter der eingefangenen Objekte. Die in dieser Diskussion einvernehmlich wahrgenommene Unterscheidung liegt doch darin, ob man lieber "live" oder am Bildschirm beobachtet.

Bei jeder Art von Beobachtung spielt die Erfahrung des Beobachters eine ganz entscheidende Rolle. Das hängt - nach meinen gegenwärtigen Vorstellungen von der Wirkungsweise unseres Gehirns - damit zusammen, dass unsere Beobachtungen im wesentlichen Wiedererkennungsprozesse sind von Bildern (entsprechendes gilt auch im Bereich der Töne), die uns irgendwo schon einmal begegnet sind. Die Wirkung des Live-Bilds am Okular basiert demnach auf der Anregung von bekannten Mustern, die in unserem Gehirn bereits latent gespeichert sind.

Ich bin immer wieder erstaunt zu hören, was erfahrene "visuelle", d.h. also "Live-Beobachter" mir "live" erzählen, wenn sie z.B. Jupiter unter Sichtbedingungen im Visier haben, die mich spontan eher zum Einpacken meiner Gerätschaften bewegen. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich diese "visuellen" Eindrücke einfach nur aus Erinnerungsstücken zusammensetzen, die selbst bei grausamen Sichtbedingungen noch "blickweise" - wie es so schön heißt - angeregt werden.

Was mich auf der anderen Seite erstaunt, ist, wie wenig fein Differenziertes man auf den Zeichnungen von erfahrenen Beobachtern zu sehen bekommt im Vergleich zu dem, was selbst mittelmäßige Fotos hergeben.

Mit den von Dir angesprochenen "visuellen" Beobachtern verbindet mich jedenfalls die Freude am genauen Hinschauen und Entdecken von Oberflächenmerkmalen, vorzugsweise an Mond und Planeten. Dabei tausche ich gerne die chaotische Bewegung des Live-Bilds am Okular (zumeist einäugig) aufgrund der Luftunruhe gegen die gleichmäßige Bewegung einer fließenden Rotations-Animation am Bildschirm (binokular). Die Animation schärft ja durchaus die Wahrnehmung von feinen Bilddetails und insbesondere die Unterscheidung zwischen "echten" Bildmerkmalen und Artefakten - siehe z.B. hier - Achtung: 11 MB!

Ich denke also, dass jede Beobachtung "visuell" ist, also auch die am Bildschirm, und dass wir der heutigen "Videoastronomie" eine gewaltige Ausweitung unserer Wahrnehmungsgrenzen verdanken.

Im übrigen bin ich nicht der Meinung, dass eine videoastronomische Ausrüstung grundsätzlich teurer sein muss als eine fotografische. Denn große Tuben und entsprechend schwere Montierungen haben ihren Preis, ganz abgesehen von den Kosten hochgradiger Binos und Okulare. Fotografieren geht ja auch ohne Tubus und Zusatzoptiken, siehe z.B. hier, und eine gute Kameras kostet heute nicht mehr als ein gutes Okular.

Dank Dir jedenfalls, Karsten, für die Eröffnung dieser Diskussion!

Gruß, Jan
 
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Hallo Karsten,

*lautdenk* ach hätten damals doch nur die Chinesen Lichtenknecker kopiert....

Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen. Bevor die Chinesen den Lüfter umdrehen, wird der Papst evangelisch und wir wissen das. Da kann man auch dem Ochs ins Horn petzen.

Ich erlaube mir auch mal etwas ab zu schweifen. Momentan ist mir als ordentlicher Newton nur der AOK Ninja bekannt, welcher über 3000 Euro kostet (der "billigste" angebotene).
Und hier arbeitet bald jeder vierte in prekären Verhältnissen. Eigenartig das niemand auf Kundenwünsche reagiert und dann sogar "dschörmen cräftmänschipp" draufklebt (kleben könnte).

Gleichzeitig werden Instrumente, die hier diskutiert werden, in Echtzeit in den Verkaufsannoncen angepriesen. Aber auch nur dann, wenn es sich so irgendwo in einer Kiste befindet, die nur noch geschoben werden muss. Offensichtlich habe nicht nur ich diese Paranoia.

Ich glaube, dass sich in diese vermeintliche Nische der visuellen Instrumente, nur ein "B-Klasse-Händler" wirklich traut. Ok, mein Senf ist ziemlich populistisch und wer mag kann in dem Pelz Haare spalten ;-)

CS

Michael
 
Hi Thomas!

Ohne Goto und Dobson bin ich noch unterwegs - am ED 80 mit Porta-Montierung ist die einzige Elektronik der Leuchtpunktsucher, und der 6"-Refraktor der örtlichen Sternwarte hat zwar schon eine Nachführung, wird aber per Koordinaten eingestellt - nix Telrad oder so (aber immerhin mit Funksternzeituhr und keine mechanische mehr). Bei dem Versuch, eine brauchbare Objektliste mit Koordinaten für das Äquinoktium 2000.0 zu finden, bin ich aber auch gescheitert und hab sie letztlich selbst gebastelt - so was scheints heute auf dem Markt nicht mehr zu geben, nicht mal für die Parade-Objekte. Mit widerspenstiger Elektronik und leeren Batterien hab ich bei der Fotografie genug zu tun.

An der Fotografie versuche ich mich aber auch schon länger - in den 90ern ein paar Strichspuraufnahmen, Mond(finsternis)fotos durch's Teleskop und chemische Fotografie mit einem 90/1000-Refraktor und Fadenkreuzokular (f/11 und ISO-200-Film - nach "offizieller Lehrmeinung" kann man damit heute gar nicht mehr Deep Sky fotografieren); nach langer Pause dann der Umstieg auf die DSLR mit wesentlich weniger Frust und Mühe. Während die Kamera arbeitet, kann man sich mit anderen Dingen befassen.

Visuell macht bei einem innerstädtischen 3-4mag-Himmel aber auch nicht so viel Spaß, da bleibt nur das kleine Gerät auf dem Acker und ab und zu mal eine Fahrt in die Alpen. Fotografisch konnte ich immerhin den ein oder anderen Nebel nachweisen, der visuell gar nicht ging.

Gruß,
Alex
 
Moin zusammen!

> allein die Ethos-Okulare zeigen doch, daß es noch etliche "Visuelle" geben muß

...und die Porsche 911 zeigen doch, daß es noch genug Oldtimer-Käfer-Fans geben muß...!? Ziemlich seltsame Schlußfolgerung. ?)
Ich kenne jedenfalls mehr "Visuelle" als Astro-Fotografen - wobei ich nicht jeden Heini, der halbwegs unfallfrei eine Knipskiste an den OAZ kriegt, als "Fotograf" bezeichnen möchte. ;)
Die Wirklichkeit sieht also ein bißchen anders aus, als das die Beiträge in den Foren zum Thema "Foto" suggerieren wollen. IMO gibt es weitaus mehr Gelegenheitsspechtler mit einfachem Equipment, als hier im Forum überhaupt prozentual vertreten sind - wobei hier auch zwischen "Sterngucker" und "Beobachter" interschieden werden sollte (wurde ja schon geschrieben).

Mich reizt Fotografie jedenfalls überhaupt nicht, ich halte sie eher für Zeitverschwendung bei diesem Hobby. Die Gelegenheiten, überhaupt zu beobachten, sind schon selten genug, um sich da noch mit Riesen-Technik zu befassen. Von der zeitintensiven Nachbereitung gar nicht zu reden.
Nein, ich habe meinen Teleskop-Park auf konsequent vis. Beobachten ausgerichtet, "meine" Nische gefunden und bleibe dabei. Hier gibt es keinen Parallaktismus mehr, alles weg... - back to the roots.

Den Spruch mit den Fotos als Grabbeigaben finde ich gut! :super: Es ist keinesfalls so, daß jemand als vollwertiger Hobby-Astronom gilt, nur wenn er herzeigbare Aufnahmen vorweisen kann. Ich für mein Teil habe bereits Dinge gesehen, die nahezu allen anderen Mitbewohnern auf diesem Planeten bisher entgangen sind. Diese Erlebnisse und Empfindungen dabei kann man nicht fotografieren.
 
Hallo Micha,
Zitat von winnie:
Den Spruch mit den Fotos als Grabbeigaben finde ich gut! :super: Es ist keinesfalls so, daß jemand als vollwertiger Hobby-Astronom gilt, nur wenn er herzeigbare Aufnahmen vorweisen kann. Ich für mein Teil habe bereits Dinge gesehen, die nahezu allen anderen Mitbewohnern auf diesem Planeten bisher entgangen sind. Diese Erlebnisse und Empfindungen dabei kann man nicht fotografieren.

Den Spruch mit den Fotos als Grabbeigaben finde ich einfach unpassend.

Ich brauche meine Bilder bestimmt nicht als Grabbeigaben.

Bei Planeten benutze ich die um selber die Veränderungen zu sehen von Jahr zu Jahr (Jupiter als bestes Beispiel).

Das geht nicht einfach aus Erinnerung!

Wenn ich meinem Sohn im 20 Jahren Bilder zeige wie schön er bei der Geburt war dann wisse er worüber ich spreche. Ohne diese Bilder bin ich einfach nur ein Geschichte Erzähler.

Eins ist klar. Nicht geht über Erlebnisse und Empfindungen die man in Erinnerung hat, wie zum Beispiel erste Mal Saturn gesehen.
Dies hat wenig gemeinsam mit dem Bilder die ich von Saturn gemacht habe.

Das Photographische ist für mich nur eine Ergänzung von dem was ich gesehen habe.

Grüße,
Igor
 
Hallo Igor,

Den Spruch mit den Fotos als Grabbeigaben finde ich einfach unpassend.
Punkt für mich (siehe neulich).
Und doch ist es so. 99,99% der Amateurfotografie sieht nur nett aus und dient keinem wissenschaftlichen Zweck. Die wenigen Aufnahmen, die mal einen Impaktblitz auf dem Mond zeigen oder ein "Kometenloch" in Jupiters Methan sind glückliche Zufälle, oder das Ergebnis semiprofessioneller Arbeit.
Bei Planeten benutze ich die um selber die Veränderungen zu sehen von Jahr zu Jahr (Jupiter als bestes Beispiel).
Ich mache das aus dem Gedächtnis. Das reicht mir, auch wenn mir Details entgehen mögen. Es fragt sich ohnehin, ob solche Details wesentlich sind. Sind es generell unterschiedliche Details oder Mechanismen, bleiben Regelmäßigkeiten und deren Änderungen wieder im Gedächtnis.

Ich möchte daran erinnern, dass auch im Bereich der wissenschaftlichen Verwertung viel Amateurarbeit ohne Fotografie auskommt. Lichtkurven bei Veränderlichen (erstaunlicherweise) genauso wie Sternbedeckungen durch Asteroiden. Natürlich kann fotografisch genauer ausgewertet werden, damit diese Genauigkeit aber erzielt wird, bedarf es wiederum eines Aufwandes, den viele Fotografen weder betreiben wollen noch als Notwendig erachten. Zum Beispiel ist bei der Veränderlichenbeobachtung der Sensor in seiner Charakteristik genauso wichtig, wie Filter mit den geeichten u-v Kurven und dazu die Gewichtung nach Sensoreigenschaften. Ist doch nett, wenn der IR-Anteil eines "Referenzsterns" die auf 0,05 Größenklassen auswertbare Fotografie dadurch entwertet, dass der Referenzstern leider und aus Versehen um 0,5 Größenklassen zu hell abgebildet wird...
Bei der Bedeckungsdokumentation wiederum gilt der Eichaufwand der Zeitmessung bzw. Einblendung. Das ist Fehlerquelle genug. Was hilft da 1/50 Sekunde Auflösung der einzelnen Frames, wenn man leider die eingeblendete Rechneruhrzeit mit "n Millisekunden" der Atomuhr hinterher rennt, weil das USB-Funkmodul nicht so sauber gepollt werden kann, wie man sich das eigentlich vorstellt?

Die visuelle Beobachtung mag sicherlich egoistischer sein, weil man niemanden der nicht vor Ort wäre daran Teil haben lassen kann (außer ganz rudimentär mit dem Beobachtungsbericht). Die Fotografie für "Pretty Pictures" hingegen ist wohl auch mit hohem Anteil motiviert durch den Wunsch nach Bestätigung durch andere. Ich fand es damals toll, meine eigenen Fotos herzeigen zu können. Ich finde es auch heute noch toll, wenn bei den seltenen Gelegenheiten etwas hübsches heraus kommt. Aber meine Prioritäten haben sich halt verändert. Über die Jahre.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Zusammen.

Ich beobachte rein visuell.
Wenn die Bedingungen gut sind hat das entweder ein "oh schön" oder ein "oh wow" in meinem Kopf zur Folge.

Ein "oh schön", wenn ich mir den Mond, Jupiter und Saturn angucke, weil man dort sogar einigermaßen plastische Bilder zu sehen bekommt. Vor allem der Mond bietet richtig was zum direkten erkennen, als wäre man in seiner unmittelbaren Nähe. Sehr helle Sternhaufen oder richtig helle Nebel erzeugen bei mir ebenfalls ein "oh schön". Das "oh schön" bezieht sich dabei auf die Ästhetik des Bildes, welches ich im Okular zu sehen bekomme.

Ein "oh wow" bekomme ich hingegen, wenn ich mir Galaxien anschaue oder Quasare. Bei diesen Objekten, die einem nicht so ins Auge springen kommt meine Freude dann weniger vom dem eigentlichen Bild, welches im Okular abgebildet ist, da in seiner Detailfülle oft dürftig. Bei mir entsteht der Spass bei der Beobachtung dabei daher, dass ich mir im Vorfeld über einige Objekte etwas durchlese. Wenn mir dann beim Blick ins Okular bewusst wird, wie weit die Objekte weg sind und wie groß sie sind und was es bedeutet, sich beispielsweise eine ganze Galaxie anzuschauen, dann fasziniert mich auch der Anblick von einem weißen Fleckchen im Okular.

Für mich spielt beim Beobachten vor allem die Gesamtästhetik eine Rolle. So verbringe ich gemütlich längere Zeit am gleichen Objekt. Auch das Aussehen der Umgebung am Beobachtungsplatz spielt für mich eine Rolle. Es soll halt alles "schön" sein und insgesamt zu einer Art Genussreise passen. So wie man ein gutes Essen sicherlich auch in schönem Ambiente genießen mag.

Wenn ich mir das Angebot an Teleskopen und Zubehör anschaue, finde ich für mich persönlich satt und genug Auswahl.
Komakompensierende Okulare oder Barlows interessieren mich nicht dringend, da sie bei meinem "oh wow" eh nicht benötigt werden und das "oh schön" sicherlich nicht um Welten besser werden würde. Wenn es sie geben würde, würde ich sie sicherlich kaufen, falls neue Ausrüstung ansteht und ich sie mir leisten könnte. Vermissen tue ich nichts. Und da meine Messlatte nicht allzu hoch liegt, werden mir meine Beobachtungen auch nicht dadurch verdorben, dass ich mir ständig denken muss, dass mein Teleskop eventuell umgebaut mehr leisten könnte oder bessere Okulare noch mehr leisten. Mir reicht ein großes Gesichtsfeld was das Nachschubsen erleichtert sowie mir mehr vom Himmel zeigt und das wars.

Ich war übrigens sehr überrascht Karsten, dass Du diesen Beitrag hier eröffnet hast.
Sven und Du ihr schreibt ja sehr viele Beiträge in einem durchweg technischen Ton. Ich habe mir tatsächlich schon mal überlegt, ob ihr an Euren Fernrohren auch "oh schön" und "oh wow" kennt in dem Sinne wie ich oder ob für Euch eher die technische Perfektion des Bildes im Vordergrund steht. Für mich ist letzteres weniger wichtig. Dazu sei gesagt, dass ich natürlich erst seit einem Jahr einen 250/1250 habe und ich natürlich nicht vorhersagen kann, wie sich mein Beobachtungsverhalten mit den Jahren und der Erfahrung ändern wird.
Die schönste visuelle Beobachtung hatte ich übrigens dieses Jahr in Australien, am Strand mit Wein und Essen. Ganz ohne ein optisches Hilfsmittel, sondern einfach nur in perfekter Atmosphäre. Der vollkommen dunkle Südsternhimmel erzeugte bei mir gleichzeitig "oh schön" und "oh wow". Ich habe mit meinem 10" Teleskop noch nie etwas beobachten können, was auch nur annähernd damit verglichen werden könnte.
Fotos... habe ich übrigens auf meiner Australienreise kein einziges gemacht. Weder von der Landschaft noch sonst von irgendwas. Ich geh lieber genüßlich durch die Gegend und präge mir die Sachen in meinen Kopf ein, anstatt sie in einem Bild konservieren zu wollen.
Trotzdem schaue ich mir die Astrobilder in den Foren immer sehr gerne an und habe großen Respekt vor dem Können und der Arbeit der Astrofotografen. Diese werden die Bilder wohl aus einem Grund knipsen: Spass. Deshalb finde ich Sätze über Bilder für's Grab von Sven auch unsinnig. Soll doch ein jeder das machen, was ihm Spass macht. Man zwingt ja auch niemanden über dieses und jenes zu lachen.
 
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