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Einsteiger sucht Beratung für ein Teleskop-Set

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Balub83

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Hi,

ich interessiere mich schon seit langem für Astronomie, es gibt nicht schöneres als Nachts in den Himmel zu schauen und die unendlichen weiten zu bewundern. Schon seit einigen Jahren kommt mir regelmäßig der kauf eines Teleskop in den Sinn, allerdings hab ich es bisher immer gelassen. Da kamen mir dann immer diverse zweifel auf, wie z.b: Wird es mir wirklich spaß machen, wie vereinbare ich es mit dem Schichten, hab ich von meiner Terasse aus genung zum sehen, lohnt es sich wegen der Lichtverschmutzung in meinem Ort und und und.

All diese zweifel haben mich bisher daran gehindert, ein Teleskop zu kaufen. Jetzt bin ich aber an dem Punkt angekommen wo ich es einfach mal probieren will.

Was ich beobachten will: Was mich extrem interessiert sind die Deep-Sky Objekte, gefolgt von Mond/Planeten beobachtung und zum schluss Sonnenbeobachtung. Was mir auch sehr wichtig wäre: Da ich von meiner Terasse einen super Blick auf die Schwäbische Alb habe (ca. 20-25Km) sollte es auch dementsprechend nutzbar sein.

Eingeplant habe ich etwa 800€ +- 200€. Jetzt ist halt die frage: Welches Equipment ?.

Die erste frage wäre natürlich Dobson vs Newton.

Beim Dobson kriegt man mehr ''Teleskop'' für sein Geld und sieht auch recht beeindrucken aus. Hat aber meiner Meinung nach einen großen Nachteil gegenüber dem Newton. Er ist halt nicht wirklich Portabel. Ich würde ehr ungern das Teleskop bei Wind und Wetter draußen lassen. Zudem kann man von der Straße auf meine Terasse einsehen und theoretisch betreten (bezüglich Diebstahl). Auch ein Punkt: Falls es mir Spaß macht, möchte ich definitiv richtung Astrofotografie gehen und ggf. meine heimische Terasse verlassen, weswegen mein zukünftiges Teleskop auch ''Mobil und Erweiterbar'' sein sollte.

Dann frag ich mich noch ob ein Fertigset wie z.b. das Skywatcher 200/1000 von Astroshop oder ehr ein eigen zusammengestelltes, vll auch ein gebrauchtes ?.

Was könnt ihr mir ans Herz legen ?.

PS: Muss ich als Brillenträger was beachten ?.

MFG



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VisuSCor

Mitglied
Hallo MFG,

willkommen im Forum!

Schön, dass Du Dir Gedanken über einen vernünftigen Einstieg machst! Tipp: es gibt eigentlich fast täglich ähnliche Threads. Lies Dir die mal durch! Da werden schon viele Fragen beantwortet. Zum Beispiel hier: Suche: Teleskop (n) für gemeinsame Abendstunden auf dem Balkon

Ein Dobson Teleskop ist übrigens ein Newton. Die Bezeichnung Dobson bezieht sich auf die Montierung dieses Newton-Teleskopes und meint eine relativ einfache und preiswerte Azimutale Montierung - hier Rockerbox genannt -, die sehr einfach und intuitiv zu bedienen ist. Das Teleskop kannst Du einfach von der Rockerbox abmontieren und separat verstauen. Eine parallaktische Montierung für so ein großes Teleskop ist sehr schwer - damit ist das Set auch nicht besser zu transportieren. Der Vorteil der Dobson-Teleskope als Set ist, dass die Rockerboxen in der Regel gut zu den Teleskopen passen, während entsprechende Sets mit parallaktischen Montierungen oft mit zu schwachen Montierungen angeboten werden.

In Fellbacht bei Stuttgart gibt es das Fernrohrland - dort kannst du Dir die Geräte auch anschauen, um ein Gefühl für die Ausmaße und die Bedienbarkeit zu bekommen. Du solltest Dir ein Gerät vor dem Kauf unbedingt anschauen!

Gerade in dieser Klasse kann man hin und wieder ein gutes gebrauchtes Gerät bekommen. Auch hier würde ich immer zur Abholung raten, um einfach das Gerät vorher begutachten zu können.

Vielleicht wäre auch einfach ein gutes Buch über Astronomie für Einsteiger eine gute Idee. Und der Besuch einer Sternwarte, wenn eine in der Nähe ist.

CS.Oli
 
Zuletzt bearbeitet:

mbba18

Mitglied
Hallo "Balub83" (Name wäre nett ;)),

willkommen im Forum (y).

Der Dobson ist nach Herrn Dobson benannt ;).

Ups... da war Oli schneller.
Somit wäre das mit dem Dobson geklärt.
Der Herr Dobson wollte eine einfache, stabile und sehr preiswerte Montierung für einen Newton haben.

Für Deep Sky ist ein Dobson, so ab 8", gut geeignet.
Viel Lichtsammeln für moderates Geld.
Aber Dein anvisiertes Astrofotografieren geht, wenn überhaupt, nur sehr eingeschränkt.
Mit einer EQ-Platform und den damit verbundenen Mehrkosten und der Einschränkung auf Mond-/Planetenvideos mit einer Planetenkamera.

Deep Sky Astrofotografie nur mit parallaktischer Montierung und DSLR-Kamera.
Dazu kommt noch einiges andere "Zubehör". Stichwort Guiding.

Stabile parallaktische Montierungen gehen in's Geld.
Hat mit der Motorisierung zu tun und der Tragkraft der Montierung.

Oft wird auch das Equipment für visuelle und astrofotografische Beobachtung getrennt.
 

Siebengestirn

Mitglied
Hallo Balub,

willkommen im schönsten Hobby der Welt.

Zunächst zur wichtigsten Grundsatzfrage: Ja, es lohnt sich auch von deiner Terrasse definitiv, ein größeres Teleskop zu kaufen. Sonne, Mond und Planeten zeigen mit größerer Öffnung einfach mehr Details. Im Deep Sky-Bereich wirst du rausfahren müssen, wenn du wirklich richtig gut sehen möchtest. Aber offene und ggf. Kugelsternhaufen gehen auch unter mehr oder weniger lichtverschmutztem Himmel sehr gut. Mit Nebelfiltern geht auch auf der Terrasse eine Menge.

Zum Thema Brillenträger: Du benötigst Okulare mit einem großen Augenabstend. 17-20 Millimeter sind hier optimal.

Im Gegensatz zu vielen anderen Beobachtern bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ein Dobson, zumindest die Rockerbox, umständlicher zu transportieren ist als eine andere Montierung:

Durch das Treppenhaus ist eine solche große Box sehr sperrig und unhandlich, das gefühlte Gewicht ist enorm! Ein parallaktisches Achsenkreuz lässt sich bequem in einem größeren Rucksack oder einer passenden Tragetasche über der Schulter über Treppen tragen. Deshalb gehe ich auch vom Dobson zurück zur klassischen Montierung. Aber dafür ist der Dobson am Beobachtungsplatz einfacher und schneller aufgebaut.

Für einen 8'' f/5 ehe ich eine EQ-5 als unterste Schwelle an, besser ist mindestens eine HEQ-5.

Ich kann mich Oli nur anschließen und dir dringsndst raten, dir verschiedene Geräte vor dem Kauf nach Möglichkeit anzusehen und zu testen.

Zur Astrofotografie: Du benötigst eine wesentlich stabilere Montierung als visuell, eine präzise Nachführung mit Kontrolle der selbigen und damit eine Stromversorgung. Möchtest du durch größere Teleskope fotografieren, ist man dann schnell bei 3000 Euro Kosten.

Mein Rat wäre, zuerst mit ruhender Kamera und Weitwinkelobjektiven zu beginnen (auch hier geht schon Einiges), dann leichte Teles mit einer kleinen Montierung maximal zwei, drei Minuten nachführen und wenn du das beherrschst, kannst du über teleskopische Astrofotografie nachdenken. Astrofotografie ist viel aufwendiger, als es aussieht. Daher solltest du erstmal das Teleskop visuell beherrschen.

CS, Christian
 

Nasus

Mitglied
Hi,

Fotografie und Beobachtung trennt man von der Ausrüstung her. Nicht nur, weil man dann keinen faulen Kompromiss hat, sondern weil man während dem Fotografieren sonst nix zu tun hat. Ausnahme: Planetenaufnahmen. Da braucht man nicht so viel Zeit und was da für die Beobachtung gut ist, hilft auf bei den Videos: Öffnung!

Was die Shopzusammenstellungen angeht: Visuell grenzwertig und nur mit Motorfokus bei Windstille ok. Fotografisch hoffnungslos überfordert. Unter ein 200/1000 gehört visuell mindestens eine HEQ-5, fotografisch eine EQ-6. Eine EQ-5 ist eher was für 150/750 und kleiner.

Bzgl. Brille: Kommt auf den Grund an. Wenn es nur mit dem Fokussieren nicht klappt, ist es egal. Falls Du die aber z.B. wegen Asti auch am Okular brauchst, muss man bei der Okularauswahl darauf achten.

cs
Jürgen
 

Siebengestirn

Mitglied
Hallo Jürgen,

ich nutze aktuell einen 150/750 Newton auf einer EQ-5 mit Stahlstativ und eingefahrenen Beinen. Bis 150-fach schwingt beim Fokussieren so gut wie nichts, höhere Vergrößerungen konnte ich mangels passender Okulare noch nicht testen.

Meine Einschätzung bezüglich des 200/1000 auf EQ-5 ist folgende: Bei den typischen Deep Sky-Vergrößerungen bis etwa ein Drittel der Öffunug in mm (entspricht einer AP von 3mm) müsste die EQ-5 mit eingefahrenem Stahlstativ visuell noch nutzbar sein. Für Planetenbeobachtung dürfte es schon zu wackelig sein.

Bei www.montidatenbank.de findet sich eine Sammlung von Erfahrungsberichten zu Teleskop-Montierungs-Kombinationen. Die Seite kann ich jedem Einsteiger empfehlen. Narürlich ist jede Einschätzung subjektiv und hängt von den individuellen Ansprüchen ab, aber man erkennt hier eindeutige Trends.

CS, Christian
 

komposer

Mitglied
Hallo,

hier meine kurze Meinung:
8" F6 Dobson für die visuelle Beobachtung.
Astrofotografie erst einmal hinten anstellen und wenn das dann akut wird mit einem viel kleineren Gerät einsteigen.

Das 8" Rohr kann man locker unter den Arm klemmen. Transport mit einem Auto: Kein Problem, Rockerbox in den Kofferraum, Tubus auf die Rückbank.
Also so groß finde ich den 8" Dobson gar nicht und in der Rockerbox steht der wenigstens richtig stabil.

Lagerung: Am besten kühl und griffbereit. Ist vielleicht eine Garage oder Gartenhütte vorhanden ?

Gruß,
Holger
 

klawipo

Mitglied
Hallo,

die gewöhnlichen Dobsonkonstruktionen sind in der Tat recht ausladend. Ungleich transportabler sind Gitterrohrdobsons wie die von Explorer Scientific. Da ist gebraucht ein 12 Zöller im Budget, sonst der 10 Zöller. Transportabler und günstiger wird's kaum. Man muss sich dann allerdings mit dem Thema Justage auseinandersetzen. So ein klassischer 8 Zoll Volltubus ist da gutmütiger. Bei allen brauchbaren Dobson-Alternativen wird es wesentlich kleiner, wesentlich wackeliger oder wesentlich teurer oder mehreres davon. Wobei es natürlich schon auch möglich ist kleiner und handlicher anzufangen.

Der Gang zum Händler ist sicher eine gute Idee, um eine Vorstellung von Gewicht und Dimensionen zu bekommen. Eine echte Durchsicht in einer Sternwarte oder bei Teleskoptreffen ist noch erkenntnisreicher.

VG Klaus
 

Siebengestirn

Mitglied
Hallo Klaus,

zum ES 12'': Ein Bekannter von mir hat ihn und wohnt im 2. Stock ohne Fahrstuhl. Er empfindet ihn bezüglich Transport (2. Etage ohne Fahrstuhl) als absolut grenzwertig. Zumindest vom Sehen und Lesen her ist der 12er von Taurus da angenehmer:


Ich kenne mehrere Beobachter, die sich keinen 8'' f/6 kaufen würden, da er ihnen zu groß und schwer ist. Also unbedingt vorher anschauen. ;)

@ Klaus:

Mit dem schwerfälligen Transport bezog ich mich ausdrücklich auf den Weg durch das Treppenhaus. Auf ebener Erde ist es keine nennenswerte Anstrengung, einen 8'' Dob zum Auto zu tragen. Es hängt natürlich von der individuellen körperlichen Belastbarkeit und dem, was man zu schleppen bereit ist, ab.

CS, Christian
 

klawipo

Mitglied
Ja keine Ahnung, war ja nie vom 2. Stock die Rede. Ich würde den Dobson, wohnte ich im 2.Stock, in den Keller tun. Hätte ich nichtmal den würde ich umziehen.

Ich habe ein noch wuchtigeres Gitterrohr Exemplar, den 12er ES habe ich mal live gesehen, der wirkt dagegen zierlich. Ich muss dann 3 Mal zum Auto laufen. Rockerbox mit Okularen, Spiegelbox, Stuhl zusammen mit Rohren. Vom 2. Stock wäre mir das sicher auch lästig, aus dem Keller ist das problemlos.

VG Klaus
 

Siebengestirn

Mitglied
Hallo Klaus,

zumindest den optischen Tubus bzw. den Teil des Dobsons mit dem Hauptspiegel würde ich niemals im Keller aufbewahren: Keller sind Feuchträume, ich habe schon wiederholt von Glaspilz- bzw. Schimmelbefall von optischen Elementen gehört. Ein mehrere 1000 € teures Zeiss-Objektiv war irreparabel ruiniert. :(

CS, Christian
 

Sselhak

Mitglied
zumindest den optischen Tubus bzw. den Teil des Dobsons mit dem Hauptspiegel würde ich niemals im Keller aufbewahren: Keller sind Feuchträume, ich habe schon wiederholt von Glaspilz- bzw. Schimmelbefall von optischen Elementen gehört. Ein mehrere 1000 € teures Zeiss-Objektiv war irreparabel ruiniert. :(

Wenn eine Kellerlagerung in Frage kommt, würde ich einfach mal einige Zeit einen Hygrometer in den Keller stellen und ablesen. Ich habe meine Teleskope (Dobson, 2 Refraktoren, Montierungen und alles Zubehör) seit vielen Jahren im Keller und alles ist in bestem Zustand.
Mein Keller hat aber auch nie über 70%, meist zwischen 55 und 60%, Luftfeuchtigkeit!

Zum Transport: Mit meinem 8'' Dobson habe ich gar keine Transportprobleme, auch nicht über die Treppe aus dem Keller. Größere Geräte, wie den genannten 12'' würde ich aber nur mehr als Gitterrohrdobson kaufen. Dann sind (meiner Meinung nach) bis 16'' gut für eine Person transportierbar, auch wenn man natürlich ein paar Mal hin und her gehen muss. Den nicht auf Leichtbau getrimmten 14'' Dobson eines Kollegen tragen wir so: Einmal Rockerbox, einmal Spiegelbox, einmal Hut, einmal Stangen + Sitz und einmal Zubehörkoffer. Wenn man alleine ist, also 5mal in den Keller (oder zum Auto oder wo auch immer hin).

Grüße, Mario
 

Siebengestirn

Mitglied
Hallo Mario,

es hängt natürlich auch wie gesagt von der eigenen Belastbarkeit und der Menge der Treppen ab. Eine Kellertreppe oder Parterre-Wohnung kann man natürlich nicht mit zwei, drei oder gar vier Etagen vergleichen. Hier muss man den Einzelfall abwägen.

Um sich einen groben Eindruck zu verschaffen, kann man eine größere Reisetasche so beladen, dass sie dem Gewicht des Wunschteleskops entspricht und probetragen. So habe ich es nach schlechten Erfahrungen mit einem 8'' f/6 Dobson auch gemacht.

CS, Christian
 

klawipo

Mitglied
Hallo Christian,

das ist eine Verallgemeinerung. Nicht jeder Keller ist ein Feuchtraum.

Ich sehe das auch anders. Wenn ich nach zehn Jahren den Spiegel durch die Lagerung kaputt hätte, das Teleskop in der Zeit aber häufig genutzt hätte, wäre das immer noch wesentlich sinnvoller als hätte das Teleskop oben unbenutzt vor sich hinvegetiert. Ich bin halt Beobachter, kein Sammler.

Nichtsdestotrotz: Für Einsteiger einfacher zu handhaben dürfte der herkömmliche 8 Zoll Volltubus schon sein.

Mir war der allerdings irgendwann auch zu unhandlich und ich habe ihn zum Gitterrohr umgebaut. Den baue ich fast nie auseinander und habe so eine Einheit, die ich in einem Gang inklusive Rockerbox, Okularrucksack und Wanderhocker ins Auto kriege. Aber das ist natürlich Off Topic, Entschuldigung dafür.

VG Klaus
 

Siebengestirn

Mitglied
Hallo Klaus,

das ist m.E. nach keineswegs OT. Es ist doch gut, wenn man viele diverse Meinungen und Optionen dargestellt bekommt.

CS, Christian
 

Balub83

Mitglied
Danke für die Antworten, aber ich glaube ihr habt da was falsch verstanden. Astrofotografie will erst machen, wenn es mir wirklich gefällt. Und dann auch erst wenn ich das Teleskop beherrsche und Erfahrung hab. Die heimische Terrasse werde ich erst verlassen wenn ich in die Astrofotografie übergehe. Mir werde der Faktor Transport deswegen wichtig, da ich das Teleskop nicht auf der Terrasse stehen lassen will, sondern zurück in mein Schlafzimmer bringen möchte.
 

Siebengestirn

Mitglied
Hallo Balub,

das mit der Fotografie klingt vernünftig und der beschriebene Transport eröffnet völlig neue Überlegungen.

Es stellt sich zunächst die Frage: Wie groß ist die Terrasse und wie hoch ist ggf. die Brüstung? Hiervon hängt es ab, ob ein Dobson oder ein klassisches Achsenkreuz besser ist: Mein Balkon ist z.B. sechs Meter lang, aber nur knapp einen Meter breit. Das Nachbarhaus ragt vom 3. Stock aus gesehen gut zehn Grad über den Horizont. Mit der EQ-5 kann ich den ganzen sichtbaren Himmel abdecken, für den Dob brauche ich mindestens 35 Grad Horizonthöhe, was für viele meiner Beobachtungen schon zu hoch ist. Wie sind diese Verhältnisse bei dir?

Im günstigsten Fall kann man dann mit der Teleskopöffnung "in die Vollen gehen" und für visuell den größten Dobson kaufen, den du dir leisten und tragen kannst. Oder ist ein Dob definitiv keine Option, auch wenn du visuell und fotografisch trennen möchtest? Für das genannte Budget bekommt man schon recht große Dobsons.

CS, Christian
 

klawipo

Mitglied
Hallo Balub,

also eigentlich kann man fotografisch noch eher was mit "schlechterem" Terassenhimmel anfangen als visuell.

Generell: Für Deep Sky, besonders Galaxien und Kugelsternhaufen, zählt Öffnung plus dunkler Himmel. Viel Öffnung gibt es am günstigsten mit einem Dobson. Hat man den dunklen Himmel nicht vor Ort, transportiert es sich leichter mit einem Gitterrohr-Dobson. Das ist so die ganz einfache, grundsätzliche Logik.

Manche werden mit einem Dobson aber nicht glücklich und/oder bestehen auf Goto. Will man dabei auf die mindestens 8 Zoll Öffnung nicht verzichten, kann man auf einen Schmidt Cassegrain gehen. Der ist vernünftig montiert aber deutlich teurer und liegt bei 8 Zoll höchstens gebraucht im Budget.

Dann besteht noch die Möglichkeit eine Nummer kleiner, zB 4 bis 6 Zoll zu wählen, unter den Galaxien und Kugelsternhaufen zeigen damit aber nur wenige Exemplare unter gutem Himmel Details. Für ausgeweitete Gasnebel oder große, offene Sternhaufen aber kann ein kleineres, kurzbrennweitiges Gerät, für Gasnebel ausgestattet mit einem Filter, eine schöne Wahl sein. Die langbrennweitigeren Dobson und erst recht SCs haben ein kleineres Gesichtsfeld und da passen manche größeren Objekte nicht mehr rein.

So haben die unterschiedlichen Geräteklassen ihre Vor- und Nachteile und es ist schwer einem absoluten Einsteiger etwas zu empfehlen. Als ziemlicher Allrounder, der überdies nicht die Welt kostet, hat sich der 8 Zoll f/6 Dobson aber bewährt und es sollte kein Problem bereiten ihn fünf Meter durch die Wohnung zu tragen. Einzige Einschränkung ist, dass man damit nicht so gut über eine Brüstung schauen kann. Man kann zwar einen Tisch drunterstellen. Hat man wenig Platz, hängt man dann aber mit dem Kopf über der Brüstung, das ist nicht sehr bequem.

VG
Klaus
 

Siebengestirn

Mitglied
Hallo Klaus,

...also eigentlich kann man fotografisch noch eher was mit "schlechterem" Terassenhimmel anfangen als visuell...

hier habe ich genau die gegenteilige Erfahrung gemacht:

Deep Sky-Fotos sind nach Sekunden ausbelichtet, bei weiterer Verlängerung der Belichtungszeit überstrahlt der aufgehellte Himmel immer mehr Objekte.

Visuell bringt bei gegebener Himmelsqualität mehr Öffnung IMMER einen Gewinn. Unter meinem, je nach Transparenz, 4,2- bis 4,8-mag-Himmel erkenne ich mit zunehmender Öffnung mehr Sterne und Nebel werden heller und detaillierter.

Es besteht keine Diskussion darüber, dass ein gegebenes Teleskop mit dunklem Himmel mehr zeigt als bei Lichtverschmutzung, und ein Dunkler Himmel prinzipiell, wenn möglich, zu bevorzugen ist. Dennoch steigt an einem gegebenen Standort mit der Öffnung die Anzahl der beobachtbaren Objekte und die Qualität der Beobachtung, unabhängig von der Grenzgröße.

Vergleiche ich z.B. an der Sternwarte einen 20-Zöller mit einem Achtzöller, ist bei einem gegebenen Objekt der Anblick im 8er zwar sehr gut, aber im Vergleich zum 20er ernüchternd.

Meine Meinung ist daher, dass man auch unter lichtverschmutztem Himmel generell die größtmöglich erreichbare Öffnung (verfügbarer Platz, Gewicht und Budget) anstreben sollte, sofern man nicht, wie ich, bei Deep Sky ein möglichst großes Gesichtsfeld bevorzugt. Das zwingt ggf. zu kleineren Öffnungen, wenn man sich nicht auf die kritischen f/4 einlassen möchte.

CS, Christian
 

klawipo

Mitglied
Naja es gibt hier doch einige Ruhrpottfotografen. Die kriegen das anscheinend irgendwie hin. Einen 12 Zöller in den Garten stellen lässt bei mir hier mit Bortle 6 dagegen keine Freude aufkommen. Es wird gegen den 8 Zöller auch kaum besser, beschränkt man sich nicht auf Sterne und offene Sternhaufen. Man war ich damals enttäuscht von M31 ... Aber auf der Schwäbischen Alb sieht das wahrscheinlich etwas besser aus.

VG Klaus
 

Siebengestirn

Mitglied
Hallo Klaus,

mit Interferenzfiltern geht da mit Sicherheit mehr, ich persönlich werde jedoch mit deren Farbverfälschungen auf gängigen Sensoren nicht grün, und Schwarz-weiß mag ich nicht so.

Wichtig ist auch die Flächenhelligkeit der Objekte. So ist z.B. M51 bei knapp 4,8 mag visueller Grenzgröße auch mit besagtem 20-Zöller eine echte Herausforderung und nur unter 1A-Bedingungen visuell sichtbar. Umgekehrt springt M57 bereits in meinem 80/400 geradezu ins Auge, wenn auch noch nicht ringförmig, sondern nur als Nebelfleck von etwa Jupitergröße.

Das hatte ich vorhin nicht bedacht.

Ich gebe hier nur meine Erfahrung wieder.

CS, Christian
 

klawipo

Mitglied
Hallo Christian,

ja das bestätigt ja meinen Eindruck. Gegen einen hellen Standort kommt man auch mit viel Öffnung nur schwer an bei lichtschwachen Objekten. Daher wäre mein Rat an den Fragesteller, und auf mehr wollte ich auch nicht hinaus, auch fürs visuelle Beobachten das Rausfahren mit der Optik zumindest nicht von Vornherein auszuschließen oder sich diese Option durch die Gerätewahl zu verbauen.

VG
Klaus
 

Sselhak

Mitglied
Gegen einen hellen Standort kommt man auch mit viel Öffnung nur schwer an bei lichtschwachen Objekten. Daher wäre mein Rat an den Fragesteller, und auf mehr wollte ich auch nicht hinaus, auch fürs visuelle Beobachten das Rausfahren mit der Optik zumindest nicht von Vornherein auszuschließen oder sich diese Option durch die Gerätewahl zu verbauen.
Da muss ich Klaus rechtgeben!
Auch wenn Öffnung nur durch mehr Öffnung zu ersetzen ist, kann man bei lichtverschmutztem Himmel noch so viel Öffnung haben - lichtschwache Nebel und Galaxien bleiben unsichtbar.

Lebt man in relativ heller Gegend und möchte Deep Sky beobachten gibt es meiner Meinung nach visuell 3 Möglichkeiten:
a, Gute Nebelfilter. Aber auch die wirken keine Wunder, machen aber zumindest viele Nebel zugänglich. (Bei Galaxien wirken sie nicht.)
b, Night Vision - also Nachtsichtgerät am Teleskop. Bei uns noch etwas exotisch, in den USA zunehmend am Vormarsch. Die Blicke durch so ein Gerät mit Schmalbandfilter ist selbst in städtischer Umgebung fantastisch - leider genau so wie die Preise. Denn für ein gutes teleskoptaugliches Night Vision Equipment muss man an die 10.000 Euro einplanen.
c, Alles zusammenpacken und raus in dunkle Umgebung fahren. Das ist sicher die beste und preiswerteste Lösung.

Somit: Städtische Umgebung und Nebel/Galaxien beobachten klappt nicht! Aber es gibt Lösungen.

Grüße, Mario
 

Siebengestirn

Mitglied
Hallo Mario und Klaus,

zum Nebelfilter möchte ich ergänzen, dass sie nicht nur bei Galaxien, sondern bei allen stellaren Objekten (das sind Galaxien ja auch in letzter Konsequenz), also auch offenen und Kugelsternhaufen, nicht funktionieren. Aber Sternhaufen sind auch bei mäßiger Lichtverschmutzung halbwegs zu beobachten. :)

Bei den Objekten, die sich aufgrund hoher Flächenhelligkeit gegen eine gegebene Lichtverschmutzung etwas behaupten können, wie z.B. M57 oder M42, bringt eine größere Öffnung natürlich einen Gewinn. Das habe ich auf meinem Balokn ausprobiert. Ansonsten habt ihr natürlich Recht.

CS, Christian
 

Balub83

Mitglied
Also die Brüstung bei meiner Terrasse ist etwa 1m hoch. Ich würde aber sagen, dass es keine Rolle spielt, da meine Terrasse recht groß ist. Der ´´Offizielle´´ Teil meiner Terrasse ist 25m² groß, dabei sind 11m² überdacht. Der ``Inoffizielle´´ Bereich hat zusätzliche 90m² freier Himmel, allerdings mit grobem Kies bedeckt, keine Ahnung ob man dort ein Teleskop aufstellen kann. Also möglicher Aufstellbereich wären 115m², grob geschätzt. Mein Haus ist ca. 650m über dem Meeresspiegel.

Laut der lightpollitionmap.info habe ich an meinem Haus einen Radiance value von 5.0. Komischerweise ist im 15 Jahre alten Neubaugebiet meiner Ortschaft dieser Radiance Value zwischen 1,85 und 1,0, was ein deutlicher Unterschied ist. Am ortschaftsrand geht es runter bis auf 0,8. Gut 1km westlich von meiner Ortschaft gibt’s paar Felder mit einem Wert von 0,5. 2,5 Km südlich geht’s sogar runter auf 0,3. Und selbst wenn ich es drauf anlege, ich wohne ca. 25min vom Schwarzwald entfernt.

Trotzdem will ich meine Terrasse erstmal nicht verlassen, erst wenn es in ferner Zukunft in die Astrofotografie geht, bin ich bereit meine Terrasse zu verlassen.

Wenn ich es jetzt also richtig verstanden habe sind ``Dobson´´ nur Newton mit einer Rockerbox und keiner Parallaktischen Montierung. Wenn ich also in ferner Zukunft in die Photografie über gehen will, kann ich einfach das Teleskop auf einem bsp. EQ6 Montieren und fertig wäre der Kuchen ?.
 
Zuletzt bearbeitet:

Siebengestirn

Mitglied
Hallo Balub,

das ist doch schonmal eine klare Ansage. So wie ich das sehe, wäre die Brüstung in der Tat kein ernsthaftes Hindernis.

Laut deiner Beschreibung ist es schade, dass du für visuelle Zwecke den kurzen Weg nicht rausfahren möchtest, aber es ist letztendlich deine Entscheidung.

Es stimmt, dass Dobsons, von wenigen Tisch-Varianten abgesehen, reinrassige Newtons mit einer Rockerbox sind. Letztere sind letztendlich Sonderformen der azimutalen Montierung, oder anders gesagt, Montierung und Stativ in einem. Der Begriff "Dobson" bezeichnet die Art der Montierung, benannt nach ihrem Erfinder. Sie wurden geschaffen, um große Newtons gleichzeitig stabil und preiswert zu montieren. Es gibt auch kleine Maksutows als Tisch-Dobsons.

Den Newton des Dobsons kannst du natürlich auf eine parallaktische Montierung setzen. Hierfür sind jedoch nur Volltubus-Dobsons geeignet. ggf. müssen die Höhenräder vorher entfernt werden.

Allerdings würde ich bei dieser Option nicht über den Klassiker, den 8'' f/6, hinausgehen. Fotografisch ist die EQ-6 bereits hiermit grenzwertig belastet. Jedes Zoll mehr verlangt hier nach schwereren und a...teuren Montierungen.

Es zeigt sich hierbei auch ein Nachteil bezüglich des Beobachtungs- bzw. Handhabungskomforts:

Dobsons sind so konzipiert, dass der Schwerpunkt möglichst weit in Richtung Hauptspiegel gelegt wird. Parallaktisch montiert bedeutet dies, dass der Okularauszug mit Okular bzw. Kamera viel weiter oben zu liegen kommt, als mit einem Newton, der von vornherein für parallaktische Montierungen angedacht sind. Auch bei eingefahrenen Stativbeinen brauchst du dann ggf. einen Tritt für den Okularauszug.

Unabhängig davon würde ich fotografisch, wie bereits beschrieben, erst mit kleinen Kameraobjektiven beginnen. Große Teleskope erfordern sehr viel Übung im Guiding und Fokussieren, da ist bei Einsteigern Frust vorprogrammiert. Die Gesamtkosten liegen dnn auch schnell bei 3000 € aufwärts.

CS, Christian
 

Balub83

Mitglied
Und was für einen Dobson kann man mir bis 1000€ (Inklusive Zubehör) empfehlen ?.

Lektüre nicht mit einberechnet, habe schon eine Sternenkarte und ''Astronomie für Einsteiger'' auf dem Plan.
 

steins-ursel

Mitglied
Meine Einschätzung bezüglich des 200/1000 auf EQ-5 ist folgende: Bei den typischen Deep Sky-Vergrößerungen bis etwa ein Drittel der Öffunug in mm (entspricht einer AP von 3mm) müsste die EQ-5 mit eingefahrenem Stahlstativ visuell noch nutzbar sein. Für Planetenbeobachtung dürfte es schon zu wackelig sein.

CS, Christian
Hallo Christian,

ich hatte selbst dieses Set, für den Einstieg visuell nicht schlecht, sobald aber "mehr" gefordert wird, z.B. Astrofotografie, ist die Gewichtsgrenze sehr schnell erreicht. Die Schwingungsneigung sollte man hier wirklich
nicht unterschätzen. Entweder eine größere Montierung oder auf 6" runter.
Die EQ5 Trägt max. 10kg, der Tubus wiegt schon 8,8kg, da ist so gut wie keine Luft für Zubehör, die HEQ5 trägt 14kg, sieht wesentlich besser aus.
 
Zuletzt bearbeitet:

Siebengestirn

Mitglied
Hallo Thomas,

aktuell nutze ich auch einen 6'' f/5 auf der EQ-5. Visuell ist die Stabilität ein Traum, da ist noch Reserve drin (Gewicht des Teleskops mit Okular ca. knapp sechs Kilo). Darauf basierte meine 8'' f/5-Einschätzung.

Generell bin ich der Auffassung, dass (egal, ob Dobson oder nicht) ein etwas kleineres, aber dafür grundsolide montiertes Teleskop auch visuell mehr Freude bereitet, als eine grenzwertig belastete Montierung. Bei zu starkem Schwingen wird es schwer, den Fokus zu treffen. Ich wage sogar zu behapten, dass ein richtig stabil montierter Sechszöller an Mond/Planeten deshalb mehr Details zeigt als ein wackelig montierter 8''er.

Der Hebel ist keinesfalls zu unterschätzen. Ein leichteres, aber sehr langes Teleskop kann auf einer bestimmten Montierung stärker schwingen, als ein etwas schwereres, aber dafür kurzes Gerät.

CS, Christian
 

steins-ursel

Mitglied
Hallo Christian,

gebe ich dir Recht, das Gewicht des BD Explorers wird hauptsächlich durch den Hauptspiegel definiert und beim Beobachten passt ja da auch so manches grundsolides aber auch schweres 2" Okular rein. Die Hebelkräfte sind dabei natürlich stark und die Massen wirklich weit vom Aufhängepunkt, wir reden hier von bis zu 50cm, da wirkt schon Drehmoment.
Die Schwinungsneigung wurde auf der EQ5 mit dem 8" RC zwar besser, befriedigte aber nicht.
Erst mit der EQ6-R war die Traumkombi gefunden, hier ist alleine schon die Menge an mehr Material das "beruhigende" Maß der Dinge.
 
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