Astrozombie
Aktives Mitglied
Moin aus Hamburg,
hier möchte ich mit euch meine Erfahrung mit unsere Remotesternwarte bei Trevinca Skies teilen.
Ein subjektiver Rückblick auf Hürden, Lernkurven und den Weg zu 300 Stunden Belichtungszeit.
1. Der Start und das Setup - Von der Planung zur Realität
Unser Abenteuer begann im Jahr 2024. Wir sicherten uns einen Stellplatz in den neu geplanten Hallen von Trevinca Skies in Nordspanien. Diese Hallen wurden im Laufe des Jahres errichtet und waren Ende 2024 bzw. Anfang 2025 bezugsfertig.
Um beim Transport zu sparen, bestellten wir die Montierung und das erste Teleskop direkt über den Anbietervor Ort.
Unser Start-Setup sah wie folgt aus:
Teleskop: Skywatcher 200 PDS (inkl. gefräster Fangspiegelspinne und Blendenring)
Montierung: Skywatcher EQ6-R
Kamera: ToupTek ATR2600MM mit ToupTek-Filterrad
Filter: Antlia V-Pro (LRGB) & Antlia Edge 4.5nm (Schmalband)
Guiding & Steuerung: Pegasus Powerbox Ultimate, Wanderer Flatpanel, Mini-PC mit N.I.N.A. und Off-Axis-Guider (OAG)
Der Zugriff und die Remotesteuerung über den Mini-PC via AnyDesk und N.I.N.A. funktionierten von Anfangan absolut reibungslos.
2. Die Startschwierigkeiten - Geduldsprobe und Fehlersuche
Vom Aufbau bis zum tatsächlichen FirstLight verging über ein halbes Jahr. Das lag an einer Mischung aus anhaltendem Schlechtwetter und einigen technischen Hürden vor Ort.
Das Justage-Problem: Dem Personal vor Ort gelang es leider nicht, unseren Newton für uns zufriedenstellend zu justieren.
Die Sache mit dem Dach: Nach langer Fehlersuche beim Einnorden stellte sich heraus, dass unser Setup (Newton plus Flatpanel) minimal zu hoch war. Jedes Mal, wenn das Hallendach öffnete, berührte es das Teleskop leicht und verstellte die Ausrichtung.
Firmware-Frust und Hardware-Tausch: Unser erstes ToupTek-Filterrad war leider defekt und musste komplett ausgetauscht werden. Doch auch mit dem neuen Austauschgerät gab es direkt Probleme. Es stammte aus einer Charge mit fehlerhafter Firmware, was uns bei der Erstellung von Flats schier in den Wahnsinn trieb. Erst nach intensiver Recherche in US-Foren brachte ein simples Firmware-Update auf dem neuen Rad die Erlösung. Das Ganze hat uns extrem viel Zeit und Nerven gekostet, um alles Mögliche auszuprobieren
Schmutz im Imagetrain: Nach dem Filterrad-Wechsel hatten wir Flecken im Bild, die bei hellen Sternen Artefakte erzeugten (vermutlich ein Fingerabdruck auf dem Filtern). Erst nachdem das Team vor Ort den Imagetrain auf unseren Wunsch hin zerlegte und reinigte, war das Problem weitestgehend gelöst.
Der Systemwechsel auf den Apo
Frustriert von den Justage-Problemen des Newtons zogen wir die Reißleine und wechselten auf einen Askar 140 Apo mit x0,8 Reducer. Ein Refraktor ist in Sachen Justage natürlich deutlich pflegeleichter. Im Nachhinein für ein Remote-Setup die absolut richtige Entscheidung.
3. Support und Community - Licht und Schatten
Der Support vor Ort
Man muss ehrlich sagen, der Support war gerade in der Anfangsphase ein wunder Punkt. Tickets und Arbeiten dauerten oft sehr lange. Die Kommunikation lief damals komplett über unseren vierten Mitstreiter, für den das teilweise extrem belastend war. Zusätzlich zu dem teilweise schwierigen Support war er auch mit der Anzahl der nutzbaren Nächte unzufrieden, da er sich hier einfach mehr erhofft hatte. Diese Kombination führte letztendlich dazu, dass er unser Team Anfang 2025 verließ, um ein eigenes Projekt in den USA zu starten. Ein Schritt, den wir absolut nachvollziehen können und bei dem er mittlerweile sehr zufrieden ist.
Fairerweise muss man die Gründe sehen. Für alle Hallen und Setups waren zeitweise nur zwei Personen zuständig. Als die neuen Hallen bezogen wurden, war das Team wahrscheinlich schlicht überlastet.
Das Positive: Trevinca Skies verhielt sich sehr fair und verlangte die Stellplatzmiete erst, als unser Setup auch wirklich einsatzbereit war. Für den sehr günstigen Preis des Anbieters muss man mit gewissen Abstrichen beim Support leben, am Ende wurde ja alles erledigt.
Mittlerweile läuft unser Setup stabil, wir brauchen den Support kaum noch. Kleinigkeiten werden inzwischenzeitnah erledigt.
Die großartige Community
Ein riesiger Pluspunkt bei Trevinca Skies ist die Community. Der Austausch läuft über Discord. Bei Problemen hilft man sich gegenseitig. Da regelmäßig andere Sternwartenbetreiber vor Ort sind, packen diese auch mal direkt am eigenen Setup an. So hat uns beispielsweise ein Astrokollege vor Ort spontan dabei geholfen, den Fokus unserer Guiding-Kamera einzustellen.
4. Das Wetter in Nordspanien - Realität vs. Erwartung
Wer glaubt, in Spanien herrsche 365 Tage im Jahr ununterbrochen klarer Himmel, wird enttäuscht. Unser erstes Jahr hat gezeigt.
Bewölkung: Der Herbst und Winter in Nordspanien waren ziemlich bewölkt, die Ausbeute an klaren Nächten war überschaubar.
Wind: Der Wind ist ein großer Faktor. Aufgrund unseres recht großen Teleskops mussten wir einige Nächte windbedingt ausfallen lassen. (Hier spielen auch die Hallen eine Rolle. Ältere Hallen haben höhere Seitenwände und bieten mehr Windschutz als die neueren).
Trotzdem: Für mich als Astrofotograf aus Norddeutschland ist die Ausbeute genial. Zu Hause leide ich unter den "Weißen Nächten" im Sommer, schlechtem Wetter und dem Alltag, der lange Astro-Nächte unter der Woche oft unmöglich macht.
5. Fazit und Learnings - Was würde ich heute anders machen?
Mein Learning: Würde ich das Projekt noch einmal starten, würde ich mir Urlaub nehmen, nach Spanien fahren oder fliegen und das Setup komplett selbst vor Ort aufbauen. Wenn man alles selbst verkabelt und installiert hat, versteht man das System in- und auswendig und kann Fehler aus der Ferne viel besser beurteilen und eingrenzen. Zudem sollte man regelmäßige Wartungsbesuche (z.B. einmal im Jahr zum Reinigen) fest einplanen.
Trotz aller Hürden und dem schmerzhaften Ausstieg unseres vierten Kollegen, bin ich unglaublich froh, diesen Schritt gegangen zu sein. Ein riesiger Faktor dabei ist auch unser Team. Ich bin mit meinem aktuellen Team im Betrieb der Remotesternwarte super zufrieden. Die Zusammenarbeit läuft reibungslos und harmonisch. Auch wenn wir gerne zu viert geblieben wären, funktioniert es zu dritt einfach hervorragend.
Das Setup läuft nun zuverlässig. Einminimaler Fleck im Imagetrain erzeugt zwar noch ein winziges Artefakt bei sehr hellen Sternen, aber das lässt sich über Flats und das Framing gut umgehen. Hier gilt für uns aktuell das Motto: "Nevertouch a running system!"
In unserem ersten Jahr, seit dem das Setup stabil läuft, konnten wir bereits 8 Projekte mit insgesamt rund 300 Stunden Belichtungszeit abschließen. Solche Belichtungszeiten wären für mich im Norden Deutschlands schlicht unmöglich gewesen.
Ich kann mein Hobby nun in einer völlig neuen Dimension ausleben!
Viele Grüße Mathias, hier noch ein paar Bilder.
hier möchte ich mit euch meine Erfahrung mit unsere Remotesternwarte bei Trevinca Skies teilen.
Ein subjektiver Rückblick auf Hürden, Lernkurven und den Weg zu 300 Stunden Belichtungszeit.
1. Der Start und das Setup - Von der Planung zur Realität
Unser Abenteuer begann im Jahr 2024. Wir sicherten uns einen Stellplatz in den neu geplanten Hallen von Trevinca Skies in Nordspanien. Diese Hallen wurden im Laufe des Jahres errichtet und waren Ende 2024 bzw. Anfang 2025 bezugsfertig.
Um beim Transport zu sparen, bestellten wir die Montierung und das erste Teleskop direkt über den Anbietervor Ort.
Unser Start-Setup sah wie folgt aus:
Teleskop: Skywatcher 200 PDS (inkl. gefräster Fangspiegelspinne und Blendenring)
Montierung: Skywatcher EQ6-R
Kamera: ToupTek ATR2600MM mit ToupTek-Filterrad
Filter: Antlia V-Pro (LRGB) & Antlia Edge 4.5nm (Schmalband)
Guiding & Steuerung: Pegasus Powerbox Ultimate, Wanderer Flatpanel, Mini-PC mit N.I.N.A. und Off-Axis-Guider (OAG)
Der Zugriff und die Remotesteuerung über den Mini-PC via AnyDesk und N.I.N.A. funktionierten von Anfangan absolut reibungslos.
2. Die Startschwierigkeiten - Geduldsprobe und Fehlersuche
Vom Aufbau bis zum tatsächlichen FirstLight verging über ein halbes Jahr. Das lag an einer Mischung aus anhaltendem Schlechtwetter und einigen technischen Hürden vor Ort.
Das Justage-Problem: Dem Personal vor Ort gelang es leider nicht, unseren Newton für uns zufriedenstellend zu justieren.
Die Sache mit dem Dach: Nach langer Fehlersuche beim Einnorden stellte sich heraus, dass unser Setup (Newton plus Flatpanel) minimal zu hoch war. Jedes Mal, wenn das Hallendach öffnete, berührte es das Teleskop leicht und verstellte die Ausrichtung.
Firmware-Frust und Hardware-Tausch: Unser erstes ToupTek-Filterrad war leider defekt und musste komplett ausgetauscht werden. Doch auch mit dem neuen Austauschgerät gab es direkt Probleme. Es stammte aus einer Charge mit fehlerhafter Firmware, was uns bei der Erstellung von Flats schier in den Wahnsinn trieb. Erst nach intensiver Recherche in US-Foren brachte ein simples Firmware-Update auf dem neuen Rad die Erlösung. Das Ganze hat uns extrem viel Zeit und Nerven gekostet, um alles Mögliche auszuprobieren
Schmutz im Imagetrain: Nach dem Filterrad-Wechsel hatten wir Flecken im Bild, die bei hellen Sternen Artefakte erzeugten (vermutlich ein Fingerabdruck auf dem Filtern). Erst nachdem das Team vor Ort den Imagetrain auf unseren Wunsch hin zerlegte und reinigte, war das Problem weitestgehend gelöst.
Der Systemwechsel auf den Apo
Frustriert von den Justage-Problemen des Newtons zogen wir die Reißleine und wechselten auf einen Askar 140 Apo mit x0,8 Reducer. Ein Refraktor ist in Sachen Justage natürlich deutlich pflegeleichter. Im Nachhinein für ein Remote-Setup die absolut richtige Entscheidung.
3. Support und Community - Licht und Schatten
Der Support vor Ort
Man muss ehrlich sagen, der Support war gerade in der Anfangsphase ein wunder Punkt. Tickets und Arbeiten dauerten oft sehr lange. Die Kommunikation lief damals komplett über unseren vierten Mitstreiter, für den das teilweise extrem belastend war. Zusätzlich zu dem teilweise schwierigen Support war er auch mit der Anzahl der nutzbaren Nächte unzufrieden, da er sich hier einfach mehr erhofft hatte. Diese Kombination führte letztendlich dazu, dass er unser Team Anfang 2025 verließ, um ein eigenes Projekt in den USA zu starten. Ein Schritt, den wir absolut nachvollziehen können und bei dem er mittlerweile sehr zufrieden ist.
Fairerweise muss man die Gründe sehen. Für alle Hallen und Setups waren zeitweise nur zwei Personen zuständig. Als die neuen Hallen bezogen wurden, war das Team wahrscheinlich schlicht überlastet.
Das Positive: Trevinca Skies verhielt sich sehr fair und verlangte die Stellplatzmiete erst, als unser Setup auch wirklich einsatzbereit war. Für den sehr günstigen Preis des Anbieters muss man mit gewissen Abstrichen beim Support leben, am Ende wurde ja alles erledigt.
Mittlerweile läuft unser Setup stabil, wir brauchen den Support kaum noch. Kleinigkeiten werden inzwischenzeitnah erledigt.
Die großartige Community
Ein riesiger Pluspunkt bei Trevinca Skies ist die Community. Der Austausch läuft über Discord. Bei Problemen hilft man sich gegenseitig. Da regelmäßig andere Sternwartenbetreiber vor Ort sind, packen diese auch mal direkt am eigenen Setup an. So hat uns beispielsweise ein Astrokollege vor Ort spontan dabei geholfen, den Fokus unserer Guiding-Kamera einzustellen.
4. Das Wetter in Nordspanien - Realität vs. Erwartung
Wer glaubt, in Spanien herrsche 365 Tage im Jahr ununterbrochen klarer Himmel, wird enttäuscht. Unser erstes Jahr hat gezeigt.
Bewölkung: Der Herbst und Winter in Nordspanien waren ziemlich bewölkt, die Ausbeute an klaren Nächten war überschaubar.
Wind: Der Wind ist ein großer Faktor. Aufgrund unseres recht großen Teleskops mussten wir einige Nächte windbedingt ausfallen lassen. (Hier spielen auch die Hallen eine Rolle. Ältere Hallen haben höhere Seitenwände und bieten mehr Windschutz als die neueren).
Trotzdem: Für mich als Astrofotograf aus Norddeutschland ist die Ausbeute genial. Zu Hause leide ich unter den "Weißen Nächten" im Sommer, schlechtem Wetter und dem Alltag, der lange Astro-Nächte unter der Woche oft unmöglich macht.
5. Fazit und Learnings - Was würde ich heute anders machen?
Mein Learning: Würde ich das Projekt noch einmal starten, würde ich mir Urlaub nehmen, nach Spanien fahren oder fliegen und das Setup komplett selbst vor Ort aufbauen. Wenn man alles selbst verkabelt und installiert hat, versteht man das System in- und auswendig und kann Fehler aus der Ferne viel besser beurteilen und eingrenzen. Zudem sollte man regelmäßige Wartungsbesuche (z.B. einmal im Jahr zum Reinigen) fest einplanen.
Trotz aller Hürden und dem schmerzhaften Ausstieg unseres vierten Kollegen, bin ich unglaublich froh, diesen Schritt gegangen zu sein. Ein riesiger Faktor dabei ist auch unser Team. Ich bin mit meinem aktuellen Team im Betrieb der Remotesternwarte super zufrieden. Die Zusammenarbeit läuft reibungslos und harmonisch. Auch wenn wir gerne zu viert geblieben wären, funktioniert es zu dritt einfach hervorragend.
Das Setup läuft nun zuverlässig. Einminimaler Fleck im Imagetrain erzeugt zwar noch ein winziges Artefakt bei sehr hellen Sternen, aber das lässt sich über Flats und das Framing gut umgehen. Hier gilt für uns aktuell das Motto: "Nevertouch a running system!"
In unserem ersten Jahr, seit dem das Setup stabil läuft, konnten wir bereits 8 Projekte mit insgesamt rund 300 Stunden Belichtungszeit abschließen. Solche Belichtungszeiten wären für mich im Norden Deutschlands schlicht unmöglich gewesen.
Ich kann mein Hobby nun in einer völlig neuen Dimension ausleben!
Viele Grüße Mathias, hier noch ein paar Bilder.
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