AstroGerdt
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Hallo zusammen,
im September 2024 war ich wieder einmal für einen Astrourlaub in Österreich. Inzwischen bin ich mit der Verarbeitung der Bilder weitestgehend fertig geworden, nur bei ein paar Bildern gibt es immer noch technische Schwierigkeiten. Hier möchte ich euch nun die ersten Ergebnisse präsentieren, die ich bereits komplett fertiggestellt habe.
Dieses Jahr hatte ich wieder für eine Woche eine Hütte gemietet, allerdings auf „nur“ 1679m. Nicht perfekt, aber auch alles andere als schlecht!
Die Sicht war in alle Richtungen etwas eingeschränkt, aber ab einer Höhe von ca. 30-35° war der Blick in alle Richtungen frei.
Hier ein kurzer Blick auf das Panorama von der Hütte aus, eingeblendet in Stellarium, zur besseren Orientierung und für einen Größenvergleich:
Bevor ich zu den eigentlichen Bildern komme, möchte ich noch ein paar Worte über den Standort und die Bedingungen vor Ort sowie die verwendete Ausrüstung verlieren:
Der Himmel war, wenn es denn mal klar war, sehr gut.
Ich hatte bei meinem letzten Urlaub in 2022 schon besseren Himmel erlebt, aber der Himmel war trotzdem auf einem sehr hohen Niveau.
Leider hatte es in der Woche, die ich dort war, aber immer wieder mal geregnet, sodass die Luft nie so richtig trocken und klar war, wie ich es in 2022 erlebt habe.
Zudem waren während der drei klaren Nächte, die ich hatte, beinahe jede Nacht Wolken direkt auf der anderen Seite des Berges, wovon ein paar schwache Ausläufer zu mir herüberkamen und die Transparenz etwas reduziert haben.
Der SQM lag während der Aufnahmen bei etwa 20,5 mag/"², schwankte aber deutlich, vor allem durch die Wolken.
Als Ausrüstung hatte ich mein Doppelsetup dabei, das ich dieses Jahr im Sommer neu zusammengestellt habe.
Das Doppelsetup besteht aus:
- Nachführung: Skywatcher EQ6 R-Pro
- Kameras: Canon EOS 200da und Nikon D7500a
- Objektive: 2x Samyang 135mm F2
Die Objektive habe ich über ein halbes Jahr hinweg von Hand selektiert, nach optimaler Abbildungsleistung in den Ecken bei voller Öffnung. So konnte ich alle Bilder bei F/2 aufnehmen, ohne dabei irgendwelche Probleme mit der Sternabbildung zu bekommen.
Für beide Objektive verwende ich 3D gedruckte Taukappen, die von innen Anti-Reflex beschichtet sind, um den Einfluss von Lichtverschmutzung und Streulicht zu minimieren.
Beide Objektive sind mit extra dafür umgebauten Objektivschellen aus Aluminium mit anti Rutsch Beschichtung auf einer (deutlich überdimensionierten) Halterung von PrimaLuceLab auf der Nachführung montiert, sodass Verbiegungen und Schwingungen auf ein Minimum reduziert werden.
Insgesamt habe ich bei diesem Setup alles darangesetzt, alle Details soweit es geht zu optimieren. Ich hoffe, dass sich der Aufwand für die Bilder gelohnt hat.
So, genug Gerede, jetzt die Bilder!
Zuerst ein Klassiker, der Cirrus Nebel:
Hier in voller Auflösung, zoomen lohnt sich sehr: Cirrus nebula and surroundings - AstroBin
Den Cirrus Nebel selbst kennt ja sicherlich jeder aus Nahaufnahmen durch Teleskope, oder Widefields, die den gesamten Schwan inklusive dieser Gegend zeigen.
Was man hingegen weniger häufig sieht, ist der Nebel in einem mittleren Feld. Dabei kommt sehr gut hervor, wie sehr der Cirrus Nebel selbst in noch weitere, schwächere Nebel eingebettet ist. Hierbei ist vor allem der Kontrast der roten Wasserstoffnebel unten rechts und der grauen Staubfelder oben links bemerkenswert.
Ebenso finde ich es faszinierend in dieser Gegend zu sehen, wie die helle Milchstraße an der einen Seite als dichtes Sternfeld auftritt, und zum anderen Rand hin abnimmt
Für mich ging es bei dieser Aufnahme tatsächlich weniger um den Cirrus Nebel in der Mitte, sondern vielmehr darum, dessen Einbettung in die Gegend zu zeigen, die mir sonst oft zu kurz kommt.
Jahrelang habe ich dieses Objekt auf die verschiedensten Arten, mit diversen Setups, immer wieder abgelichtet, wobei ich mit meinen Bildern nie so komplett zufrieden war. Hiermit habe ich nun endlich das Gefühl eine Aufnahme gemacht zu haben, die dem Objekt einigermaßen gerecht wird und es angemessen darstellt.
Für dieses Bild konnte ich pro Kamera 56x120s = 1h 51m (insgesamt 3h 44m) bei ISO 1600 und F/2 belichten.
Als zweites Objekt stelle ich hier noch einen Klassiker vor, die Andromeda Galaxie:
Hier in voller Auflösung: M31 - Andromeda galaxy - AstroBin
Eigentlich stand die Andromeda Galaxie bei mir gar nicht auf dem Plan.
Aber in den ersten beiden Nächten hatte ich am Anfang der Nacht noch einige Wolken am Himmel, die mir bei anderen Objekten im Weg gewesen wären.
Daher hatte ich ein Lückenfüller-Objekt gesucht, das hell genug ist und einen einigermaßen leeren Hintergrund bietet, sodass ich Gradienten leicht korrigieren kann. Ja, eigentlich gibt es da einige Nebel in der Gegend, aber dafür hat die Aufnahme einfach nicht genug Belichtungszeit, deshalb habe ich die auch gar nicht erst probiert herauszuarbeiten. Als nebenbei Projekt bin ich dennoch überrascht davon, wie gut das Bild geworden ist.
Diese Aufnahme habe ich, wie gesagt, über zwei Nächte verteilt aufgenommen.
In der ersten Nacht kamen hierzu pro Kamera 6x120s = 12m bei ISO 1600 und F/2 zusammen. In der zweiten Nacht kamen pro Kamera 8x120s = 16m bei ISO 1600 und F/2 zusammen.
Insgesamt entspricht das 56m Belichtungszeit.
Natürlich gibt es noch mehr Aufnahmen, aber die veröffentliche ich nach und nach.
Die nächsten Aufnahmen werden in den nächsten Wochen folgen, oder dann, wenn ich die technischen Probleme in der Verarbeitung lösen konnte. Ich poste dann einen erneuten Teil.
Abschließend noch ein paar Worte zur Bildverarbeitung:
Ich habe den gesamten Workflow daraufhin optimiert, das SNR zu erhöhen, die Details der Objektive soweit es geht zu erhalten und eine wissenschaftliche Akkuratheit mit Ästhetik zu verbinden.
Alle Aufnahmen werden natürlich mit Darks, Flats und Flat-Darks kalibriert. Zusätzlich dithere ich nach jeder Aufnahme, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hotpixel zweimal den gleichen Pixel trifft, ist <= 5%.
Die Bildverarbeitung erfolgt ausschließlich in PixInsight. Das preprocessing bis inklusive StarAlignment führe ich in WBPP mit höchsten Qualitätseinstellungen durch (wo es für mehr Qualität nötig ist, habe ich die Einstellungen manuell angepasst). Als Referenz für StarAlignment dient immer ein Bild der Nikon D7500a, da deren Bilder einen kleineren Abbildungsmaßstab haben, und ich so Artefakte an Sternen minimieren kann.
Danach fahre ich manuell mit der Erstellung einer Referenz für LocalNormalization fort. Hierbei achte ich auf einen minimalen Einfluss von Gradienten im Hintergrund.
Bei der DrizzleIntegration als finalen Schritt des preprocessings nutze ich (abweichend der Standard Einstellungen) als kernel einen gaussian kernel, da dieser ein natürlicheres Rauschprofil erzeugt und Details besser reproduziert.
In der anschließenden Verarbeitung nutze ich BlurXTerminator, StarXTerminator und NoiseXTerminator. Hierbei prüfe ich manuell den Erhalt der Bildintegrität.
Die Farbkalibrierung erfolgt mit SPCC mit der Weißpunktreferenz "Average Spiral Galaxy", vorher korrigiere ich Gradienten mittels MultiscaleGradientCorrection. Hierbei achte ich besonders darauf, dass kein Objektsignal fälschlicherweise abgezogen wird.
Durch diesen Workflow kann ich recht überzeugt behaupten, dass alle Strukturen, die im Bild zu sehen sind, tatsächlich auch real sind. Ebenso habe ich versucht, alles so natürlich, aber ästhetisch, zu bearbeiten, wie es möglich ist.
Ich hoffe, die Bilder gefallen euch ein wenig und ich konnte euch einen Einblick in den Entstehungsprozess geben.
Über Kommentare und Anmerkungen freue ich mich wie immer sehr!
CS Gerrit
im September 2024 war ich wieder einmal für einen Astrourlaub in Österreich. Inzwischen bin ich mit der Verarbeitung der Bilder weitestgehend fertig geworden, nur bei ein paar Bildern gibt es immer noch technische Schwierigkeiten. Hier möchte ich euch nun die ersten Ergebnisse präsentieren, die ich bereits komplett fertiggestellt habe.
Dieses Jahr hatte ich wieder für eine Woche eine Hütte gemietet, allerdings auf „nur“ 1679m. Nicht perfekt, aber auch alles andere als schlecht!
Die Sicht war in alle Richtungen etwas eingeschränkt, aber ab einer Höhe von ca. 30-35° war der Blick in alle Richtungen frei.
Hier ein kurzer Blick auf das Panorama von der Hütte aus, eingeblendet in Stellarium, zur besseren Orientierung und für einen Größenvergleich:
Bevor ich zu den eigentlichen Bildern komme, möchte ich noch ein paar Worte über den Standort und die Bedingungen vor Ort sowie die verwendete Ausrüstung verlieren:
Der Himmel war, wenn es denn mal klar war, sehr gut.
Ich hatte bei meinem letzten Urlaub in 2022 schon besseren Himmel erlebt, aber der Himmel war trotzdem auf einem sehr hohen Niveau.
Leider hatte es in der Woche, die ich dort war, aber immer wieder mal geregnet, sodass die Luft nie so richtig trocken und klar war, wie ich es in 2022 erlebt habe.
Zudem waren während der drei klaren Nächte, die ich hatte, beinahe jede Nacht Wolken direkt auf der anderen Seite des Berges, wovon ein paar schwache Ausläufer zu mir herüberkamen und die Transparenz etwas reduziert haben.
Der SQM lag während der Aufnahmen bei etwa 20,5 mag/"², schwankte aber deutlich, vor allem durch die Wolken.
Als Ausrüstung hatte ich mein Doppelsetup dabei, das ich dieses Jahr im Sommer neu zusammengestellt habe.
Das Doppelsetup besteht aus:
- Nachführung: Skywatcher EQ6 R-Pro
- Kameras: Canon EOS 200da und Nikon D7500a
- Objektive: 2x Samyang 135mm F2
Die Objektive habe ich über ein halbes Jahr hinweg von Hand selektiert, nach optimaler Abbildungsleistung in den Ecken bei voller Öffnung. So konnte ich alle Bilder bei F/2 aufnehmen, ohne dabei irgendwelche Probleme mit der Sternabbildung zu bekommen.
Für beide Objektive verwende ich 3D gedruckte Taukappen, die von innen Anti-Reflex beschichtet sind, um den Einfluss von Lichtverschmutzung und Streulicht zu minimieren.
Beide Objektive sind mit extra dafür umgebauten Objektivschellen aus Aluminium mit anti Rutsch Beschichtung auf einer (deutlich überdimensionierten) Halterung von PrimaLuceLab auf der Nachführung montiert, sodass Verbiegungen und Schwingungen auf ein Minimum reduziert werden.
Insgesamt habe ich bei diesem Setup alles darangesetzt, alle Details soweit es geht zu optimieren. Ich hoffe, dass sich der Aufwand für die Bilder gelohnt hat.
So, genug Gerede, jetzt die Bilder!
Zuerst ein Klassiker, der Cirrus Nebel:
Hier in voller Auflösung, zoomen lohnt sich sehr: Cirrus nebula and surroundings - AstroBin
Den Cirrus Nebel selbst kennt ja sicherlich jeder aus Nahaufnahmen durch Teleskope, oder Widefields, die den gesamten Schwan inklusive dieser Gegend zeigen.
Was man hingegen weniger häufig sieht, ist der Nebel in einem mittleren Feld. Dabei kommt sehr gut hervor, wie sehr der Cirrus Nebel selbst in noch weitere, schwächere Nebel eingebettet ist. Hierbei ist vor allem der Kontrast der roten Wasserstoffnebel unten rechts und der grauen Staubfelder oben links bemerkenswert.
Ebenso finde ich es faszinierend in dieser Gegend zu sehen, wie die helle Milchstraße an der einen Seite als dichtes Sternfeld auftritt, und zum anderen Rand hin abnimmt
Für mich ging es bei dieser Aufnahme tatsächlich weniger um den Cirrus Nebel in der Mitte, sondern vielmehr darum, dessen Einbettung in die Gegend zu zeigen, die mir sonst oft zu kurz kommt.
Jahrelang habe ich dieses Objekt auf die verschiedensten Arten, mit diversen Setups, immer wieder abgelichtet, wobei ich mit meinen Bildern nie so komplett zufrieden war. Hiermit habe ich nun endlich das Gefühl eine Aufnahme gemacht zu haben, die dem Objekt einigermaßen gerecht wird und es angemessen darstellt.
Für dieses Bild konnte ich pro Kamera 56x120s = 1h 51m (insgesamt 3h 44m) bei ISO 1600 und F/2 belichten.
Als zweites Objekt stelle ich hier noch einen Klassiker vor, die Andromeda Galaxie:
Hier in voller Auflösung: M31 - Andromeda galaxy - AstroBin
Eigentlich stand die Andromeda Galaxie bei mir gar nicht auf dem Plan.
Aber in den ersten beiden Nächten hatte ich am Anfang der Nacht noch einige Wolken am Himmel, die mir bei anderen Objekten im Weg gewesen wären.
Daher hatte ich ein Lückenfüller-Objekt gesucht, das hell genug ist und einen einigermaßen leeren Hintergrund bietet, sodass ich Gradienten leicht korrigieren kann. Ja, eigentlich gibt es da einige Nebel in der Gegend, aber dafür hat die Aufnahme einfach nicht genug Belichtungszeit, deshalb habe ich die auch gar nicht erst probiert herauszuarbeiten. Als nebenbei Projekt bin ich dennoch überrascht davon, wie gut das Bild geworden ist.
Diese Aufnahme habe ich, wie gesagt, über zwei Nächte verteilt aufgenommen.
In der ersten Nacht kamen hierzu pro Kamera 6x120s = 12m bei ISO 1600 und F/2 zusammen. In der zweiten Nacht kamen pro Kamera 8x120s = 16m bei ISO 1600 und F/2 zusammen.
Insgesamt entspricht das 56m Belichtungszeit.
Natürlich gibt es noch mehr Aufnahmen, aber die veröffentliche ich nach und nach.
Die nächsten Aufnahmen werden in den nächsten Wochen folgen, oder dann, wenn ich die technischen Probleme in der Verarbeitung lösen konnte. Ich poste dann einen erneuten Teil.
Abschließend noch ein paar Worte zur Bildverarbeitung:
Ich habe den gesamten Workflow daraufhin optimiert, das SNR zu erhöhen, die Details der Objektive soweit es geht zu erhalten und eine wissenschaftliche Akkuratheit mit Ästhetik zu verbinden.
Alle Aufnahmen werden natürlich mit Darks, Flats und Flat-Darks kalibriert. Zusätzlich dithere ich nach jeder Aufnahme, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hotpixel zweimal den gleichen Pixel trifft, ist <= 5%.
Die Bildverarbeitung erfolgt ausschließlich in PixInsight. Das preprocessing bis inklusive StarAlignment führe ich in WBPP mit höchsten Qualitätseinstellungen durch (wo es für mehr Qualität nötig ist, habe ich die Einstellungen manuell angepasst). Als Referenz für StarAlignment dient immer ein Bild der Nikon D7500a, da deren Bilder einen kleineren Abbildungsmaßstab haben, und ich so Artefakte an Sternen minimieren kann.
Danach fahre ich manuell mit der Erstellung einer Referenz für LocalNormalization fort. Hierbei achte ich auf einen minimalen Einfluss von Gradienten im Hintergrund.
Bei der DrizzleIntegration als finalen Schritt des preprocessings nutze ich (abweichend der Standard Einstellungen) als kernel einen gaussian kernel, da dieser ein natürlicheres Rauschprofil erzeugt und Details besser reproduziert.
In der anschließenden Verarbeitung nutze ich BlurXTerminator, StarXTerminator und NoiseXTerminator. Hierbei prüfe ich manuell den Erhalt der Bildintegrität.
Die Farbkalibrierung erfolgt mit SPCC mit der Weißpunktreferenz "Average Spiral Galaxy", vorher korrigiere ich Gradienten mittels MultiscaleGradientCorrection. Hierbei achte ich besonders darauf, dass kein Objektsignal fälschlicherweise abgezogen wird.
Durch diesen Workflow kann ich recht überzeugt behaupten, dass alle Strukturen, die im Bild zu sehen sind, tatsächlich auch real sind. Ebenso habe ich versucht, alles so natürlich, aber ästhetisch, zu bearbeiten, wie es möglich ist.
Ich hoffe, die Bilder gefallen euch ein wenig und ich konnte euch einen Einblick in den Entstehungsprozess geben.
Über Kommentare und Anmerkungen freue ich mich wie immer sehr!
CS Gerrit