Euclid

Der Einschuss in den Transferorbit zu L2 hat wohl innerhalb der Fehlerzoleranzen gelegen. Genaueres hab ich noch nicht gehört. Das erste Korrekturmanöver müsste diese Tage stattfinden, danach wird man abschätzen können, ob und wie lange eine mission extension sein kann. Das hängt auch von den monatlichen Orbitkorrejturen ab. Die sind momentan mit einem Delta-V von 7m/s pro Jahr als worst case projektiert, kann im besten Fall aber bis auf 0.5m runtergehen, damit würde viel Treibstoff gespart.
 
Ich habe Zerr gefragt wie genau die eigentlich ihre droneships parken, und die Boote welche due beiden Hälften der fairing einsammeln würden. Sie meinte ca 100m, schon erstaunlich, da due fairingteile mit Fsllschirm und Steuerdrachen selbst navigieren. Ursprünglich haben die versucht, die auch auf einem Schiff landen zu lassen, die hätten dann aber aufgrund von Böen oft kurzfristig gegen Pfosten und andere Twile geschlagen, so dass man sie nun einfach in der Nähe wassern lässt und dann einfach abspült.
Die erste Stufe der F9 kommuniziert mit dem droneship bereits in grosser Höhe und navigiert selbständig. Wenn sich die F9 über dem droneship befindet in geringer Höhe, dann findet keine Kommunikation mehr statt. Die erste Stufe navigiert dann optisch, und positioniert sich zusätzlich innerhalb von 4 Radar beacons die an den vier Ecken des droneships angebracht sind.
 
Das Startfenster war nur 15 Sekunden lang. Ich dachte das hätte was mit Treibstoffhaushalt, first stage recovered, und orbit insertion zu tun. Zerr meinte aber das sei das Fenster mit minimaler Gefahr eines Zusammenstosses mit Weltraummüll und anderen Satelliten. Das machen sie nicht selber, sondern sie bekommen dieses Fenster von Regierungsseite 12 Stunden vor dem Start (collision avoidance advisory hiess das glaub ich). Bis wie klein die Müllteile sind wusste sie nicht, aber sie meinte "im Grunde alles was eine bekannte Flugbahn hat". Das war eine Sorge von mir, dass da was blödes passiert. Dass das bei den Startfenstern mit einkalkuliert wird zeigt dass das berechtigt ist, aber dass es auch tatsächlich passiert wusste ich nicht.
 
Danke @Mischa für die tollen Insider-Informationen. Wünsche dir und euch dass die Mission ein Riesenerfolg wird!

Thomas
 
Das euclid logo hatte sich die ESA zw 60 und 100 kEUR kosten lassen. Spezialfarbe, spezielle Zertifizierungen etc. Da diese fairing wiederverwendet wird, wird man das Euclid Logo auf weiteren 15-20 F9 Starts sehen können. Das ist sowohl für uns als auch für SpaceX eine tolle Werbung ;)
Ich fürchte da wird nix draus.
Die Farbe war nicht so richtig (RICHTIG!) hitzeresistent. :confused:

Gruss
Thorsten
 
gibt es eigentlich TLEs/Bahmelemente oder eine Ephemeride für Euclid (2023-092A)? Konnte leider nichts finden.

CS, Markus
 
Ich fürchte da wird nix draus.
Die Farbe war nicht so richtig (RICHTIG!) hitzeresistent. :confused:

Gruss
Thorsten
Haha!! Hauptsache das Ding ist heil oben. Es gab wohl gleich am ersten Tag einen safe-mode aufgrund eines vom Satelliten nicht erwarteten oder verstandenen Kommandos, das würde aber flags korrigiert. Genau verstanden habe ich es nicht habe gerade keinen Zugriff auf unsere riesige Liste mit Abkürzungen :unsure:
 
Danke schonmal. Beim JWST hat es geklappt, das konnte ich letztes Jahr beim L2 Transfer fotografieren.

CS, Markus
 
Hallo in die Runde, hallo Mischa,
erstmal herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Start. Es stehen aber sicherlich noch einige Dinge auf der Liste zum erfolgreichen Commisioning, ich drücke die Daumen. Habe übrigens auch schon einige Spektrometer-Komponenten für diverse Space-Projekte mitbetreut, das RVS-Gitter für die GAIA und auch Komponenten und Module für diverse Sentinel Missionen der ESA (S4, S5) und aktuell machen wir was für mehrere CO2-Minitoring Sats. Kürzlich wurde auch im Rahmen der JUICE ein Laseraltimetermodul von uns mit hochgeschickt. Die Mission hing aufgrund klemmender Sicherungsstifte am seidenen Faden, da die Antenne nicht ausgefahren werden konnte. Puh, haben schon gedacht, dass die Transportsicherung noch drin war. Was mich wirklich immer wieder beeindruckt sind die Shock und Vibration-Tests. Da wird das sensible optische Zeugs so richtig durchgerüttelt, da leidet man echt mit. Interessant ist auch, dass die Vibrationen anscheinend hauptsächlich durch den Schalldruck beim Start über das Fairing einkoppeln. Da gehts unten an der Rakete anscheinend ganzschön zur Sache.
Vg Tino
 
Vllt noch ne kleine Frage, habt ihr beim Euclid auch die Möglichkeit das Teleskop auszuheizen? Damals war das ja auch der Workaround beim Eisbelag auf den GAIA Spiegeln.
Vg Tino
 
Genau verstanden habe ich es nicht habe gerade keinen Zugriff auf unsere riesige Liste mit Abkürzungen :unsure:
:ROFLMAO::ROFLMAO:

"AküFiBW" hieß das bei der Bundeswehr. "Abkürzungsfimmel Bundeswehr".

Bei Tesla ist es angeblich verboten, bei Meetings Abkürzungen zu verwenden.
Es wurde nämlich wohl festgestellt, dass 90% der Anwesenden nicht verstehen was gesagt wird. :LOL:

Ich gehöre auch regelmäßig zu den 90% (nein, nicht bei Tesla)... :affeohren:

Gruss
Thorsten
 
Vllt noch ne kleine Frage, habt ihr beim Euclid auch die Möglichkeit das Teleskop auszuheizen? Damals war das ja auch der Workaround beim Eisbelag auf den GAIA Spiegeln.
Vg Tino
Ah, das gute alte Eis. Ich untersuche die Effekte auf optische und nahinfrarote Daten seit drei Jahren. Leider kennen wir die Spiegelbeschichtungen nicht. Die sind erheblich, weil Euclid im visuellen keine Filter benutzt und daher das Passband alleine durch Beschichtungen auf den Spiegeln und dem Strahlteiler erledigt. Je mehr layers, umso staerker der Effekt von Eis. Ich vermute, dass ca 1nm Eis auf je vier Spiegeln bereits einen erheblichen Effekt auf Photometrie und PSF haben. Mehr dazu bald auf A&A.

Euclid kann aufgrund seines kompakten designs nur bedingt aus eigener Kraft aufheizen, da nicht genug Leistung durch Solarpanels vorhanden ist. Wir müssen Euclid daher für 3 Tage 45 Grad zur Sonne drehen, dann kommt genug Wärme überall hin. Wir können auch nicht einzelne Spiegel kontrolliert erwärmen. Die sind alle aus SiC - wie bei Gaia - und auf SiC montiert, die Instrumentenplattform und das ganze Telrekop ist auch aus SiC. SiC ist ein extrem guter Wärmeleiter, d.h. lokal erzeugte Wärme ginge sofort überall hin. Die Heizelemente sind sogenannte bang-bang heater, d.h. die sind entweder aus oder laufen auf voller Leistung. Im Nachhinein ist das wohl nicht so günstig. Ist bei JWST genauso, die haben das auch bereut.

Ein voller thermischer Zyklus zur Dekontamination von Euclid dauert ca 14-16 Tage , ohne Rekalibration. Mit etwa 25-30 Tage, ganz schön teuer. Momentan wir Euclid gerade dekontaminiert, müsste seit gestern 45 Grad zur Sonne zeigen.
 
Hallo Tino, ja, die verklemmte Antenne bei JUICE war schon spannend. Bist du bei der DLR, von da stammt zumindest das Laseraltimeter.
Die Vibrationstests sind wirklich heftig anzusehen, auf Instrumentenebene als auch spacecraft Level. Bei Euclid gibt es da ein paar schöne Videos dazu, zumindest für das NISP Instrument.

Die acusto-mechanical launch vibrations mit der ursprünglich geplanten Soyuz wären ziemlich moderat gewesen. Mit der Ariane 6.2 war die Sache nicht so klar für uns. Ist noch nie geflogen und arianespace hatte daher auch nur begrenzte Informationen dazu weitergegeben. Es musste ein "launch vibration dampener" für Euclid entwickelt werden, der dann wohl auch die Spezifikationen erfüllt hat. Auch der acoustic load wäre möglicherweise problematisch gewesen was man mit akustischer Dämpfung in der fairing beheben könnte. Da die A6.2 der offizielle Backup-launcher der ESA für Euclid war ist das alles parallel zur Soyuz mitentwickelt und untersucht worden.

Hat sich dann aber schnell erledigt, weil ein Start mit der A6.2 Euclid zu lange verzögert hätte, da wären viel Leute abgesprungen und signifikantes knowhow hätte das Projekt verlassen. So ist man auf die F9 umgestiegen, obwohl dabei viel Geld außerhalb Europas versenkt wurde ohne reinvestiert zu werden. Euclid ist aber zu bedeutend, das haben alle Verantwortlichen klar realisiert.

Was ich so mitbekommen habe, verhalten sich die launcher in sehr unterschiedlich, was die mechanische und akustische Last angeht und wie beide nach oben zur payload propagieren.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich erinner mich nur an die DLRG!

Thomas (duckundwech)
 
Danke für die Nachfrage! bei JPL Horizons sind sie jetzt übrigens eingestellt. Was an Bahndaten geheim sein soll erschliesst sich mir nicht, ein Geheimnis der Bürokratie...

CS, Markus

PS: am 7.7.2023 um 21.40 - 22.20 UT habe ich es versucht, aber auch auf den 18.9m tiefen Bildern ist auch in Kenntnis der aktuellen Ephemeride nichts zu entdecken.
 
Danke für die Nachfrage! bei JPL Horizons sind sie jetzt übrigens eingestellt. Was an Bahndaten geheim sein soll erschliesst sich mir nicht, ein Geheimnis der Bürokratie...

CS, Markus

PS: am 7.7.2023 um 21.40 - 22.20 UT habe ich es versucht, aber auch auf den 18.9m tiefen Bildern ist auch in Kenntnis der aktuellen Ephemeride nichts zu entdecken.
Hast du einen link? Ich kann da beim JPL nichts finden.
Euclid ist mit einem ca 3x4m grossen Sunshield (wenig reflektierend) uebrigens deutlich kompakter als Gaia (10m Durchmesser, reflektierend). Schau mal wie git du Gaia draufbekommst, dann kannst du in etwa Euclid abschaetzen.
 
Euclid_encap_062623_DSC_2857.jpg

Credit: ASO/SpaceX/ESA/TAS-I

Euclid bei der "encapsulation" in der F9 fairing. Die Innenseite einer der beiden fairing-Hälften sieht man rechts sehr schön.
 
Hallo,

der Start hat insgesamt wohl sehr gut funktioniert. Das erste von drei geplanten "trajectory correction maneuvers" (TCM) fand 2 Tage nach dem Start statt und besorgte eine Korrektur von lediglich 2.14 m/s. Die beiden weiteren Manöver gegen Mitte und Ende Juli werden nicht mehr benötigt, d.h. Euclid war bereits 2 Tage nach dem Start in einem "Orbit um L2", auch wenn Euclid zu diesem Zeitpunkt physisch noch weit davon entfernt war. Euclid wandelt also nur noch kinetische Energie in potentielle Energie um. Zur Erinnerung, JWST brauchte 3 TCMs. Wir haben also offenbar gut Treibstoff gespart; Informationen, wie sich das auf eine eventuelle Missionsverlängerung auswirkt, habe ich noch nicht, da wird man erst in ein paar Monaten etwas mehr sagen können, wenn ein paar der monatlichen "orbit maintenance" stattgefunden haben.

Momentan ist Euclid ca 900.000 km von der Erde entfernt, zwischen dem 2. und 3. Punkt (Abstand jeweils 5 Tage) in der folgenden Grafik:

image.png

Credit: ESOC / ESA / G. Racca

Das Instrument VIS wurde letzte Nacht eingeschaltet, Kommunikation läuft, Kalibrationslampen gehen, data processing unit funktioniert (sowohl nominelle als auch redundante Seite), "dummy" Daten können heruntergeladen werden, der shutter geht auch. Erste echte Kalibrationsbilder (bias) sollen wohl demnächst kommen, dann wissen wir ob auch die Detektoren und Ausleseelektroniken alle gehen.

Im Nahinfrarotinstrument (NISP) gehen die DPUs (data processing unit) ebenfalls, das Filterrad und das Grism-rad lassen sich drehen und in ihre home-Position bringen. Detektoren sind noch aus da noch zu warm, die werden am 14.7. eingeschaltet.

Im service module funktionieren die Thruster (Hydrazin und Kaltgas) zur Orbit maintenance und Feinstabilisierung sehr gut, die reaction wheels gehen auch, die high-gain Antenne lässt sich auch positionieren. Damit sind, soweit ich weiss, alle beweglichen Teile in Euclid bis auf eines getestet. Was noch fehlt ist der sogenannte M2M, or M2 mechanism, der den tip-tilt des Sekundärspiegels besorgt zur optischen justage, und den z-offset für den Fokus. Das kommt in etwa 10 Tagen.

Insgesamt geht die Abkühlung teilweise etwas schneller als modelliert, aber offenbar sehr gut. Das hatte man bei JWST auch gesehen, wohl aber in erheblich bedeutenderem Ausmaß beim Haupt- und Sekundärspiegel.
 
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Danke für die Nachfrage! bei JPL Horizons sind sie jetzt übrigens eingestellt. Was an Bahndaten geheim sein soll erschliesst sich mir nicht, ein Geheimnis der Bürokratie...

CS, Markus

PS: am 7.7.2023 um 21.40 - 22.20 UT habe ich es versucht, aber auch auf den 18.9m tiefen Bildern ist auch in Kenntnis der aktuellen Ephemeride nichts zu entdecken.
Ein Photo von Euclid in 800.000 km Entfernung, ca Mag 19.

https://www.facebook.com/photo/?fbid=6314673671973088&set=a.103853413055176

Aufgesucht mit den Bahnelementen wie am JPL hinterlegt!
 
Interessanterweise erkennt man auf dem Bild mehrere weitere Punktquellen, eine davon hell genug so dass ich sie als real betrachte. Das könnte eventuell die 2nd stage sein. Habe noch keine Information von SpaceX wie die "entsorgt" wurde. Auf jeden Fall würde sich auch Richtung L2 reisen, wenn nicht eine dritte Zündung stattgefunden hätte.
 
Hallo Mischa, danke für den Link zu FB. Ich schau mal ob ich meine Bilder auf die Ephemeride ausrichten und summieren kann.

CS, Markus
 
Die ersten Bilder mit NISP sind da. Das tracking ist noch nicht voll 'commissioned', und das Teleskop ist auch noch nicht fokussiert und justiert, aber wir sehen was wir sehen wollen, nämlich dass die NISP Optik ( Filter, grisms, Linsen, eine davon Fluorit) überlebt haben :-)
Ab Dienstag wird mehrere Tage fokussiert und justiert (der Sekundärspiegel hat 3 Freiheitsgrade, da gibt es also viele Möglichkeiten).
 
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