Hallo,
der Start hat insgesamt wohl sehr gut funktioniert. Das erste von drei geplanten "trajectory correction maneuvers" (TCM) fand 2 Tage nach dem Start statt und besorgte eine Korrektur von lediglich 2.14 m/s. Die beiden weiteren Manöver gegen Mitte und Ende Juli werden nicht mehr benötigt, d.h. Euclid war bereits 2 Tage nach dem Start in einem "Orbit um L2", auch wenn Euclid zu diesem Zeitpunkt physisch noch weit davon entfernt war. Euclid wandelt also nur noch kinetische Energie in potentielle Energie um. Zur Erinnerung, JWST brauchte 3 TCMs. Wir haben also offenbar gut Treibstoff gespart; Informationen, wie sich das auf eine eventuelle Missionsverlängerung auswirkt, habe ich noch nicht, da wird man erst in ein paar Monaten etwas mehr sagen können, wenn ein paar der monatlichen "orbit maintenance" stattgefunden haben.
Momentan ist Euclid ca 900.000 km von der Erde entfernt, zwischen dem 2. und 3. Punkt (Abstand jeweils 5 Tage) in der folgenden Grafik:
Credit: ESOC / ESA / G. Racca
Das Instrument VIS wurde letzte Nacht eingeschaltet, Kommunikation läuft, Kalibrationslampen gehen, data processing unit funktioniert (sowohl nominelle als auch redundante Seite), "dummy" Daten können heruntergeladen werden, der shutter geht auch. Erste echte Kalibrationsbilder (bias) sollen wohl demnächst kommen, dann wissen wir ob auch die Detektoren und Ausleseelektroniken alle gehen.
Im Nahinfrarotinstrument (NISP) gehen die DPUs (data processing unit) ebenfalls, das Filterrad und das Grism-rad lassen sich drehen und in ihre home-Position bringen. Detektoren sind noch aus da noch zu warm, die werden am 14.7. eingeschaltet.
Im service module funktionieren die Thruster (Hydrazin und Kaltgas) zur Orbit maintenance und Feinstabilisierung sehr gut, die reaction wheels gehen auch, die high-gain Antenne lässt sich auch positionieren. Damit sind, soweit ich weiss, alle beweglichen Teile in Euclid bis auf eines getestet. Was noch fehlt ist der sogenannte M2M, or M2 mechanism, der den tip-tilt des Sekundärspiegels besorgt zur optischen justage, und den z-offset für den Fokus. Das kommt in etwa 10 Tagen.
Insgesamt geht die Abkühlung teilweise etwas schneller als modelliert, aber offenbar sehr gut. Das hatte man bei JWST auch gesehen, wohl aber in erheblich bedeutenderem Ausmaß beim Haupt- und Sekundärspiegel.