Euclid

Ja, die blauen Flecken entstammen einer zweifach-Reflektion innerhalb des Strahlteilers. Unvermeidlich, und es war nicht genug Zeit das wegzukaschieren. In unserer Pipeline werden die ausmaskiert, aber die Pipeline ist noch nicht fertig da wir noch Kalibrationsdaten nehmen und analysieren. Die Bilder von manuell und mit anderer software reduziert. Hat zwei Monate gedauert sie letzte Woche fertig waren.
Von diesen Reflexen abgesehen ist Euclid ausserordentlich streulichtarm, aber das war Teil des Designs.
 
Hallo,

habe mir gerade das EUCLID-Bild des Perseus-Clusters angeschaut, hier ein Ausschnitt davon. Was ist denn da in der Mitte?

perseuscrop.jpg


Gruß
Hans
 
Das ist ein "tidal tail" aka "Gezeitenschweif". Schau z.B. die Antennengalaxien an, NGC4038/39.
Wenn du in den IC342 Bildern rumsuchst, findest du auch ein schönes "strong-lensing" System mit einem "giant arc", der aehnlich aussieht, aber durch den Gravitationslinseneffekt hervorgerufen wird.
 
Gute Frage, weiss ich gar nicht. Die Lizenz mir mein damaliger Arbeitgeber vor 10 Jahren spendiert, nachdem ich mich über deren lausige Farbbilder beschwert habe :ROFLMAO:. Jedenfalls gut zu wissen, dass das offenbar keine Einschränkung mehr ist.
Hallo Mischa,

vielleicht Siril auf einer Linux-Workstation mit viel RAM?
Linux/Unix ist ja traditionell ein System fürs Datencrunching auf Servern und Großrechnern.
WIndows schränkt die Zahl der Bilder auf 2048 ein und ist schwerfällig (zu viele Gimmicks).

Hier ein Zitat von FAQ:
Processing images is a resource-intensive operation. Siril tries to use all memory and processor cores and threads it can get. In general, it adapts well to various operating conditions, but sometimes it badly detects the available memory, or a single image can be too large to fit entirely in memory for the various processing steps. In that case, virtual memory of the operating system is used if it exists, and this is extremely slow because it uses the hard disks.

The other reason would be that you are using a rotational hard disk drive, which you shouldn’t for image processing because it’s too slow and will wear off too fast.

Recommandations:

  • Exit all other software you can exit when running Siril, including an antivirus that will only slow down the computer and web browsers that are huge consumers of memory
  • If you still want to use your computer for other purposes while Siril is processing images, you can reduce the amount of processor threads that Siril will use at the top of the graphical user interface or with the setcpu command or reduce the amount of memory that Siril will detect as free in the preferences or with the setmem command . In any case, if the available memory decreases while Siril is running, Siril may run out of memory and freeze or crash your system.
  • Have at least 2GB of memory available for monochrome image processing, 4GB for colour images. It depends on image size of course.

    ...
Danke auch für die tollen Infos aus erster Hand. Ist spannend diesen Thread zu lesen.

Eine Frage noch:

Ein Teleskop mit f/21 (Teleskop von Euclid) gilt hier als extrem "langsam". Viele haben ein RASA mit f/2 oder mindestens Newtons mit f/4. Das beschleunigt die Datengenerierung wesentlich.
Wie erklärt sich die Entscheidung für eine so große Brennweite?


Astrogrüße & Merci bien, Claus
 
Hallo Claus, an der hardware liegt es nicht (64 GB RAM, 5 TB SSD), aber Siril habe ich im Sinn von RGB composition noch nicht ausprobiert. Da fehlt mir die Funktionalität die PS bietet.

Die optischen Parameter von Euclid ergeben sich zwingend aus dem "science case":
  • Die FWHM darf nicht größer als 0.18 Bogensekunden sein bei 800 nm (wir liegen deutlich darunter)
  • Wir wollen für Punktquellen ca 26 mag in 37 min Belichtungszeit erreichen
  • Gesichtsfelddurchmesser: 0.7x0.7 Grad
Es geht nicht um die Detektion schwacher sehr ausgedehnter Objekte, sondern um die genaue Photometrie und Formbestimmung fast punktförmiger Quellen. Die lange Brennweite hilft dann auch den Strahlengang zu falten, so dass alles in einem kompakten Satelliten Platz hat.
Euclid ist übrigens ganz hervorragend geeignet, um auch ausgedehnte schwache Objekte zu entdecken. Wir erwarten, dass wir nach Streulichtmodellierung eine Flächenhelligkeit von ca 29.5 mag/arcsec2 erreichen, über die gesamte Survey-Fläche von 14000 Quadratgrad. https://arxiv.org/pdf/2108.10321.pdf
 
Das Design der optik ist ja interessant.... Waere fast ein schiefspiegler geworden.... Uebrigens, ich hab dir eine private nachricht geschickt.
 
Es ist ein Schiefspiegler, mit nicht-zentraler Hauptspiegelbohrung. Hintergrund war, dass man ursprünglich zwei separate Infrarotinstrumente integrieren wollte, ein Photometer und ein Spektrometer. Das Bildfeld wäre groß genug gewesen. Ob es dann an den zu großen Datenraten lag oder an anderen Dingen weiss ich nicht, aber man hat dann auf ein kombiniertes Infrarotinstrument zurückgeschaltet. Zu diesem Zeitpunkt war aber wohl das optische Design fertig und man wollte oder konnte es nicht mehr ändern. Jetzt sitzt alles off-axis und "schief", die Bildqualität ist aber trotzdem hervorragend über das ganze Feld hinweg (und auch über die nicht genutzte Fläche). Bei "normaler" Strahlenführung hatte man fast das doppelte Feld abdecken können. Da hätten wir dann aber das Problem, dass wir die Datenmengen nicht mehr runterladen können, da fehlen die Kapazitäten im Rahmen der existierenden Bodenstationen.
 
Wir haben seit längerem einen anwachsenden, charakteristischen Transmissionsverlust in Euclid beobachtet, vermutlich basierend auf vereisten optischen Flächen. Die letzten Monate hatten wir ein minimal-invasives Dekontaminationsprogramm erarbeitet, bei dem gezielt einzelne Optiken erwärmt werden, ohne den Rest des Satelliten zu stark aufzuheizen. Dies hat vor einigen Tagen begonnen:
https://www.esa.int/Science_Explora...id/Operations_begin_to_de-ice_Euclid_s_vision

Ergebnisse sind in Kürze zu erwarten :-)
 
Hallo Mischa,
Wisst Ihr, wo das Eis herkommt bzw. was sich da als Eis niederschlägt? Nutzt Euclid Steuerdüsen (Kaltgas?) oder Gyroskope zur Ausrichtung? Von ersteren vielleicht? Ich frage wegen meinem eigenen Weltraumteleskop. Will da keine Anfängerfehler machen :)

Nachtrag: Aha, nach Lesen Deines Links ist alles geklärt: Wassereis, und es kommt immer wieder etwas u.a. aus der Isolierung, die allein schon bis zu 100g aufgenommen haben könnte. Das dürfte für etliche Vereisungsgänge genügen.
Ich wünsche viel Erfolg dabei, eine gute Methode zur Enteisung zu finden.

CS,
Henning
 
Zuletzt bearbeitet:
Das Wasser entstammt normalen Ausgasungsprozessen im Vakuum. Darunter leiden alle Satelliten (und auch ballistische Raketen). Das wasserreichste Reservoir ist im allgemeinen MLI (lulti-layer thermal insulation), welche aus der Umgebungsluft Wasser absorbiert, nach Ausbacken innerhalb von 24 Stunden ca 1-1.5% seines Eigengewichts. Im Vakuum kommt das dann wieder raus. Wenn deine Optiken wärmer als etwas 150 Kelvin sind dann ist das ganze normalerweise kein Problem, aber es kann sein dass du andere Materalien abgelagert bekommst die sich nicht verdampfen lassen (non-volatile organic compounds).
Wenn du am Boden nicht super-sauber arbeitest und ordentlich ausbackst, dann kommt im Weltall alles wieder raus. Wasser ist unvermeidlich, da selbst Reinräume üblicherweise 50% relative Luftfeuchtigkeit haben. Bei Euclid habe ich die ESA so lange gequengelt, bis sie SpaceX überzeugt haben, die fairing 4-5 Stunden vor dem Start mit LN2 zu fluten; haben sie mir aber erst nachher verraten ;-)

Ich hab einen mehrteiligen Artikel über (Wasser)kontamination geschrieben, Teil 1 kannst du hier finden, Teil 2 und 3 sind in Arbeit

https://www.aanda.org/articles/aa/abs/2023/07/aa46635-23/aa46635-23.html

Ein eigenes Weltraumteleskop? Sportlich wenn du das Ernst meinst, erzähl mal mehr.

Ach so: Euclid hat Schwungräder für die grobe Ausrichtung, und Kaltgasdüsen zur Feinjustage und dem Ausgleich des Strahlungsdrucks sowie anderer nichtgravitativer Beschleunigungseffekte während der Aufnahmen.
 
Mischa,

Danke für die Erläuterung. Super spannend, das alles aus erster Hand zu erfahren.
Den Wasserartikel werde ich verschlingen, auch wenn das mit dem eigenen Weltraumeleskop
glücklicherweise nur ein Witz war (ich befürchte, mit mir am Steuer flöge das gegen die Wand).

Thorsten, da könntest Du Recht haben.

C,dry,S,
Henning
 
Bei Euclid habe ich die ESA so lange gequengelt, bis sie SpaceX überzeugt haben, die fairing 4-5 Stunden vor dem Start mit LN2 zu fluten; haben sie mir aber erst nachher verraten ;-)
Das "L" in "LN2" steht doch normalerweise für "liquid", oder?... ... ... :unsure:
Ich vermute mal, dass sie die Fairing nicht mit flüssigem Stickstoff geflutet haben. o_O
Um Wasser zu vertreiben, würde man wohl mit mit trockenem Stickstoffgas spülen, und das sollte auch nicht zu kalt sein, sonst friert das Zeugs aus und dann dauert es ewig, bis man das gefrorene Wasser los wird.

Peter
 
Nun lass uns nicht dumm sterben, was ist GN2?
:unsure:
 
Gratulation zur gelungenen Wiederherstellung (+) der optischen Leistung! Das klingt ja im Nachhinein fast einfacher im Vakuum als auf der Erde (ich hatte mich gewundert, wie das Eis sublimieren soll, solange es unter Null bleibt. Das ist jetzt geklärt).
Viel Erfolg beim weiteren Betrieb von Euclid!

CS,
Henning
 
Wow, ich schätze mal auf 1000 Koautoren, das erreicht ja bald eine Größe, wie man sie mittlerweile in der Teilchenphysik hat:

Euclid.jpg

Euclid_.jpg

Euclid__.jpg

Euclid___.jpg
 
1116, um genau zu sein :-)
Das overview paper ist hoch interessant und informativ, ein Einblick in den state-of-the-art kosmologischer Forschung in den kommenden 10 Jahren. Wir haben fast 1 Jahr lang daran geschrieben und zielen auf ein allgemeines astronomisches Publikum. Das paper baut alles von Grund auf auf, und erklärt was wir mit Euclid erreichen wollen und können, wie und warum. Es zeigt, welcher Aufwand nötig ist, um dunkle Materie und dunkle Energie "auseinander zu nehmen", und um die Gültigkeit der allgemeinen Relativitaetsheorie auf kosmologischen Skalen zu testen. 95 Seiten, aber man muss ja nicht alles auf einmal lesen, und die Mathematik dahinter muss man auch nicht verstehen.
 
Die beiden papers welche die VIS und NISP Instrumente beschreiben sind auch sehr interessant:
VIS
NISP

Die Bilder, welche heute freigegeben wurde, sind nicht mit der offiziellen Euclid-pipeline reduziert worden, sondern nur mit einem minimalen Satz an Kalibrierungsdaten und der Zielsetzung, möglichst tiefe Flächenhelligkeiten zu erreichen und die Bilder schnell zur Verfügung zu stellen. Die Publikationen mussten bis Mai fertig sein. Das entsprechende Datenreduktionspaper dürfte die technisch versierten Bild- und Teleskopexperten unter euch ansprechen.
 
Die ERO coaddierten FITS Bilder sind übrigens nun alle online verfügbar.
https://euclid.esac.esa.int/dr/ero/
Ihr könnt euch daran austoben. Mir haben die vom press release nicht so sehr gefallen, daher hier mal eine eigene Version (kleine Vorschau nur, die volle Auflösung ist etwa 10000x10000 pixel) von M78:

Oups... upload geht grad nicht, "weil das temporäre Verzeichnis fehlt" (auf a.de)
 
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