Hallo ihr Lieben,
da möchte ich euch an einem Erlebnis im Sommer 2003 mit meinen damaligen Schülern im Übergang von Jahrgang 10 zur Oberstufe teilhaben lassen: Damals spähten wohl alle hier aktiven Teilnehmer auf die Jahrzehntausend-Marsopposition. Sie ereignete sich mitten in den NRW-Sommerferien. Dessen ungeachtet hatten die Teilnehmer*In (nur ein Mädchen damals dabei) meinen ollen 125x1560er Lichtenknecker-FH in die Schrebergartenlaube der Eltern eines Schülers in Bochum-Laer verfrachtet, um bei geeignetem Wetter nach dem Mars zu spähen. Angefangen am Tage des Minimalabstandes zwischen Mars und Erde setzen wir die Beobachtungen fort, bis unsere (genauer meine) Zeichnungen einmal den ganzen Mars-Globus herum festgehalten hatten.
Am ersten Tage vermochten die ungeübten SuS. nicht wirklich etwas auf dem orangenen "Punkt" des Marses zu erkennen. Und damit sollte mein systematischeres Planeten-Dokumentieren mittels Papier und Bleistift beginnen. Ich kritzelte also meine Seheindrücke aufs Papier in der Hoffnung, dass die SuS. unter dem Eindruck der Zeichnung die erkennbaren Mars-Details besser nachvollziehen könnten. Doch kein Erfolg: Abgesehen von der für sie erkennbaren Polkappe war deren Reaktion: "Naja, Herr Rieger, sie haben aber viel Phantasie!"
Damals gab es ja noch keine Smartphones, mittels derer man "mal eben" sich eine aktuelle Mars-Ansicht hätte anzeigen lassen können. Das "Non-plus ultra" der Astronomie-Software hieß noch "Redshift", das auch noch keine Planeten-Ansichten präsentierte. Ob es Winjupos schon gab, weiß ich nicht, kannte ich jedenfalls nicht. So musste ich den Übermut der Halbwüchsigen zunächst noch ertragen.
Für den kommenden Abend hatten wir uns abermals wegen geeignetem Wetters zur Beobachtung im Schrebergarten verabredet. Nun hatte aber die NASA sich wohl zur Feier des Jahrzehntausends erlaubt, das Hubble-Space-Teleskop für ein "pretty picture" mal auf den Mars zu richten. Dieses fand ich am Morgen des Folgetages im Netz und ließ es mir (noch mangels Smartphones) farbig ausdrucken.
Nun hatte ich natürlich das Oberwasser: Ich hätte gestern nur viel Phanasie gehabt!?! Dann präsentierte ich nochmals meine Zeichnung vom Vortag und den Ausdruck des Hubble-Fotos. Ich habe euch meine damalige Zeichnung und besagtes Hubble-Foto mal im Video übereinander gelegt.
Die Flächengetreue zwischen beiden Abbildungen belegen, dass offenbar genau in den Minuten, während derer ich mit Zettel und Bleistift Mars gezeichnet hatte, bei der NASA irgendeiner auf den "Klick-Knopf" fürs Hubble-Teleskop gedrückt haben musste.
Ja, das könne man ja tatsächlich wiedererkennen, räumten mir nun die Halbwüchsigen ein, und da etwa 24 Stunden später Mars uns wiederum die ziemlich genau gleiche "Schokoladenseite" zuwandte, vermochten die SuS. die Details doch nochvollziehen. Wir haben im Abstand einiger Tage das fortgesetzt, bis die Zeichnungen einmal um den ganzen Mars reichten.
Viel Spaß beim Lesen und ich bin gespannt auf eure weiteren Beobachtungstriumphe,
CS.
Hubertus