Kepler vs Corot

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Re: Kepler mission update

Und ein weiterer Statusbericht

Kepler Mission Manager Update - 23. Dec. 2009

Wie man hört, verläuft alles weiterhin nach Plan. Dez. 17/18 gab es ein weiteres Science Data Download und ein saisonales Rollmaneuver zum Ausrichten der Sonnenkollektoren. Inzwischen wurden zahlreiche Papiere über die technischen Aspekte und auch erste wissenschaftliche Ergebnisse bei verschiedenen Journalen eingereicht.

Anlässlich der bevorstehenden AAS Tagung in Washington D.C. in der ersten Woche des Neuen Jahres wird man vielleicht nähere Einzelheiten erfahren.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter




 
Kepler Mission Update

Eben kam ein weiteres Log raus:

Kepler Mission Manager Update - 19. Jan. 2010

Nach der Euphorie über die ersten 5 neuen Exoplaneten

Kepler 4b, 5b, 6b, 7b, 8b

die (wie schon berichtet) auf dem AAS Meeting in Washington gleich zu Beginn des Neuen Jahres vorgestellt wurden, gibt es nun seit dem 12. Januar, also seit mittlerweile einer Woche,

> > > leider ein neues Problem < < <

mit einem von 21 CCD Modulen.

Jeder dieser Module enthält 2 CCDs, so dass also 2 von insgesamt 42 CCDs betroffen sind.

Das Problem wird seitdem untersucht, ist aber anscheinend bis jetzt noch nicht gelöst. Wenn der betroffene Modul No. 3 total ausfallen sollte, würde man 1/21 oder ca. 5% vom Feld verlieren.

Für heute ist erst mal ein weiterer Science Data Download vorgesehen ...

Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
Re: Kepler Mission Update

Ist's denn der Chip fürs Bulls Eye oder irgendwo am Rand?
Steht leider nicht in dem Log.

Das konnte ich auch noch nicht herausfinden.

Es ist Molul No. 3.

Kepler CCD Array

Ich vermute mal, das ist dann einer von denen am Rande des Feldes. Da wir aber von vornherein nicht wissen, wo die habitablen Exemplare liegen, ist es eigentlich egal.

Für PR Zwecke wäre es natürlich weniger schön, ein Loch mitten im Feld zu haben. Stellt euch mal Hubble Bilder mit einem Loch in der Mitte vor ...

Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
Re: Kepler Mission Update

... und noch ein

Kepler Mission Manager Update - April 5, 2010

Berichtet wird dort über einen weiteren Science Data Download und über ein saisonales Rollmaneuver zur besseren Ausrichtung der Sonnenkollektoren.

Für April 21-23 ist ein weiteres Science Data Download sowie ein Software Update geplant.

Inzwischen wächst die planetenverdächtige Kandidatenliste, aber seit Januar hat es keine weiteren öffentlichen Mitteilungen dazu gegeben.

Völlig unverstanden sind immer noch die "Objects of Interest" KOI 74b und KOI 81b :

Kepler Observations of Transiting Hot Compact Objects

Blazing Stellar Companion Defies Explanation

Planet-hunting telescope unearths hot mysteries

Mit freundlichen Grüßen,
Peter


 
Re: Kepler Mission Update

Hier ist noch ein nicht mehr ganz neuer Beitrag, aus dem aber die Position des defekten CCD Moduls Nr. 3 hervorgeht.
Wie schon vermutet, ist es einer der Randmodule. Wegen der vierteljährlichen Rotation von Kepler,
wandert die Position dieser Blindstelle alle drei Monate um 90° weiter.

Dadurch werden die davon betroffenen 4 Himmelsareale (entsprechend 4/21 = 19% der gesamten beobachteten Fläche)
nicht durchgängig, sondern nur zu 75% der gesamten Missionsdauer observiert. Wenn sich dort ein erdähnlicher Planet
mit einjähriger Umlaufszeit aufhält, würde man den also nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 75% finden.


Kepler This and That


Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
Re: Kepler Mission Update

Und ein weiteres Update:

Kepler Mission Manager Update - May 3, 2010

Wie man liest, ist die Kandidatenliste inzwischen auf mehr als 200 angewachsen.

Seitdem das fixe Beobachtungsfeld in Cygnus/Lyra saisonbedingt nun auch wieder mit erdgebundenen Instrumenten zugänglich ist,
werden bei den interessantesten Objekten auch spektroskopische Nachfolgeuntersuchungen mit größeren Optiken durchgeführt,
u.a. mit dem "kleineren" 2.7 m McDonald in Texas (dort steht nämlich auch noch ein größeres mit 9.2 m), sowie erstmals auch mit
einem der beiden 10 m Keck Teleskope.

Wie unlängst berichtet wurde, lässt sich aus genauen spektroskopischen Messungen von Transitereignissen ja sogar der Drehsinn
von Stern und Planet bestimmen, was teilweise zu überraschenden Ergebnissen mit geisterfahrenden Planeten geführt hat.

Vielleicht stehen uns noch weitere Überraschungen bevor.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
Re: Kepler Mission Update

Im Juni wurden ja nun die Daten der ersten 43 Tage von Kepler veröffentlicht. Es wurden in dieser Zeit 706 Kandidaten gefunden, allerdings wurden nur 300 davon veröffentlicht, die 400 besten blieben geheim. Link: http://articles.latimes.com/2010/jun/16/science/la-sci-extrasolar-planets-20100616

So, wenn man dann mal simpel rechnet (nur die besten Kandidaten), ergibt sich folgende Häufigkeit an Planeten:

365/43 * 400 / 0.0047 (Wahrscheinlichkeit der Beobachtng durch Bahnradius) = ~722.000 Planeten???

Das passt natürlich nur, wenn jeder Kandidat ein Planet ist mit einem Umfang der Erde mit 1 AE Abstand zu seiner Sonne.

Trotzdem, selbst wenn nur 1% der Kandidaten der ersten 43 Tage ein erdähnlicher Planet ist, dann wäre die Gesamtzahl geradezu sensationell hoch! Oder habe ich einen Fehler gemacht?

Peter? :)
 
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Re: Kepler Mission Update

Hallo Markus und allerseits,

seit den ersten Entdeckungsmeldungen zu Anfang des Jahres ist ja schon einige Zeit vergangen und manch einer mag sich wundern, warum da trotz hunderten von "Kandidaten" seitdem keine weiteren Entdeckungen bekannt gegeben wurden.

Es gibt dazu einen Artikel im September Heft von S&T, den man teilweise auch online einsehen kann:

Kepler: A Tidal Wave of Exoplanet Candidates

Wie in dem Artikel erwähnt wird, hat ja die Entscheidung des Kepler Teams von insgesamt 706 Kandidaten aus den ersten 33.5 Beobachtungstagen zunächst nur 306 weniger interessante publik zu machen, zu allerlei Kritik geführt. Die übrigen 400 Kandidaten betreffen allesamt Objekte mit maximal einem halben Juptiter Durchmesser (~70 000 km), und darunter wären natürlich auch erdähnlichen Objekte, die eigentliche Zielgruppe der Kepler Mission.

Die von Dir zitierte Wahrscheinlichkeit von 0.0047 für einen beobachtbaren Transit gilt für Objekte im Abstand von 1 AE vor einem Stern mit dem Durchmesser der Sonne. Für ein Objekt im Abstand der Venus wäre die Wahrscheinlichkeit etwas größer (0.0065), und für einen Stern von der Größe des Sirius wäre die Wahrscheinlichkeit ebenfalls größer (0.0080).

Nun sind wohl kaum alle von den 400 Kandidaten erdähnliche Planeten. Die Kepler Leute selbst schätzen, dass etwa die Hälfte davon Fakes sind, die bei längeren Untersuchungen wieder verschwinden werden. Außerdem sind es sämtlich Objekte mit sehr kurzen Umlaufszeiten und Abständen von weniger als Merkur von der Sonne, also nicht gerade in der biotopischen Zone.

Zur beobachteten Größenverteilung sagen die Kepler Leute: "half the diameter means four times as many"

Daraus würde folgen, dass 4/5 von den geschätzten 200 "non-fake" Kandidaten, also 160, einen Durchmesser von maximal 35 000 km haben. Und 200*(4/5)³ ~ 102, also etwa die Hälfte, haben einen Durchmesser von weniger als 70 000 km * (1/2)³ ~ 9000 km, das wäre dann schon ziemlich erdähnlich.

Aber wie bereits gesagt, diese 100 Kandidaten aus den ersten 33 Beobachtungstagen sind zwangsläufig extrem kurzperiodisch vom Typ Vulkan/Merkur. Für Objekte mit Umlaufperioden von einem Jahr braucht man zwangsläufig eine viel längere Beobachtungszeit. Da solche Objekte aber nicht in diesem ersten kurzperiodischen Datenblock enthalten sind, kann man auch nichts hochrechnen und extrapolieren.

Da hilft also nur Abwarten und Tee trinken. Jedenfalls, solange die Daten weiterhin reinkommen und keine weiteren Module ausfallen ...

Immerhin kann man aus der hohen Zahl von kurzperiodischen Kandidaten vermuten, dass es in unmittelbarer Nähe von Sternen regelrecht von Planeten wimmeln muss!

Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
Re: Kepler Mission Update

Hallo Peter!

Erst einmal vielen Dank für deine (wie immer) hilfreiche Erklärung. Ich hatte angenommen, dass die "Kandidaten" auch Planeten enthalten von denen bisher nur ein einziger Umlauf registriert wurde.

Wenn es von kurzperiodischen Planeten (Gasriesen) wimmelt, dann ist das doch eigentlich kein gutes Zeichen für kleine Planeten in der habitablen Zone, diese Gasriesen haben doch vermutlich auf dem Weg ins Innere das System leergefegt, oder?

Viele Grüße,
Markus
 
Re: Kepler Mission Update

Die englischsprachige Wikipedia Seite Kepler (NASA) gibt im allgemeinen eine vorzügliche Übersicht über den jeweiligen Kenntnisstand.

Zur konkreten Frage bezüglich der relativen Häufigkeit von "erdähnlichen" Objekten gegenüber Gasriesen zitiere ich daraus mal:

"The Kepler results imply that small candidate planets with periods less than 30 days are much more common than large candidate planets with periods less than 30 days and that the ground-based discoveries are sampling the large-size tail of the size distribution." This contradicts older theories which had suggested small and Earth-like planets would be relatively infrequent. Based on Kepler data, an estimate of around 100 million habitable planets in our galaxy may be realistic.

However, some media reports of the TED talk have led to misunderstandings, apparently partly due to confusion concerning the term "Earth-like". By way of clarification, a letter to the Director of the NASA Ames Research Center, for the Kepler Science Council dated August 2, 2010 states, "Analysis of the current Kepler data does not support the assertion that Kepler has found any Earth-like planets."


Bei Kommunikationen mit der Presse und der Öffentlichkeit, so zeigen die Erfahrungen des Kepler Teams, ist eine gewisse Vorsicht bei der Verwendung von Wörtern wie "erdähnliche" Objekte ratsam.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
Re: Kepler Mission Update

Danke für den Link, das ist deutlich informativer als die offizielle Kepler Seite :)

100 Millionen alleine in unserer Galaxie. Alle Achtung, das wäre mal eine echte Hausnummer...

Viele Grüße,
Markus
 
Kepler-9

News from Kepler:

Kepler-9: A System of Multiple Planets

We report the detection, based on 7 months of Kepler observations, of two Saturn-size planets that transit the same Sun-like star. Their 19.2- and 38.9-day periods are presently increasing and decreasing at respective average rates of 4 and 39 min per orbit, and in addition the transit times of the inner body display an alternating variation of smaller amplitude. These signatures are characteristic of gravitational interaction of two planets near a 2:1 orbital resonance ...

After removing the signal of the two confirrmed giant planets, we identify an additional transiting super-Earth-size planet candidate with a period of 1.6 days.

NASA Science News

In addition to the two confirmed giant planets, Kepler scientists also have identified what appears to be a third, much smaller transit signature in the observations of Kepler-9. That signature is consistent with the transits of a super-Earth-sized planet about 1.5 times the radius of Earth in a scorching, near-sun 1.6 day-orbit. Additional observations are required to determine whether this signal is indeed a planet or an astronomical phenomenon that mimics the appearance of a transit.

Spiegel

Klein, aber heiß

Völlig sicher sind sich die Forscher allerdings nicht. Die minimale Verdunkelung könnte auch andere Gründe haben. Sollte es allerdings ein Planet sein, wäre er einer der kleinsten, die bisher entdeckt wurden: Im Durchmesser wäre er nur 1,5-mal so groß wie die Erde, seine Masse würde maximal das Siebenfache der Erdmasse betragen. Die Untergrenze ist nach Ansicht der Forscher weniger eindeutig, könnte aber so gering wie die Masse der Erde sein.

Eine lebensfreundliche Welt wäre der Planet - sollte es ihn denn geben - allerdings nicht. Denn dass er seinen Heimatstern in nur 1,6 Erdentagen umrundet, bedeutet, dass sein Orbit extrem eng ist - und die Oberfläche entsprechend heiß. Die Forscher gehen von rund 1900 Grad Celsius aus - jegliches Wasser wäre längst verdampft.



 
Re: Kepler 10b

Hallo allerseits,

Die Freigabe der jüngsten Nachrichten zu Kepler 10b erfolgte ja nach einer ziemlich langen Unterbrechung, die der spektroskopischen Nachuntersuchung von insgesamt etwa 400 Kandidaten aus einem frühen Datensegment mit erdgebundenen Teleskopen dienen sollte. Da sollte da also noch wesentlich mehr kommen.

Ursprünglich war vorgesehen, sämtliche Daten nach einer "proprietary phase" von 6 Monaten allgemein freizugeben:

Kepler Data Acquisition and Release Timeline

Daran hat man sich bislang aber allenfalls partiell gehalten. Offensichtlich war man viel zu optimistisch mit der Erwartung, dass eine sechsmonatige Auswertung zur Aussiebung von guten und schlechten Kandidaten reichen würde.

Mir ist insbesondere auch schleierhaft, wie sich das im Verbund mit spektroskopischen Messungen für Hunderte und bald Tausende von Kandidaten in so kurzer Zeit bewältigen lässt, zumal erdgebundene Untersuchungen im Unterschied zu Kepler saisonal eingeschränkt sind.

Da hilft nur Geduld, insbesondere bis zur zweifelsfreien Identifikation eines erdähnlichen Exoplaneten in einem erdähnlichen Orbit werden naturgemäß noch einige Jahre vergehen.

Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass in nur zwanzig Jahren die Leute auf die Nachricht vom Tage dann folgendermaßen reagieren: "Gähn, schon wieder so'ne Erde gefunden, wann gibt's endlich mal interessante Neuigkeiten?"

Mit freundlichen Grüßen,
Peter




 
Re: Kepler 10b

Heute werden laut NASA wieder neue Ergebnisse von Kepler präsentiert. Vermutlich wieder ein paar neue Gasriesen oder Super-Earths die nahe am Stern ihre Bahn ziehen.

Leider befindet sich Kepler seit gestern wieder im Safe-Mode (automatische Abschaltung), schon das zweite Mal seit Dezember. Irgendwie scheint dort der Wurm drin zu sein :(

Viele Grüße,
Markus
 
Kepler 11b-g and more

Zitat von Markus77:
Heute werden laut NASA wieder neue Ergebnisse von Kepler präsentiert. Vermutlich wieder ein paar neue Gasriesen oder Super-Earths die nahe am Stern ihre Bahn ziehen.

In der Tat, es tut sich was. Wie im Nachbarthread bereits gemeldet: Neue Supererden

youtube

Stern mit 6 Planeten (Spiegel)

Kepler's Outrageous system of Six Planets (S&T)

... Kepler scientists today also announced hundreds of new exoplanet candidates, bringing the mission's total to 1,235. Of the newly-announced candidates, dozens are Earth-diameter or smaller. Team member Geoff Marcy ... estimates that "90% to 95% of these candidates are bona fide planets." Adds team member Daniel Fabrycky ... "There are a ton of multiple-planet candidates from Kepler. There are 115 doubles, 45 triples, 8 quadruples, 1 quintuple, and 1 sextet (Kepler-11). So Kepler-11 is just the extreme end of a distribution, not a freak."

Of Kepler’s 1,235 planet candidates, 68 are about the size of Earth. Five of those orbit within the habitable zone of the host star — the region around a star where water on a planet's surface can exist in a liquid state. Overall, 54 of the new planet candidates orbit within their star’s habitable zone, 49 of which range from about twice Earth’s diameter to larger than Jupiter.

W. Borucki et al.: Characteristics of planetary candidates ...

Schaut euch nur mal die Tabellen am Ende von diesem Papier an. Da werden die Leute bei Wikipedia einiges zu tun haben, da noch Übersicht und Ordnung zu behalten.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter




 
Re: Kepler 11b-g and more

Alle Achtung, das sind ja schon eine Menge Kandidaten, ich bin beeindruckt. Um das jetzt noch in Relation zu setzen, stellen sich mir folgende Fragen:

1) Um als 'Kandidat' zu zählen, müssen mind. 2 Umläufe (Transits) registriert werden? Der Tabelle der Kandidaten kann ich einige wenige entnehmen, die eine größere Umlaufzeit haben als 132 Tage (= die Aufzeichnungsdauer der Daten). Werden diese durch irgendwelche fiesen Algorythmen aus den Daten extrapoliert oder wie muss ich mir das vorstellen?

2) Da die meisten Kandidaten in der 'habitablen Zone' eine relativ kurze Umlaufzeit haben (< 132 Tage), bedeutet das doch, dass sie um einen vergleichweise kühlen und kleinen Stern kreisen. Es wäre interessant zu wissen, ab wann die Rotationsgebundenheit (tidal lock) nicht mehr eintrifft.

3) Von den etwa 150.000 beobachteten Sternen, wieviel % davon sind kleine rote Sonnen (bei denen sich die habitable Zone in einer Umlaufbahn < 132 Tage befindet), und wieviel % ähnlich unserer Sonne?

4) Kann man bereits hochrechnen, wie die Gesamtzahl der Exoplaneten in der beobachteten Region in etwa sein wird? Die große unbekannte Variable ist doch zur Zeit noch die Kandidatenanzahl mit einem Transit > 132 Tagen, nicht wahr?...

Für die anderen können wir doch rechnen 1200 * 0.9 (10% false positives) / 0.0047 (Wahrscheinlichkeit beobachteten Transits bei 1 AE und Erdgröße um sonnenähnlichen Stern) = 212.765 Planeten!

Passen wir die Wahrscheinlichkeit eines beobachteten Transits noch auf die Größe der Sterne & Umlaufabstände an, dann kommen wir immer noch auf über 100.000 Planeten.

5) Es wurden 5 erdgroße Kandidaten in der habitablen Zone gefunden... rechnet man das hoch, kommt man auf ~1000 solcher Planeten mit einer Umlaufperiode von < 132 Tagen die in der habitablen Zone ihres Sterns kreisen.

Mein Fazit: Es wimmelt nur so von Exoplaneten! *freu*

Peter, wie sehen deine Berechnungen/Überlegungen aus?

Ich bin gespannt, wieviele Planeten sich in der habitablen Zone um sonnenähnliche Sterne befinden, leider müssen wir auf diese Zahl noch etwa 2 Jahre warten...

CS,
Markus

 
Re: Kepler 11b-g and more

Hallo Markus.

Du hast viele Fragen, auf die ich auch keine Antwort weiß ...

(1) In der Tat, ich finde in Tabelle 2 (in dem langen Papier von Borucki et al.) 19 Einträge mit Perioden, welche länger als die angegebene Beobachtungszeit von 138 Tagen ist, und zwar reichen die bis zu einem Maximalwert von 400 Tagen für KOI-Nr. 1477.01.

Ich kann nur vermuten, dass es sich dabei zunächst um "single transit" Kandidaten handelt, bei denen die Periode aus erdgebundenen Spektroskopiedaten bestimmt wurde.

(2) Planeten mit derart kurzen Umlaufzeiten und Bahnradien, wie sie bislang gefunden wurden, können in der Tat nur dann in einer habitablen Zone liegen, wenn ihr Zentralgestirn wesentlich geringere Masse und Leuchtkraft als die Sonne hat, das wären also Rote Zwerge. Inwieweit da "tidal-lock" Effekte wie beim Erdmond auftreten, kann ich nicht sagen. Es gibt ja sogar in unserem Planetensystem bei wesentlich größeren Abständen derartige Resonanzeffekte zwischen den inneren Planeten.

(3) Rote Zwerge sind sicherlich zahlenmäßig die dominierende Spezies. Neuere Schätzungen gehen von mindestens 80% aus.

(4) Eine Extrapolation der zunächst beobachtbaren kurzperiodischen Planetenpopulationen auf die Dimension des Erdorbits ist nicht so ohne weiteres möglich. Mal angenommen, ein alien Observatorium hätte Transits von Merkur vor der Sonne registriert. Wie soll man daraus auf die übrigen Planeten schließen? Die statistischen Verteilungen, die man für derartige Extrapolationen benötigen würde, gibt es ja noch nicht.

(5) Wie schon im vorigen Punkt, Du kannst aus der planetaren Statistik von Roten Zwergen nicht auf sonnenähnliche Sterne und erdähnliche Orbits extrapolieren. Dazu fehlt noch das statistische Material, welches Kepler und die bodengestützten Nachuntersuchungen hoffentlich in ein paar Jahren liefern werden.

Ich bin gespannt, wieviele Planeten sich in der habitablen Zone um sonnenähnliche Sterne befinden, leider müssen wir auf diese Zahl noch etwa 2 Jahre warten...

Du sagst es ...

Mit freundlichen Grüßen,
Peter


 
Re: Kepler 11b-g and more

Hallo Peter,Markus und ihr anderen Mitleser;

ich habe jetzt mal eine Frage,die das Thema nur am Rande betrifft. Wie lange beschäftigt ihr euch mit Exoplaneten,
und macht ihr das aus beruflichen Gründen (Studium), oder
nur aus reinem Interesse? Nicht, dass ich nur an Experten glauben will, aber es würde mich mal interessieren,
wie man zu diesem Thema kommt, und wie ausufernd man sich damit beschäftigen kann. Als Laie kann ich diese Entwicklungen nämlich nicht so einschätzen.

Vielen Dank und Grüße,

Hermine

 
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Re: Kepler 11b-g and more

Tja, abwarten und Single Malt trinken. :)

Cheers!
Markus

 
Re: Kepler 11b-g and more

Hallo Hermine,

ich verfolge die Exoplaneten-Jagd schon seit 2002 aus privatem Interesse. Durch die Entwicklung meines Astronomieprogramms ist auch viel Zeit hinein geflossen, dessen Aufwand ich aber nicht zu beziffern wage.

@Markus

Zu deiner Frage zu den sonnenähnlichen Sternen...
Wie Peter schon sagte bilden etwa 80% Rote Zwergsterne den größten Teil aller Sterne am Himmel. Vermutlich sind unter den 150k unter Observation stehenden Sternen aber weniger als die Hälfte Rote Zwerge. Ich vermute dass man 1. eher versucht sonnenähnliche Sterne zu untersuchen und 2. der Nachweis eines Transits bei einem Roten Zwerg auch etwas schwieriger ist.

Die Anzahl der sonnenähnlichen Sterne ist schwer abzuschätzen. Je nach dem wie viele Parameter man berücksichtigt und wie eng man den Bereich fasst. Vermutlich ist bei Berücksichtigung von Masse, Temperatur, Metallizität, Alter und Lithiumgehalt kein einziger Stern dabei, der unserer Sonne ähnelt.
Ich hatte mal für Planetensuche nach sonnenähnlichen Sternen gesucht, aber nur sehr wenige gefunden. Das gleicht nach der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
Aber so wichtig ist es nicht einen sonnenähnlichen Stern zu finden. Ich bin überzeugt, dass ein Roter Zwergstern genauso ein paar bewohnbare und vielleicht auch bewohnte Planeten hervor bringen kann, wie unsere Sonne.

Viele Grüße,
Gerd
 
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Re: Kepler 11b-g and more

Meine Herren, alleine 5 Planeten innerhalb des Merkur-Orbits.
Ob vor ein paar Jahren selbst profilierte Astronomen gelaubt hätten,
das solch enge Planetenbahnen stabil sein könnten?

Ma
 
Re: Kepler 11b-g and more

Es gibt wieder "News"... das Kepler Team hat offenbar die bisherigen Ergebnisse hochgerechnet auf unsere Milchstrasse, mit dem Ergebnis, dass es MINDESTENS 50 Milliarden Planeten gibt von denen sich 500 Millionen in der habitablen Zone befinden.

http://news.yahoo.com/s/ap/20110219/ap_on_sc/us_sci_cosmic_census

Okay. Das ist mal eine Ansage. :D Es wird Zeit, Klingonisch zu lernen.
 
Re: Kepler 11b-g and more

Hallo,

500 Mio. wäre ja wirklich eine ganz schöne Menge. :-)

Zum Thema Kepler vs. Corot:

Es gibt jetzt in Planetensuche die Möglichkeit die entdeckten Exo-Planeten pro Jahr und nach Projekten anzuzeigen.
Zwar ist die Liste noch nicht vollständig (z.B. fehlen die Japanischen Teams), aber es lässt sich jetzt schon gut ablesen wie sich die Entwicklung der einzelnen Projekte von Begin an vollzogen hat.
Bitte nicht wundern, dass in diesem Diagramm mehr Exo-Planeten gezählt werden als in anderen. Manche Exo-Planeten werden von mehreren Teams entdeckt bzw. manche Projekte bestehen aus vielen Teams. Somit sind Mehrfachzählungen unvermeidbar, aber derzeit auch gewollt. Solange es niemanden stört, ordne ich auch einen Exo-Planeten allen seinen Entdeckern/Teams und Projekten zu.

Ihr findet das Diagramm im Simulationsmodul unter Diagramme - Planeten - Entdeckungsjahr. Und dort im Menü unter Ansicht findet sich u.a. der Punkt Entdecker-Teams.

Link zur Grafik: http://www.marfir.de/ps/screenshots/exoplaneten_nach_projekten.jpg
 
Kepler 14b

Nach längerer Pause gibt's mal wieder Nachwuchs in der Kepler-Familie:

Kepler 14b: A massive hot Jupiter transiting an F star in a close visual binary

Dabei geht es diesmal um einen "heißen Jupiter" mit einer sehr kurzen Umlaufzeit von nur 6.79 Tagen. Der Mutterstern hat im Vergleich zur Sonne eine 1.5-fach höhere Masse und eine 6.3-fach höhere Leuchtkraft bei einer Entfernung von 980 pc.

Der Planet hat im Vergleich zu Jupiter bei nur geringfügig größerem Radius eine 8.4-fach höhere Masse, also auch eine wesentlich höhere Dichte als dieser.

Die Untersuchung wurde erschwert durch den Umstand, dass der Mutterstern des Planeten zusammen mit einem etwas schwächeren Begleiter einen Doppelstern mit einem derzeitigen Winkelabstand von 0.3" bildet.

Besonders beeindruckend an dieser Veröffentlichung ist die große Zahl von Teams und Observatorien, die mit teilweise sehr verschiedenen Instrumenten und Methoden daran beteiligt waren:

(1) Kepler spacecraft: transit photometry
(2) Nordic Optical Telescope (La Palma): HIRES Radial Velocites
(3) KECK I: HIRES
(4) WIYN 3.5 m telescope (Kitt Peak): Speckle-Imaging
(5) Palomar Hale 200-inch: Adaptive Optics IR Imaging
(6) 6.5 m MMT: ARIES AO Imaging
(7) Spitzer Space Telescope: circular aperture photometry


 
Kepler's Dilemma

Kepler's Dilemma: Not Enough Time

The first stirrings of a problem appeared early in the mission. "We weren't getting anywhere near the precision we should be," explains principal investigator William Borucki (NASA-Ames Research Center). Yet an end-to-end check showed that the spacecraft itself was behaving as expected: its pointing was rock solid (10 times better than the Hubble Space Telescope's stability) and electronic noise very low.

It soon became apparent that the problem lay with the targeted stars themselves. Kepler scientists had assumed that stars like the Sun would behave, well, just as the Sun does. Up-and-down churning of gas in the solar photosphere causes the Sun's brightness to vary by about 10 parts per million (10 ppm) over time scales of a few hours.

But brightness fluctuations from the stars being watched by Kepler are greater than that — averaging about 20 ppm for 12th-magnitude dwarfs. This added noise makes their light curves messier and identifying transits by small bodies all the more difficult. "They're much more variable than the Sun," Borucki admits. "It was a big surprise to us."

There is a way around this unexpected setback: the longer Kepler can stare, the better its odds of identifying small worlds. According to a comprehensive analysis just concluded by Gilliland and 16 colleagues, the spacecraft would need to amass at least 7 or 8 years of observations — double the planned mission length — to identify all the Earths passing in front of solar-type stars in the spacecraft's field of view.

Ordinarily, getting NASA managers to extend Kepler operations for a few more years would be nearly automatic. After all, even though the total mission cost is roughly $600 million, it would take no more than $17 million annually to keep it going. The spacecraft is healthy, with enough consumables aboard to last through most of this decade.

But these are turbulent times for the space agency. Substantial cost and schedule overruns by the James Webb Space Telescope threaten to gobble up an ever-greater fraction of NASA's space-science budget. Worse, within the past month Congressional budgeteers have proposed not only to cancel JWST outright but to slash more than $1.9 billion from the Obama administration's NASA budget for fiscal year 2012.


Schwer vorstellbar, aber das Kepler Programm könnte zusammen mit anderen NASA Projekten ein Opfer des dereitigen Budget Krieges im Kongress werden ...


 

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