Re: Kepler Mission Update
Hallo Markus und allerseits,
seit den ersten Entdeckungsmeldungen zu Anfang des Jahres ist ja schon einige Zeit vergangen und manch einer mag sich wundern, warum da trotz hunderten von "Kandidaten" seitdem keine weiteren Entdeckungen bekannt gegeben wurden.
Es gibt dazu einen Artikel im September Heft von S&T, den man teilweise auch online einsehen kann:
Kepler: A Tidal Wave of Exoplanet Candidates
Wie in dem Artikel erwähnt wird, hat ja die Entscheidung des Kepler Teams von insgesamt 706 Kandidaten aus den ersten 33.5 Beobachtungstagen zunächst nur 306 weniger interessante publik zu machen, zu allerlei
Kritik geführt. Die übrigen 400 Kandidaten betreffen allesamt Objekte mit maximal einem halben Juptiter Durchmesser (~70 000 km), und darunter wären natürlich auch erdähnlichen Objekte, die eigentliche Zielgruppe der Kepler Mission.
Die von Dir zitierte Wahrscheinlichkeit von 0.0047 für einen beobachtbaren Transit gilt für Objekte im Abstand von 1 AE vor einem Stern mit dem Durchmesser der Sonne. Für ein Objekt im Abstand der Venus wäre die Wahrscheinlichkeit etwas größer (0.0065), und für einen Stern von der Größe des Sirius wäre die Wahrscheinlichkeit ebenfalls größer (0.0080).
Nun sind wohl kaum alle von den 400 Kandidaten erdähnliche Planeten. Die Kepler Leute selbst schätzen, dass etwa die Hälfte davon Fakes sind, die bei längeren Untersuchungen wieder verschwinden werden. Außerdem sind es sämtlich Objekte mit sehr kurzen Umlaufszeiten und Abständen von weniger als Merkur von der Sonne, also nicht gerade in der biotopischen Zone.
Zur beobachteten Größenverteilung sagen die Kepler Leute: "half the diameter means four times as many"
Daraus würde folgen, dass 4/5 von den geschätzten 200 "non-fake" Kandidaten, also 160, einen Durchmesser von maximal 35 000 km haben. Und 200*(4/5)³ ~ 102, also etwa die Hälfte, haben einen Durchmesser von weniger als 70 000 km * (1/2)³ ~ 9000 km, das wäre dann schon ziemlich erdähnlich.
Aber wie bereits gesagt, diese 100 Kandidaten aus den ersten 33 Beobachtungstagen sind zwangsläufig extrem kurzperiodisch vom Typ Vulkan/Merkur. Für Objekte mit Umlaufperioden von einem Jahr braucht man zwangsläufig eine viel längere Beobachtungszeit. Da solche Objekte aber nicht in diesem ersten kurzperiodischen Datenblock enthalten sind, kann man auch nichts hochrechnen und extrapolieren.
Da hilft also nur Abwarten und Tee trinken. Jedenfalls, solange die Daten weiterhin reinkommen und keine weiteren Module ausfallen ...
Immerhin kann man aus der hohen Zahl von kurzperiodischen Kandidaten vermuten, dass es in unmittelbarer Nähe von Sternen regelrecht von Planeten wimmeln muss!
Mit freundlichen Grüßen,
Peter