Re: Habitable Zone Candidates
Zitat von Markus77:
Ist es eigentlich möglich, dass man aus den Kepler-Daten noch einen "richtigen" (Sonnenähnlicher Stern, Planet mit 0,8 bis 1,2 Erdenmassen in HZ) Erde-2.0-Kandidat zaubert? Oder ist der Drops gelutscht?
Hallo Markus, völlig ausgeschlossen ist das zwar nicht, aber doch wohl unwahrscheinlich. Die finale Auswertung des originalen Datenmaterials von Kepler (bis zum Ausfall des zweiten Schwungrades im Mai 2013) dürfte wohl noch einiges zutage bringen. Das Nachfolgeprogramm K2 mit erheblich reduzierter Empfindlichkeit hat aus den ersten fünf Messfeldern nochmal 197 Kandidaten und 104 verifizierte Objekte draufgesetzt.
Du kennst ja die statischen Aussichten dafür: ein erdähnlicher Planet in erdähnlichem Bahnabstand um einen sonnenähnlichen Stern produziert nur einmal im Jahr einen Transit, und das auch nur mit einer kleinen Wahrscheinlichkeit von etwa 0,5%, nämlich für solche Fälle, wo die Bahnebene zufällig in der Blickrichtung liegt.
Kepler-452b hat einen solchen Orbit mit einer Umlaufzeit von 385 Tagen bei einem Bahnradius von 1,05 AU, und der Stern ist mit einer Masse von 1,04 M_s und einer Spektralklasse von G2 sehr sonnenähnlich. Durchmesser und Masse des Planeten sind aber (mit ziemlich großen Unsicherheiten) ca. 1,5x und 5x so groß wie bei der Erde, also außerhalb Deiner Vorgaben.
Die Entdeckung von Kepler-452b mit seiner langen Umlaufperiode war aber ein besonderer Glücksfall. Im allgemeinen favorisiert die Transitmethode von vornherein die Entdeckung von Planeten mit kürzerer Umlaufzeit und kürzerem Bahnradius, und wenn diese dann in der habitablen Zone liegen sollen, dann muss das Zentralgestirn kühler als die Sonne sein. Das sind dann also etwas kleinere Sterne der Spektralklasse K und M (rote Zwerge), die ohnehin in der Mehrzahl sind.
Von dieser Sorte hat Kepler ja bereits mehrere gefunden, wobei
Kepler-186f
mit einem Radius von 1,17±0,08 R_e und einer darauf beruhenden Schätzung der Masse von 1,4 M_e schon ziemlich erdähnlich ist.
Ich bin mal gespannt, was TESS alles zu Tage fördern wird. Danach kann man sicher ziemlich exakte Hochrechnungen betreiben was die Zahl der Planeten in der HZ in unserer Galaxie angeht.
Wie erfolgreich
TESS im Vergleich zu Kepler letztlich sein wird, werden wir erst in einigen Jahren wissen. TESS verwendet wesentlich kleinere Optiken (4x4") mit einem größeren Feld von 4x(23°x23°). Damit ist man auf die Untersuchung von helleren Sternen in der Nähe beschränkt. Andererseits hofft man damit den gesamten Himmel in zwei Jahren zu durchmustern. Wobei das dann automatisch wieder nur sehr kurzperiodische Bahnumläufe selektiert. Eventuell kann man aber wie bei Kepler mit erdgebundenen Nachfolgeuntersuchungen noch nachlegen.
Insofern wird wohl auch TESS alleine noch nicht den identischen Zwilling zur Erde mit einer Umlaufperiode von einem Jahr finden können. Aber wer weiß, was danach kommt? Daran wird sicher schon mit Eifer getüftelt ...
Mit freundlichen Grüßen,
Peter
Image Credit: NASA/Kepler