Kreative Arten um ein Stativ zu stabilisieren? | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Kreative Arten um ein Stativ zu stabilisieren?

Gerrit Erdt

Mitglied
Hi Leute,

ich habe aktuell noch eine NEQ3, welche ich auch langfristig noch verwenden möchte, um Widefields mit Kamera + Objektiv zu machen, gelegentlich soll da aber auch in Zukunft noch mein Teleskop drauf kommen.
Die Nachführung an sich ist eigentlich ganz OK dafür, aber das Stativ macht mir dabei noch Bauchschmerzen (auch weil ich eine der Klemmungen selbst repariert habe....). Die Stabilität von dem Stativ ist ja nicht gerade der Hammer, und Vibrationsfest ist auch anders. Vor allem Wind dürfte mir da dann Probleme machen, sobald ich den heimischen Garten verlasse und mich aufs freie Feld begebe. Daher habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich das Stativ stabilisieren könnte, um weniger Anfällig gegen Wind zu sein und die Tragkraft zu erhöhen.

Und wenn die neue Nachführung schon nicht kommt, dann komme ich schon mal ins Spinnen, ob ich das nicht vielleicht auch bei der machen sollte, damit ich mobil mehr Chancen bei Wind habe.

Daher habe ich mich vor allem im amerikanische Raum auf Cloudynights umgehört, da ich dort die meisten Ideen dazu finden konnte.

1. Idee: ein Stativspreizer oder ein Gerät, welches die Beine nach innen zieht.
Dabei sollen die Beine, je nach Konstruktion, entweder nach innen gezogen werden, oder nach außen gedrückt werden. So stehen sie unter Spannung, was Schwingungen reduzieren soll. Außerdem soll durch ein Zusammenziehen der Beine eine geringe Erhöhung der Tragkraft erreicht werden, da die Beine durch das Gewicht ja nach außen gedrückt werden, und ein Zusammenziehen die dabei entstehende Belastung reduzieren kann. Dabei sollen Stativspreizer/Dehner unterhalb der Okularhalter/Ablagetische zum Einsatz kommen.

2. Idee: Gewicht an die Nachführung hängen.
Dabei verlagert das Gewicht einerseits den Schwerpunkt nach unten, andererseits erhöht es das Gewicht und sorgt für zusätzliche Belastung auf den Beinen, was vor allem bei geringer Zuladung wichtig werden könnte. Die Tragkraft wird zwar nicht erhöht, die Schwingungsanfälligkeit kann jedoch deutlich verbessert werden, sofern das Gewicht durch den Wind nicht in Bewegung gerät. Bei hoher Zuladung ist das zusätzliche Gewicht jedoch eher problematisch.

3. Idee: Füllen der Beine.
Dabei werden diverse Materialien genutzt, um die Beine zu fülle. Von Sand über Stahl, bis Beton und Holz ist alles dabei. Hierbei kann, je nach Material, sowohl die Tragkraft, als auch die Schwingungsanfälligkeit verbessert werden.

Das sind die populärsten Ideen, die ich gefunden habe. Mein persönlicher Favorit wären die Ideen 1 und 3, da diese in den meisten Fällen Vorteile bieten, und nicht so sehr von den Bedingungen abhängig sind, wie Idee 2.
Dabei dachte ich daran, die Beine meiner Montierung mit einem entsprechenden passenden Stück Holz zu füllen, wodurch ich Schwingungen reduzieren könnte, und bei der Dicke natürlich auch einiges an Tragkraft gewinne. Andere Materialien wie Beton/Stahl sind zu schwer und bieten nicht die gleichen Vorteile bezüglich der Schiwngungshemmenden Eigenschaften wie Holz.
Den Stativspreizer kann man relativ leicht aus ein paar passenden Klemmen für die Beine, Ketten und einem Metallring bauen.

Jetzt meine Frage an euch: habt ihr das schon mal probiert? Wie sind eure Erfahrungen damit, vor allem mit einer Füllung der Beine? Oder habt ihr noch gänzlich andere Ideen, wie man das Stativ etwas tunen könnte, um die Tragkraft und Stabilität zu verbessern?

Freundliche Grüße und CS
Gerrit
 

maximilian

Mitglied
Hallo!
Jetzt meine Frage an euch: habt ihr das schon mal probiert? Wie sind eure Erfahrungen damit, vor allem mit einer Füllung der Beine?
Ich habe auch schon allerhand probiert, Threads zu diesem Thema gab es in den >20 Jahren die ich hier schon aktiv bin reichlich. Es läuft aber immer auf Deine drei Varianten hinaus.

Oder habt ihr noch gänzlich andere Ideen, wie man das Stativ etwas tunen könnte, um die Tragkraft und Stabilität zu verbessern?
Meine „gänzlich andere Idee“ bestand nach ein paar eher erfolglosen Versuchen schliesslich darin, mir ein besseres Stativ zu kaufen. Darauf hätte ich eigentlich gleich kommen können, hätte mir einiges an Zeit, Geld und Aufwand gespart ;)

Grüße
Maximilian
 

Gerrit Erdt

Mitglied
Hi Maximilian,

Danke für deine schnelle Antwort.

Ein besseres Stativ wäre schön, aber da macht der Geldbeutel vorerst nicht mit. Der is so schon überstrapaziert.

Wie und womit hast du dein Stativ denn gefüllt? Und reicht es, wenn man die inneren Beine, die man ausziehen könnte, füllt, oder muss man sich in die äußeren auch noch irgendwie kümmern?

CS Gerrit
 
Ich habe hier noch ein billiges Stativ von Celestron. Da ich es weiterverwenden will für mein Grab & Go, habe ich die in den Bildern gezeigte Modifikation durchgeführt.
Die Stativspreizer sind dünne Blechstreifen, die sich auf ihren M3 Bolzen hin- und herschieben liessen. Die habe ich mit ein paar U-Scheiben stabilisiert. Richtig stabil ist es aber über die Multiplexholzscheibe (SIebdruckplatte) geworden. Die habe ich über eine Zentralschraube (sollte eine Okularablage halten) sowie 3 zusätzliche Schrauben und Kontermuttern mit den Spreizern verbunden. Da wackelt nichts mehr.
Problematisch ist aber nach wie vor, dass die voll ausgefahrenen Beine dann doch sehr wackelig sind. Am besten funktioniert es noch bei halb ausgefahrener Länge.

Grüße
Hartmut
 

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Hallo,

speziell Vibrationen lassen sich damit sehr gut reduzieren:

Anti Vibration Pads

Die habe ich in ähnlicher Form von einem anderen Hersteller (Orion) seit über 20 Jahren im Einsatz und helfen ungemein.
Die Nachwingzeiten beim manuellen Fokussieren halbieren sich. Selbst das Berlebach Planet profitiert von diesen Schwingungsdämpfern erheblich.
Das Stativ wird dadurch insgesamt natürlich nicht stabiler, aber es wäre eine sinnvolle zusätzliche Maßnahme, die letzten Vibrationen und die Nachschwingzeit weiter zu reduzieren.

VG
Günter
 

Gerrit Erdt

Mitglied
Hi,

danke für die weiteren Antworten!

Hartmut, vielen Dank für die Bilder. Das ist sicherlich noch eine Nummer besser als eine einfache Konstruktion aus Ketten, die das Stativ zusammenzieht.

Günter: weißt du, ob diese Pads auch etwas bringen, wenn man ohnehin auf weicherem Untergrund, wie beispielsweise einer Wiese steht? Ich vermute, dass der Boden da schon genug Dämpfung bieten könnte, oder?

CS Gerrit
 
Hallo Gerrit,

die Pads entfalten ihre volle Wirkung nur auf festem Untergrund.
Auf der Wiese verwende ich sie nicht, es sei denn, die Untergrund ist so weich, dass die Stativfüße einsinken würden.

VG
Günter
 

Gerrit Erdt

Mitglied
Hi Günter,

Dann sind dir Pads für mich schon mal raus. Ich habe keine andere Möglichkeit, als immer auf einer Wiese aufzubauen. Schon mal eine Sache weniger auf der Liste ;)

CS Gerrit
 

maximilian

Mitglied
Hallo!
Wie und womit hast du dein Stativ denn gefüllt? Und reicht es, wenn man die inneren Beine, die man ausziehen könnte, füllt, oder muss man sich in die äußeren auch noch irgendwie kümmern?
Bei dem China-Alustativ (von der EQ5) habe ich auf das Füllen verzichtet, weil das Volumen der Beine so gering ist, dass man keinen nennenwerten Mengen an Füllmaterial hineinbekommt. Die müsste man schon mit flüssigem Blei oder abgereichterm Uran ausgiessen, damit sich ein nennenswerter Effekt einstellt ;)
Bei diesem Stativ habe ich mir eine Weile damit geholfen, Kanthölzer (KVH 40x60mm oder so) mit Schraubzwingen an den Beinen zu befestigen (drei Zwingen pro Bein). Das hat schon etwas gebracht, war aber jedesmal eine lästige Zusatzarbeit. Hier im Forum hat mal jemand die Alubeine des Stativs komplett durch Kanthölzer ersetzt. Das bringt sicher einiges, Ein- und Ausfahren geht dann allerdings nicht mehr.

Und für das Stahlrorstativ einer NexStar-Montierung habe ich mir statt des originalen Spreizers mit Miniokularablage einen massiveren aus einer runden Holzplatte (Durchmesser 45cm) mit einem Metallrand gebastelt. Das bringt erstens ein bisschen zusätzliches Gewicht und hält die Beine etwas besser fest. Ausserdem habe ich mehr Platz für Okulare und sonstiges Zubehör. Ich müsste mal Fotos davon machen.

Auch sehr viel gebracht hat es, an meinem bevorzugten Beobachtungsplatz im Garten drei Bodenschrauben einzudrehen. Eine für jedes Stativbein. Die habe ich noch mit Beton gefüllt, damit die Beine eine feste Auflage haben. Dadrauf ein solides Säulenstativ und Wackeln ist Geschichte. Ist nur leider keine Lösung für den mobilen Einsatz.

Grüße
Maximilian
 

Gerrit Erdt

Mitglied
Hallo,

aktuell habe ich eine NEQ3 mit dem billigen Allu-Stativ und (hoffentlich) bald kommt noch eine EQ6 R-Pro.

Zumindest bei der NEQ3 muss ich definitiv etwas machen, wie geschrieben. Die Kanthölzer mit Schraubklemmen klingen interessant. Allerdings stelle ich mir wegen dem von dir angesprochenen Aufwand doch noch die frage, ob das nicht auch mit Holz IN den Beinen geht.

Nur um sicher zu sein, dass wir vom gleichen Stativ reden: die Beine sind rund, etwa 5cm Außendurchmesser, genau wie bei der EQ6. Oder?

Dann müsste man ja ein entsprechend passgenau gefertigtes Rundholz von Innen in die Beine stecken können, und den gleichen Effekt erreichen, wie mit einem entsprechend dicken Holz von außen, oder? Problematisch ist lediglich die Tatsache, dass es in den äußeren Beinen ja noch die inneren Beine gibt. Aber selbst da dürften (grob geschätzt, kann ja noch nicht messen) noch ein paar gute Zentimeter reinpassen.

Da dürfte das Holz an sich einiges halten können denke ich. Aber macht die Idee überhaupt noch Sinn, wenn man das nur für die inneren Beine und nicht für die äußeren machen kann? Wenn die voll sind, kann man ja nichts mehr verschieben.... Bin mir da grad nicht so sicher.

Das komplette Ersetzen der Beine durch Holzbeine wäre gut, wenn ich komplett auf das Ausziehen verzichten könnte. Das werde ich, da ich komplett mobil bleiben will, aber kaum können. Daher scheiden leider auch fest verankerte Bodenschrauben aus, auch wenn ich das schon auf andere Art und Weise gelöst habe.

CS Gerrit
 

Autofokus

Mitglied
Hallo Gerrit,
Beine mit rundem Querschnitt deuten auf ein Stahlstativ hin. Die Beine des Alustativs haben einen nahezu eckigen Querschnitt mit, einer Hohlkehle auf der Innenseite. Der obere Teil eines Beins hat immer 2 parallele Stangen, zwischen denen eine einzelne Stange des unteren Teils geführt wird

Gruß
Jochen
 

Autofokus

Mitglied
Ich habe im Übrigen die Beine mit Sand gefüllt und die Okularablage mit Buchenleisten fest verschraubt. Da wackelt überhaupt nix mehr (habe aber auch maximal 4 kg an Zuladung bis jetzt).

Liebe Grüße
Jochen
 

Gerrit Erdt

Mitglied
Hi Jochen,

ich hatte jetzt direkt die Version mit Stahlstativ vor Augen gehabt, ich wusste auch gar nicht, dass es die mit diesem Alu-Stativ gibt. Das kommt ja bei meiner EQ3 schon an seine Grenzen, will gar nicht wissen wie das an der EQ5 ist.

Bei der Füllung mit Sand tue ich mich schwer. Das klingt einfach falsch muss ich sagen. Sand und Optik sind eine echt schlechte Kombi.

CS Gerrit
 

RaBaeh

Mitglied
Hallo Gerrit,
Bei der Füllung mit Sand tue ich mich schwer. Das klingt einfach falsch muss ich sagen. Sand und Optik sind eine echt schlechte Kombi.
Man kippt den Sand ja nicht in die Optik, sondern in die Stativbeine... ;)
Dabei sollen die Schwingungen besser gedämpf werden, nicht die Stabilität im Sinne von mehr Traglast. Deine Idee mit dem zusätzlichen Gewicht an der Montierung, das vermutlich zentral nach unten hängen soll, bringt ein etwas besseres Kippmoment, aber das Stativ wird zusätzlich belastet.
Das gane Sytem einfach schwerer zu machen erscheint nur beim ersten Blick sinnvoll. Je schwerer, desto träger reagiert das System auf Schwingungen durch Belastung von aussen. Aber die Energie, die (z.B. beim Fokussieren) eingeführt wird ist die gleiche. Die Amplitude und Frequenz der Schwingungen ändern sich.
Bei den fest verschraubten Spreizsicherungen, bekommt man mehr und kleinere Dreiecke. Das ist grundsätzlich schonmal steifer als die langen Beine ohne Stabilisierung.
Das Problem bei den billigen Alustativen sind ja nicht nur die Beine. Alle Verbindungsteile und der Querschnitt des Flansches für die Montierung sind einfach zu schwach...
Vielleicht ergibt sich bei dir die Möglichkeit in diesem Spätjahr zu einem Teleskoptreffen zu fahren? Wenn man einmal ein stabiles Stativ selbst gesehen hat (und in der Hand hatte) wir einem schnell klar, warum die Dinger solider sind... ;)

Grüße Rainer
 

SkyBob

Mitglied
Wenn ein neues Stativ nicht in den Geldbeutel passt, dann evtl. Ein gebrauchtes sogen. BAUSTATIV.

Ansonsten wirklich Mal hier im Biete Board schauen.
Da sind hin und wieder mal Stative ohne Montierung drinn.

Wenn es so ein Stativ ist wie in Beitrag #12, dann im ausgezogenen Zustand Klötze zwischen die Doppelstreben klemmen und weiter unten zusätzliche Spreizstreben.
Anders wird es kaum gehen.

Eine letzte Möglichkeit wäre noch ein Gewicht mittig unter die Montierung zu stellen, oder einen Bodenanker zu setzen und die Monti mittels Seilspanner dort einhängen.
So das das Kreuz nach unten gezogen wird, aber das Gewicht nicht baumelt.
So einen Sonnenschirmständer z.b..
Dadurch würde das ganze Stativ nach unten gezogen.

Hoffe das ist verständlich genug erklärt.
 

SkyBob

Mitglied
Habe noch 2 Ideen.

1.
Auch darauf bezogen, das es sich um eine Stativbauweise wie im Beitrag #12 handelt.
Der Obere Teil der Stativbeine ist ja 2-teilig. Also eine doppelstrebe wenn man so will.
Außen auf die beiden Streben ein durchgehendes Alublech aufnieten,
so das die beiden Streben dadurch verbunden sind.
Das Stativ bleibt ausziehbar, gewinnt aber ein wenig an Steifigkeit, da die einzelnen Streben
nun quasi ein U-Profil ergeben.

2.
Die Beine mit Beton ausgießen.
bringt ein wenig Masse und sollte auch Steifigkeit bringen wenn ausgehärtet.
Sand kann sich ja in sich noch bewegen (außer wenn stark verdichtet/gepresst).
Da nur die einzelnen Elemente ausgegossen sind, bleibt das Stativ ausziehbar.
 

Gerrit Erdt

Mitglied
Hallo,

danke für die weiteren Tipps/Ideen!

Man kippt den Sand ja nicht in die Optik, sondern in die Stativbeine... ;)
Schon klar, aber eine undichte Stelle gibt es fast immer. Und dann kanns schnell eklig werden, wenn man alles hektisch im Kofferraum verstaut.
Deine Überlegungen zum Vorteil von mehr Gewicht habe ich mir so ähnlich auch gemacht. Daher finde ich die Idee der Füllung wirklich gut, vor allem wenn man einen sowohl schweren als auch halbwegs stabilen Stoff nimmt, der Schwingungen nicht so gut leitet wie Stahl/Allu.

@SkyBob Beton ist auch eine Idee, aber halt auch permanent. Den bekommt man da unter Garantie nie wieder raus.
Wie würdest du das eigentlich bei einem Stahl-Stativ wie dem einer EQ6 machen, wenn das ausziehbar bleiben soll? Hat das auch einen Effekt, wenn man nur die inneren Beine füllen würde?

CS Gerrit
 

SkyBob

Mitglied
Bei der EQ5 mit Stahlstativ würde ich wahrscheinlich die Schirmständer Variante nehmen, da die Ablageplatte ja durch eine Gewindestange in der Mitte fixiert wird, die unten raus guckt.
Augenmutter drann und mit Stahlseil und Seilspanner nach unten ziehen.

An den Beinen meiner EQ5 kann man nix füllen, da sie eingepresst/eingeklebt sind.

Wie das bei einer EQ6 ausschaut weiß ich nicht.
Gruß Markus
 

SkyBob

Mitglied
Und ja, Beton ist permanent.
Aber wohl auch das steifeste.

Als Grab and Go für Rucksack oder Fluggepäck natürlich ungeeignet.
 

Skipper_H

Mitglied
Hallo Zusammen,

mit dem Thema Stative habe ich mich intensiv auseinander gesetzt, entweder sind die mit den Montierungen gelieferten zu gackelig, zu sperrig, zu schwer und die Nachrüststative von Berlebach, Pinnacle und co. sind auch nicht der Burner auch hier wieder zu sperrig, zu schwer und teilweise unverschämt teuer. Meiner Meinung nach lassen sich diese Stative nur schwer optimieren, Stativbeine mit Sand oder Beton zu füllen, Stative zu beschweren etc. halte ich für gelinde gesagt für Nonsens! Wenn die Statik des Statives schon nicht stimmt bringt das gar nichts, ich behaupte jetzt mal keines dieser mit den Montierungen mitgelieferten Stative (natürlich gibt es Ausnahmen) ist statisch/dynamisch durchdacht, man kann auf kein aufgebohrtes "Fotostativ" eine sich bewegende Montierung schwingungsfrei befestigen, dass geht mechanisch nicht! Da braucht es durchdachtere Lösungen.

Hier ein paar Beispiele (Links):
- Company Seven | Particle Wave Technologies Pinnacle Tripod
- Company Seven | Particle Wave Technologies Pinnacle Tripod
- Astro-Physics 6in Eagle Adjustable Folding Pier (EAGLE6-EZ)
- das für die Skywatcher EQ8
- die meisten Avalon-Stative
- und einige mehr

Ich werde von den genannten nicht gesponsert, bestenfalls inspiriert!

Für mich kam da nur noch der Selbstbau in Frage, was natürlich entweder eigenes Equipment Werkzeuge / Maschinen voraus setzt oder gute Kontakte zu einem Schlosser.

Jetzt noch ein paar Beispiele von meinen gebauten und aktuell auch genutzten:

- Abb. 0632 für EQ 8, belastbar min. bis 275 kg, da nach gab die Druckdose den Geist auf, Verformung unter 0,05 mm per DMS gemessen! Eigengewicht ca. 30kg, Alukonstruktion!
- Abb. 0323 für Celestron AVX, belastbar min. 80 kg (mein Körpergewicht) keine erkennbare Verformung, Eigengewicht ca. 7 kg, Carbon-Alu-Mischkonstruktion!
- Abb. 0978 für Celestron AVX/Ioptron CDEM 28/26, belastbar min. 80Kg (mein Körpergewicht) minimale Verformung unter 0,1mm, Eigengewicht 4040 g für AVX, Carbon/Alu-Mischkonstruktion!

Warum diese Konstruktion, idealerweise schraubt man die Montierung direkt auf den Boden, was in den seltensten Fällen Sinn macht, zweitbeste Lösung eine ausreichend steife Säule aus inhomogenen Material, drittbeste Lösung die aufgezeigten (neben den Links), die im wesentlichen auf dem Prinzip der Säule basieren.

Es kann durchaus sein das ich mich irre! Ich denke jedoch nicht!

CS
Alex
 

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maximilian

Mitglied
Hallo!
Hallo Zusammen,

Es kann durchaus sein das ich mich irre! Ich denke jedoch nicht!
Nein, wir denken mindestens zu zweit so :) Leider habe ich selbst nicht die Möglichkeit, so große Metallteile präzise zu bearbeiten, deswegen musste ich mein Säulenstativ fertig kaufen („Altair Starbase“ (Altair Astro Starbase Tripod Review - User Reviews), hat Ähnlichkeit mit Deinen Eigenbauten, wird momentan leider nicht hergestellt und wer eines hat gibt es nicht her).

Die „Säule mit kurzen Beinen untendran“ gibt es schon lange, ist aber in den letzten Jahrzehnten etwas in Vergessenheit geraten. Aber sie ist wieder auf dem Vormarsch (z.B. so eine für Montierungen bis ca. EQ5: Altair Tri-Pier Field Tripod BLUE oder eine Nummer größer von iOptron: Tri-Pier ).

Grüße
Maximilian
 

Gerrit Erdt

Mitglied
Wow, da hast du aber ganz schön was gebaut Alex! Respekt und Neid meinerseits sind dir sicher ;)

Auch wenn mir die Ausrüstung fehlt, was kostet so ein Stativ wie das aus dem Bild 0978 etwa im Bau? Würde mich wirklich mal interessieren, mir fehlt da komplett die relation.

Bei den Preisen für fertigprodukte muss ich aber immer wieder schlucken wenn ich die sehe, so viel Budget bleibt bei mir leider wirklich nicht. Da muss ich mich dann wenn überhaupt auf die kleineren Versionen beschränken, aber ob die noch so viel besser sind als die vom hersteller der Montierung.... Naja, je nach Konstruktion vielleicht etwas aber ob das dir kosten rechtfertigt muss ich in einigen Monaten noch mal entscheiden.

CS Gerrit
 

Skipper_H

Mitglied
Hallo Gerrit,

vielen Dank für Dein Lob! Ich will mal versuchen die Kosten aufzudröseln:

- 6x Carbonrohr 22x1,5mm (EBAY) etwa 70 EUR
- 1x Carbonrohr 120x1,5x140mm (EBAY) etwa 65 EUR
- 6x Carbonrohr 16x2,5x300mm (EBAY) etwa 40 EUR
- 1x Aluronde 120mmx25 (EBAY 9 EUR)
- 2x Aluronden 150x20 (EBAY 15 EUR)
- 6x Gelenkköpfe M6 Linksgewinde (5 EUR)
- 6x Gelenkköpfe M6 Rechtsgewinde (5 EUR)

Das restliche Material hatte ich noch im Keller, nebst Schrauben, Klemmen in Summe schätze ich weitere 50 EUR in Summe! Allerdings muss ich einräumen das ich nicht optimal eingekauft habe, da sind sicher nochmal bis zu 25% Ersparnis drin! Ich hatte die Idee und dann musste es losgehen, wenn Du bei Alibaba bestellst bezahlst Du nur einen Bruchteil, dann dauert es aber!

Für das wie es da steht habe ich in Summe etwa 24 h gebraucht, also 3 AT. Da meine China-CNC-Fräse im Moment streikt, musste ich auf meine manuelle Fräse mit Teilapparat ausweichen, CNC wäre mir lieber gewesen, dann wären die Oberflächen erheblich besser und ich hätte die Aluteile noch rot anodisiert, was kein Hexenwerk ist!

Das Teil habe ich halt Quick and Dirty daher gebaut! Ohne Konstruktion oder 3-D-Daten! Wenngleich das kein Problem wäre, hätte aber nur mit funktionierender CNC-Fräse Sinn gemacht!

Wenn Du nicht die Möglichkeiten hast, gibt es im Internet genug Anbieter die Dir für kleines Geld Teile nach 3-D-Daten aus Alu fräsen oder Drehen.

Ich schätze das Stativ muss konservativ mit Geduld für 250 EUR machbar sein! Falls überhaupt verfügbar bezahlst Du für ein vergleichbares min das 2-3-Fache!

CS
Alex
 
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Gerrit Erdt

Mitglied
Hi Alex,

Da steckt wirklich einiges an know how bei dir drinne. Wenn das die quick and dirty Version ist will ich garnicht wissen wie die perfektioniert version aussehen würde ;)

Leider fehlen mir in der Tat die Geräte um so etwas selbst zu machen, ich müsste mich also auf online Anbieter beschränken. Vielleicht werde ich das in Zukunft tatsächlich einmal angehen.

Ich habe gerade auch deinen thread dazu im Selbstbau Bereich gesehen, den werde ich mir morgen in einer ruhigen Minuten auf jeden Fall noch einmal durchlesen.

CS Gerrit
 

SkyBob

Mitglied
Wenn ich die selbstbauten so sehe.
Wäre es dann nicht sinnvoll, Stativbeine komplett drin zu lassen und mit einer Säulenverlängerung zu arbeiten?

Käme dem Selbstbau optisch nahe.
 

Skipper_H

Mitglied
Hallo SkyBob,

dann müsstest Du das Stativ eingraben.

Sinn und Zweck meiner Konstruktion ist es die Kraft von der Säule auf die Füße zu leiten und wenn die Monti 90° nach Westen oder Osten geschwenkt ist, kommen zur Gewichtskraft noch Momente die die Säule auf die unteren Streben abgibt. Die Füße müssen immer außerhalb des Schwerpunktes der gekippten Montierung nebst der Instrumente/Gegengewichte liegen (außer Du hast die Säule gegen umkippen gesichert), aus all den Gesichtspunkten ergibt sich diese Art der Konstruktion. Meiner Meinung nach eine der besten Lösungen im Hinblick auf Steifigkeit und guter Dämpfung bei geringem Gewicht!

CS
Alex
 

Gerrit Erdt

Mitglied
Hi Alex,

Vielleicht kannst du mir ja noch einmal mit deiner eyperise helfen.

Ich werde, wie geschrieben, bald eine eq6 R Pro bekommen. Das Stativ soll dabei ja mit die größte Schwachstelle sein, daher gucke ich schon mal, was es da so an Möglichkeiten gibt.

Der Kopf der Montierung wiegt etwa 17kg. Dazu kommen knapp 10kg Ausrüstung und Teleskop und noch mal stark konservativ gerechnet 10kg Gegengewicht. Summa sumarum also 37kg Zuladung für das Stativ im schwersten Fall.

Die Länge vom Teleskop liegt bei etwa 65cm inklusive allem was da so dran hängt.

So viel zur Ausrüstung, ich glaube das sollte alles wichtige sein.

Was hältst du von einer Konstruktion wie dem ioptron tri-pier? Das Gewicht ist mir dabei eher egal, etwas schwerer finde ich wegen Wind sogar ganz gut.

Vielleicht kannst du da ja noch mal deine qualifizierte Meinung abgeben - für mich als halber Laie in dem Bereich sieht es relativ gut aus.

CS Gerrit
 

AM2224

Mitglied
Falls man Stativbeine füllen möchte ist feiner Sand schon eine Methode. Und nach meiner Meinung Beton überlegen. Gerade Schwingungen werden gedämpft durch Reibung zwischen den Sandkörnchen. Da wird Schwingungs-Energie in Wärme umgewandelt….Den Zusatz-Effekt hätte man mit Beton nicht.
 

Skipper_H

Mitglied
Hallo Gerrit,

Tripod, ich nennen in mal 0978 liese sich ja beliebig upskalieren, die Konstruktion liese sich relativ einfach auch aus Aluminium machen (Pinnacle) wenn es nicht auf das Gewicht ankommt. Hast Du die Anschlussmaße der Montierung auf das Stativ? Auf den ersten Wurf würde ich für die Säule ein 120x2mm Alurohr nehmen Länge hängt dann von Deiner gewünschten Höhe ab. Für die Stützen 6x 40x2mm Alurohr, Länge wie gehabt, Unterkonstruktion 20x5mm Alurohr, Länge Dito, Untere Stützen 40x5er Flachmaterial Alu Länge Dito plus entsprechend die Aluronden anfertigen. Alu aber bitte nicht kleben wenn möglich schweißen oder mit Madenschrauben klemmen, je M8 Gelenkbolzen 6xLinks- 6xRechtsgewinde. Ich schätze den Materialaufwand auf etwa 100 - 150 EUR plus Lohnfertigung der Fräs- und Drehteile.

Gute Quellen für das Material sind
- Heck und Sedvic
- Bikar-Metalle
- Kor (Laserschneiden)
einfach mal Googeln die bieten teilweise auch die Bearbeitung an oder nennen Dir Fachbetriebe. Die Konstruktion kannst Du ja einfach auf Papier machen und dann die entsprechende Stück- / Einkaufsliste.

@AM224 die Dinger taugen schlicht nichts, dass macht auch der akademische Ansatz mit Reibungswärme nicht besser, die Statik lässt sich über Thermodynamik nicht verbessern! Warum weshalb habe ich weiter oben erläutert! Ich habe einen funktionierenden Ansatz vorgestellt und man kann dem Folgen muss man aber nicht. Bitte nicht wundern wenn Sand und Beton nicht zu einer signifikanten Verbesserung führen!

CS
Alex
 
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