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Michael_Haardt

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Die Sache ist noch unklar. Nach eineinhalb Tagen driften beide Kanäle immer noch gleichermaßen, aber ich hatte keinerlei Störungen mehr. So lange war das noch nie der Fall. Zur Funktionskontrolle hielt ich die Hand vor den LNB und sah dann vertikal minimal mehr Signal, horizontal nicht. Das sieht immerhin so aus, als ob das Teil noch funktionieren würde.

Ich habe den 1,42 GHz Filter nun entfernt und lasse das jetzt wieder einen Tag laufen. Dannach baue ich dann auch den RTL-SDR ab, um das ursprüngliche Setup zu erhalten.

Michael
 

Michael_Haardt

Mitglied
Zwei Erkenntnisse: Die Störungen sind immer noch weg und ich begreife es nicht. Ich lasse den Aufbau nächste Woche weiter laufen; das will ich sehen.

Der logarithmische Abstand zwischen dem Kanal mit Antenne und dem ohne ist bei Verwendung des 1,42 GHz Filters viel höher als ohne:

1,42 GHz Filter: -39.6 zu -35.9 dBm
Kein Filter: -23.1 zu -21.9 dBm

Gäbe es da ein festes Verhältnis, dann müsste dieses Verhältnis in einer logarithmischen Skala unabhängig von der Bandbreite und damit der Leistung in einem festen Abstand resultieren, oder nicht? Das lässt mich glauben, dass NF außerhalb des Sat-TV-Bereichs vielleicht höher ist und dass das der Grund beim RALKIT ist, so einen Filter zu verwenden, der nebenbei für die Wasserstofflinie mit verwendet werden kann. Leider frisst die geringe Bandbreite viel Signal, d.h. ein Filter für den gesamten Bereich wäre hilfreich. Ich habe im Web aber nichts gefunden, wie man breitbandige Filter bauen kann.

Rein visuell scheint die Korrelation zwischen den Kanälen bei der Verwendung mit Filter besser zu sein.

Michael
 

Hendi*

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Was für ein Filter hast Du denn? Wenn du das mit was dielektrischem belegst besteht ne gute Chance das die Filterkurve Richtung niedrigere Frequenzen wandert und breiter wird (aber evtl. steigt auch die Dämpfung, aber jetzt gehts ja wohl erst ums Konzept.) Fingerfilter, Topf oder gedrucktes Interdigitalfilter? Oberflächen mal mit Isoband/Kreppband abkleben?
 

Michael_Haardt

Mitglied
Ich habe keine Ahnung, wie der Filter aufgebaut ist. Er sieht so aus:


Ich bestellte bei reichelt einen Hochpassfilter, der leider nur bis 258 MHz blockt, aber es ist den Versuch wert. Bis 400 MHz wäre mir lieber gewesen, aber ich kann's nicht selbst bauen.

Seit gestern nacht um vier Uhr sind die Störungen wieder da und zwar auf beiden Kanälen gleichermaßen, d.h. sie werden nicht empfangen, sondern etwas Anderes ärgert den LNB. Ich weiß nicht, was das sein könnte, zumal es mit zwei verschiedenen Netzteilen auftritt. Vorher war ein paar Tage totale Ruhe. Mysteriös!

Michael
 

Hendi*

Mitglied
Very informativ die Angebotsseite.. nicht. Bei der Baugröße ist es ziemlich sicher ein SAW (Surface acoustic wave, da wird das elektromagnetische durch den Piezoeffekt in eine akustische Sache überführt und läuft durch einen dielektrischen Körper mit bestimmten Laufzeiten und Abständen was zu Auslöschungen führt, some black magic, und aus der zurechtgestutzten akustischen Welle wieder piezoelektrisch ein elektrisches Signal) Filter.
Wenn Du das Gehäuse aufschraubst ist in dem Fall nur ein Klotz auf eine Platine aufgelötet.

Für den Filtertyp fallen mir leider keine Möglichkeiten ein da mal eben was zu tricksen.

Um externe Einflüsse, die in dein Horn strahlen, unwahrscheinlich zu machen könntest Du es mal in eine Blechbox packen. In deren Innenseite klemmst/klebst Du leitfähigen Schaumstoff, um vom LNB abgestrahltes zu absorbieren und Resonanz der Kiste zu unterdrücken. Guten schwarzen Schaum hoher Leitfähigkeit, nicht den hochohmigen oder gar den rosanen. Ich kann dir mal einen raussuchen. Und zieh mal in Betracht die Kabel mit Ferrit-Klappkernen auszustatten - eventuell kommt da was als Gleichtaktstörung rein und wird irgendwo gleichgerichtet (Hätte ich auch was vorzuschlagen.)

Grüße
Hendrik
 

Michael_Haardt

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Wie Du vielleicht gelesen hast, habe ich im horizontalen Kanal die Antenne entfernt, d.h. da sehe ich nur das Rauschen vom LNB, und dieses Rauschen enthält die gleiche Störung wie der Kanal mit Antenne. Ich hatte den LNB schon in einer Tüte in dicken nassen Handtüchern. Das hat nichts gebracht, was aber klar ist, wenn es nicht über die Antenne kommt. Inzwischen ist auch klar, dass das Störsignal wirklich vom LNB kommt, weil sowohl ein RTL-SDR als auch mein Radiometer es genau gleich sehen.

Welches Kabel sollte einen Ferrit bekommen?

Ich fragte mich auch schon, ob ich mir evtl. irgendwas über die Netzstromversorgung einfange, was vielleicht beide Netzteile passiert. Der nächste Schritt ist ein Filter gegen Gleichtakt- und Gegentaktstörungen, der in die Niederspannungsseite des zentralen Netzteils kommt, wobei ich mangels Messequipment leider raten muss, ob es sinnvoll ist (siehe http://www.dg0sa.de/snt.pdf ). Aber ich habe zwei große Ringkerne hier liegen, also kann man es mal probieren.

Michael
 
Aber ich habe zwei große Ringkerne hier liegen, also kann man es mal probieren.

Hallo Michael,

das würde ich dann auch als nächstes machen. Geht so in die Richtung wie bei mir die Ferrit-Perlen auf der Masse-Seite der Spannungsversorgung bei meinen LNAs.
Ansonsten fällt mir auch nicht mehr viel ein, vor allem weil der Fehler offensichtlich bei unterschiedlichen LNBs auftritt.
Jedenfalls ist das hoch interessant was Du hier berichtest und Du hast ja auch schon eine ganze Menge an Erkenntnissen gewonnen.
Ich drücke Dir die Daumen, dass Du den Fehler findest. Dann gibt es nämlich hoffentlich bald Ergebnisse von Messungen am Himmel ;).

Viele Grüße & viel Erfolg,
Reinhard
 

Hendi*

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Hallo Michael,

Klappferrite fallen genau in die Kategorie Gleichtaktunterdrückung. Ich wäre nicht überrascht wenn "irgendwas" in deinen LNB gerät und dort gleichgerichtet, d.h. AM-demoduliert wird. Das mit den nassen Handtüchern finde ich clever! Die entfernte Antenne auch, aber es könnte ja mit Pech auch was sein, was nicht drauf angewiesen ist.

Klappferrite sind eine praktische Ausführung der Gleichtaktdrossel, gut für Dauereinsatz und zum experimentieren. Die kannst Du auf beliebige Kabel aufschnappen und verschieben, ob sie irgendwo besonders gut wirken. Wenn man eine Leitung hat bei der die Einzeladern zugänglich sind kann man damit natürlich auch Gegentaktstörungen bekämpfen, und es ist auch leichter mehrere Schlaufen eines Einzelleiter einzulegen als durch einen Toroid zu fädeln - wozu man sich nach dem durchprobieren vielleicht doch entscheidet fixe Ringkerne zu bewickeln. Eine Koppelschleife in den Klappferrit mit eingelegt, parallel dazu ein Widerstand, ist ein guter Meßpunkt um Oszilloskop (oder SA wenn vorhanden) anzukoppeln um die Störung anzusehen. Durch einen zusätzlichen Ferritkern vor oder hinter dem mit Koppelschleife kann man mit Glück bestimmen auf welcher Seite die Störquelle liegt.

Ich frag aber auch mal in meiner Amateurfunkblase ob jemand das Verhalten kennt.

Gruß
Hendrik
 

Michael_Haardt

Mitglied
@Reinhard_Lauterbach Die Fehlersuche ist zwar nicht direkt befriedigend, aber ich lernte bisher schon eine Menge und bin inzwischen sicher, dass sich maximal eine Handvoll Leute so intensiv mit der Sache befasst hat. Das hat auch was.

@Hendi* Ich weiß schon, was ein Klappferrit ist, aber ich frage mich, wo ich ihn verwenden sollte. Ein Problem ist auch, dass ich keine befriedigende Masseführung habe, weil die SMA-Stecker natürlich mit der Gehäuseerde und miteinander verbunden sind und es damit reichlich Masseschleifen gibt, weil ich ja auch noch die Masse der Spannungsversorgung habe. Ich habe als Module das 5 V netzteil, das LNB-Netzteil (5V -> 13 V oder 17 V, optional mit 22 kHz Träger), das Bias Tee, das Radiometer und ein Arduino zum Auslesen des Radiometers, am Arduino hängt mit USB ein PC, und dann gibt es natürlich den LNB, also schon Einiges. Die Idee mit den Handtüchern ist von Joachim Köppen, aber ich finde es nicht mehr. Die Entfernung einer Antenne machten soweit ich weiss drei Leute:

https://www.britastro.org/radio/downloads/Circular v1 n2s.pdf

Ich versuchte zu allen drei Kontakt zu bekommen, vergeblich. Auf der ersten Seite wird viel von Joachim Köppen zitiert, aber er weiß davon nichts. Im BAA Artikel stand nur, dass es nicht so gut funktioniert wie erhofft. Etwas Abweichung ist wegen des teilweise getrennten Signalwegs zu vermuten. Ansonsten kann ich bestätigen, dass es nicht perfekt ist, und hatte wie gesagt den Eindruck, dass die Korrelation mit dem 1,42 GHz Filter besser ist. Wenn die Fehlersuche zu Ende ist, egal wie sie ausgeht, wandele ich mal die Messdaten eines Laufs in lineare Leistung um und dann kann man die Korrelation bestimmen und ob ein Filter wirklich hilft. Ich hoffe, damit die Zeit der minimalen Allan-Varianz zu erhöhen und die bestimmt dann, was geht.

So, es sind nun zwei Ringkerne zwischen dem zentralen 5 V Netzteil und dem Rest. Einer ist als Gleichtakt- und einer als Gegentaktdrossel mit jeweils 10 Windungen gewickelt. Schaden kann es nicht, aber ob es was bringt?

Der Aufbau kann nun ein paar Tage laufen und dann ist hoffentlich der bestellte Hochpassfilter da. Die letzten paar Stunden gab es keine Störungen, d.h. es ist Geduld gefragt.

Michael
 

Hendi*

Mitglied
Ich würde als erstes die Zuleitung vom LNB abzublocken versuchen, und zwar beide Enden abwechselnd, beginnend beim LNB-Anschluß.

Im LNB sind ja jede Menge p-n-Übergänge und die könnten sich für AM-Demodulatoren halten wenn da was reinkommt (z.B. ESD/Überspannungsschutzdioden gleich im ersten aktiven Bauteil aus Kabelsicht. Ohne vorzublättern (kranke Kinders zu pflegen grade) ist das wohl ein Verstärker als Leitungstreiber oder ein Umschalt-IC). Und es ist die vorderste Front die bei allem gemeinsam war.

Die übrigen Bausteine tun ja "weitgehend immer"(tm) das gleiche, da sind abgesehen von Temperaturdrift der Spannungsregler kaum Sachen bei denen man Änderungen erwarten würde. Einkoppeln von Störungen aus dem Netz hast Du zurecht ja auch schon angesprochen, wobei die auch hinterm Netzteil hängen bleiben können, aber jedes dB zählt, nichwa?

Viel Erfolg,
HD
 

Michael_Haardt

Mitglied
Hier ist der Schaltplan vom Goobay LNB:


Vom Telestar LNB weiss ich gar nichts. Ich kaufte ihn, weil ich einen billigen single LNB als Vergleich wollte, der wenigstens mechanisch soweit verschieden ist, dass er verspricht ein anderes Innenleben zu haben. Beim Goobay wusste ich schon, was drin ist und dachte, das kann nicht schaden. Es half in der Tat schon sehr.

Ich muss mal schauen, ob ich einen Ferrit habe, der dick genug für Sat-Kabel ist. Ansonsten besorge ich mir einen. Die Ringkernfilter sind auf der Gleichspannungsseite des Netzteils. Ich habe keinen speziellen Filter auf der Primärseite und keine Ahnung, welcher was taugt. Hast Du eine Empfehlung?

Ja, jedes dB hilft. Im Grunde ist es völlig bekloppt, wie kleine Signale man mit billiger Consumerelektronik glaubt finden zu können, aber noch nicht völlig ausgeschlossen, dass es dennoch geht. Es ist auch nicht ideal, dass Analogelektronik nicht meine Welt ist. :)

Michael
 
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